Treffpunkt: Olim

"Puh! Endlich raus aus dieser Baumhölle!" Glücklich und erleichtert streckte ich mich in der Sonne des neuen Tages. Wie lange waren wir wohl in der ewigen Düsternis gewesen? Lange genug, um nach Hause zu gelangen? Vielleicht. Sind meine Freunde schon dort? Ich weiß es nicht. Mir wurde mulmig, wenn ich an ihre entsetzten Gesichter dachte, die sie bei meiner überstürzten Flucht gemacht hatten. Ich musste lächeln, obwohl die Trauer mir beinahe die Luft abschnürte. Arnuk und Relkúag waren – mit einigem Abstand voneinander – schon weitergegangen.

"Hey! Wartet doch auf mich!" Maulend lief ich ihnen nach, Falum trottete müde hinter uns her. Im Wald war kaum etwas anderes zu sehen gewesen, als das grün-braune Farbenspiel der Bäume und Pflanzen. Auch die Geräuschkulisse war weitgehend eintönig gewesen. Dagegen hier draußen; freie, weite Felder, die sich weithin über Hügel erstreckten. Erschreckend leise war es nun, da kein Vogelgezwitscher und auch sonst kein Tierlaut zu hören war.

brrrrummgrummlll

"Hab Hunger..." Verlegen rieb ich mir den Bauch.

"Wir sind bald da." Der Gaukler wendete sich zu mir um. Ich stutzte:

"Ähm, sag mal Relkúag, woher wusstest du eigentlich wo wir aus dem Wald heraus kommen? Ich meine, du siehst doch nicht, wohin du uns führst."

"Trottel." Der tonlos gegebene Seitenhieb Arnuks störte mich nicht weiter, aber das sie offensichtlich mehr wusste als ich, nervte mich inzwischen. Der blinde Gaukler aber überging die Bemerkung der Frau:

"Im Grunde genommen 'sehe' ich schon, nur eben nicht in der Weise, wie du dir das vorstellst. Ich sehe mit den Füßen, mit den Ohren und mit der Nase, verstehst du? Meine Orientierung besteht darin, wie hart oder weich der Boden, beziehungsweise wie gut oder schlecht die Luft ist, aber auch die Geräusche von Tieren, die nur in bestimmten Gegenden zu finden sind, helfen mir weiter." Ich hatte aufmerksam zugehört und plötzlich fiel mir etwas ein:

"Warum lässt du sie nicht heilen? Du kennst doch bestimmt Romino? Ich bin sicher, in fernen Zukunftsebenen gibt es Mittel und Wege einem Blinden sein Augenlicht wiederzugeben!"

"Nein."

"Nein? Warum nicht, weshalb willst du nicht...?

"Ich war von Geburt an blind!" unterbrach er mich barsch. "Ich kenne es nicht anders und will, dass es so bleibt!"

"Es tut mir leid, ich..." Überrascht und verlegen über seine rüde Antwort, wusste ich nicht wie zu reagieren war.

"Argh, schon gut. Warum glauben immer alle, dass ein Blinder sich nichts sehnlicher wünscht, als sehen zu können?" grummelte er.

"Ich hasse diese Gegend..." schaltete sich Arnuk ins Gespräch ein.

Mein Blick schweifte vom Pfad ab. Um uns herum war aus den bebauten Feldern Ödland geworden. Kein grüner Halm war mehr zu sehen und Bäume gab es – Gott sei Dank – auch keine mehr, aber dennoch schien sich die Unbekannte äußerst unwohl zu fühlen.

"Was hat sie denn?" flüsterte ich Relkúag zu.

"Die Stadt rückt näher. Olim wird sie genannt, oder auch Stadt der Monster. So sagen zumindest seine Bewohner dazu. Ein Traumort für Söldner und welche, die es werden wollen!" Er grinste mich mit seinen schiefen Zähnen an.

