Ein Funken Wahrheit

Neugierig schritt ich in den kleinen Raum und blieb in der Mitte, neben einem Holztisch und ein paar ungemütlichen Stühlen stehen. Der Raum war kaum größer als er von außen wirkte, doch trotzdem hatte er etwas gemütliches. Der Tisch und die Stühle standen im keinen Verhältnis zum Raum.

Sie wirkten viel zu groß, als gehörten sie hier nicht hinein.
Wir setzten uns und gleich bemerkte ich, dass die Stühle unfassbar ungemütlich waren. Nervös rutschte ich hin und her, um die klägliche Stille zwischen uns zu unterbrechen. Ich wartete darauf das er begann, immerhin hatte er mich hier her geschleppt.

Die Wände waren quietsch-rosa, stachen einem bis auf Tisch und Stühle zuerst ins Auge. Der Raum hatte nur ein kleines Fenster, aber für die Größe schien das völlig ausreichend zu sein. Draußen hing an ihm ein Blumentopf mit vielen Rosen, die mir vorher gar nicht aufgefallen waren.
Mein Blick wanderte weiter durch den Raum und plötzlich blieb er an einem Bild stehen. Ich musste es eine Weile anstarren, bis ich verstand was es für mich bedeutete.
Eine Reihe hübscher Mädchen lachten bezaubernd in die Kamera. In der Mitte stand der Junge um ihn die Arme der ganzen Mädchen geschlungen. Doch rechts neben ihm konnte ich ein Mädchen erkennen, dessen Gesicht mir äußerst bekannt vorkam.
Sie drückte ihm einen Kuss auf, Laureen. Schon bei dem Gedanken an sie zog sich in mir alles zusammen und meine Gesichtszüge drohten mir zu entgleiten.
Schnell wandte ich meinen Blick vom Bild ab und suchte nach weiteren interessanten Dingen in diesem Raum.
Doch ich blieb erfolglos. Bis auf eine vertrocknete Pflanze schmückte nichts diesen Raum.
„Du hast sicher viele Fragen, ich werde sie nach meinen Möglichkeiten beantworten.", riss er mich aus den Gedanken und versuchte meine volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Doch das war nicht besonders einfach, denn das Bild zog immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich.
„Ja"
"Gut, dann her damit."
"Hm?"
"Deine Fragen?"
"Ach so ja, ich...ähm...", stotterte ich und verstummte schließlich. Meine Fragen waren verschwunden, zumindest die die ich ihm stellen konnte. Mittlerweile interessierte es mich recht wenig, was für Wesen das waren. Eigentlich wollte ich das er endlich mal Klartext sprach, was uns anging.
Ich glaube nämlich nicht das die Flirt Versuche Laureen's spurlos an ihm vorbei gegangen waren. Ich konnte schlecht fragen ob der Kuss überhaupt von Bedeutung für ihn war.
Nervös wanderten meine Blicke durch den Raum. Ich wollte nicht in seine erwartungsvollen Augen schauen. Die blaue Uhr über der Tür schien ein ungewöhnlich lautes Ticken von sich zu geben, dass mich zu verschlingen drohte.
Ich wusste das er auf eine Frage wartete und diese Uhr zählte die Sekunden die ich damit verbrachte nach einer zu suchen. Ich versuchte mich zu konzentrieren und kam endlich zu einer nahelegenden Frage.
„Warum sind wir hier?"
„Das ist etwas schwer zu erklären und... es wird eine Weile dauern." Er machte eine Pause und schaute mir durch dringlich in die Augen. Lange konnte ich ihm nicht in die Augen schauen, denn er gab mir das Gefühl er würde Sekunde um Sekunde mehr über mich erfahren.
Geheimnisse, die er keines Falls von mir wissen durfte. Ich fühlte mich plötzlich unwohl mit ihm hier alleine zu sein. Auch wenn ich die Fragen stellte, dachte ich seine Augen würden jedes kleinste Detail aus meinem Leben versuchen in Erfahrung zu bringen.

