Abendessen

Es war ein langer Tag im Labor und das einzige was wir an diesem verlorenen Tag im Praktikum gemacht haben, ist die Herstellung eines Bonbonduftes. "Gut das es endlich vorbei ist.", seufze ich und steige in die Straßenbahn. Es ist voll und warm, aber ausnahmsweise stört mich das wenig. Denn wenn ich nach Hause komme, wartet ein Bunny mit einem Abendessen auf mich. Killerbunny hatte mich für diesen Abend auf ein Abendessen eingeladen, dass erste Mal, seit es bei mir vor fast einem Monat eingezogen ist. Ein kleines Revanchieren für die zahllosen Plünderungen meines Kühlschranks und Verwüstungen meines Zimmers in meiner Abwesenheit. Wie konnte ein Kaninchen nur so ein Chaos anstellen?

Unser Treffen war um 18.00 angesetzt, die Straßenbahn hat natürlich Verspätung und so bin ich ebenfalls für unser Treffen verspätet. Das Kaninchen hat zu meiner Überraschung schon angefangen zu essen und tadelt mich mit vollem Mund:
"Du bist zu spät. Hast wohl vergessen, dass ich heute für dich schufte?"
"Hast wohl vergessen, dass ich den ganzen Tag schufte.", erwiderte ich mich langsam setzend. Ich blicke auf den Teller: Es gibt Steak, Karotten und Kartoffeln mit brauner Soße. Es sieht essbar aus, nur riechen tut es etwas seltsam. Weshalb ich mich entscheide, einen Bissen zu nehmen, bevor ich die Kochkünste des Kaninchens lobe -eine gute Entscheidung. Als ich einen Bissen der Kartoffeln nehme, breitet sich in meinem Mund nicht der Geschmack von zu viel Salz, sondern von Süße aus. Süße, fade, totgekochte Kartoffeln. Aber es ist nicht nur das, eine Note von Metall schwingt dem ganzen bei. Ich blicke hoch, dass Kaninchen schaut mich an. Es legt betont langsam sein Besteck zur Seite und faltet seine Pfoten. Es hat aufgehört zu essen und beobachtet mich.
"Du sag mal?", frage ich mit Unschuldsstimme.
"Hmmm?", erwidert das Kaninchen  und leckt sich über die Zähne.
"Die Kartoffeln schmecken eigenartig süß." -ich verschweige vorerst, dass sie matalisch schmecken-
"Hast du nicht gesagt, du schmeckst nichts?", erwidert das Kaninchen, meine Frage ignorierend, während ich auf dem Bissen herum kaue.
"Ich schmecke nur vermindert.", entgegne ich, weiter kauend. Was könnte das bloß für ein Geschmack sein? Zucker ist es nicht. Eine Sirupart? Ananas? Nein all das ist es nicht.  

 

Plötzlich wird mir bewusst, dass das Kaninchen noch nicht auf meine Frage geantwortet hat.
"Was hast du an die Kartoffel gemacht?", frage ich wieder.
"Schmecken sie so schlecht?", versucht es mit Tränen in den Augen mich wieder abzulenken.
"Sag!", fauche ich, und kaue weiter. Der Geschmack wird nicht besser. Je länger ich darauf rum kaue, vielleicht sollte ich es einfach runterschlucken? Vielleicht hätte ich das von Anfang an tun sollen? Einfach das Essen wortlos runterschlucken, wie man das bei schlechter Küche so macht um die Gefühle des anderen nicht zu verletzen.
"Arsen.", erwidert mir das Bunny. "Hab ich zu viel dran gemacht?"
Noch bevor ich die Antwort richtig im Hirn verarbeiten kann, spuckt mein Mund die gefährliche Nahrung in weitem Bogen heraus. Sie landet mit leisem Platschen auf dem Küchenboden.

"Das mach ich aber nicht sauber.", beschwert sich der Löffelträger.
"Arsen?", keife ich das Bunny an.
"Was hast du denn?", fragt die Stubsnase sichtlich unbeeindruckt. "In Asien bauen sie den Reis auch auf Arsenhaltigem Boden. Der verschwindet nicht durch Ernte oder kochen. Der bleibt in den Reiskörnern drin und kommt so in dich rein. Den ist du jedes Mal bei Curry und anderen Reisgerichten mit."
Blöderweise sind mir diese Umstände in ihrer Richtigkeit bekannt. Anorganisches Arsen gilt als krebserregend; es regelmäßig selbst in kleinen Mengen aufzunehmen, schädigt Gefäße und Nerven. Außerdem können Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefördert werden. Eine sichere tägliche Aufnahmemenge gibt es nicht. Noch schlimmer ich hab sie dem Kaninchen vor einer Woche erzählt. "Aber das ist kein Grund Kartoffeln mit Arsen zu würzen.", erwidere ich.
"Wie denn dann?"
"Mit Natrium-Chlorid." - Das Chemiepraktikum ist noch zu sehr in meinem Kopf.
"Klingt ja eklig."
Ich nehme eine der Kartoffeln mit der Gabel auf und zeige darauf. "Nein, das ist eklig."
"Gut dann kochst du nächstes Mal.", erwidert das Bunny patzig.
"Nicht nächstes Mal, nur noch.", erwidere ich um mein Seelenheil besorgt.
Das Kaninchen lächelt und willigt ein. - Ich glaube das hatte es von Anfang an beabsichtigt.

 

Erst jetzt bemerke ich, dass das Kaninchen nur Karotten auf dem Teller hat. Ich sollte das nach Bittermandeln riechende Fleisch vielleicht auch nicht essen...


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