Kapitel 3

Eingehackt schwankten wir über den schwach beleuchteten Parkplatz des Clubs zu meinem Auto. Es war inzwischen drei Uhr morgens wie ich mit einem Blick auf meine Armbanduhr feststellte. Zum Glück war ich im Urlaub und musste morgen nicht arbeiten, stellte ich mit einem seufzen fest. Im Halbschlaf Kochen war keine besonders gute Idee.

An meinem schwarzen Flitzer angekommen lehnte sich Clarissa dagegen und starrte halb auf der Motorhaube liegend zu den Sternen während ich genervt in meiner Handtasche nach den Schlüsseln suchte.

„Was für eine schöne Nacht. Sternenklarer Himmel," lallte Clary.

„Hmm," stimmte ich ihr grummelnd zu während ich weiterhin leise fluchend in meiner Handtasche kramte. Ich war müde, wollte aus den unbequemen Klamotten und den schmerzenden Schuhen heraus.

Wofür schleppten wir Frauen auch so viel mit uns herum? fragte ich mich in Gedanken selbst, während ich mich an Kaugummi, Portemonnaie, Smartphone, Tampons, Kassenbons, drei Deos (wovon eines mit Sicherheit leer war), Handcreme, einer vertrockneten Wimperntusche, einer neuen Wimperntusche, einer Handvoll gebleichte Einkaufszettel, fünf Kugelschreibern (wo die meisten sicher nicht funktionierten) und meinem Notizbuch vorbei kämpfte. Doch alles was ich fand war mein Haustürschlüssel und ein Bonbon an dem eklige Fusseln klebten. Ich schmiss das Bonbon angeekelt weg und seufzte.

Wo hatte ich bloß wieder meinen Autoschlüssel? Frustriert lies ich meine Handtasche vor mir auf den Boden fallen und lehnte mich ebenfalls an mein Auto. Meine Tasche kippte um und der gesamte eben genannte Inhalt ergoss sich klappernd vor mir auf dem Asphalt. Clary kicherte belustigt.

„Auch das noch!" maulte ich und bückte mich. Verärgert schmiss ich alles wieder in meine Tasche während dem Clary laut die Sterne zählte.

Ein kalter Windhauch lies mich erschaudern und in meiner Bewegung innehalten. Fröstelnd zog ich meine schwarze Lederjacke enger an mich und wandte meinen Kopf. Meine innere Stimme flüsterte mir das hier was ganz und gar nicht stimmte.

Einige Meter von mir entfernt im Schatten eines Autos bewegte ich etwas. Was es war konnte ich nicht erkennen. Angst überfiel mich. Was sollte ich nun tun? Weglaufen wäre die beste Idee, doch wie sollte ich die beschwipste Clary zum Davonlaufen bringen?

Nur die Ruhe, Skyler Clifford. Noch ist nicht bewiesen das du in Gefahr bist. Check erst die Lage. Später kannst du immer noch in Panik ausbrechen! beruhigte ich mich und packte mit zitternden Händen die letzten meiner Utensilien in meine Handtasche, dabei viel mir mein Autoschlüssel vor die Füße.

Triumphierend erhob ich mich.

„So, Clary. Es kann losgehen," wandte ich mich zu meiner Freundin.

Doch da war niemand.

Erschrocken drehte ich mich nach alle Seiten. Keine Spur von ihr. Panik ergriff mich. Wo konnte sie sein? Warum habe ich ihr verschwinden nicht bemerkt? Gewissensbisse plagten mich. Kalter Schweiß brach mir aus.

Unruhig ging ich vor meinem Auto auf und ab. Immer wieder ließ ich meinen Blick über den Parkplatz gleiten, doch außer einigen streunenden Katzen die fauchend einander verfolgten war nichts zu entdecken.

Verzweifelt zog ich mein Handy aus der Tasche und wählte ihre Nummer.

Ein leises klingeln ertönte auf dem stillen Parkplatz aus dem hintersten und dunkelsten Teil.

Mit klopfendem Herzen ging ich langsam und vorsichtig dem Geräusch hinterher. Ich verfluchte mich dafür das ich mir noch nie einen Pfefferspray besorgt habe, doch mir kam eine andere Idee.

Nach einigen Minuten kramen zog ich einen Deospray aus der Tasche. Nach dem ich mich mit schütteln davon überzeugt hatte das es nicht die leere Dose ist ging ich beruhigter weiter auf das Klingeln des Handys zu. Das Klacken meiner Absätze und das Klingeln des Handys hallten gespenstisch über den Parkplatz.

Mein Herz schlug immer schneller je dunkler es um mir wurde. Nur mit dem dumpfen Licht meines Handys bewaffnet durchsuchte ich die Autoreihen, doch Clary war unauffindbar. Immer wieder wählte ich ihre Nummer. Je weiter ich in die Dunkelheit vordrang, desto lauter wurde das läuten.

Mit klopfendem Herzen kam ich schließlich in der letzten Reihe des Parkplatzes an. Mit jedem Schritt wurde das läuten lauter.

Mit gezücktem Handy durchsuchte ich den Boden als ich schließlich fand was ich suchte: Clary's Handtasche. Besser gesagt das was davon übrig war.

Zerrissen lag sie vor mir zwischen zwei Autos. Unter den ganzen Sachen lag ihr Handy.

Mit zitternden Händen beendete ich den Anruf und lies mich zwischen den Autos auf den Boden sinken.

Verzweiflung kämpfte sich in mir hoch. Meine Augen füllten sich mit Tränen. Langsam bahnten sie sich einen Weg über meine Wangen.

Mutlos schloss ich meine Augen. Ich lehnte mich an das Auto hinter mir und begann haltlos zu schluchzen.

