Kapitel 3

“Matt!“, ist das Erste, was ich rufe, als ich den Werwolf auf dem märchenhaftschönen Balkon erblicke. Ich bin so froh ihn, nach meinem Dornröschenschlaf, wiederzusehen. Als er meinen Ruf hört, dreht er sich zu mir um. Der braunhaarige Junge verlässt den Balkon und kommt ins Haus zurück, den Blick dabei steht’s auf mich gerichtet. Ich erwarte, dass er zu mir kommt und mich in den Arm nimmt, doch das tut er nicht. Er schaut mich nur mit einem verkniffenen und gleichzeitig ratlosen Blick an. Was ist los? Erkennt er mich etwa nicht?

Ich sehe zwar scheiße aus, aber so scheiße, dass man mich nicht mehr erkennt nun auch wieder nicht. Höchstens meine Haut ist nun ein wenig heller und blutleerer, sowie meine Lippen, die an Farbe verloren haben und auch mein Haar hängt strähnig an meinem Kopf herunter, was aber nur daran liegt, dass ich tot war und deshalb nicht duschen konnte. Auch gewachsen oder geschrumpft bin ich nicht.

“Wer ist das, Juliana?“, fragt er die Ältere links von mir. Ich starre ihn verwirrt an und schaue dann zu Juliana, die mir beruhigend eine Hand auf die Schulter gelegt hat. Seine Frage versetzt mir einen schmerzhaften Stick ins Herz. Wie ein giftiger Stachel, der hineingebohrt wird und sein Gift in meinem Herzen unbarmherzig verteilt. Juliana erhebt ihre Stimme. Darin liegt etwas mahnendes, was Matt wohl sagen soll, dass er aufpassen soll, was er sagt:“Das ist Bethany Andrews, Matthew!“ Er kneift die Augen zusammen und mustert mich argwöhnisch. Ich nehme war wie sich seine Nasenflügel heben uns denken. In seinem Blick liegt etwas Bedrohliches, was mich erstarren lässt. Wieso erkennt er mich denn nicht? Nach einer lange Phase der Stille, in der er nicht tut außer mich zu mustern, sagt er:“Nein, das ist sie nicht. Beth ist tot und sie war ein Mensch!“ Ich sehe aus dem Augenwinkel wie Juliana die Augen schließt. Sie scheint zu überlegen, was sie ihm sagen soll. Dann nimmt sie die Hand von meiner Schultern und geht auf den Werwolf zu:“Du weißt es noch nie oder?“ “Was wissen?“, blafft er ein wenig ungehalten. Er scheint echt zu glauben, dass wir ihn zu verarschen versuchen. Juliana nimmt seine Hand und führt ihn zu dem weißen Sofa, welches ich erst jetzt richtig registriere. Mich lässt sie einfach wie bestellt und nicht abgeholt alleine in der Mitte des Raumes stehen.

Mit einem Blick auf das Sofa, bittet sie ihn sich hinzusetzen. Er kommt der Bitte nach und lässt sich darauf fallen. “Nachdem Beth ertrunken ist, haben Jack und ich euch weiß gemacht, dass Beth für immer verloren ist und dass wir sie im Central Park begraben haben, doch so war es nicht.“ “Nicht?“, fragt Matt perplex. Mir rasen hunderte von Fragen durch den Kopf. Sie haben den Anderen erzählt, dass sie mich im Park begraben haben? Wenn ich schon sterbe will ich gefälligste auf einen Friedhof. Und wieso haben sie Kaya und Matt nichts davon erzählt, dass sie mich gar nicht wirklich dort begraben haben? Und wer ist Jack?

Juliana schüttelt schuldbewusst den Kopf:“Nein, wir haben ihre Leiche in einem der vielen Zimmer hier versteckt, bis Jackson es geschafft hat mit einer alten Hexenfreundin in Kontakt zu treten, um Bethany zurück ins Leben zu holen.“ Zurück ins Leben holen? Alte Hexenfreundin? Das geht mir alles ein wenig zu schnell. Ich erfahre gerade innerhalb von wenigen Minuten, was in meiner Abwesenheit geschehen ist und was Juliana und Jackson unternommen haben, um mein Leben zu retten. Sie haben meinen tatsächlichen Tod vorgetäuscht, Kaya und Matt belogen, eine Hexe ausfindig gemacht und mich wiederbelebt. War es also richtig, dass ich Jackson dafür in die Hölle geschickt habe? Wahrscheinlich nicht, aber er hätte meine Entscheidung respektieren müssen.

“Aber…aber ich habe ihre Leiche doch im Sarg gesehen. Es war Beth. Sie war tot“, stottert Matt nun überrumpelt. Schon interessant wie seine Emotionen ihn überwältigen, wenn er etwas nicht versteht. Wenn etwas nicht im Rahmen seiner Vorstellung liegt. Juliana grinst verschmitzt:“Dann hat es ja bestens funktioniert.“ Nun erhebe ich meine Stimme:“Was hat funktioniert?“ “Der Zauber“, antwortet sie nie nur kurz angebunden. Matt hebt eine Augenbraue:“Ein Zauber? Welcher Zauber?“ “Wir haben eine tote Fee genommen und ihr das Aussehen von Bethany mithilfe eines Zaubers gegeben. Dann haben wir diese begraben“, erklärt Kayas Schwester. Ich starre Juliana fassungslos an. Eine Hexe kann anderen mein Aussehen geben? Das ist gruselig. Das heißt, dass sie sozusagen eine Armee aus Menschen erschaffen, die aussehen wie ich?

Als Juliana meinen erschrockenen Blick bemerkt, versucht sie mich zu beruhigen:“Der Zauber hält nur einige Stunden. Wenn man die Leiche in deinem Grab jetzt wieder ausgraben würde, wäre es wieder die tote Fee und nicht mehr du.“ Da bin ich ja wenigstens ein bisschen beruhigter. “Wenn das Beth ist, wieso höre ich ihren Herzschlag nicht?“, fragt er nach wie vor ein wenig misstrauisch. Juliana legt ihre Hände auf seine Schultern:“Weil Beth jetzt genau wie Jack ein Vampir ist. Das war die einzige Möglichkeit deine Freundin ins Leben zurück zu holen, Matt.“ Er springt vom Sofa auf und unterliegt im nächsten Moment einem Wutanfall:“Ein Vampir? Ein Vampir? Das ist doch nicht euer Ernst oder? Sag mir bitte, dass das nicht dein Ernst ist.“ “Das war auch meine Reaktion als sie es mir gesagt haben“, antworte ich ihm:“Aber anscheinend stimmt es doch.“ Matt kocht vor Wut und verlässt kurz darauf wutentbrannt den Raum. Als er die Tür hinter sich zu knallt, zucke ich leicht zusammen. Irgendwie wirkt es schon den ganzen Tag so als wäre mein Gehör plötzlich besser geworden. Von Matts Reaktion bin ich aber nach wie vor enttäuscht. Ich hatte alles erwartet abgesehen von dem, was tatsächlich passiert ist. Ich hatte gehofft, dass er mich in die Arme nimmt und sich darüber freut, dass ich nicht wie erwartet tot, sondern total lebendig bin. Langsam schlurfe ich zu einem der weißen Sessel im Raum und lasse mich hinein sinken. Dieser Tag ist einfach nur deprimierend.

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