Aus Jorunns Kräuterkistchen: Nuphar Lutea

Nachdem wir nun am Beispiel Ragnars gesehen haben, wie intensiv sich Kräuter auf das menschliche Bewusstsein auswirken können, möchte ich das eine oder andere Kräuterwissen unserer guten Völva hier ein wenig genauer betrachten.

Im Voraus muss festgestellt werden, dass das, was möglich ist, nicht immer das ist, was auch gut tut. Also: Hände weg von psychoaktiven Substanzen und Pflanzen! Was Jorunn nämlich nicht so genau beurteilen konnte, sind die Nebenwirkungen.
Aus diesem Grund werde ich mich auch beim Thema "Herstellung" zurückhalten.

Doch genug geschwatzt! Es ist klar, dass ein solches Kapitel nicht über Nacht entstehen kann und so werde ich nach und nach hier ergänzen, was ich über die Kräuter der Volksmedizin zusammengetragen habe. Los geht’s mit jenem Kraut, das in Kapitel 52 Ragnar ins Land der Visionen entführt: Nuphar lutea - die Gelbe Teichrose.

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Nuphar lutea - die Gelbe Teichrose  
(syn. Seekandel, Mummel)

Die Gelbe Teich- oder Seerose wurde bereits von Dioskurides beschrieben als "Die andere Seerose". Man weiß wenig über die historische Bedeutung der heimischen Wasserpflanze. Zu beachten ist, dass die gesamte Pflanze giftig ist, der höchste Grad der Toxizität liegt in der Wurzel.
Gefährlichkeitsgrad ist „giftig +“ (1)

Über die Wirkung der Pflanze als Droge gibt es verschiedene Angaben, die sich je nach Herstellung deutlich unterscheiden.
Als Extrakt oder Auszug wird den Blüten eine antiaphrodisische Wirkung zugeschrieben. Der Ökologische Lehrgarten der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe weiß dazu:
" Aus der Blüte wurden früher Arzneien zur Unterdrückung des Sexualtriebs hergestellt. Vor allem im Zölibat lebende Mönche und Nonnen werden sich diese Wirkung zunutze gemacht haben. " (1)
Hieronymus Bock schreibt, dass nur diejenigen Mittel aus Seerosen nehmen sollen "... so keuschheit gelobt / und ein frommes lebe im Kloster schliessen wollen / dan diß wasser tödtet und erkeltet die gebärende krafft der eingepflanzten natur." Tabernaemontanus empfiehlt die Seerosen bei Leberleiden, Herzentzündungen, Ruhr, Fieber, als Mittel Blut zu stillen und auch bei Haarausfall.(4)

Einen völlig anderen Effekt erzielt der Rauch der Pflanze. Im Hanfjournal schildert der Amerikaner Tao Jones die Wirkung der Blätter als Tabak im Selbstversuch:
„Ich drehte mir eine Zigarette aus dem getrockneten, zerbröselten Material und rauchte diese. Es rief Euphorie und Klarheit hervor – ähnlich wie Cannabis, aber ohne die körperlichen Effekte oder mentale Getrübtheit“ (2)
und
" „Das Rauchen der Blüten, egal welcher Spezies, hatte eine ausgeprägtere und sofort einsetzende Wirkung, an welche man sich erst einmal gewöhnen muss, um sie voll genießen zu können. Meiner Meinung nach kommt die volle ‚Verträumtheit’ der Pflanze mehr zur Geltung, wenn sie geraucht wird“ (3)

Last but not least sei erwähnt, dass man die Pflanze auch frühen Hexenkulten zuordnet. Das Lexikon der Psychoaktiven Pflanzen(5) sagt dazu:
" Möglicherweise spielte die laut Dioskurides besonders in Thessalien wachsende Gelbe Teichrose in dem dortigen antiken
Hexenkult eine Rolle. Die Teichrose wird auch als Ingredienz der frühneuzeitlichen Hexensalben genannt.
Aus Mitteleuropa ist ein altes Rezept für eine magische Verwendung überliefert, das an antike Hexengebräuche anzuknüpfen scheint:
"Die „Seeblume“, gesammelt in dem Moment, wo die Sonne in das Zeichen des Krebses tritt, und an der Mitternachtsluft gedörrt,
ist ein Mittel wider den Schwindel, wenn man dieses Kraut an die Wand hängt und es nur ansieht." "


Quellen:
(1) http://www.natwiss.ph-karlsruhe.de/GARTEN/material/steckbrief/Giftpflanzen/gelbe_teichrose_ph-ka.pdf

(2) Jones, Tao (2002a), Das Land der Lotusraucher, Entheogene Blätter 3: 24-26; Übersetzung aus: The Entheogen Review Vol X #4: 125-126 und http://hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2011/01januar/s06_0111_psychoaktive-pflanzen-gelbe-teichrose.php

(3) Jones, Tao (2002b), Lilie und Lotus, Entheogene Blätter 7: 20-24
Rätsch, Christian (1998), Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Aarau: AT Verlag und http://hanfjournal.de/hajo-website/artikel/2011/01januar/s06_0111_psychoaktive-pflanzen-gelbe-teichrose.php

(4) http://www.botanikus.de/Botanik3/Ordnung/Seerose/seerose.html

(5) Lexikon der psychoaktiven Substanzen: Ein kulturhistorischer Trip Taschenbuch – 1999 Richard Rudgley

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