Unheimliche Macht

"Wie lange müssen wir noch laufen?", Shanora folgte Church durch die Kanalisation, Yalhan und Allister befanden sich hinter ihnen.
"Sei still, Shanora!", Church legte an Tempo zu, "Ich kann spüren, dass wir verfolgt werden!" 
"Du kannst es spüren ja", Yalhan schlug einem weiteren Untoten den Kopf ab, "aber ich muss sie ständig beseitigen!" 
Church lief noch schneller, er wusste, dass Yalhan und Allister ihnen nicht ewig Rückendeckung geben konnten.
Shanora bemühte sich mitzuhalten, angestrengt versuchte sie noch schneller zu laufen.
Ein grelles Licht ließ sie abbremsen, Shanora krachte in Church und Allister mit Yalhan in sie.
"Wohin des Weges, König Baal?", die Stimme ihres Besuchers erkannte Shanora sofort. Marbas der Pestlöwe war vor ihnen erschienen, darum die ganzen Untoten, er hatte sie verfolgt und ihnen aufgelauert.
"Ich kann die Flut aus Toten stoppen, wenn ihr mir euer Gehör schenkt", die Stimme des Verfluchten klang beinahe säuselnd, als würde er sie mit Worten vergiften wollen.
"Warum sollten wir, Marbas Pestlöwe?", wandte Shanora das Wort an ihn. Church schien einfach nur da zu stehen und sich den Kopf zu halten. Seine weit aufgerissenen Augen und sein vor Schreck verzerrter Mund verunsicherten Shanora zutiefst.
"Church...", sie winkte Allister, der sich gerade wieder aufgerappelt hatte, zu sich. Diesem blieb der eigenartige Zustand von Church auch nicht verborgen, er berührte ihn vorsichtig.
Yalhan fixierte einstweilen den großen Löwen, aus Angst dieser könnte sie nun doch angreifen.
"Er wird heimgesucht!", erklärte Marbas ungefragt Churchs Zustand.
Shanora wendete sich nun doch wieder ihm zu: "Church? Von was? Was hast du ihm angetan?"
Marbas lachte verächtlich: "Ich habe ihm nichts angetan. Church? So nennt man ihn hier? Er weiß nicht mehr wer er ist!"
Im selben Moment brach Church schmerzverzerrt zusammen und schrie auf. 
Shanora warf sich zu ihm auf den Boden: "Marbas, hör auf damit, lass ihn in Frieden!"
Der Pestlöwe schien zu überlegen, dann näherte er sich Church und hauchte ihm seinen grünen Atem ins Gesicht.
Dieser brach daraufhin vollends zusammen, was Yalhan dazu veranlasste nach vorne zu stürmen und auf Marbas los zu gehen. Dieser wehrte ihn mit einem Stoß seiner mächtigen Schulter locker ab, schleuderte ihn gegen die Wand. 
"Er schläft jetzt, mehr kann ich für ihn nicht tun", Marbas wendete sich wieder Shanora zu, "wenn das Siegel bricht sollte er weder hier noch in Elensar sein!" 
Shanora war mehr als verwirrt, sie merkte wie ihr Verstand wieder auf eine Reise ging, weg aus der Kanalisation, weg aus dem Weltenriss. 
Sie endete in der Dunklen Kathedrale, im alten Thronsaal.

Vor dem Thron stand jemand, den Shanora im ersten Moment für Church hielt, das eigenartige Grinsen aber passte nicht.
Auf dem Thron saß Badria, Maris Tochter, aus irgendeinem Grund trug sie die schwarze Krone, hinter ihr stand Church. Also musste der vor dem Thron Chrunch, der wahnsinnige Zwilling ihres Verbündeten sein. 
Die Worte flogen geradezu durch den Raum, Badria hatte mühe ihnen zu folgen:
"Suchst du etwas?"
"Was, wer ist dann dieser?"
"Das ist mein Zwillingsbruder! Finn hat ihn vor einer halben Ewigkeit in den Kerker gesteckt weil er sich nicht beherrschen kann, er ist, falls du das nicht bemerkt hast, wahnsinnig und naja, ein klein wenig sonderbar!"
"Was hast du im Kerker getan?"
"Dich verraten, kleine Badria! Hast du dich nie gefragt wessen Herz dein guter Großvater in das Schwert eingearbeitet hat? Es ist auch unwichtig, ich werde gehen, mit dem Schwert und du wirst dich mit meinem Bruder amüsieren, was hältst du davon?"
Erschrocken schüttelte Shanora den Kopf, die Vision verschwand, aber der Nebel lichtete sich nicht. 
Plötzlich sah sie prächtige Gärten voller blühender Sträucher, umschlossen von Mauern aus Stein. Die Sonne stand hoch über dem Königreich, über welches eine Fahne mit einem weißen Tiger darauf wehte. 
Ein älterer Mann, sein dunkelblondes langes Haar, wie auch der Bart, waren schon von grauen Strähnen geziert, schritt durch diese Gärten. Er schien sich mit jemandem zu unterhalten, aber Shanora konnte durch den verzogenen Nebel die zweite Person nicht erkennen. Der Mann trug eine Krone und hatte gütige bernsteinfarbene Augen, die für einen kurzen Moment direkt in die von Shanora zu blicken schienen. 
Seine weiche Stimme überraschte sie, beinahe war sie gestolpert: "Argenshire ist ein gefährlicher Ort seid dort vor 11 Jahren ein Artefakt aus einer anderen Welt vom Himmel fiel. Ein Junge namens Chrunch hat es in den Bergen gefunden und an sich genommen. Er regiert nun das ganze Land! Die Bewohner von Argenshire sind anders als wir, mag an der Hitze liegen!" 
Diese Worte waren eindeutig nicht an sie gerichtet, und doch verstand sie langsam was sie da sah.  
Plötzlich verschwand das Bild wieder im Nebel, sie sah Sassy auf einer eigenartigen Mauer aus Eis oder etwas ähnlichem, neben ihr stand Finn, sie konnte einen Fetzen ihrer Unterhaltung mithören:
"Vielleicht solltest du versuchen mit ihm zu verhandeln, wir haben im Kampf keine Change!"
"Lasst mich bitte kurz, ich muss improvisieren, schnell denken und einen neuen Plan machen!"