„Macht nichts, ich habe Zeit." Es war egal was ich sagte, Hauptsache jemand beendete diese Stille. Ich begann mich fehl am Platze zu fühlen. Auch wenn er mich an diesen Ort gebracht hatte, fühlte ich mich hier falsch. Die Mädchen waren so hübsch, perfekt und sie schienen ihn zu kennen, all das hatte ich nicht.
„Das ist gut, also wir sind wegen dem Grafen hier." Er machte eine Pause, als wir ein Klopfen an der Tür vernahmen.
"Ja" Laureen steckte den Kopf ins Zimmer und warf mir gleich herabwürdigende Blicke zu, worauf hin ich nur mit den Augen rollen konnte.
„Kommst du mal kurz Schatz wir müssen mit dir sprechen."
Ach erst andere Mädchen küssen und dann ihnen die eigene Freundin vorstellen. Vielleicht waren sie ja auch schon verheiratet, hatten ein Kind?
Na gut so alt war er bestimmt nicht, aber was weiß ich schon? Ich war nicht besonders gut darin das Alter anderer einzuschätzen. Dazu kam meine Unfähigkeit den Charakter einschätzen zu können.
Der erste Eindruck, den ich von einer Person hatte war fast immer falsch. Vielleicht lag es an meiner Naivität, die mir schon mehrere Male vorgeworfen wurde, oder es lag an der Tatsache, dass sich nie jemand so zeigte wie er wirklich war.
Ich kannte ihn und sein Leben nicht, soll er mir doch gestohlen bleiben! Ich lächelte ihm gequält zu und stützte meinen Kopf auf meine Hände ab, ich schloss die Augen damit ich ihr schadenfrohes Lachen nicht mehr ertragen musste. Der Stuhl scharrte auf dem hölzernen Boden, kurz darauf hörte ich dumpfe Schritte, die Tür schloss sich und ich war endlich allein.
Was soll das? Will er beweisen das er jedes Mädchen haben kann? Nein, ich würde ihm garantiert nicht verfallen! Ich war so sauer auf ihn, doch ich wusste ich musste so tun, als würde er mir nichts bedeuten.
Warum küssten sie sich nicht gleich in meiner Gegenwart? Wollten sie mich vielleicht noch zu ihrer Hochzeit einladen?
Meine Gedankengänge wurden immer verrückter und so war ich froh, als sie von den Stimmen des Jungen's und Laureen's unterbrochen wurden. Ich wusste ich sollte nicht lauschen, aber meine Neugier siegte. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten sie zu verstehen, doch während des Gespräches wurden ihre Stimmen immer lauter.

„Bist du dir sicher, das du ihr das alles sagen solltest, ich meine du kennst sie ja nicht einmal oder?" Es herrschte kurze Stille, aber dann fragte er energisch und wütend:
„Hast du uns etwa belauscht?" Erneut schwiegen sie und zu gern hätte ich ihre Blicke gesehen.
„Und Ja ich bin mir sicher das ich ihr vertrauen kann! Außerdem werde ich das Gefühl nicht los, sie zu kennen. Sie ist anders sie wird uns nicht verraten.", rief er wütend und bekam Schwierigkeiten nicht so laut zu brüllen, dass ganz England etwas davon hatte.
"Sie zu kennen? Jetzt sei nicht albern, sie ist wie jede Andere."
„Du kennst sie nicht!"
"Nein, aber du?", lachte sie.

"Vielleicht? Außerdem wem sollte sie das erzählen? Keiner würde ihr glauben, ich weiß nicht einmal ob sie mir glauben wird."
„Das sagst du bei Jeder. Hast du mal im Hotel gesehen, wie viele es schon sind? Die deinetwegen sterben mussten?"
„Das wären sie auch so, hier kommt niemand her, ohne das der Graf sie dazu zwingt!"
„Und warum sollte dann gerade sie so besonders sein? Die dir beweist das deine Schwester..."
„Es geht doch nicht nur um meine Schwerster!", schrie er wütend.
"Ach nein um was dann? Du willst mir doch nicht weiß machen, dass du etwas für sie empfindest?"
"Das geht dich gar nichts an!"
"Oh doch, denn für ein Abenteuer bin ich dir ja noch gut genug, oder wie?", beschwerte sie sich verletzt.
"Jetzt dreh den Spieß bloß nicht um!"
"Komm belüge dich nicht selber als ob du auch nur den Hauch von Liebe für sie empfinden würdest, du weißt das das unmöglich ist. Außerdem hast du je etwas für eins der toten Mädchen empfunden?"


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