January - Jetzt oder nie 2

» Hör auf, auf deiner Lippe zu kauen. Ich kann dem Produzenten keine blutverschmierte Assistentin vorstellen.«  Jamie machte eine ernste Miene als er das sagte und setzte sich zu mir auf Bett. Die Hand, die er mir dabei auf den Oberschenkel legte und die stetige Bewegung seines Daumens darauf, sollte beruhigend wirken. Sie führte jedoch aufgrund von einer langen, sexuellen Durststrecke dazu, dass mein Puls noch mehr beschleunigte als ohnehin schon gesund war. In letzter Zeit machte Jamie mich hin und wieder etwas nervös. Nicht das ich mir wirklich vorstellen konnte je etwas Sexuelles mit ihm anzufangen, aber er war nun mal ein gutaussehender Mann und er war...da.

» Wenn du nicht vorhast auf der Stelle mit mir zu schlafen, dann nimm deine Hand weg oder ich garantiere für nichts.«, blaffte ich ihn an.

Ein kurzer skeptischer Bick verdüsterte seine Miene für einen Augenblick, doch dann bildete sich ein kleines Schmunzeln auf seinen Lippen.

» Ava wie lange ist die Sache mit Chris jetzt her, 8 Monate?«

» 9 Monate und 13 Tage um genau zu sein.«, ergänzte ich seine Anspielung auf meine letzte Beziehung, die mein Ex und ich nach 2 Jahren in gegenseitigem Einverständnis beendeten. Es passte einfach nicht.

» Babe, du siehst absolut phantastisch aus. Wieso gehst du nicht raus in die Welt und angelst dir einen heißen Orgasmusspender?« Er meinte das völlig ernst. Als wäre es für Frauen so leicht.

» Orgasmusspender? Ernsthaft James? Ich bin nicht so wie du. Ihr Männer könnt durch die Gegend vögeln und müsst euch keine Sorgen um euren Ruf machen. Ich jedoch kann mir wirklich sparen arbeitslos UND eine Schlampe zu sein.«

Jamie nahm zwar die Hand von meinem Schenkel weg, zog mich dafür aber an sich und legte mir einen Arm um die Schultern. Er roch nach diesem Parfum, das ich ihm jedes Jahr zu Weihnachten schenkte und es war verdammt gut etwas Vertrautes hier bei mir zu haben.

» Ich weiß, dass du so nicht bist aber so frustriert gefällst du mir absolut nicht. Das ist ebenfalls nicht die Ava, die ich kenne. Und in nächster Zeit wirst du vielleicht untervögelt sein, aber nicht arbeitslos. Ich könnte ersteres zwar ändern und dich hier und jetzt auf diesem Bett ficken, aber du weißt selbst, dass das für unsere Freundschaft wahrscheinlich nicht die beste Lösung ist. « Sein Lächeln wurde breiter und der Knoten der sich in meinem Bauch gebildete hatte löste sich auf.

 »Jamie, ich bin dir so dankbar für das alles hier… Und ehrlich, wir beide in einem Bett um etwas anderes zu tun als Filme zu schauen oder zu schlafen, wäre seltsam.« Ich stupste ihn grinsend an.

» Du würdest das genauso für mich tun und ich bin froh dich dabei zu haben. « Er war plötzlich ernster. »…Und jetzt machst du dich im Bad frisch und ich suche dir währenddessen was zum Anziehen raus. Wir haben gleich ein wichtiges Date mit dem Produzenten und ich bin wirklich neugierig, in welchem Film ich hier die Puppen tanzen lassen soll.«

 

» Miss Moore, Mister Donovan ich freue mich sie beide endlich persönlich kennenzulernen.«, begrüßte uns wenig später Kent Douglas, der Produzent des Films mit festem Handschlag.

Er war um die 50, sehr gutaussehend und trug das dunkle, an manchen Stellen schon leicht ergraute Haar locker nach hinten gekämmt.

» Ich möchte euch nicht länger auf die Folter spannen, denn ihr seid sicherlich schon sehr interessiert, was wir hier die nächsten Monate drehen.« Er setzte sich lässig auf die Ecke des Tisches, der vor uns stand.

Jamie und ich nickten zustimmend und er fuhr fort.

» Nach unserer letzten Romanverfilmung, sind wir sehr erfreut erneut mit Mason Scott in der Hauptrolle ein weiteres Werk der Schriftstellerin Donna Lauwrence auf die Leinwand zu bringen.«

Moment, sagte Kent da gerade Mason Scott? Der Mason Scott, den Jamie und ich tausende Male in der Hauptrolle meines absoluten Lieblingsfilms angeschmachtet hatten? Okay ich schmachtete und Jamie übte sich darin, Weltmeister des Augenverdrehens zu werden. Wie konnte er nur so seelenruhig dasitzen? Kent sprach weiter über Einzelheiten und ich bemühte mich wirklich sehr ihm zu folgen, doch mein Herzschlag befand sich weiterhin auf einer Frequenz, die dringend ärztlich überwacht werden sollte.

Es sollte eine Romanze werden und handelte von einer jungen Tänzerin, die durch ihren Exmann hochverschuldet war. Um tagsüber Karriere am Broadway voran zu treiben, musste sie nachts in einem Stripclub arbeiten um über die Runden zu kommen. Ein gutaussehender Millionär tauchte eines Nachts im Club auf und zwischen den beiden entwickelte sich eine stürmische Beziehung. Ich bekam wahrscheinlich nur die Hälfte von Kents Ausführungen zum Zeitplan und allem anderen mit, da mich die Tatsache auf den Mann meiner ziemlich sexuellen Träume zu treffen recht nervös machte. Lächeln, nett nicken und später Jamie fragen, was Kent erzählte während ich innerlich verglühte war die Devise.

