Papa 's Garage

Kavcec verließ das Hotel um 10:35. Er hatte einen Plan. Er würde Selina Bücker, von der er annahm sie befinde sich in der Klinik ihres Vaters, entführen. Er wußte nicht, ob der Erfinder schwer oder nur leicht verletzt war, aber er ging davon aus, dass er sich in der Klinik befand. Es war zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich, dass er erkannt wurde. Möglicherweise hatten die beiden Polizeischutz bekommen, also würde er erst mal die Lage sondieren. Wenn sich herausstellen sollte, dass beide in der Klinik sind, würde er auf jeden Fall erst einmal die rote Schlampe entführen. Er könnte ja erst mal ein Bisschen Spaß mit ihr haben, bevor er den Erfinder zwang sich ihm zu stellen oder aber, ihn in der Klinik töten. Es würde sich noch zeigen wie es sich verhielt. Er startete seinen Mercedes und fuhr Richtung Autobahn. Er würde tanken müssen. 
Kurz nach halb zehn kam Selina zurück zu mir in die Wohnung. "Guten Morgen Schatz, wie geht' s dir?" Ich hatte gerade versucht, aufzustehen und ins Bad zu gehen. Sie kam zu mir, gab mir ein Küsschen und stützte mich. "Ich hab kein gutes Gefühl Kleines. Ich denke wir sollten schnellstmöglich verschwinden. Ich weiß, du glaubst, ich bin noch nicht so weit, aber es hilft nichts." - "Ich weiß, dass du noch nicht soweit bist, aber du hast leider recht. Viktor ist eine Ausgeburt der Hölle und wir können uns nicht leisten, ihn nochmal zu unterschätzen. Ich hab bereits fast alles was wir brauchen in meinen Wagen schaffen lassen. Und ich habe auch das Gefühl, wir sollten sofort aufbrechen. Ungefähr eine halbe Stunde von hier steht der Range Rover. In Papas Garage. Die wird dir gefallen, da steht viel Spielzeug für deine Rückkehr bereit." - "Wie meinst du das?" - "Dass uns der Boden hier zu heiß wird. Wir fahren sofort los, ok?" - "Ja, da bin ich dafür, aber wie meinst du das mit dem Spielzeug?" Selina lächelte. "Michael Montar, Ich hatte die Ehre in deinem Flur zu stehen. Ich habe die Pokale gesehen und ich saß neben dir in deinem Porsche. Da bist du zwar nicht schnell gefahren, aber mit der Sicherheit und Routine des Rally-Fahrers, der du mal warst. Ich weiß, dass du was von Autos verstehst." Ich hätte nicht geglaubt, dass Selina bei ihrer Ankunft in meinem Haus die Vitrine aufgefallen wäre, in der neben einigen Patenturkunden und Maschinenmodellen ein Paar in meiner Jugend gewonnene Trophäen standen.  "Komm jetzt, Michael! Ich helfe dir beim Anziehen und dann ab in den Rollstuhl mit dir!" Nach wenigen Minuten waren wir fertig. Irgend etwas sagte uns, dass für ein Frühstück keine Zeit mehr war. Vor der Tür hatte ein Pfleger gewartet, der mich höflich grüßte, sich als Erich vorstellte und den Rollstuhl von Selina übernahm. "Ich habe ihren GTI direkt vor den Eingang gefahren, Frau Doktor." - "Danke, Erich. Kommen Sie, wir müssen uns beeilen." Das passte zu Selina. Golf GTI. Bärenstark, schnell und wendig. Sie hatte den Wagen, den sie in der Nacht, in der sie zu mir gekommen war, ohne Benzin zurücklassen musste, von einem Abschleppwagen bringen lassen.
Es war etwas mühsam, mit meinem lädierten Oberschenkel in den Sportsitz zu kommen, aber als ich einmal saß, war es zu ertragen. Erich half seiner Chefin noch ein paar Reisetaschen im Kofferraum zu verstauen und legte auch den Rollstuhl hinten rein. Als Selina den Motor anließ, erkannte ich sofort, dass dieser Kraftprotz trotz der ohnehin hohen Motorleistung  auch noch ordentlich frisiert war. Ich grinste wohl besonders breit, denn Selina lächelte zufrieden. "Ich wusste ja, dass du was davon verstehst. Aber nun zum Plan. Wir fahren jetzt zu mir heim. In Papa 's Garage steht der Rover bereit. Der ist sehr komfortabel, bullenstark und ist wintertauglich bereift. Außerdem hat er die von dir geforderte Automatik." Man spürte, dass Selina den Wagen beherrschte. Ich hatte ein sicheres Gefühl auf dem Beifahrersitz, was bei mir eher selten ist. Sie fuhr zügig, hielt aber immer ausreichend Abstand zum Vordermann und vermittelte Erfahrenheit.  "Supergerät!" Entfuhr es mir. Selina lächelte. An einer gegenüberliegenden Bushaltestelle, die wir passierten stand ein Streifenwagen, dahinter ein blauer Mercedes. Von den Insassen war weit und breit nichts zu sehen. "Da stimmt was nicht!" - "Fahr weiter, Selina! Fahr ganz normal weiter!" Selina war erst ein Wenig vom Gas gegangen, reagierte aber sofort auf meine Anweisung und nahm unauffällig nur ganz leicht wieder Fahrt auf. "Was auch immer da abgeht, normal ist das nicht und ich weiß nicht, ob es nicht etwas mit meiner extremen Nervosität zu tun hat." - "Hast du bemerkt, das der Benz eine tschechische Nummer hatte?" Fragte sie mich. Ich hatte es gesehen und unwillkürlich an Viktor gedacht. "Ich bin froh wenn wir bei dir sind, Kleines!" Etwa zehn Minuten später setzte Selina den linken Blinker und wir bogen in eine Allee ab. Nach etwa dreihundert Metern kamen wir zu einem Anwesen, das ich durchaus als ein Schloss bezeichnen würde. Selina fuhr daran vorbei zu den dahinter liegenden Stallungen, die kein Pferdestall waren, sondern "Papas Garage". Sie stieg aus und öffnete ein großes Schiebetor. Dann fuhren wir hinein. An die zwanzig Fahrzeuge standen links und rechts  aufgereiht und abgedeckt. Der Boden war gefliest. Vor uns in der Mitte stand ein Range Rover, dahinter eine Mercedes S-Klasse Limousine. "Wenn wir beide, und davon gehe ich aus, lebend und liebend hierher zurückkehren, dann wird das hier deine Spielwiese Michael." Sie küsste mich. "Also bitte tu mir den Gefallen und bleib am Leben!"  Sie kam um den GTI herum und half mir, in den Rover umzusteigen. Während sie die restlichen Sachen samt dem Rollstuhl umlud, erkannte ich einige Fahrzeuge trotz der blauen Abdeckplanen. "Selina, das ist ein Miura! Du hast hier einen Lamborghini Miura! Und da eine Shelby Cobra... Ich glaub ich spinne! Ein Lancia Stratos!..." - "Papa würde sich freuen, dass du ein Kenner bist, Liebling. Ich glaube, er wäre zufrieden mit meiner Wahl..." Sie ließ den Motor an. Ein sattes aber unaufdringliches Achtzylinderhämmern ließ sich vernehmen. sie fuhr heraus aus diesem Oldtimertempel, schloss die Schiebetür und wir fuhren los in eine ungewisse Zukunft.

Währenddessen fuhr ein Streifenwagen in der Klinik vor. Der Streifenwagen war mit nur einer Person besetzt. Diese Person in tadelloser Adjustierung war niemand geringerer, als Viktor Lejbosz alias Eduard Kavcec...

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