Ein Funken Wahrheit

„Es wird dir sicher ganz gut tun wenn du mal weg vom Alltag bist.“, versuchte meine Mutter die ganze Sache etwas zu verharmlosen. Na das würde ja ein super Urlaub werden.
Ständige Wanderung durch Berge und Wälder, Kälte und nicht einmal Internet oder Wlan. Zusammen stiegen wir aus der Kutsche und hieften unser Gepäck auf den Boden. Ich merkte wie meine Familie vor Neugier zu platzen drohte.
Doch das konnte ich in keiner Weise nachvollziehen.
Mich grauste schon der Gedanken in einem fast zerfallenen Schloss schlafen zu müssen.

Ich kramte nach meinem Handy und suchte erneut vergebens nach Netz. NICHTS!!! Gar nichts, was für eine Katastrophe, ich wusste schon warum ich hier nicht her wollte.
Genervt steckte ich es weg und begann etwas unverständliches vor mich her zu murmeln, wo von ich selbst nicht einmal den Sinn kannte. Jeder griff nach seinem Koffer und versuchte ihn durch den Matsch zum Eingang zu ziehen. Dabei stach mir die völlig vernachlässigte Anlage erneut ins Auge und ließ meine Erwartungen ein Stück weiter sinken.
Ich hatte Mühe die schwere Tür zu öffnen und benötigte damit die Hilfe meines Vaters. Zusammen stemmten wir sie auf und traten in die Empfangshalle.

Dort standen mitten im Raum Blümchen besetzte Sessel. Sie waren das Einzige bunte in diesem Raum, was wohl der Grund war warum sie mir gleich auffielen. An der Wand gegenüber der Sessel stand die Rezeption.
Sie war von einem dicken und kleinen Mann mit Glatze besetzt. Aber er kam auch erst nach unzähligen Stunden zu uns hinunter. Was ich ihm auch nicht verübeln konnte, denn um diese Zeit schliefen wohl normale Menschen schon. Wir gingen an den Sesseln vorbei zur Rezeption.
Der Mann schaute uns grimmig entgegen und machte auch sonst, einen nicht sonderlich freundlichen Eindruck, wie das ganze Haus hier. Mein Dad unterschrieb etwas und bekam einen Schlüssel. Ich runzelte zwar die Stirn, war aber zu müde, um genauer darüber nachzudenken.

Mum unterhielt sich als Erste mit dem Mann und den Handbewegungen nach zu urteilen, schien er ihnen beschreiben zu wollen, wo sich unser Zimmer befand. Ein paar Minuten später, schnappte sich Mum Mia und lief mit Tom nach oben in unser Zimmer. Als ich auf die Uhr über der Tür schaute, bemerkte ich das es schon ziemlich spät war, was meine Müdigkeit erklärte.
Ich setzte mich in einen der Sessel und wartete auf meinen Dad, warum ich das tat weiß ich nicht.
Vielleicht wollte ich die Treppe nicht alleine hoch gehen? Es wirkte als würde sie jede Sekunde zusammenbrechen, also wollte ich, so freundlich wie ich war, meinen Dad den Vortritt lassen.

Er redete noch Ewigkeiten mit dem Mann, anscheinend schien er doch ziemlich Gesprächig zu sein, oder mein Vater laberte ihn nur unnötig zu. Die Wände waren in einem schlichten gelb Ton gehalten, die mich nicht gerade fröhlich stimmten und der Boden war mit einem grünen Teppich belegt, welcher aber eher grau war. Entweder weil dort so viele Leute schon lang gelaufen waren....aber hier war keiner. Oder es lag an der Tatsache das der Besitzer keine Putzfrauen kannte?
An der Wand hingen eine Menge alter verstaubter Bilder von Häusern und dem Wald der sich am Grundstück anschloss.
Entlang der Treppe hingen staub besetzte Bilder, von Grafen, Fürsten oder... irgendwelchen unwichtigen Leuten. Sie alle starrten böse und gedankenlos gerade aus, sodass sie bei mir eine Gänsehaut verursachten.
Die Luft war muffig und erinnerte mich an das alte Haus meiner Nachbarin, was ich versuchte so gut es ging zu meiden. Nach einer Weilen wandte sich mein Dad von der Rezeption ab und lief die Treppe hinauf.
Ich war so von den Gemälden abgelenkt, dass ich es fast nicht mitbekommen hätte. Ich ging ihm hinterher und ärgerte mich überhaupt auf ihn gewartet zu haben.

Die Treppe war mit einem roten und Blümchen besteckten Teppich überdeckt. Welcher perfekt zu den Sesseln passte. Ich setzte meinen Fuß auf die erste Treppenstufe und schon drang ein lautes Knarren in meine Ohren. Meine Blicke blieben an den alten Bildern hängen, sie schienen etwas fesselndes und interessantes zu haben, wo bei ich mich eigentlich für alte Sachen nicht besonders interessierte.
Und vor allem nicht für unwichtige alte Leute. Vielleicht war genau das der Grund warum ich Museen für gewöhnlich mied. Mein Blick blieb bei einem der Bilder hängen. Ein ganz besonderes.
Auf ihm war ein mächtig dargestellter Mann abgebildet. Ich interessierte mich allerdings nicht für den Mann, sondern viel mehr für das Amulett, das er um seinen Hals trug. Es schien zu glitzern, obwohl das völlig unmöglich wäre.

Doch plötzlich machte er eine einladende Bewegung, also er bewegte seine Hand! Egal was er tat, er BEWEGTE sich! Mein Herz begann zu rasen und ich spürte wie meine Kehle immer enger wurde.
„Papa hast du das gesehen? Der hässliche Typ auf dem Bild hat sich gerade Bewegt!“, schrie ich mit einer Stimme, wie ein verschüchtertes Kind, mit einer Stimme die nicht zu mir passen wollte!
Ich hörte mich sicher total verrückt an. Vielleicht war das auch die Antwort darauf, warum mein Dad mich ignorierte. Er tat so als wäre ich völlig bescheuert... ja gut es hörte sich auch eigenartig an, aber... vielleicht hatte ich mir das nur eingebildet aufgrund meiner Müdigkeit?
Ich drehte mich noch einmal zu dem Bild um, warum? Ich weiß es selbst nicht, vielleicht wollte ich einen weiteren Herzinfarkt verursachen.

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