Dann verschwand auch dieses Bild wieder, sie landete in einem Treppenhaus, erkannte Church, aber er schien kurz davor zu sein dem Wahnsinn zu verfallen. Er schien gegen jemanden zu kämpfen, Shanora konnte aber niemanden ausmachen.
"Hast du Angst?"
 "Church? Was tust du, ich leiste keinen Widerstand, versprochen!"
"Niemand kann es beenden, auch Finn nicht, niemand kann ihn aufhalten!"
"Finn wird eines Tages den Dunklen endgültig vernichten Church! Dann wirst du frei leben können! Aber du musst mich jetzt gehen lassen! Du darfst dich nicht von ihm leiten lassen!"
Die Stimme gehörte eindeutig zu einer Frau, Eva, die sie in Allisters Haus getroffen hatte. Auch sie schien etwas mit ihren Visionen zu tun zu haben.
Die Stimme, die nun durch Shanoras Kopf, in dem sich der Nebel nun in schwarzen Rauch verwandelt hatte, machte ihr Angst, sie glaubte aber zu wissen, dass es sich um Chrunch, den Wahnsinnigen, handeln musste.
"Gib es auf kleiner Prinz"
"Aufgeben? niemals! Ich kann noch Tage lang so weiter machen, oder wirst du etwa müde?"
"Das ist also das Ende des letzten Prinzen vom weißen Thron, unbedeutend, namenlos in einem fremden Land!"
Shanora sah nur wie eine Menge Blut auf trockenem rissigen Boden landete, dann versank alles erneut in schwarzem Rauch
"Der letzte Prinz von Elensar, ich hätte mir mehr erwartet!"
Shanoras Kopf begann zu pochen, sie konnte nicht anders als zu schreien. 
Ein in Stein gemeißelter Fers erschien vor ihr, sie versuchte ihn zu entziffern, Efeu hatte ihn beinahe überwachsen.
"Ein Prinz mit goldenem Haar wird dem König des Nordens alle Macht nehmen um alles zu riskieren und die Welt zu retten. Der König des Nordens aber gewinnt dadurch die Stärke um gerecht zu regieren."
Das letzte, was Shanora sah, bevor sie endgültig das Bewusstsein verlor, waren treue eisblaue Augen. Dazu hörte sie eine gütige junge Stimme, die ihr aber nicht einmal im geringsten bekannt vor kam.
"Danke Finn, viel Glück auf deinen weiteren Reisen. Und denk daran, wenn du jemals etwas brauchst wird Amergyn dir immer zur Seite stehen, wir bleiben verbunden durch ein Band aus Freundschaft!"

