Zwei zu viel?

Die kühle Abendluft füllte angenehm meine Lungen, als ich durch die Türe auf meinen dunklen Balkon ging. Der Duft vom Harz der Bäume und frisch gemähten Gras wehte mir beim Öffnen der Tür entgegen.

Am Balkon angekommen, war das leise Rascheln von Blättern und das Getuschel von Leuten zu hören.

» Ich wusste es doch, dass er kommt, Leute.«, vernahm ich eine mir vertraute Stimme.

» Ach, halt doch dein Maul, Serami! Du bist einfach nur eine, die viel zu viel Glück hat.«, bellte eine männliche Stimme.

An der Wand des Balkons ertastete ich einen Lichtschalter, den ich prompt betätigte.

Serami war eine 17 Jahre alte Priestern, die in Lichtmagie spezialisiert war und zeigte gerade Kyrael die Zunge. Sie hatte kurze grüne Haare, die bis zu ihrem schlanken Kinn fielen, wo vier kleine Hörner rausschauten. Statt einer Nase hatte sie zwei Löcher oberhalb ihrer zierlichen Lippen, die durch ihre dunkelblaue Haut fast nicht zu sehen waren. Serami war an sich ganz eine nette und liebe Person, aber sie hatte eine gespaltene Persönlichkeit, die sich zeigte, wenn sie jemand verärgerte.

Mit ihr waren noch vier andere gekommen: Mia, Sari, Kyrael und Tristan.

Tristan war ein dürrer, untoter Illusionist in Schuluniform und immer für schlechte Witze zu haben. Lange grüne Haare fielen ihm strähnig vom Kopf bis zu seiner Schulter, wo man nur mehr die Knochen sah. Die gräuliche Haut in seinem Gesicht fehlte zum Teil. Man konnte Sehnen und Muskeln sehen, die sich lockerten und wieder spannten, wenn er redete.

» Ich dachte mir schon, dass du alleine gehen willst, daher kam ich zu dem Entschluss, dir Serami, Tristan und Kyrael mit auf den Weg zu geben.«, sagte Mia ernst und verzog dabei keine Miene.

»Mia, ich und die anderen müssen hier ja für Recht und Ordnung sorgen, Sir.«

» Ich werde sobald wie möglich wieder zurück sein, dass verspreche ich.«

Ich sprang vom Balkon aus zu ihnen nach unten.

Sari drehte sich und folgte einem Weg nach rechts: », Wenn wir diesem Weg folgen, ist hinter dem Gebäude eine Kutsche bereitgestellt, die euch zur Landesgrenze bringt, ab da müsst ihr dann zu Fuß weiter.«

» Vielen Dank Leute. Ich weiß das sehr zu schätzen.«

Leise folgten wir alle ihr.

Die Kutsche war einfach gehalten und aus schlichtem Holz und Metall. Sie war in braun lackiert und hatte große Räder, um schneller fahren zu können, denn die Kutsche wurde von einer riesigen gepanzerten Echse gezogen, die uns neugierig musterte.

« OOOHHH!!! Ist der Süß!«, kreischte Serami und rannte aufgeregt zu der Echse, um sie zu streicheln. War ja klar, Serami und komische Tiere. Ich dachte mir meinen Teil und stieg hinten in die Kutsche ein. In der Kutsche waren links und rechts bequeme Bänke, mit roten Polster überzogen. Man konnte nur von Hinten einsteigen, weil an den Seiten zwei kleine Fenster waren. Vorne konnte man sich hinsetzen, um die Kutsche zu steuern. Unter den Bänken war das Gepäck von den Anderen bereits verstaut. Ich fand noch Platz für meines und legte es dazu.

Kyrael setzte sich auf den Platz des Kutschers, Serami setzte sich gleich neben ihm hin.

« Ich glaub ja, die haben was miteinander.«. flüsterte mir Tristan zu, als er einstig und sich neben mich setzte. Kaum hatte er das gesagt, traf ihm auch schon das Ende eines Stabes auf der Nase. »Au! Fuck! Was ist los mit dir?«

 »Idiot, das habe ich gehört.«, kläffte ihn Serami mit rotem Gesicht an.

Wir alle lachten lautstark nur Kyrael musste so stark lachen, dass er fast von der Kutsche fiel.

» ich hoffe, ihr habt alles?«

» Ach, die packen das schon, Sari.«

» Wenn du das sagst, Mia.«

» Ich will euch ja nicht unterbrechen, aber ich glaube, wir müssen los. Also, Kyrael, wallte deines Amtes.«

» Verstanden, Sir.«, gab Kyrael zurück

» Passt auf euch auf!«, sagten Sari und Mia gleichzeitig und winkten uns noch zu, als Kyrael der Echse den Befehl gab loszugehen.

Endlich konnte ich mich etwas entspannen und schloss meine Augen.

 

Nach ein paar Stunden spürte ich etwas Komisches zu meinen Füßen, was mich wach werden ließ. Es war mittlerweile hell geworden und man konnte die Umgebung wieder gut erkennen.