"Was?! Ihr meint ich...? Nein, nein, oh nein. Ganz bestimmt ist gerade das nicht mein Ziel...!" Verstört und beinahe beleidigt winkte ich ab."So? Was führt dich dann nach Olim?" Ein neugieriger Unterton hatte sich in seine Frage gemischt.

"Privatangelegenheit!" Mein Standpunkt war damit geklärt.

"Wie du willst. Möchtest du den Boss trotzdem kennen lernen?"

"Natürlich. Am besten, so schnell es geht. Mein Problem hat Eile."

 

*

 

Mit der Eile war das so eine Sache. Wir benötigten einen weiteren, ereignislosen Tag zum Wandern durch Ödland und Wildnis. Lediglich ein kleiner Bach, aus dem wir uns frisches Wasser holten und Fische angelten, begleitete uns ein Stück des Weges. Zumindest waren wir nicht mehr hungrig, nur Falum wollte lieber keinen Fisch essen, er begnügte sich mit dem wenigen Grün, das am Bachufer wuchs.

Aber schließlich erreichten wir die Stadt Olim, wo sich meinen Informationen zu Folge also ein gewisser Söldner aufhalten sollte. Kein Wunder, denn die doch relativ kurze Entfernung zum dunklen Wald machte es den Dämonen leicht, des Nachts in Olim einzufallen und Unheil anzurichten. Eine gefundene Goldgrube für Leute wie Usongu...

"Willkommen im 17. Jahrhundert." verkündete der Gaukler.

Falum schnaubte unruhig, tätschelnd beruhigte ich ihn und sah mich um. Wir befanden uns offensichtlich auf der Hauptstraße, die etwa dreihundert Schritte bis zu einem großen Platz führte, vermutlich der Marktplatz. Er hatte einen Brunnen und war von Häusern mit erhöhter Front umringt. Bauten der gleichen Art säumten die Hauptstraße zu beiden Seiten. Außer ein paar Bauernhöfen, die um dieses Gebilde herum verteilt waren, schien das die ganze Stadt Olim zu sein.

"Lass dich nicht täuschen, dies ist nur der vordere Eingang des Ortes." erklärte Arnuk. "Bei der Durchreise überwindet man zwei Zeitzonen von jeweils 15 Jahren. Am anderen Ende sieht es ganz anders aus." Sie wandte sich um und wollte gehen.

"Heute Abend, am üblichen Treffpunkt!" Relkúag klang als ob er ein Kind ermahnte seinen Teller leer zu essen.

Arnuk schnaufte nur, bevor sie mit schnellen Schritten zwischen den Häusern verschwand. Als ich ihr nachsah fiel mein Blick in eine der vielen engen Seitengassen. Dort saßen ein paar Kinder, um die 5 - 15 Jahre, und spielten mit Murmeln oder taten so, als wäre einer von ihnen ein furchtbares Monster, das dann alle zusammen spielerisch angriffen. Dünn sahen sie aus, ausgemergelt, mit Narben übersät, über deren Ursprung ich mir keine Gedanken machen wollte... 'Was für ein schrecklicher Ort', ging es mir durch den Kopf und mit den gemischten Gefühlen erwartungsvoller Angst folgte ich dem blinden Gaukler hinein in die Stadt. Er führte mich vorbei an den von Dämonen zerstörten Häusern und alten Mütterlein, die mich misstrauisch angafften, vorbei an Straßenlaternen mit kaputten Glasscheiben, deren Funktionstüchtigkeit ich stark anzweifelte und vorbei an diesem halbstarken Rüpel, der sich nur zu gern mit mir angelegt hätte:

"Hey, du! Bist nich von hier, wat?" Der ziemlich ärmlich gekleidete Besoffene trat nahe an mich heran. "Los rück die Wertsachen raus, oder..." weiter kam er nicht...

Ich hatte ihn ignoriert, zog nun aber, da er aufdringlich wurde, das Schwert, was ihn dazu brachte zu fliehen. Falum schritt beunruhigt neben mir her, der berühmte Mut der Kornhoffner Rasse schien ihm völlig zu fehlen...mehrmals hatte er nun schon versucht mich zur Umkehr zu bewegen, hatte an seinem Zaumzeug gezogen und gezerrt und alle beruhigenden Worte halfen nicht.

