January - Jetzt oder nie 35

AVA


Mittlerweile war ich seit 12 Tagen im Krankenhaus. Die letzten Untersuchungen ergaben, dass die Heilung gut verlief und ich sollte zum Ende der Woche entlassen werden. Meine Erinnerung war nach wie vor nicht zurückgekehrt. Ich träumte jede Nacht von Mason und wusste nicht, ob es sich dabei um Wunschdenken oder Erinnerungen handelte. Er besuchte mich nicht mehr seit er mich mit Jamie alleine  gelassen hatte und aus einem seltsamen Grund passte mir das überhaupt nicht.

Auf der Suche nach Antworten versuchte ich alles Mögliche. Ich las immer wieder all die SMS die wir uns gesendet haben. Scheinbar traute ich ihm nicht und sah all das, was zwischen uns war als Fehler an.  

Sein Klingelton war „The Imperial March“. Ich fand das sagte alles. Und trotz all dieser Abneigung waren Katy und sogar Jamie davon überzeugt, ich solle bei ihm einziehen und dem Ganzen eine Chance geben. Jede andere Frau erklärte mich wahrscheinlich für Irre diese Chance nicht nutzen zu wollen. Er war anbetungswürdig, ohne Frage. Das allein war schon Grund genug für mich, an seinen Absichten zu zweifeln. Was wollte er mit mir?

 

Draußen war es schon Dunkel, obwohl es erst 18 Uhr war. Das hatte der Winter halt an sich. Obwohl Dr. Bennett meinte, ich solle nicht auf eigene Achse im Krankenhaus, oder dem krankenhauseigenen Park herumlaufen, hatte ich einen starken Bewegungsdrang. Dieses Herumliegen war einfach nichts für mich und die Gedanken erdrückten mich. Ich stand auf und zog einen dicken Pullover über mein Sweatshirt. Leider hatte ich keine Jacke hier und auch nur diese blöden Jogginghosen, doch das musste reichen um frische Luft zu tanken.

Die Pflanzen im Park waren von wunderschön funkelnden Eisblumen verziert. Mein Atem bildete kleine Nebelschwaden und die kalte Luft flutete meine Lungen. Ich ging ein Stück und kam bei einem eindrucksvoll angelegten Teich an. Die Wasseroberfläche war gefroren. Leise Weihnachtsmusik drang an mein Ohr. Scheinbar war ganz in der Nähe eine Veranstaltung. Ich blickte mich um, doch die in regelmäßigen Abständen gepflanzten Bäume versperrten die Sicht.

»In der Nähe ist eine Schlittschuhbahn. Abends läuft dort immer Musik.« Ich erschrak, als ich Masons Stimme vernahm.

»Du denkst dir, wo ich einmal im Krankenhaus liege, kannst du mir auch noch einen Herzinfarkt verpassen, was?«  

»Das war nicht meine Absicht, Miss Moore.« Er kam auf mich zu und blieb kurz vor mir stehen. Er sah noch besser aus, als in meiner Erinnerung.

»Ich dachte wir waren bei dem Du?« Ich lächelte vorsichtig.

»Erinnerst du dich?« Hoffnung blitzte in seinen Augen auf und es tat mir Leid ihn enttäuschen zu müssen.

Ich blickte zu Boden und schüttelte den Kopf. »Leider nicht. Aber du hast gesagt ich nenne dich Mason. Deswegen bin ich davon ausgegangen, du nennst mich Ava und nicht Miss Moore.« Mason kam noch ein Stück näher. Er knöpfte seinen Mantel auf. Der Pullover, den er darunter trug, spannte sich um seine Brustmuskeln als er die Jacke auszog, um sie mir hinzuhalten.

»Du solltest nicht ohne Jacke und vor allem nicht alleine hier draußen sein.«

Mir war wirklich kalt und ich nahm die Jacke dankbar an.

»Danke. Aber jetzt wird dir kalt.«  

Mason lächelte. »Glaub mir, in deiner Nähe kann mir gar nicht kalt werden.«

Auf der Eisbahn stimmte Bobby Helms „Jingle Bell Rock“ an. Vielleicht lag es an meinem weihnachtlichen Geburtsdatum, dass ich Weihnachten und alles was damit zu tun hatte absolut liebte, doch mir wurde erst bewusst dass meine Hüften im Takt des Songs mitschwangen, als Masons Lächeln zu einem breiten Grinsen wurde.

»Darf ich Sie um diesen Tanz bitten?« Er verbeugte sich kurz und überschwänglich um mir dann seine Hand zu reichen.