Ich dachte nicht viel darüber nach, was es gewesen sein könnte und schaute nach hinten aus der Kutsche raus.

Ich gähnte und stellte fest, dass wir in einem Wald waren, der voller Leben und saftig grün war. Hier und da sah man kleine Tiere, die auf der Suche nach Nahrung den Weg, auf dem wir unterwegs waren, kreuzten. Alles in allem war es ein schöner Anblick.

Mittlerweile saß Tristan am Steuer. Serami und Kyrael hockten mir gegenüber und unterhielten sich.

» Ich hoffe, dass an der Grenze alles gut geht.«

» Ja, das hoffe ich auch, Serami.«, stimmte ihr Kyrael zu.

» Hatschi!!«

Plötzlich war jeder hell wach und Kampf bereit. »Ich glaube ja, das war keiner von uns, oder?«, fragte Tristan nach hinten.

» Nein, das waren andere. Aber ich glaube, ich habe da was.«, sagte ich nachdenklich und stand auf.

Ich blickte nach unten musste leichte Bewegungen beim Gepäck feststellen. Gerade wollte ich mit einem Fuß zum Tritt ausholen, als mich Serami zurückhielt.

« Sir, wir sollten zuerst etwas anderes machen.«, während sie das sagte, griff sie nach unten und schlug die Decke weg, unter der sich der blinde Passagier versteckte. Sie fasste ihn ruckartig beim Kragen und zog ihn hervor. Serami brauchte beide Hände, da es nicht einer, sondern gleich zwei zusätzliche Passagiere waren. Wir wollten schon alle unsere Waffen auf sie richten, als ich feststellen musste, dass ich die zwei kannte.

» Tut ihnen nichts! Ich glaube, ich kenne die Zwei.«, brachte ich verwirrt aus mir heraus.

Ich musste feststellen, dass die zwei unsere Schuluniform trugen und es Neulinge waren.

» Was macht ihr zwei Neulinge hier?«, fragte ich.

» Sir, wir wollten uns die Echse ansehen, aber es war schon Sperrstunde und da haben uns dann in der Kutsche versteckt. Bitte Sir, lassen Sie Gnade walten.«, sagte das junge Ding mit lila Haaren.

« Sei doch still, du dummes Stück, das stimmt doch gar nicht!«, entgegnete der Junge und wurde ganz rot im Gesicht.

» Still jetzt! ich weiß jetzt wer ihr seid. Ihr seid Silphion und der komische Geisterjunge oder?«, begeistert starrte ich sie an.

» Ich heiße nicht Geisterjunge, sondern Emm-o und könnt ihr uns bitte runterlassen? «, stieß Emm-o heraus.

Serami ließ die zwei nach unten und musste feststellen, dass Emm-o etwas kleiner war, sogar als Silphion. Er hatte eine sportliche, aber nicht zu sehr auf Muskeln aufgebaute Figur. Seine Haare waren schwarz und an den Seiten abrasiert. Sein Gesicht war nichts Besonderes, nur seine gelb-orange leuchtenden Augen waren bemerkenswert.  Er hatte etwas breitere Augenbrauen, wodurch es wirkte, als ob seine Augen tiefer liegen würden. Die Nase war etwas schief durch womöglich einen früheren Bruch und er hatte ein rundes Kinn.

» Ach ist das so?« antwortete ich ihm.

Tristan drehte sich von vorne aus zu uns um und sagte etwas besorgt:« Sir, wir sind schon zu weit an der Grenze, um jetzt noch umdrehen zu können.«

Shit, das ist jetzt eine dumme Situation, in die wir gekommen sind. Aber uns blieb wohl keine andere Möglichkeit, als sie mitzunehmen. War ich echt so in Gedanken versunken, dass ich die zwei nicht eher bemerkte habe? Aber das war jetzt auch schon egal. Wir mussten das Beste daraus machen.

»Also ihr zwei, ich stell euch mal die anderen vor: der Name der freundlichen Person, die euch rausgezogen hat, ist Serami, neben ihr befindet sich Kyrael und am Steuer findet ihr Tristan. Mich kennt ihr ja bereits.«, stellte ich sie vor.

» Jetzt, da wir die Formalitäten geklärt haben, kommen wir zum Wesentlichen. «, ich schaute mich in der der Menge um und wurde immer ernster, »Ich kann nicht für Sicherheit garantieren, weder für eure, noch für meine. Ich weiß nicht, was uns erwartet. Ihr könntet verletzt werden oder sogar sterben. Passt auf euch auf und kein Alleingang, habt ihr mich verstanden? «

» JA, SIR.« »Äh, Ja Sir.«, antworteten Silphion und

 Emm-o nachträglich.

Als sich alle wenig später wieder hingesetzt hatten, ging ich zu Kyrael, um ihn abzulösen. Ich klopfte ihm von hinten freundschaftlich auf die Schulter, »Du sitzt hier schon lange genug. Ich lös dich ab.«

» Danke. Ich hock hier schon seit vier Stunden und wir brauchen noch ca. zwei Tage bis zur Landesgrenze.«, müde übergab er mir die Zügel und setzte sich nach hinten, um sich auszuruhen.