"Wenn du weiter Zicken machst, lass ich dich hier allein zurück!"

Diese durchaus ernst gemeinte Drohung reichte meistens aus, um ihn spuren zu machen. Und auch diesmal, oder gerade diesmal?, wirkte sie wahre Wunder. Wir gingen also weiter, bis wir schließlich

am Marktplatz ankamen, wo Relkúag bereits auf uns wartete.

"Was war denn?" wollte er wissen.

"Nur ein betrunkener Räuber, nichts weiter."

"Ach so, davon gibt’s hier viele."

"Kann ich mir denken."

"Hm." grunzte er. "Ich muss noch was erledigen, aber von hier aus findest du ganz leicht ins Lokal. Es ist das "Demon Capital", dort drüben um die Ecke." Er deutete nach Osten. "Du kannst es nicht verfehlen. Die Musik kann ich bis hier hören..." grinste er, wandte sich ab und ging in die Richtung davon, aus der wir zuvor gekommen waren.

"Ähm, Moment mal!" rief ich ihm nach. " Du wolltest mich doch zu deinem Boss bringen?!" Doch er war schon um die nächste Ecke gebogen. "Tja, jetzt stehen wir ganz alleine da, Falum. So wie’s geplant war... Aber irgendwie fühle ich mich dadurch auch nicht besser..."

Er wieherte, er wieherte so laut, dass ich beinahe umfiel. Es war das erste mal seit Tagen, dass er wieder einen Laut von sich gab. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, aber nun, vielleicht da kein Fremder mehr bei uns war, schien alles in Ordnung. Erleichtert strich ich über sein glattes schwarzes Fell. "Also, gehen wir!"

Am Brunnen rechts vorbei bog ich mit meinem Pferd in die Straße ein, die uns der Gaukler angedeutet hatte und tatsächlich, keine 60 Schritte weiter kam ich zu dem heruntergekommenen Lokal, aus dem lauter Lärm zu hören war und blieb stehen. Ich band Falum an eine rostige alte Regenrinne und betrachtete das alte, kaputte Gebäude über dessen Saloontüren in braunen Lettern der Name von diesem Schuppen stand: "Demon Capital"

Falum hatte die ganze Zeit neben mir gestanden, aber nun wollte ich hineingehen. Doch der Gedanke hier draußen alleine bleiben zu müssen, schien ihm nicht sonderlich zu gefallen, er wieherte laut auf. "Schhhht!" versuchte ich ihn zu beruhigen und strich ihm mit der Hand besänftigend den Kopf entlang. "Schhhht...ich komme ja gleich wieder!" flüsterte ich ihm zu, war mir dessen aber ehrlich gesagt nicht so sicher. Er beruhigte sich nicht ganz und blieb weiterhin gespannt und wachsam. Ich aber konnte nicht länger warten und tauchte währenddessen ein in die Atmosphäre des "Demon Capitals".

Stickige Rauchluft, Alkoholgestank, der in der Nase brennt und klimpernde Klaviermusik begrüßten mich auf ihre eigene Art und Weise. Düstere Typen, die Karten spielten und schöne Frauen, die den Gangstern die Köpfe verdrehten...ganz wie ich es mir nach den vielen Geschichten, die mir Dan Burner in den zwei Tagen des Wartens über eine Gegend namens ‚Wilder Westen‘ erzählt hatte, vorgestellt hatte... das Einzige was anders war, waren die überraschten und vor allem misstrauischen Blicke, die mir von allen Seiten zugeworfen wurden. Plötzlich stand einer auf und stellte sich mir direkt in den Weg.

"Was willsssdu hier °HICKS°, du Ssssirkusclown?" lallte der offensichtlich stark angeheiterte Mann. Er machte eine traurige Erscheinung mit dieser schlecht frisierten 'Haarpracht', dieser von Bier und Essensresten triefenden Kleidung und seinen vom Rausch unterlaufenen Augen...

