Kapitel 17

Noch bevor ich darüber nachdenken kann, was gerade geschehen ist, landen wir allesamt auf dem harten Boden. Was ist gerade geschehen? Hat dieses Mädchen uns gerade echt weg teleportiert? Sind das ihre Kräfte?

Die Anderen richten sich auf, während ich mich nur erschöpft aufsetze. Der ganze Tag war ein totales Desaster. Ruby wurde der Arm gebrochen, das neue Mädchen hat die ganzen Leute im Saal mit einer Handbewegung umgebracht und ich wurde von dieser teuflisch bösen Frau regelrecht gefoltert. Ich bin echt froh darüber, dass wir da jetzt wieder raus sind.

Erst jetzt nachdem ich mich langsam wieder beruhigt haben und meine Sinne wieder scharf geworden sind, betrachte ich meine neue Umgebung.

Wir befinden uns irgendwo auf einem kleinen Hügel im Nirgendwo. Unter mir sprießt saftiges, grünes Gras aus dem Boden, was total typisch für unseren Planeten ist.

Ruby hat sich einen grauen Felsen gesetzt und hält sich den Arm. Wahrscheinlich versucht sie einzuschätzen, ob der Knochen nur angebrochen oder doch ganz durchgebrochen ist.

Das habe ich immer nach einem Kampf getan. Zwar kamen diese Kämpfe nur selten vor, doch sie kamen vor. Besonders dann wenn die Betreuer bereits in ihren Betten lagen. Es waren immer Mehrere, die sich auf einen Einzelnen gestürzt haben. Meistens war ich in dem Fall die Einzelne. Die anderen Waisen im Heim haben einfach schnell bemerkt, dass ich anders war als sie. Ich habe mir aber auch nie wirklich Mühe gegeben das zu verstecken.

Hilley bricht das Schweigen, als sie sich an das Mädchen wendet, welches uns anscheinend heraus teleportiert hat:"Danke, Annabeth! Du hast uns das Leben gerettet!" Sie lacht:"Ich? Euch? Nein, das war andersherum. Du hast mich doch gerettet." Hilley schüttelt den Kopf:"Ohne dich wären wir da aber niemals raus gekommen." Annabeth gibt sich geschlagen:"Na gut, dann sind wir halt Quitt, okay?" "Okay", lacht Hilley und zieht das Mädchen in ihre Arme. Sie erwidert die herzliche, freundschaftliche Umarmung.

Nachdem sie sich, nach einer gefühlten Ewigkeit, wieder von einander gelöst haben, zieht Hilley etwas aus einer Tasche, die sie unter ihrem Mantel zu verborgen haben scheint.

Es ist ein kleines Bündel mit Sachen. Oben auf liegt ein kleines Stück Papier. Ich erkenne sofort, was es ist. Ein Personalausweis. Ich weiß, dass es eigentlich ein Menschendings ist, aber unsere Gesellschaft hat es einfach von ihnen übernommen, diese Ausweise ganz praktisch sind.

Annabeth nimmt das Bündel dankend an und knotet es auseinander. Den darin enthaltenen Mantel streift sie über, setzt die Kapuze, im Gegensatz zu Hilley, nicht auf. Dann wendet sie sich dem Personalausweis zu und liest den Namen vor, der darauf geschrieben steht:"Amy Cortez! Wie kreativ." Sie spricht genau das aus, was ich denke. Man hätte sich ja auch was Besseres überlegen können.

Den Rest des Bündels lässt sie unter dem Mantel verschwinden. Wieso hat ihr Mantel Taschen und meiner nicht?

Mit einem letzten Nicken in unsere Richtung verabschiedet sie sich von uns, bevor sie sich erhobenen Hauptes auf den Weg macht. Sie bewegt sich nach Norden, in die Richtung, in die ich mich noch nie bewegt habe. Ehrlich gesagt bin ich aber auch noch nicht so weit gegangen und habe meinen gewohnten Lebensraum nur selten verlassen, also sind so gut wie alle Wege für mich neu.

Ihr rot-blondes Haar leuchtet in der Sonne und ich kann noch einen kurzen Blick auf ihre Augen erhaschen, die genauso blau sind wie meine eigenen es sind.