Kälte überkam mich und ich schlang zitternd die Arme um mich. In Gedanken fragte ich mich was ich nun tun sollte. War Clarissa etwas zugestoßen? Ich würde es mir nie verzeihen. Das Beste wird sein die Polizei zu benachrichtigen! kam ich schließlich zu einer Lösung. Ich wischte mir die letzten Tränen von den Wangen und griff nach meinem Handy.

„Wen haben wir den hier?" ertönte eine knurrende Stimme auf meiner rechten Seite.

Erschrocken sprang ich auf meine Beine. Dabei fiel mein Handy mir aus den Händen und landete in tausend Stücken vor mir auf dem Asphalt. Vor mir stand eine dunkle große Gestalt in einem weiten schwarzen Mantel der in Fetzen an im herunterhing. Ein starker Geruch nach frischem Blut ging von diesem Mann aus von dem mir übel wurde.

„Ups," lachte der Fremde.

„Wir wollten dich nicht erschrecken, Kleine," erklang plötzlich eine weitere Stimme hinter mir. Verängstigt fuhr ich herum. Hinter mir stand eine weitere dunkle Gestalt von der derselbe Geruch ausging. Ich war eingekreist.

Nun war es Zeit für Panik, Sky! dachte ich mir nur während die Fremden lachten.

„Was wollt ihr von mir? Geld? Nehmt es euch aber lasst mich in Ruhe," presste ich hervor.

„Geld interessiert uns nicht, Kleine," knurrte einer der beiden.

„Genau."

„Lasst mich gehen," flehte ich wieder den Tränen nahe.

Beide Gestalten traten lachend näher. Der Geruch nach frischem Blut schwebte um mir und machte mich schwindelig. Alles drehte sich inzwischen um mir. Ich merkte wie es langsam schwärzer um mir wurde.

„Lasst mich gehen, bitte," murmelte ich. Dann wurde es schwarz um mir.

Ich fiel durch ein großes schwarzes Loch. Wie von weiter Ferne nahm ich den Aufprall war. Die Schmerzen wirkten wie Erinnerungen: Unreal.

Gedämpft wie durch tiefes Wasser nahm ich Geräusche war. Ein grausames Lachen drang an meine Ohren. Der penetrante Geruch nach frischem Blut wurde Intensiver. Grobe Hände packten meinen Körper. Schmerzen durchfuhren mich als sie mich hochhoben und mich nach wenigen Metern wieder auf den Boden schmissen. In meinem Kopf dröhnte es.

Mach das es aufhört! Lass es schnell vorbei sein! war das einzige was ich denken konnte.

Plötzlich ertönte ein Knall als wäre etwas Schweres auf Metall gelandet. Meine Peiniger zuckten zusammen.

Der Geruch von Wald und Fell drang an meine Nase. Mein Herz klopfte augenblicklich schneller. Ein vielstimmiges knurren durchfuhr die Stille.

„Sucht euch euer eigenes Opfer, Köter. Die gehört uns," maulte einer meiner Peiniger.

Ein schnappen und zähne fletschen drang an meine Ohren. Dann ertönte das Geräusch von schweren Pfoten die sich über Metall bewegten.

„Verschwindet, habe ich gesagt." In seiner Stimme hing ein Hauch von Panik.

Ein dumpfer Aufprall ertönte als schwere Tatzen auf Asphalt aufschlugen. Mein Herz machte einen Sprung. Wärme durchfuhr mich. Ich fühlte mich zuhause.

Jetzt ist es amtlich, Skyler: Du hast einen Knall! Ging es mir durch den Kopf.

Ich hörte wie einer der Angreifer jaulte und einen dumpfen Aufschlag, gefolgt von einem reißen und zerren. Das Wehklagen des anderen durchfuhr daraufhin die Stille, das augenblicklich von einem schnappen erstickt wurde. Wieder drang der Gestank von Blut an meine Nase und benebelte mir die Sinne.

Eine sanfte, feuchte Nase stupste mich sachte ins Gesicht. Ein Hecheln drang an meine Ohren. Der Geruch von Kiefernnadeln und Harz umschwirrte mich augenblicklich. Vorsichtig versuchte ich meine Augen zu öffnen, die sich Tonnen schwer anfühlten.

Wieder stupste mich eine pelzige, feuchte Nase an, dieses Mal am Bauch. Hecheln und ein leichtes Winseln drang an meine Ohren.

Ich versuchte ein weiteres Mal meine Augen zu öffnen und kämpfte gegen die lähmende Müdigkeit an. Verschwommen nahm ich drei Pelzige Köpfe war die vor mir in die Luft ragten.

„Danke," hauchte ich bevor meine Augen wieder zu fielen und mich die Dunkelheit in die Arme schloss. Ich spürte wie sich Pelz an meinen Rücken schmiegte und die Wärme meinen Körper durchfuhr.

Ich hatte gar nicht bemerkt das ich eiskalt war. Nun als mich die Wärme des Fells durchdrang spürte ich wie die Eiseskälte durch meine Venen kroch.

Nach einiger Zeit des Dahinschwebens zwischen Bewusstlosigkeit und Bewusstseins spürte ich sanfte, starke Hände die mich vorsichtig hochhoben und mich auf weichen Untergrund betteten. Sofort erschien auch wieder meine pelzige Wärmflasche die sich an mich kuschelte und mir ins Ohr hechelte während jemand eine Decke über mich legte. Türen knallten, das dröhnende Geräusch eines Motors ertönte und ein Ruck ging durch meinen Körper als sich der Wagen in Bewegung setzte.

Ich bin gerettet! war das letzte was mir durch den Kopf ging bevor ich wieder das Bewusstsein verlor und ich in das Land der Träume driftete.



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