"Finn", Shanora schreckte hoch, wobei sie sofort von zwei starken Armen gepackt wurde.
Sie wehrte sich kurz, dann aber öffnete sie ihre Augen und merke, das es sich bloß um Yalhan handelte.
"Allister, sie ist wach", informierte dieser den Heiler, der ein paar Meter weiter vor Church kniete. 
"Church", flüsterte Shanora und sah sich interessiert um.
Sie befanden sich nicht mehr in der Kanalisation, zumindest glaubte sie das. Es schien sich hierbei um eine Höhle zu handeln. Die Mauern waren lehmig, das musste bedeuten, dass sie sich auch nicht mehr im Weltenriss befanden.
Allisters warme Hand auf ihrer Stirn rissen sie aus ihrer Analyse der Umgebung. 
"Wie geht es dir?", fragte dieser sie besorgt und starrte sie eindringlich an. Shanora war verwirrt, sie musste ohnmächtig geworden sein, aber mehr auch nicht. 
"Gut, wie habt ihr es geschafft mich und Church aus der Kanalisation zu schaffen?", fragte sie.
Ihre Frage schien sowohl Allister als auch Yalhan zu verwirren, die beiden warfen sich eigenartige Blicke zu.
"Was ist los?", wollte Shanora jetzt wissen, sie versuchte aufzustehen, aber ihr Kreislauf versagte beinahe.
Allister drückte sie sofort wieder nach unten als sie es erneut versuchen wollte.
Da entdeckte sie, dass neben Chruch noch ein weiterer Mann lag. Sie konnte ihn nicht genau erkennen, er schien dunkles Haar zu haben und war wie Chruch in eine Decke gehüllt. 
"Wer ist das?", Shanora hatte genug von den verwirrten Blicken der beiden Elfen, es reichte ihr.
Allister setzte sich zu ihr und begann vorsichtig zu erzählen: "Als Church umgefallen war und Yalhan versucht hatte den Pestlöwen zu erschlagen, da bist du plötzlich irgendwie von einer Macht erfüllt worden. Ich habe noch nie so etwas gesehen, diese Macht schien aus jeder Pore deines Körpers zu kommen und umschloss uns alle. Wir wurden von ihr getragen, sie hat uns hier her gebracht, an den Fuß des Berges, wo wir uns das erste mal begegnet sind. Aber es ist noch mehr passiert, die Macht hat aus dem Pestlöwen einen Menschen gemacht schätze ich! Damit wird es vorbei sein, der Angriff der Untoten ist hiermit beendet Shanora, du hast wahrscheinlich Illutia gerettet!"
Shanora starrte fassungslos auf ihre zittrigen Hände. Finn hatte zwar immer gesagt, dass sie unglaubliche Kräfte haben musste, aber sie war nie in der Lage gewesen diese zu benutzen.
Es schien auch als wären sie körperlich extrem anstrengend. Sie wusste nicht, ob sie diese Kräfte nicht eher fürchten sollte. 
"Du solltest dich ausruhen Shanora, wir sind ganz nahe am schwarzen Thron, es reicht wenn wir in ein paar Stunden aufbrechen!", Yalhan schien gebannt von ihrer Macht zu sein. Dann schenkte er ihr ein aufmunterndes Lächeln: "Außerdem sollte Allister sich auch ein wenig ausruhen, ihr neigt beide dazu ständig zu übertreiben!" 
Allister fuhr sich verlegen durch die Haar: "Er hat wohl recht, wir müssen fit sein, Treplew wird uns nicht einfach so davon kommen lassen, jetzt wo wir seine Pläne Illutia zu zerstören durchkreuzt haben! Wir müssen vorbereitet sein!"
Shanora nickte, die beiden hatten wohl recht. Außerdem würde sie es im Moment kaum schaffen auch nur einen Kilometer zurück zu legen.
Ein paar Stunden Schlaf würden ihr gut tun, sie hoffte danach ihren Bruder zu treffen. Viel zu lange hatte sie ihn nicht gesehen. Und sie hatte so viele Fragen an ihn, es gab so viel zu besprechen. 

Celles starrte fassungslos auf die kleine Armee aus Untoten, sie hatten den Angriff gestoppt, einfach angehalten.
"Was...", Saphira bemerkte den Unterschied natürlich auch, aber sie hatte keine Zeit sich zu entspannen. 
Sassy und Alpha bemerkten ebenfalls, dass die wandelnden Toten aufgehört hatten sich zu bewegen. Dann lösten sie sich einfach auf. Sie verwesten unglaublich schnell und zerfielen schließlich zu Staub, der von einer Windböe davon getragen wurde. 
"Shanora", Sassy lächelte, "sie hat es geschafft! Sie muss den Pestlöwen aufgehalten haben!"
Alpha legte ihr die Hände auf die Schultern: "Das Mädchen scheint viel stärker zu sein als wir dachten!" 
Saphira und Vanessa kämpften immer noch verbissen, es schien als wäre Vanessa darauf programmiert ihre Geschwister aus dem Weg zu räumen um Yalhan und Allister folgen zu können. 
Celles durfte sich in den Kampf nicht einmischen, ihr Feuer könnte durch Vanessas Wind zu großem Schaden für alle beteiligten führen. 
"Sie ist immer noch nicht bereit aufzugeben?", rief Sassy Saphira zu, diese war gerade schwer beschäftigt damit Vanessa erneut am Boden fest zu eisen. 
"Nein", plötzlich wankte Saphira und das Eis löste sich auf. 
Ihr Kreislauf schien nicht mehr an dem ganzen Spektakel teil nehmen zu wollen, ihre Körper begann zu zittern. Ihr Bauch schien zu krampfen und sie viel auf die Knie.
Sassy versuchte sie schnell genug zu erreichen um Vanessa davon abzuhalten auf die nun wehrlose Saphira los zu gehen.
Aber sie schaffte es nicht, sie konnte sich nicht mehr zwischen die beiden werfen.

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