"Du hasch hier nix verloren! Genach Haaauusö su deiner Tafelrunde, du bülliga Pappritter!" brüstete sich der wandelnde Biersack.

Das war zu viel! Ich zog ruhig und elegant mein Schwert Émalon aus der Scheide und pickte ihm damit gelassen in die schwabbelige Brust.

"Wah, waha... waaaahaaa...!" Er torkelte unbeholfen rückwärts und riss mit der gesamten Gewalt seiner gut geschätzt 250 Pfund zwei Stühle mit den darauf Sitzenden mit sich zu Boden.

Ich steckte mein Schwert wieder zurück in die Scheide und meinte mit fester Stimme:

"Ich will keinen Ärger. Wer mich in Ruhe lässt, hat nichts zu befürchten"

Von den nunmehr neugierigen Blicken aller verfolgt ging ich zur Bar, setzte mich an die Theke und bestellte mir einen Met, den mir der Wirt ohne zu zögern gab. Danach ging es wieder weiter wie bisher: der Rauch qualmte, der Alkohol stank, die Musik spielte, die Gangster auch, und die Frauen verdrehten ihnen die Köpfe. Nun hatte ich Zeit mich etwas umzusehen: Alles war aus Holz, die Stühle und Barhocker, die mit einem Symbol versehen waren, das wohl das Demon Capital Logo war, die runden Tische, ebenfalls gekennzeichnet und die Theke selbst auch. Der Wirt wusch gerade ein paar Gläser ab, hinter ihm türmten sich die Flaschen und Bowlen, gefüllt mit allem, was Alkohol enthält und schnell betrunken macht... die meisten Besucher schienen hier nur schnell ihre dunklen Geschäfte abwickeln zu wollen, dementsprechend waren sie auch gekleidet: Schwarz.

Andere hatten Cowboyhütte auf und spielten um viel Geld Karten. Ab und zu hörte man so was wie:

"Lügner! Du betrügst doch!" Ein kurzer Schuss, ein umgestoßener Tisch und eine Leiche, die wegzuschaffen sich meist ein paar Umsitzende erbarmten...

An der Bar links neben mir hockte ein bulliger Typ, bestimmt acht Fuß groß, mit Hut, gefranster Lederhose, Lederstiefeln mit Krempen und einem großen Bierkrug vor sich. Trotz seiner Größe hatte ich ihn bis jetzt nicht bemerkt, also sprach ich ihn an:

"Verzeihung, kennen sie den Söldner Usongu?" Er starrte mich von oben herab an und grinste hämisch.

"Nö!", sagte er, immer noch grinsend. "Aber du bist gleich Matsch!" Er stand auf und wurde noch gigantischer, ich war wie gelähmt bis plötzlich jemand sagte:

"Halt Bruno! Lass ihn!"

"Klar doch, Boss..." antwortete Bruno kleinlaut.

"Uff" Mann, war ich froh, als dieser Muskelberg aufhörte auf mich zuzurollen.

"Was willst du von ihm?" fragte die Stimme, die mich gerettet hatte,

eine feste, rauchige Stimme, von der man denkt, sie gehöre einem Kerl wie Bruno... doch weit gefehlt:

Der Kerl, zu dem die Stimme gehörte, saß rechts neben mir auf einem Barhocker. Er war nicht sonderlich groß vielleicht fünf bis sechs Fuß. Er hatte einen langen, schwarzen Mantel an. Sein Hut war weit über die Stirn gezogen, so dass man sein Gesicht nicht richtig sah, er trug einen Schnurbart, aber, und das fand ich seltsam, keinerlei Waffen bei sich.

Obgleich mich sein Aussehen überraschte, beeilte ich mich doch mit der Antwort, denn die Aura, die der Söldner ausstrahlte, beunruhigte mich...

"Guten Tag, mein Name ist Flash Raffaell und ich habe einen Auftrag für Usongu..."

Ich wusste, dass man nur damit gehör bei dieser Art von Leuten bekam. Und siehe da:

Er wurde schlagartig hellhörig:

"Wie viel?"

