Prolog

Dies wird mein diesjähriger Adventskalender, das bedeutet, dass es nach dem Prolog ab 01.12. jeden Tag ein Kapitel geben wird. Viel Spaß!
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„Hey, Harry.“

Lächelnd öffnete Hermine die Tür zu ihrer Wohnung. Sie freute sich, ihren besten Freund endlich wiederzusehen, nachdem er die letzten beiden Wochen bis über beide Ohren in Arbeit fürs Ministerium versunken war. Nicht, dass sie selbst viel Zeit gehabt hatte. Auf der einen Seite gab sie für junge Ministeriumsanwärter einen Lehrgang, wie man schriftliche Quellen zur Forschung heranziehen konnte, auf der anderen Seite musste sie ihrer eigenen Arbeit, der Untersuchung magischer Artefakte der Vergangenheit, nachgehen. Und dann waren da noch die Dates mit Ron, die sie irgendwie unterbringen musste. Es war also definitiv nicht Harrys Schuld alleine, dass sie so lange nichts voneinander gehört hatten.

„N’Abend“, erwiderte er deutlich weniger enthusiastisch, während er eintrat und sich aus seiner Jacke schälte. Überrascht bemerkte Hermine, dass er deutlich sichtbare Augenringe hatte, sein Gesicht wirkte richtig eingefallen im flackernden Schein ihrer Kerzen.

Automatisch schaltete sie in den Zuhörer-Modus: „Willst du eine Tasse Tee?“

„Das klingt perfekt“, nickte Harry und ließ sich mit einem tiefen Seufzer auf das Sofa vor ihrem Kamin sinken. Er schwieg, während sie in der ans Wohnzimmer angrenzenden Kochnische den Tee zubereitete.

Als sie schließlich mit zwei Tassen Tee zu ihm trat und eine vor ihn hinstellte, nahm er einen tiefen Schluck, ohne sich um die Temperatur des heißen Tees zu kümmern, schob die Tasse zurück auf den Tisch und vergrub mit einem weiteren Seufzen sein Gesicht in den Händen: „Hogwarts ist lange her, was?“

Nachdenklich legte Hermine den Kopf schräg. Das war eine Richtung, mit der sie nicht gerechnet hatte. Vorsichtig hakte sie nach: „Die Schlacht scheint mir eine Ewigkeit her, obwohl das alles erst vor zwei Jahren war. Oder was meinst du?“

Aufmerksam ruhte ihr Blick auf ihrem besten Freund. Sein Gesicht war verborgen, doch die Anspannung in seinen Schultern und das Zittern seiner Knie waren deutliche Zeichen, dass irgendetwas mit Harry nicht in Ordnung war.

„Ich hätte niemals gedacht, dass ich das mal sage“, murmelte er kaum hörbar, „aber damals war alles leichter. Erwachsen sein ist … einfach ätzend.“

Besorgt rückte Hermine näher auf der Couch zu ihm und legte eine Hand auf seinen Oberschenkel: „Kann ich dir helfen bei irgendwas?“

„Ginny hat mit mir Schluss gemacht letzte Woche“, brach es schließlich aus ihm heraus.

„Was? Wieso?“

Endlich richtete Harry sich wieder auf und schaute sie direkt an: „Sie meinte … sie meinte, sie hätte mich ihr Leben lang vergöttert. Und während des Krieges, als wir alle in ständiger Angst gelebt haben, da war sie überhaupt nicht auf die Idee gekommen, ihre Gefühle zu mir zu hinterfragen. Sagt sie. Ich weiß einfach nicht … sie meinte, im Alltag mit mir hätte sie gemerkt, dass da keine Schmetterlinge mehr im Bauch sind.“

Instinktiv spürte Hermine Wut in sich aufsteigen: „Das ist doch normal! Verliebtheit geht irgendwann vorbei, wir können nicht dauernd Schmetterlinge im Bauch haben, da würden wir ja eingehen vor lauter Aufregung. Was erwartet sie denn?“

Erschlagen lehnte Harry sich zurück, die Augen geschlossen: „Was weiß ich? Ich habe wirklich alles versucht. Wir sind doch erst vor einem halben Jahr zusammengezogen. Ich dachte, dass uns das hilft. Mehr Nähe und so. Aber offensichtlich … war es das Gegenteil.“

„Ach Harry“, flüsterte Hermine voller Anteilnahme. Ohne darüber nachzudenken, schlang sie ihre Arme um seine Schultern und zog ihn an ihre Brust. Augenblicklich erwiderte er die Umarmung, presste sie eng an sich und vergrub sein Gesicht an ihrer Schulter.

