Stell dir vor, du sitzt auf deiner alten, flauschigen Lieblingsdecke in einer gemütlichen, schattigen Nische umgeben von zerklüfteten Felsen. Du lehnst dich zurück - dein Kopf am weißen, aufgeheizten Stein - und blickst nach oben. Über dir nichts als klarer, blauer Himmel, eingerahmt von den kleinen, dunkelgrünen Blättern der Olivenbäume, die sich sanft in einer angenehmen Brise wiegen. Deine Hände ruhen auf deiner Brust, halten mit lockerem Griff das Buch fest, das du schon so oft gelesen hast, aber von dem du noch immer nicht genug hast. Der Einband ist schon ganz abgegriffen vom vielen begierigen Lesen, die Seiten ein wenig vergilbt und verknickt. Doch dieser kleine, wertvolle Schatz vermag es dich immer wieder in eine andere Welt voller Wunder und Legenden zu entführen, fernab von Realität und Alltag, gespickt mit spannenden Abendteuern und mutigen Helden. Du schließt die Augen, spürst wie dir der Wind über deine Haut streicht, deine Wangen liebkost und dir spielerisch durchs Haar fährt. Hörst, wie einige Meter unter dir das salzige Meerwasser gegen das felsige Ufer schwappt, einige Steinbrocken verschlingt und über den zerfurchten Stein spritzt, bevor es sich wieder zurückzieht und erneut gegen das Ufer prallt. Du kannst den salzigen Geschmack des Meeres schon fast auf den Lippen schmecken. Das Vor und Zurück des Wassers klingt wie eine Melodie, die sich ständig wiederholt, aber doch niemals gleich anhört. Du lauschst dem Lied des Meeres, fragst dich wie lange es schon erklingt und wie lange es wohl noch andauern wird. Die Antwort ist ungewiss. Du beschließt einfach den Moment zu genießen, den Wind auf deiner Haut zu spüren, dich von der Sonne wärmen zu lassen und dem Geräusch der wogenden Wellen zuzuhören. Langsam kommst du zur Ruhe. Selten warst du so entspannt. Du wirst immer schläfriger, die Müdigkeit scheint jeden Winkel deines Körpers auszufüllen. Wohlig streckst du dich aus,  gähnst leise und lümmelst dich zufrieden in deine weiche Decke. Dann ist er da, dieser Moment, in dem dir jegliches Körpergefühl entgleitet und du dich leicht wie ein kleiner Vogel fühlst. Bereit dich fallen zu lassen in deinen Strom aus wahllos herumgeisternden Gedanken und dich mit ausgebreiteten Flügeln in eine andere unbeschwertere Welt aufzumachen. Du stehst schon am Abgrund, startklar für den Flug, als sich plötzlich von hinten Schritte nähern und dir jemand vollkommen unvermittelt einen Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf schüttet....

Kommentare

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    Super geschrieben!! Nur der Schluss ist schon etwas krass ;-) Der mit dem Wasser, nenn mir seinen Namen und ich werde Rache üben ;-)

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    Schadenfreude ist doch die schönste Freude :-D

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    Wenn ich den erwisch...! Verblüffend! Sehr gut!

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    Gut geschrieben und klasse Wendung am Ende :)

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    Die Du-Form, das sieht man auch nicht oft :D

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    das klingt alles sehr metaphorisch, gefällt mir :)

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    Hey, freut mich wirklich mal wieder was von dir zu lesen :) "Drama"? hehe

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Feenstaub

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