"Wie meinen?" Keine Ahnung, was er meinte...

"Was für uns raus springt!" grollte Bruno ungehalten.

"Ach so!" Erst jetzt begriff ich und zog einen prall gefüllten Beutel mit 50 Goldstücken hervor, die von meinem eigenen Besitz stammten. Sozusagen alles, was ich besaß…

Die Beiden machten große Augen.

"Sie sind also 'der Boss'?" Der schwarz gekleidete Zwerg brummte zustimmend. "Wer gehört denn noch zur Bande außer Usongu?" wollte ich wissen.

"Wir sind keine 'Bande'! Wir bevorzugen den Begriff Söldner." Meinte der kleine Hutträger und wirkte dabei gespielt gekränkt.

'Was soll daran der Unterschied sein', dachte ich mir.

"Der Unterschied ist, dass wir für Aufträge bezahlt werden und unser Geld somit ehrlich verdienen und nicht stehlen..."

Ich bekam den Schrecken meines Lebens! Konnte dieser Kerl tatsächlich Gedanken lesen? Anders konnte ich mir seine blitzschnelle Reaktion auf meine unausgesprochenen Worte nicht erklären. Aber gleich darauf wurde mir klar, wie günstig das doch war. Denn so brauchte ich ihm die ganze Sache ja nur Vorzudenken und innerhalb kurzer Zeit wusste er um die Situation genug Bescheid, ohne dass ein anderer davon etwas mitbekam...

Und dann... – am Ende meiner Ausführungen – fing er zu schmunzeln an, dann gluckste er und dann lachte er so laut, dass das ganze Lokal auf uns aufmerksam wurde!

"ICH FASS ES NICHT!" Schrie er wie von Sinnen, während er immer noch lachte.

Dann wurde seine Miene urplötzlich wieder ernst und er sah mich eindringlich an:

"Du hast es tatsächlich mit nem Schwert versucht?" Völlig verdutzt viel mir nicht mehr ein, als "Ja..."

Und dann fing er schon wieder zu lachen an und schlug diesmal sogar auf den Thekentisch, der zu splittern anfing.

"Hey! Beherrsch dich, Usongu!" beschwerte sich der Wirt jetzt. Ich stutzte. Usongu?

"Sorry, Berry," setzte der Hutmann keuchend an, "aber dieser Kerl hier," er deutete auf mich, "der hat doch tatsächlich versucht einen Dämon mit einem Schwert zu besiegen!"

Jetzt lachte nicht mehr Usongu, jetzt lachte das ganze Lokal! Das war zu viel für mich, ich stürmte aus der verstunkenen Kneipe, vergaß aus lauter Wut aber das Gold.

"Ach! Sollers doch behalten! Idioten..." Nicht nur, dass er mich zum Narren vor allen gemacht hatte! Nein, obendrein hat er mir auch noch verschwiegen, wer er war! Usongu! Boss einer Söldnervereinigung! Stinksauer band ich energisch Falum, der von all dem nichts mitbekommen hatte und mich nun völlig verdutzt anglotzte, von der rostigen Rinne los und stieg auf.

"Komm, Falum, hier werden wir keine Hilfe finden..." Ich wollte gerade Sporen geben, als...

"Hey, warte, Ritter Raffaell, das war doch dein Name, oder?" Ich drehte mich noch mal um und setzte den abfälligsten Blick auf, den man sich vorstellen kann.

"Uhhhh!“ Seufzte er. „Mit dir hab ich's mir wohl gründlich verscherzt, wat?" Da stand er lässig in der Türe und hielt den Goldsack mir entgegen. "Hör mir zu, ich möchte mich entschuldigen."

'Das ist ja wohl das Mindeste!', dachte ich wütend und wusste, dass er es wieder las...

