Und länger...

Nächte wie Diese sind lang! Sehr lang! Und ich war nicht in der Lage, auch nur für Minuten ein Auge zu zu tun.  Es war stockdunkel, doch Selina hatte Mel auf ihre Seite verlagert und lag in ihrer typischen Haltung mit dem Kopf auf meiner Schulter und der Hand auf meiner Brust. Auch sie konnte nicht schlafen, auch wenn wir versucht hatten, uns das gegenseitig vorzuspielen... "Woran denkst du?" - "An die Nacht im Seehaus, als du zum ersten Mal deinen Kopf auf meine Schulter legtest." - "Ich hab dich gefragt, ob du das auch spürst. Und du hast mich gefragt, ob ich das Knistern meine..." - "Ich spür es immer noch! Und ich hab auch immer noch Angst um dich!" - "Hast du es je bereut?" - "Keine Sekunde, Sel... Nicht eine einzige Sekunde." - "Ich liebe dich sehr, mein verückter Erfinder!" - "Ich liebe dich auch, Kleines! Wie am ersten Tag..." Es war immer noch schön, ihre Finger auf meiner Bust zu spüren, meine Hand auf ihrer Taille ruhen zu lassen und nur mit dem Daumen ihre Seite zu streicheln. Kaum spürbar... und doch so zärtlich, dass jeder Strich ihr von meiner Liebe erzählte...

Wir mussten tatsächlich irgendwann eingenickt sein, denn als mein Handy vibrierte, merkte ich, dass ich geschlafen hatte. Fünf Uhr sechzehn. Leise ging ich ran. "Ja?" - "Michi, i sag das! Mit dir mach i mir was mit! Lasst mi eine?" - "Aber klar, Bertie! Gib mir eine Minute." Ich bemühte mich, unbemerkt aus dem Bett zu kommen, aber Sel kriegt alles mit... Sie stand ebenfalls auf, deckte Melina ordentlich zu und machte das kleine Nachtlicht an. Sie griff den kleinen Frotteemantel neben dem Bett und zog ihn an, während ich diesen wunderschönen Anblick genoss. Verschlafen schaute sie mich an und kam auf mich zu und ich musste sie einfach küssen. Danach hielt ich noch eine Sekunde ihr Gesicht in Händen und sagte: "Du bist wunderschön, mein Engel!" - "Ach komm jetzt, du alter Lüstling!" lächelte sie. "Bertie wartet!"

Bertie wartete unten an der Haustür. Ich ließ ihn herein. "Servus! Wos is iatzt mit dem Buam, Michl?" Ich erzählte ihm schon beim Heraufgehen in den Salon in knappen Worten, was da gelaufen war. Noch auf der Treppe roch ich den wunderbaren Duft von starkem Kaffee. Selina hatte einen Kaffee bereitet, wie ihn Bertie und ich in unserer Jugend getrunken hatten. "Seli, du bist a Wahnsinn!" begrüßte sie Bertie in der ihm eigenen Art, die wir alle mochten. Bertie war ein guter und besonders herzlicher Kerl. Wir setzten uns an den Tisch und Bertie öffnete seinen Aktenkoffer. "Schaug amoi, wos i da hab!" Bertie war um fünf Uhr sechzehn bei uns mit fünfhunderttausend Euro in kleinen gebrauchten Scheinen eingelaufen. Ich kannte Bertie lang und gut, aber das hatte nicht einmal ich ihm zugetraut. Selbst Selina war sprachlos! "I hab da an Klienten, der moi unschuldig in Mordverdacht komman is. I hab ihn rausghaut, damals, des war gar net leicht. Von dem kann i alles hab'm. Ich hab ihn gebeten mir des Geld für an Entführungsfall dringend zu leihen. Er hat mir des vor einer halben Stund übergeben, ohne, dass i was unterschreiben hab müssen! I hab mi verbürgt, dass er's wieder kriagt. Des reicht ihm, hat er g'sagt..."
"Du bist einmalig, Bertie! Wenn alles gutgeht, kannst du ihm das Geld heute noch zurückbringen und ihn fragen, wie ich mich erkenntlich zeigen kann!"
Maria hatte wohl den Kaffeeduft gerochen, denn plötzlich stand sie mit einer Tasse "normalen" Kaffees hinter ihrer Chefin. "Sie trinken aber was Vernünftiges, Selina! Das kann ja nicht gesund sein! Wieso wecken sie mich denn nicht? Es kann doch nicht ihre Aufgabe sein, Frühstück zu machen!" Dabei hatte sie auch mich mit einem tadelnden Blick gestreift. "Ich hab schon ein Bisschen Gebäck im Ofen, ich bringe es ihnen gleich! Und Butter und etwas Konfitüre." - "Wie ich schon sagte, Maria! Sie sind ein Engel!" Mit einem Lächeln verschwand sie Richtung Küche.

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Feenstaub

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