Hilley blickt ihr wehmütig nach. Woher kennen sie sich? Ich dachte sie wären sich erst gerade begegnet. Ich könnte sie fragen, lasse es aber lieber, da ich ihr nicht zu nah treten möchte.

Als sie außer Sichtweite ist, hilft Hilley Ruby hoch und teilt uns mit:"Okay Ladys, wir sollten hier jetzt sofort verschwinden. Die Kutsche wartet dort vorn. Sie wird uns zurück bringen." Sie hat es echt mit Kutschen, oder?

Das neue Mädchen und ich laufen vor, während Hilley Ruby stützt. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob man wirklich Hilfe beim Laufen braucht, wenn man sich den Arm gebrochen hat, aber ich weiß ja auch nicht, was sie sonst noch mit ihr gemacht haben. Ich würde ja auch nicht in Ruhe gelassen, sondern mit Blitzen gefoltert, da will ich gar nicht wissen, was sie ihr angetan haben.

An der Kutsche angekommen, steigen wir alle sammt ein. Wieder einmal hält Taylor die Zügel in der Hand. Ist der Hilleys persönlicher Kutsche oder so? Oder ist er vielleicht ihr fester Freund, der zufällig neben bei noch als Kutscher arbeitet? Wenn ja, will ich auch so einen.

Das neue Mädchen setzt sich mir gegenüber hin. Ich würde sie so gerne besser kennen lernen. Sie ist interessant darüber lässt sich nicht streiten, aber aus irgendeinem merkwürdigen Grund habe ich das Gefühl, dass ich keine andere Wahl haben werde als sie kennen zu lernen und dass sie in meinem Leben auch weiterhin eine Rolle spielen wird.

Jetzt wo sie mit gegenüber sitzt, habe ich freie Sicht auf sie und kann sie endlich richtig begutachten. Ihre Haare sind braun, jedoch nicht so dunkel wie meine, sondern eher etwas heller. Ihre Augen sind grau, fast weiß und es wirkt als würde ein ungebändigter Sturm in ihnen wüten und toben. Diesen Eindruck macht auch der Rest ihrer Erscheinung auf mich. Ihre Haltung scheint "Stärke" und "Wut" zu schreien.

Ich würde gerne wissen wie sie so geworden ist. Sie war in diesem Saal so rücksichtslos und kaltblütig. Sie hatte richtig Mörderambitionen. So wird doch niemand geboren oder? Es muss erst etwas Schreckliches geschehen, damit man so wird. Damit habe ich ja auch schon Erfahrung. Auch mir ist etwas Schlimmes passiert, doch das scheint nicht schlimm genug gewesen zu sein, um so zu werden wie sie es ist.

Meine Ohren nehmen gar nicht wirklich war, dass Ruby und Hilley neben mir Small Talk betreiben. Es wirkt als wären alle Sinne nur auf die Person vor mir ausgerichtet und ihr scheint es nicht anders zu gehen. Sie starrt mich eindringlich an, doch ihr Blick ist nicht so wie der der Frau im Saal. Der Blick der Frau wirkt also würde sie durch mich hindurch blicken, während das Mädchen wirklich mich ansieht.

Dieser Tag hat so viele Fragen aufgeworfen, die mir irgendwer irgendwann mal auf jeden Fall beantworten muss, sonst explodiert mein Kopf. Wer ist diese Frau und wieso kam mir ihr Name so unheimlich bekannt vor? Es wirkt als hätte ich ihn nur wenige Tage zuvor gehört. Und wie heißt das Mädchen vor mir? Was hat es mit ihr auf sich?

"Hilley?", frage ich vorsichtig. "Ja Stella?", fragt sie überrascht darüber, dass ich mit ihr rede und nicht mehr das Mädchen vor mir anstarre. Sie hatte wohl nicht erwartet, dass ich sie irgendwann heute nochmal ansprechen würde. "Ich wurde in einen großen Saal gebracht und dort auf einem Thron saß eine Frau. Sie würde von einem der Männer 'Miss Jackson' genannt und es kommt mir so vor als hätte ich den Namen irgendwo schon mal gehört. Weiß du vielleicht wo?", frage ich vorsichtig. Sie schüttelt den Kopf, doch ihre Reaktion bei der Erwähnung des Namens sagt mir, dass sie ganz genau weiß von wem ich rede und woher ich den Namen kenne.

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