Part 14

Leonie Sue öffnete so leise wie möglich, die Haustür. Sie war spät nach Hause gekommen und wollte niemanden wecken. Doch als sie im Flur stand, kam auch schon ihre Mutter runter. „Da bist du endlich“, flüsterte sie und umarmte ihre Tochter. Leonie erwiderte die Umarmung. Heute war ein viel zu schöner Tag, um diese Umarmung nicht zu erwidern.

„Es tut mir leid, ich habe völlig vergessen mich zu melden“, entschuldigte Leonie sich. „

Nicht schlimm, jetzt bist du ja zu Hause. Aber lass sowas nicht wieder passieren“, sagte Sallyn.

„Versprochen“, versprach Leonie.

„Wir haben dich sehr lieb“, flüsterte Sallyn liebevoll.

Leonie lächelte. „Ich habe euch auch lieb.“

Sallyn ließ sie wieder los. „Willst du noch etwas trinken?“

Leonie wusste worauf, dass hinauslief, trotzdem nickte sie. „Eine heiße Schokolade, wäre gar nicht schlecht.“ Sallyn nickte und verschwand in der Küche. Leonie zog schnell ihr Schuhe aus, wusch ihre Hände und setzt sich an den Küchentisch.

„Wo warst du denn?“, fragte Sallyn neugierig.

„Du hast doch bestimmt schon von Nico gehört“, begann Leonie langsam.

Sallyn grinste: „Natürlich, er war doch auch schon bei uns zu Hause.“

„Stimmt, habe ich schon voll vergessen. Naja, auf jeden Fall, hat er mich heute von der Schule abgeholt.“ Leonie stoppte kurz und beobachtete ihre Mutter. Sie wartete auf irgendeine Reaktion, doch diese schwieg. „Wir waren picknicken und haben sehr viel geredet. Das war echt schön“, erzählte Leonie.

„Das glaube ich dir gern“, sagte Sallyn freundlich.

„Gar keine Kritik?“, fragte Leonie erstaunt.

„Nein, warum?“

„Naja, weil ich ganz alleine mit einem jungen Mann picknicken war.“ Leonie lief eine Spur rot an. Sallyn lachte.

„Deswegen doch nicht. Du bist inzwischen alt genug. Und wenn es darum geht, dich zu verteidigen, denke ich bist du gut darauf trainiert worden.“ Jetzt lachte Leonie ebenfalls. Ihr Vater hatte mit allen Kindern einen Selbstverteidigungskurs gemacht. Er fand dies als sehr notwendig, da er als Kriminalkommissar vielleicht mal bedroht werden würde oder seine Familie. Deshalb wollte er, dass sie wussten wie man sich im Notfall verteidigte.

„Ich gehe jetzt schlafen“, sagte Leonie und gähnte.

„Sheona hat in deinem Zimmer auf dich gewartet. Ich weiß nicht ob sie dich schlafen lassen wird“, meinte Sallyn.

„Wieso habt ihr sie nicht nach Hause geschickt?“

Sallyn zuckte die Schultern. „Sie wollte unbedingt auf dich warten.“

„Na dann.“ Leonie stand auf und verließ die Küche in Richtung Schlafzimmer. Vorsichtig öffnete sie die Tür.

„Das wurde aber auch Zeit“, sagte Sheona genervt.

„Es tut mir leid“, entschuldigte Leonie sich. Sie schlüpfte schnell in ihren Schlafanzug und legte sich zu Sheona in das Bett. „

Ich wollte mit dir mal über Nico reden“, sagte Sheona.

„Was gibt es da zu bereden? Er ist ein ganz netter Typ, der etwas aus seinem Leben machen möchte“; meinte Leonie.

„Ob er so nett ist, ist eine andere Frage. Aber ich glaube er mag dich.“

Leonie runzelte die Stirn. „Da täuschst du dich aber gewaltig.“ Doch im nächsten Moment wurde ihr klar, dass sie selbst heute schon diesen Gedanken hatte. Und dann war da noch der Kuss.

„Und was ist mit dir?“, fragte Sheona.

„Was soll sein?“ Leonie verstand nicht, worauf ihre Freundin hinauswollte.