"Es ging zu weit eben, das weiß ich. Aber, auch wenn du 'unsere Dienste' jetzt nicht mehr in Anspruch nehmen willst, 50 Goldstücke sind trotzdem ein bisschen viel um sie einfach liegen zu lassen und ich nehme nur Gold, das ich mir redlich erarbeitet habe." Er warf mir den Beutel zu und ich steckte ihn ein. Na, wenigstens ist er ehrlich...

Plötzlich tauchten circa ein Dutzend Männer hinter ihm auf. Keiner war wie der andere, diese Gruppe ließ sich mit keiner vergleichen, der ich je begegnet bin:

Dicke, Dünne, Kleine, Große, Muskulöse und Schmächtige konnte man sehen und doch, alle schienen etwas gemeinsam zu haben und wenn’s nur ihr fester Blick war, der mich schon bei Usongu so beeindruckt hatte...

"Wir würden uns trotzdem über den Auftrag freuen, ist es nicht so Männer?" Ohne zögern und wie eine Stimme kam die Antwort: "JA, SIR!!!"

Und als ich nun feststellen durfte, von welch strenger Disziplin diese Leute geradezu verwandelt wurden, konnte ich nicht anders und änderte meinen Entschluss.

Ich stieg von Falums Rücken, der schnaubte beunruhigt. "Ruhig, ganz ruhig Falum... Also gut! Ihr habt den Auftrag, ABER: Die Belohnung gibt’s erst nach erfolgreicher Ausführung!" Mit lauter Stimme, deutlich und mit einer mich selbst überraschenden Überzeugung, die sie wohl auch beeindruckte, verkündete ich es.

"Einverstanden!" Usongu schlug ein und fügte hinzu: "Das hier ist leider nicht die ganze Gruppe, es fehlen noch zwei, aber gebt mir Zeit bis heute Abend. Bis dahin dürfte ich alle zusammen haben."

"In Ordnung." Ich ließ seine Hand los. "Ach ja, unterlasst bitte das Gedankenlesen, wenn es möglich ist."

"Na mal sehen," grinste er verschmitzt. Dann aber sah er plötzlich an mir vorbei, in Richtung Hauptplatz: "Macht euch auf eine Welle von Beleidigungen gefasst, Sir Raffaell... Der da hinten scheint euch zu kennen." flüsterte er mir zu, drehte sich um und verschwand mitsamt seiner Meute im Saloon. "Wir sehen uns bei Tion!"

Noch bevor ich mich umdrehen konnte, hörte ich ihn:

"FLASH!!! DU VERRÜCKTER, TOTAL BESCHEUERTER, VON ALLEN GUTEN GEISTERN UND GÖTTERN VERLASSENER VOLLIDIOT!!!" Jeder Hufschlag Askrims donnerte auf dem harten Straßenboden laut in meinen Ohren und ein Mischmasch aus Gefühlen überrollte mich heißkalt.

Er war bei mir angekommen und springend vom Pferderücken abgestiegen.

"Komm her, du Blödmann!" Mit Tränen in den Augen nahm mich Chase in eine Schraubstockähnliche Umarmung, um mich sofort wieder loszulassen und mir drohend die Hand entgegen schießen zu lassen. Kurz vor meinem Gesicht stoppte er, denn jetzt flossen ihm die Tränen... Mir erging es ja nicht anders, auch ich heulte still vor mich hin:

"Ich hab dich auch vermisst, du Mistkerl." presste ich durch die Lippen und wir standen eine Zeit lang reglos da. "Wo... sind die andern?" begann ich schließlich.

"Am Hauptplatz, bei diesem blinden Kerl, der uns zu dir geführt hat." antwortete er. "Der sieht vielleicht seltsam aus, sag ich dir!" Mir ging ein Licht auf.

"Na dann sollten wir uns wohl mal bei ihm bedanken, findest du nicht?" Lachend schritten wir zum Hauptplatz, die ausgelassenen Pferde direkt hinter uns. "Und ich muss dir unbedingt noch was erzählen, aber erst wenn ich alles weiß, was ihr erlebt habt!"

Kommentare

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    Boah, gruselig und unheimlich, dieses Olim! Aber wie gut, ist die Truppe wieder beieinander!

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