Minutenlang verharrten sie so, beide schweigend. Hermine traute sich nicht, die Stille zu unterbrechen. Sie wollte auf Harry warten, damit er den Raum hatte, seine Gefühle offen zu zeigen. Und sie hatte wirklich Mitleid mit ihm. Ginny war nach Cho seine erste wirkliche Liebe gewesen und sie wusste, dass er aufrichtig für sie fühlte. Und andersherum hatte Ginny immer für ihn geschwärmt, auch wenn sie zwischendurch andere Jungs ausprobiert hatte. Dass die beiden nicht heiraten und zusammen alt werden würden, war für sie ein völlig absurder Gedanke.

„Wir werden immer Freunde bleiben, oder, Mine?“

Das kaum wahrnehmbare Zittern in Harrys Stimme brach ihr beinahe das Herz. Sie drückte ihn noch ein wenig fester: „Aber natürlich, Harry. Wir sind doch nicht irgendwelche zwei Schüler, die sich zufällig kennengelernt haben. Wir haben so viel zusammen durchgemacht. Du wirst für mich immer der beste Freund sein.“

Langsam löste er sich aus der Umarmung: „Und du meine beste Freundin. Du und Ron, ihr seid die beiden wichtigsten Menschen für mich. Wehe, ihr trennt euch jemals, okay?“

Unbehaglich rollte Hermine ihre Schultern. Wenn sie ehrlich zu sich war, hatte sie schon seit Wochen Zweifel daran, ob ihre Beziehung mit Ron noch eine Zukunft hatte, doch gleichzeitig fühlte alleine der Gedanke, ihn zu verlassen, sich einfach falsch an. Mit einem schrägen Grinsen nickte sie: „Keine Sorge, wir haben damals in Hogwarts genug Zeit gehabt, unsere Gefühle zu sortieren.“

Auf Harrys Gesicht spiegelte sich ihr Grinsen: „Ja, wirklich. Ron hat sich alle Mühe gegeben, seine eigenen Gefühle nicht zu sehen, ich glaube nicht, dass jetzt, wo er sie endlich erkannt hat, dass sich da noch groß was ändern wird.“

Hermine konnte nur mit den Schultern zucken. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, über ihre eigenen Beziehungsprobleme zu sprechen, aber früher oder später würde sie Harrys Rat brauchen. Sie erhob sich: „Willst du noch einen Tee?“

„Gerne“, kam es von Harry, der offensichtlich erleichtert war, seinen Liebeskummer endlich ausgesprochen zu haben. Ein neues Seufzen erklang: „Ach, ich weiß einfach nicht, was ich jetzt tun soll. Ginny behält die Wohnung, also ziehe ich aus, sobald ich was Neues gefunden habe. Für sie ist das völlig okay, aber … ich weiß nicht, ob ich noch mit ihr in einem Raum sein kann, ohne … ich bin einfach so wütend und traurig und ich verstehe es nicht. Weißt du?“

Hermine kaute auf ihrer Lippe herum, während sie darauf wartete, dass der Tee fertig wurde. Sie verstand nur zu gut, dass es für Harry wie Folter sein musste, mit Ginny zusammenzuleben, ohne ihr wirklich nahe kommen zu können. Kurz legte sie den Kopf in Nacken und dachte nach, doch sie wusste, dass sie eigentlich ihre Entscheidung schon getroffen hatte.

Mit beiden Teetassen in der Hand kehrte sie zum Couchtisch zurück: „Wenn du willst, kannst du für den Übergang bei mir unterkommen. Das Sofa hier kann man in ein Bett umwandeln, es ist ziemlich bequem. Und stören würdest du auch nicht, wir gehen ja eh beide jeden Tag ins Ministerium.“

Aus großen Augen blickte Harry sie an: „Ehrlich? Ich meine … das wäre großartig, aber … bin ich nicht im Weg?“

Lachend schüttelte Hermine den Kopf: „Du bist einer der unauffälligsten Menschen, ich wette, ich kriege nicht mal mit, dass du hier bist.“

„Du bist wirklich eine Lebensretterin!“

Mit einem breiten Grinsen ließ Hermine sich ein weiteres Mal umarmen. Sie hoffte sehr, dass Ron sich nicht daran stören würde, dass Harry bei ihr übernachtete, obwohl sie ihm das noch nie angeboten hatte. Sie hatte ihm immer erzählt, wie sehr sie ihren Freiraum brauchte und dass sie deswegen erstmal nicht mit ihm zusammenziehen will. Sie war sich selbst nicht mehr sicher, ob das der wirkliche Grund war, denn der Gedanke, mit Harry für einige Wochen zusammenzuwohnen, war mehr aufregend und ansprechend als störend. Es wurde wirklich Zeit, dass sie ihre Gefühle für Ron genauer analysierte!

Kommentare

  • Author Portrait

    Sehr schön :)

beta
Feenstaub

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