Nachdem Kent uns die Drehbücher, sowie einige Unterlagen zu den gewünschten Choreos überreichte, verabschiedete er sich freundlich und lud uns für den nächsten Tag zu einer kleinen Feier in der Bar des Hotels ein, um die neuen Kollegen kennenzulernen. Und um Mason Scott zu treffen.

3.

Nach der Besprechung war eine Dusche bitter nötig um mich auf Normaltemperatur herunter zu kühlen. Die Vorstellung Mason Scott kennenzulernen beflügelte meine Phantasie ungemein. Der einzige Grund der mich davon abhielt es mir unter dem Duschstrahl selbst zu machen, war Jamie, der ein Zimmer weiter auf meinem Bett lag und einen Film anschaute.

Leider war mit der Buchung seines Zimmers etwas schief gelaufen und es sollte erst am nächsten Tag bezugsfertig werden, weshalb wir an diesem Tag das Bett teilten. Da es nicht das erste Mal war,  dass wir beieinander übernachteten, machte es mir überhaupt nichts aus und ich war froh an diesem fremden Ort und nach all den Neuigkeiten etwas von zu Hause bei mir zu haben. Als Kinder verbrachten wir einen Großteil der Sommerferien auf dem Anwesen der Donovans um dort zu zelten. Später übernachteten wir nach durchzechten Nächten beieinander, es sei denn Jamie nahm eine weibliche Begleitung mit nach Hause. Die Erinnerung an unsere Kindheit und Jugend brachte mich zum Lächeln.

Als ich das Zimmer betrat, lag Jamie oberkörperfrei auf der Bettdecke und ich musste einen Augenblick im Türrahmen verweilen um den Anblick zu genießen. Ja, mein bester Freund war wahnsinnig sexy. Er hatte blondes, kinnlanges Haar, welches ihm locker ins Gesicht fiel. Seine leicht gebräunte Haut und seine wohldefinierten Muskeln machten das Bild eines Surferboys komplett.

Mit 15 war ich ziemlich verknallt in ihn, doch er behandelte mich wie eine Schwester. Als er damals anfing mit anderen Mädchen auszugehen, war ich eifersüchtig aber ließ es mir nie anmerken, denn er war lange Zeit mein einziger Freund in Chicago. Jamie hatte eine einzige längere Beziehung. Nachdem Emily diese nach 17 Monaten beendete, war er am Boden zerstört. Seitdem vögelte er sich durch die Gegend und stellte mir nie wieder eine seiner Liebschaften vor. Meist hielten diese Bekanntschaften nicht länger als eine Nacht, daher machte es für mich kaum Sinn nur zu versuchen die Damen kennenzulernen.  

Ich hingegen verbuchte bisher 3 richtige Beziehungen, aber keiner von ihnen war der Richtige. Wobei man Nummer 1 und 2 laut Jamie nicht mitzählen konnte, da ich mit ihnen nicht im Bett war.

» Was stehst du denn da in der Tür wie bestellt und nicht abgeholt?« Meine Tarnung als erweiterter Türrahmen war aufgeflogen und Jamie schaute mich nun belustigt an.

»Sorry, ich war in Gedanken. Hast du ein T-Shirt für mich? Ich hab nichts zum Schlafen eingepackt.« Ich zuckte mit den Schultern. Leider war ich schon immer etwas vergesslich und chaotisch. Zwar stand ich in nichts als meiner Unterwäsche vor ihm und es machte mir nichts aus, aber der BH war zum Schlafen ungeeignet und nackt musste ich nicht unbedingt mit Jamie in einem Bett liegen. Er musterte mich mit einem mir bislang unbekannten Blick, fing sich jedoch eine Sekunde später wieder und brabbelte etwas von unorganisiert während er aufstand und mir ein Shirt aus seinem Koffer gab. Ich ließ ihn vor sich hin motzen und wartete einfach ab.

Wir unterhielten uns die halbe Nacht über Gott und die Welt. Mein bester Freund war scheinbar nicht ganz so euphorisch bezüglich der Tatsache, dass wir in nicht einmal 24 Stunden Mason Scott kennenlernen sollten. Gedanklich befand er sich schon bei den Szenen, die in den nächsten Wochen choreografiert werden wollten und fragte mich, ob ich bei der Umsetzung einiger Ideen half.

Bei Szenen, welche im Stripclub gedreht werden sollten, konnte ich ihm durch meine Erfahrungen im Poledance sicher behilflich sein und zum ersten Mal seit Wochen fühlte es sich an, als ginge es aufwärts. Bei all den Gedanken rund um den Job den ich nicht mehr hatte und der mir auch nie Freude bereitete, vergaß ich gänzlich, dass ich in nächster Zeit für das bezahlt wurde, was ich liebte. Das Tanzen. Mit dem Kopf auf Jamies nackter Brust fiel ich in einen tiefen und erholsamen Schlaf.

Kommentare

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    Junge, Junge, der hat aber eine Beherrschung...irgendwann wird sie doch ihm gehören...vielleicht... Anhaltend erotisch erzählt! (Tausend mal berührt...) Toll!

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    Toll geschrieben :) Ich mag Jamie und bin gespannt, was als nächstes passiert!

  • Author Portrait

    gefällt mir bis jetzt wirklich gut :)

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