»Was, ich kann doch nicht hier...«

»Miss Moore, sie wollen mir doch nicht weißmachen, sie können nicht tanzen?«

Ich nahm Masons Hand und er zog mich an sich heran. Er legte den Arm um meine Hüfte und ein Kribbeln breitete sich an der Stelle aus, an der er mich berührte. Er hatte ein fantastisches Rhythmusgefühl und es fühlte sich so gut an ihn so nah an mir zu spüren. Ich legte den Kopf auf seiner Brust ab und wünschte wir hätten keine so komplizierte Vorgeschichte. Ich konnte sein Herz schlagen hören und das Meine pochte umso stärker in meiner Brust, als hätte es sein Gegenstück gefunden. Mein ganzer Körper reagierte auf Mason. Er erinnerte sich an das, was mein Kopf nicht mehr wusste.  

Das Lied war viel zu schnell vorbei und Mason löste sich langsam von mir.

»Darf ich Sie noch bis vor die Haustüre geleiten, my Lady?« Er lächelte, doch seine unbekümmerte Art war verschwunden.. Er bemühte sich, dass ich ihm diesen Stimmungswechsel nicht anmerkte und ich beschloss ihm den Gefallen zu tun.

Er bot mir seinen Arm an und ich hakte mich bei ihm unter.

»Du siehst besser aus, als beim letzten Mal als ich dich gesehen hab. Die Augenringe sind fast weg und du bist rasiert.«  

»Oh, ähm. Danke?« Was sollte er auch anderes sagen. Ich habe auch schon besseren Smalltalk führen können, doch diese Situation hier im Krankenhauspark ließ nicht viel anderes…. Ich blieb ruckartig stehen. Mason sah mich verwundert an.

»Mason was machst du eigentlich hier?«

»Ich war spazieren. Krankenhäuser sind nicht mein liebster Aufenthaltsort, wenn ich nicht unbedingt drinnen sein muss.«

»Das war nicht meine Frage. Wieso bist du hier?«

»Ave, auch wenn du geschlafen hast, ich habe dir versprochen dich nie wieder allein zu lassen…«

»...es sei denn, ich bitte dich darum. Mason, ich träume immer wieder davon, dass du das sagst.« Es war ein leichtes diesen Satz zu vervollständigen. Er geisterte mir immer wieder im Gedächtnis herum.

»Das war kein Traum. Das habe ich mir und dir geschworen und es ist mein ernst. Ich schlafe in dem Zimmer neben deinem.«

»Du wohnst in einem Krankenhauszimmer? Wegen mir?« Da mir die Erinnerung an meine Exfreunde ja leider geblieben war, konnte ich mit Sicherheit behaupten, dass das das süßeste war, was ein Mann für mich getan hatte. Nur konnte ich nicht verstehen wieso er so handelte. Was war da zwischen uns, das ich übersah?

»Für dich würde ich unter der Brücke wohnen. Lass uns rein gehen, es ist zu kalt hier.« Er zog mich weiter in Richtung Terrasseneingang des Krankenhauses. Glücklicherweise war der Park nicht einsehbar und nur vom Krankenhaus aus begehbar, sodass Paparazzi hier keine Chance hatten.

Vor meiner Türe blieb Mason stehen und wünschte mir eine gute Nacht. Ich dankte ihm für den Mantel und gab ihn ihm zurück. Als er sich wandte zu gehen, sprudelten die Worte einfach aus mir heraus.

»Um 20 Uhr läuft „Kevin - Allein in New York“. Wenn du Lust hast komm doch rüber.« Mehr blamieren konnte ich mich wirklich nicht. Ich sah aus wie das Letzte in meinen Schlabberklamotten und fragte einen weltberühmten Schauspieler, ob er mit mir einen Kinderfilm schauen wollte. Die Röte stieg mir ins Gesicht.

»Den wollte ich auch sehen. Einer meiner Lieblingsfilme, aber behalt das für dich. Also, ja, ich komm gerne vorbei. Wie ist der Dresscode?« Wahnsinn. Er lächelte. Ich schmolz dahin.

Ich blickte an mir herunter. »Öhh, Pyjamaparty?«

»Gerne. Bis gleich, Ave.«

Kommentare

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    aw süß!

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    Wahnsinn! Sogar ich würds ihm gönnen!

  • Author Portrait

    Ö.Ö Aww, ich hoffe so, dass die zwei wieder zusammen finden!!

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Feenstaub

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