Ein Funken Wahrheit


„... Was machst du unter deinem Bett?", fragte sie neugierig.
„Ich.. phe ähm... ich.", stotterte ich und entdeckte einen Cent unter meinem Bett, der mir das Leben rettete.
„Ich habe meinen... Cent gesucht?", sagte ich fragend und richtete mich mit dem Cent zwischen Zeigefinger und Mittelfinger wieder auf. Meine Mutter nickte verständnislos, zog ihre Augenbrauen kritisch hoch und drehte sich schließlich langsam um. ...super gerettet würde ich mal sagen. Sie schloss die Tür hinter sich ohne ein weiteres Wort über ihre breiten Lippen zu bringen.

Ich lief zum schiefen Kleiderschrank, dem bereits eine Schranktür fehlte und öffnete die eine Tür mit einem Gänsehaut verursachendem, quietschendem Geräusch. Ich kramte mir eine schwarze Leggings mit einem dunkelrotes Top dazu, rote Socken und passende Unterwäsche heraus. Vorsichtig tastete ich an meinem Hals und kontrollierte ob sich meine silberne Kette, in Form eines Endloszeichens, noch dort befand.

Mein restliches Zeug schnappte ich mir mit der linken Hand und verzog mich flink in das Bad. Soll sie doch kommen! Ich habe keine Angst mehr. Versuchte ich mich zu stärken, doch gleichzeitig wusste ich, dass ich noch mehr Angst vor ihr bekommen hatte.

Jetzt wo ich wusste was sie alles tat. Ich schmiss meine Sachen, auf eines der Waschbecken und begann meine Zähne zu putzen. Als ich fertig war, merkte ich das sie keine ordentlichen Duschen hatten, nur die verranste, alte Badewanne.

Ohne jegliche Hoffnung lief ich zu ihr und drehte angewidert den Wasserhahn auf. An Seiten und Boden hatte sich jede menge Rost gebildet, der mich an meinem Vorhaben stark zweifeln ließ. Die Badewanne war schon mehrmals mit Silikon beklebt worden, sodass es nun schon wieder abzubröckeln drohte. Aus dem Wasserhahn entsprang erst braunes Wasser, was meine Mundwinkel noch weiter nach unten zog und mein Gesicht in ein angewidertes verwandelten.

Nach einiger Zeit aber wurde das Wasser klarer und ich betrat die Badewanne mit Vorsicht. Nachdem ich mich in ihr geduscht hatte, zog ich mich schnell um, wusch meine Füße noch einmal extra und begann meine gelockten, roten Haare zu kämmen. Doch sie wollten wieder einmal anders als ich und so machte ich sie einfach zu einem strengen Dutt zusammen.

Ich begann meine Augen zu schminken und auf einmal stachen mir zwei Katzen grünen Augen entgegen. Ich betrachtete sie eine Weile, bis ich realisierte, dass es wirklich meine waren. Warum hatte ich mich immer nach blauen gesehnt? Wenn ich diese wunderschönen Augen mit mir durch die Gegend tragen durfte? Aber warum viel es mir erst jetzt auf? Lag es an den einzigartigen Augen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollten?

Ich lief die Treppe hinunter, geradewegs in den Essensraum und sah dort erstaunt meine Familie sitzen. Wenig begeistert setzte ich mich neben meinen Bruder und legte ein übrig gebliebenes Brötchen auf meinen Teller. Wir aßen zusammen und bei der Gelegenheit fragte ich meine Eltern noch einmal:
„Was wollt ihr heute machen?", kurzes Schweigen lag im Raum. Man hörte nichts, außer das klirren unser Messer auf den Tellern. Ich schaute mich um und konnte niemanden erblicken, der außer uns hier saß. Wirkte das nur auf mich komisch? Wie konnte dieses Hotel bestehen, wenn es außer uns keine Gäste gab?
„Nochmal den Wald erkunden, warum fragst du?", sagte meine Mum. Jetzt war sie wieder normal und freundlich. Stimmungsschwankungen? Das lag sicher an ihren Wechseljahren!
„Ich würde gern mitkommen okay?"
„Ja gerne, gleich nach dem Essen geht es los", sagte sie mit voller Begeisterung. Vielleicht könnte ich mich auf diese Weise ein wenig ablenken, hatte ich etwas anderes nicht geplant... aber verdrängen konnte ich das Mädchen weiterhin nicht. Ich könnte naiv sein und behaupten, das dies alles nur Schatten waren, dass meine Eltern einfach nur gestresst waren und die Tatsache, dass wir die Einzigen hier waren, könnte ich ebenfalls unter den Tisch fallen lassen. Aber was blieb mir anderes übrig?

Nach dem Essen trafen wir uns wie versprochen vor dem Eingang des Hotels um zum gemeinsamen Waldspaziergang aufzubrechen. Ich zog mir eine dünne Lederjacke an, was ich ziemlich bald bereute und schmiss mir einen roten, flauschigen Schal um den Hals. Wir liefen ein schnelles Tempo, dass es mir schwer machte, mithalten zu können. Das sich Mia und Tom noch nicht beklagt hatten? Okay, Mia wurde auf den Schultern meines Dad's getragen und Tomi? Der sah in jedem Baum ein Monster, zerschlug ihn und fühlte sich dann wie ein großer Held. Das war allerdings gut denn dann schlief er wenigstens Nachts und störte mich nicht mit seiner liebreizenden Stimme.

Wir stapften durch den Wald und bei jeden meiner Schritte, hatte ich das Gefühl, dass meine schwarzen Turnschuhe ein wenig weiter in den tiefen Matsch einsanken. Es lag angetauter Schnee, sodass meine Fußspitzen schon völlig nass und dementsprechend, eingefroren waren. Hätte ich sie nicht sehen können, wäre ich fest davon überzeugt gewesen, sie wären fette Eisklumpen.
Auch der kalte Wind, der uns umgab, brachte nicht gerade Wärme zu mir. Ich starrte für eine Weile in den Himmel und bemerkte, dass man erneut nur grauen Himmel entdecken konnte. So langsam spürte ich meine Fußspitzen gar nicht mehr und hatte Mühe vorwärts zu kommen. Stumm schaute ich wieder zu Boden, als ich über das gestrige Gespräch mit dem Jungen nachdachte. Über den Jungen, dessen Namen ich immer noch nicht kannte.

Ich wandte meine Blicke vom Boden ab und schaute nach meinen Eltern. Natürlich waren sie viele Meter vor mir, sodass ich meine Schritte beschleunigte, um sie einholen zu können. Dabei rutschte ich auf den nassen Blättern aus und viel mit der Nase vor einen bleichen Arm. Moment Mal...ein Arm?


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