Kritische Autoren

Er: „Guten Tag, zuerst.“, sagte er, trank einen Schluck aus seinem Glas und legte ein Bein über das andere.
Viele fragen mich: Wie wird man ein guter Autor?, Wie schreibe ich den Bestseller? Wie kann ich es schaffen, hundert Seiten zu schreiben? Oder auch ganz schlicht: Wie kriegst du es hin, einen Text über sechs Seiten zu schreiben, der auch zusammenhängend ist?
All diese Fragen kann ich nicht beantworten, und ich möchte sie auch nicht beantworten.“
Sie: „Aber Sie haben doch schon den einen oder anderen spannenden Text geschrieben – um nicht zu sagen alle ihre Texte sind sehr gut geschrieben.“
Er: „ So?“
Sie: „Internationale Kritiker reißen sich um Ihre Texte. Sie sind gut, sachlich und fiktiv, lang und dennoch kurz, atemberaubend und dennoch leben wir. Sie sind fast Bestsellerautor. Wie können Sie sagen, dass Ihre Texte nicht gut sind?“
Er: „Betonung liegt auf fast. Jeder der mal einen Text geschrieben hat, ist fast Bestsellerautor. Die einen, die was publizieren mehr, die anderen weniger. Aber jeder ist fast ein Bestseller Autor.
Und um auf die Anfangsfragen einzugehen:
Ich schreibe nur das, was ich zu sagen habe. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Ich bin direkt und versuche immer wieder den Verkappten Versuch, das zu verschleiern. Ich merke, dass es schlecht ist, wenn man sich auf 120 Seiten quält, und die Bewunderung, dass man 360 Seiten, geschrieben hat, auch nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat. Denn meine 360 Seiten sind der größte Mist, den ich oder jemand generell je zusammengeschrieben hat.“
Sie: „Aber…“
Er: „Kein Aber. Ich habe nichts zu sagen. Wenn anderen den Quatsch mir abkaufen, dann ist das ihre Sache. Ich habe damit nichts mehr zu tun. Schließlich ist das geistige Eigentum in den Verlag übergegangen. Ich wünsche ihnen noch einen schönen Tag, und noch viel Spaß im Deutschunterricht. Wirklich gute Geschichten sind, die, die genial sind, und dennoch nicht so aussehen. Schönen Tag noch.“ 

Kommentare

  • Author Portrait

    Ich finde deinen Text interessant. Ein sehr ungewohntes Konzept, so ein Interview komplett ohne festgesetzten Kontext. Das bietet auch irgendwo eine ganz andere Art des Verständnisses. Außerdem hast du mehrere verschiedene Ebenen der Botschaft miteingebracht. Auf der einen Seite ist natürlich der Hinweis auf die verborgene Genialität von Geschichten (was auf Grund der ungewöhnlichen Form noch einmal verdeutlicht wird) und auf der anderen Seite schwingt so ein gewisser grundlegender Zweifel gegenüber den eigenen Werken mit, den wir wahrscheinlich alle kennen. Auch den Satz „Jeder der mal einen Text geschrieben hat, ist fast Bestsellerautor“ hat in meinen Augen wirklich gut in die Kurzgeschichte gepasst. Also insgesamt großes Lob für diese Arbeit! Ich finde das Konzept sehr spannend.

beta
Feenstaub

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