„Bist du wirklich so schwer von Begriff? Ich meine ob du ihn magst?!“

„Nein“, widersprach Leonie ganz schnell.

„Er ist zwar echt cool, aber ich habe jetzt nicht die Gefühle für ihn die du meinst!“

Sheona stöhnte. Wie konnte sie ihn nur so toll finden? Er war arrogant, eingebildet und unglaublich rücksichtslos. Er war zu dem Schlachthof gefahren und wollte nicht, dass Leonie davon erfuhr. Natürlich wollte er das nicht. Er wusste ja, dass Leonie gegen so eine Aktion gewesen wäre. Dann wäre er ganz schnell abgeschrieben.

„Weißt du er ist gar nicht so nett wie du denkst. Er…“ Sheona stoppte. Was wenn sie es Leonie gar nicht sagte? Vielleicht war da ja wirklich nichts von ihrer Seite aus.

Stattdessen fragte sie: „Mir wurde erzählt du wurdest heute von ‘nem Lamborghini abgeholt?“

Leonie lächelte. „Ja, Nico hat mich abgeholt.“

Sheona unterbrach sie: „Sag mir nicht du warst bis jetzt bei ihm?!“

„Doch, wir waren picknicken. Er hat einen echt schönen Ort gefunden. Den kannte ich noch nicht einmal“, erzählte Leonie glücklich.

„Ich habe 1000-mal versucht dich zu erreichen!“, sagte Sheona böse.

„Du bist also doch sauer“, stellte Leonie fest.

„Nein wäre ich nicht, wenn du mich für jede andere Person hier warten gelassen hättest.“ Leonie sah ihre Freundin verwirrt an. „Was hat das den mit der Person zu tun?“

Sheona stand wütend auf. „Sehr viel! Schon allein, weil du mir erst erzählst du empfindest nichts für ihn und im nächsten Moment, hattest du heute einfach ein Date.“

„Das war kein Date, wir haben nur gegessen und ganz viel geredet“, widersprach Leonie.

 „Nein, quatsch sowas ist ja kein Date. Aber ist ok, wenn du einen versoffenen Hochstapler

 magst. Ich werde dich nicht abhalten. Demnächst kannst du ja seine ungewollte Trinkpartnerin sein. Bei mir hat er sich übrigens immer noch nicht entschuldigt.“

Leonie setzte sich auf und sagte traurig: „Du weißt doch gar nicht wie er wirklich ist. Du kennst nur seine eine Seite, die immer auf cool tut und gemein sein kann, Aber du hast keine Ahnung wie unglaublich lieb er sein kann oder wie verständnisvoll er ist.“

„Toll, wenn er zu dir so ist, alle anderen Menschen hasst er“, schrie Sheona.

Leonie schwieg. In ihrem Kopf herrschte ein heilloses Durcheinander. Warum konnte Sheona ihm keine zweite Chance geben? Hatte er wirklich keine mehr verdient? Nein, Nico hätte bei allen Menschen eine zweite Chance verdient. Sheona war einfach eine dieser Menschen, deren Lebensgeschichte ihnen nichts Schweres zu tragen gegeben hatte. Sie hatte nie von jemandem eine zweite Chance gebraucht. Dafür hatte sie unter Oma Leonie und ihren Eltern eine viel zu gute Erziehung genossen. Nicos Eltern hingegen, war es wahrscheinlich egal, was mit ihrem Sohn passiert.

„Ich habe da eine Idee, damit ihr ihn mal besser kennen lernt, können wir zusammen was unternehmen. Wir können zusammen ein bisschen Boot fahren, zur Insel rüber oder so“, schlug Leonie vorsichtig vor.

Sheona überlegte. „Na gut diese eine Chance noch“, gab Sheona sich geschlagen und legte sich wieder in das Bett.

Leonie umarmte sie. „Lass uns bitte nicht streiten. Schon gar nicht wegen einem Jungen. Das sind die doch nicht Wert.“ Sheona grinste, da war die alte Leonie wieder. Die niemals ihre Freundschaft kaputt machen würde. Die alles versucht, um Streitereien aus dem Weg zu räumen. „Ich habe dich lieb“, sagte Sheona im Halbschlaf. Leonie nickte nur.


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