Prolog

,,Mami würde sehr sauer auf dich werden, wenn sie das erfahren würde.“ flüsterte er mir sanft ins Ohr während er mir über die Wange strich. Meine Tränen liefen mir übers Gesicht, es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis es endete. Er entfernte die Ketten, welche er an meinen Gliedmaßen befestigt hatte, nachdem er meinen nackten Körper von Kopf bis Fuß berührte. Ich zuckte zusammen als er über die noch blutenden Wunden strich. An diesen Stellen ließ er sich immer besonders viel Zeit, bis er zur Nächsten überging.

Ich fiel zu Boden, als die Ketten gelöst wurden. Er ging nach Oben und verhielt sich ganz normal. Schnell zog ich mir meine Kleidung wieder an, und ging auf direktem Weg in Richtung mein Zimmer.

Ich erschrak bei dem Anblick: alles war ausgeräumt. Meine komplette Unterwäsche lag verstreut auf dem Boden herum. Ein warmes, leises Atmen berührte meinen Nacken, und große, kalte Hände umfassten meine Taille. ,,Alles okay bei dir?“ hörte ich eine tiefe, beruhigende Stimme sprechen. Ich konnte sie keinem Gesicht zuordnen. Meine Augen waren geschlossen. Ich traute mich nicht sie zu öffnen. Bewusstlos.

,,...sie öffnet ihre Augen, Schwester!“ Das Klappern eines Paar Absatzschuhen wurde von den Lauten eines rollenden Tisches übertönt. Sie rammte mir eine Nadel in den Arm, und ich hörte das Piepen eines EKG-Geräts direkt neben mir. Die kalte Hand von vorhin nahm meine linke Hand zwischen seine. Eigentlich war seine Hand gar nicht so kalt, wie ich anfangs dachte.

Ich sah alles vollkommen verschwommen, und in grellen Farben. War ich unter Drogen gesetzt worden?

Mein Kopf fiel zur linken Seite, und ich sah für kurze Zeit sein besorgtes Gesicht. Ich streckte meine Hand nach ihm aus, und hörte etwas umkippen. Er fing mich auf, als ich beinahe vom Bett gefallen wäre.

Es waren einige Stunden vergangen, und ich befand mich immer noch im Krankenhaus.

Der Mann, welcher vor einigen Stunden an meinem Bett saß, und mich auffing, war noch immer an meiner Seite. Er schlief auf einem Stuhl, der in das Zimmer gestellt worden war. Die untergehende Sonne ließ seine roten Haare orange schimmern. Seine Brille war ihm bis unter die Nasenspitze gerutscht. Sie war kurz davor, zu Boden zu fallen. Vorsichtig lehnte ich mich zur Bettkante, um seine Brille gerade zu rücken.

Das Bett quietschte leise, und er atmete tief ein. Langsam nahm ich seine Brille zwischen meine Finger, und setzte sie ihm wieder ordentlich auf. Einige Sekunden verblieb ich in dieser Position, und sah ihn einfach nur an.

Er öffnete müde seine Augen, und eine smaragdgrüne Regenbogenhaut kam zum Vorschein.

Ich wurde knallrot, und habe mich unter der Bettdecke des Krankenhauses versteckt. Er zog die Decke langsam von meinem Gesicht herunter, und gab mir einen sanften Kuss auf die Lippen, während er mir tief in die Augen sah.

Ich sank in das weiche Federkissen mit errötetem Gesicht. ,,Danke, dass du meine Brille wieder ordentlich gerückt hast. Das war ganz schön gefährlich,weißt du?“ bedankte er sich mit einem niedlichen Blick ,,Ich werde lieber mal einer Schwester Bescheid geben, dass du wach bist.“ Er stand auf, da griff ich nach seiner Hand. Fragend, und erschrocken sah er mich an ,,...lass mich bitte nicht allein...“ flüsterte ich schwach, als ich seine Hand fest drückte, und begann zu weinen. Warum weine ich? Diese Person ist mir völlig unbekannt, und dennoch fühle ich mich geborgen bei ihm.

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