Ich ließ die Zügel schnalzen, die Echse brüllte vor Freude schneller laufen zu dürfen. Ich konnte erkennen, dass sich der Weg einige hundert Meter voraus teilt. Eine Seite führt nach links, die andere zweigt nach rechts ab. In der Mitte der Weggabelung saßen zwei Soldaten an einem Tisch und redeten scheinbar miteinander.

Als wir näherkamen, bemerkten uns die zwei Soldaten und standen auf. Ich zog sanft die Zügel an, um nicht zu schnell langsamer zu werden.

Verwirrt kam Silphion zu mir nach vorne und fragte: »Warum werden wir langsamer? «

» Die zwei Soldaten wollen, glaub ich, etwas von uns.«, sagte ich und wurde noch langsamer.

Als wir an der Kreuzung anhielten, kamen die Soldaten schon auf uns zu.

Wir musterten uns gegenseitig. Die Soldaten hatten eine einfache silbrige Rüstung mit einem Rundhelm ohne Visier an. Beide trugen einen Speer in der Hand, ein Schwert und einen Dolch am Gurt.

» Es tut uns leid, Reisende, aber ihr müsst, wenn ihr an die Grenze wollt, den langen Weg nach links über die Stadt Hake im tosenden Gebirge nehmen. Die kurze Strecke ist gesperrt.«, erklärte uns einer der Soldaten.

Der Weg über die Stadt Hake würde uns über einen Tag kosten und war noch dazu gefährlicher.

Im tosenden Gebirge waren schon viele umgekommen und es ist ein sehr trostloser Ort.

» Darf man fragen, warum der Weg gesperrt ist, Soldat?«, fragte ich verwundert.

» Weiter vorne an einem Abhang gab es einen Erdrutsch, weswegen der Weg blockiert ist. Er wird zu diesem Zeitpunkt bereits wieder frei geschaufelt, aber das dauert noch.« antwortete der andere Soldat.

» Was ist hier los, Sir?«

» Wir müssen einen Umweg nehmen, weil es einen Erdrutsch gab. Scheint, als müssen wir jetzt erst nach Hake ins trostlose Gebirge.«, antwortete ich Tristan, der zu mir nach vorne kam.

Plötzlich waren die zwei Soldaten wie Eis erstarrt. Sie hatten wohl noch nie einen Untoten gesehen. Ich zuckte mit den Schultern und gab der Echse das Signal zum Weiterfahren.

Gerade, als wir bei den Soldaten vorbei waren, schrie einer der beiden uns nach: »Von wo seid ihr eigentlich?«

» Wir sind aus Terazil, von Kerasumera, die Schule für Kampf, Magie und Forschung aus Gerasch.«, schrie Emm-o von hinten raus und zeigte ihnen den Mittelfinger, was ich gerade so aus dem Augenwinkel sehen konnte.

Als wir um eine Kurve fuhren, konnte ich nur noch leicht hören, wie die Soldaten uns nachbrüllten.

Der Weg ging gefühlt eine Stunde lang in die Höhe, bevor er wieder kurvig wurde und geradewegs in einen Wald führte.

Die Sonne versank schon wieder langsam und tauchte den Wald in ein harmonisches Gold. Der Wind blies leicht durch die Blätter, was sie leise rascheln ließ. Von weiten konnte man das Gebirge schon erkennen als kahle, spitze Steinformationen, die Messerscharf waren.

Ich knabberte gerade an einem Stück Trockenfleisch, als sich, nach einer Kurve, vor uns auf dem Weg eine zerstörte Kutsche mit Leuten befand.

Zwei der Räder auf der linken Seite der Kutsche waren komplett zerstört. Die Türen auf beiden Seiten hatten Löcher so groß wie ein Kopf. Die Leute um die Kutsche herum, versuchten diese wieder zum Fahren zu bringen.

Als wir immer näherkamen, drehte sich einer nach dem anderen zu uns um und kam langsam auf uns zu.

Wir blieben etwa zwanzig Meter vor der Kutsche stehen, stiegen aus und bewegten und auf die Leute zu. »Was ist hier los?« fragte Kyrael lauter und legte der Echse ein Stück Fleisch hin und stellte einen Krug Wasser daneben.

» Ihr werdet nicht mehr lange leben, daher gebt schon mal auf.«, sagte ein Mann mit krummer Nase und gezogenem Schwert.

Plötzlich bemerkten wir das Rascheln von Laub in den Sträuchern um uns herum. Dutzende von Menschen kamen aus dem Wald und umzingelten uns.

» Ich glaube, wir werden überfallen, Leute!«, stotterte Silphion.

» Ach, das wird schon.«, grinste sie Serami an und tätschelte ihren Kopf.

» Wir sind die dunkle Gilde Astreto und ihr seid unsere Beute.«, erklärte ein großer und muskulöser Mann, einen großen Hammer trug, der an jeder Seite eine spitze Dorne hatte.

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