Kapitel 8

Der dunkelblonde Jugendliche überquerte mit beschwingten Schritten den Hof, legte die Sachen auf der Bank ab, auf der seine Oma gern in der Sonne saß, und stemmte die Tür zur Garage auf, in der seines Vaters eigener alter Traktor stand, ein Mähfahrzeug und in einer Ecke unter einer Plane Marius’ eigenes, selbst verdientes Auto, ein auberginefarbener Opel Corsa, auf den er stolz war. Heinrich bewahrte darin außerdem den Rasentrecker auf, der für den Garten hinter dem Hof gebraucht wurde, einiges weitere an Werkzeugen, nützlichen Schrott, Lacke, Farben und alles, was ein Mechaniker so als ‚Bastelzeug’ ansehen würde. Über eine Treppe war eine Galerie zu erreichen, da setzte sich das Sammelsurium fort. Doch in der Garage standen auch die Fahrräder der Familie. Auch wenn Angelika ihres nur benutzte, wenn sie mal zum Friedhof hinaus fahren wollte und Heinrich seins nur, wenn er nicht mit dem Auto an der Kneipe vorfahren wollte. Meist ging er zu Fuß und wankte dann am Abend nach Hause.

Das Rad von Hannelore wurde von dieser rege genutzt. Sie machte jeden Tag eine mindestens einstündige Runde rund um Lengwede, meist um zum Grab ihres Gatten hinauszufahren und um sich fit zu halten. Und Marius benutzte, da er den Opel offiziell noch nicht fahren durfte, sein Fahrrad auch täglich, fuhr damit im Ort von A nach B und an schönen Tagen auch zur Schule. Oder eben zum Baden nach Lenbach, wie an diesem Nachmittag.

Mit einem Pfeifen auf den Lippen, weil er die Müdigkeit des Schulschlusses hinter sich gelassen hatte, schob er sein Mountainbike heraus und verschloss die Garagentüren wieder. Heinrich hasste es, wenn diese offen standen und da dieser nur vier Meter von ihm entfernt war und nicht fackeln würde, notfalls einen Schraubenschlüssel nach ihm, Marius, zu werfen, kam der dem Wunsch seines Vaters lieber nach. Denn eine Prellung, ausgelöst durch ein massives, metallenes Werkzeug, würde ihm den Nachmittag vermiesen.

Der Teenager klemmte die Decke auf den Gepäckträger und wollte gerade den Hof verlassen, als Hannelore aus der Tür zu ihrer Wohnung kam. Diese befand sich in einer ehemaligen Scheune, die ausgebaut worden war und nun auf zwei Etagen verteilt zwei gemütliche Räume, eine Diele, eine komplette Küche und ein Bad enthielt. Marius war gern bei seiner Großmutter, schaute zusammen mit ihr Quizsendungen im Fernsehen oder spielte Karten. Seit sein Opa vor einiger Zeit verstorben war, wollte er nicht, dass sie so viel allein war. Oft verzog er sich auch zu ihr, wenn es drüben bei seinen Eltern mal wieder gekracht hatte. Bei seiner Großmutter kam er zur Ruhe und konnte sich auf die Schule konzentrieren, wenn bei Angelika und Heinrich der Haussegen schief hing.

»Na, wo soll es denn hingehen?« Die alte Dame hatte sich ausgehfein gemacht, was bedeutete, dass sie ihren gewohnten geblümten Kittel nicht trug, der ihre Kleidung vor den üblichen Haushaltsflecken schützen sollte. Marius wusste, dass sie selbst im Begriff war, ihre tägliche Radtour zu machen. Großmutter und Enkel lächelten einander an.

»Nach Lenbach zum Baden. Es ist heute das erste Mal richtig heiß und bevor der See wegen der vielen Sonne wieder so viel Wasser verliert und pisswarm wird ...«

»Ah schön«, erwiderte Hannelore und verzog das Gesicht, als man Heinrich laut schnauben hörte.

»Anstatt was Sinnvolles zu tun, treibt sich der Faulpelz lieber herum ... typisch.«

»Bitte, Heinrich. Als du in Marius’ Alter warst, bist du dich auch mit deinen Freunden herumgezogen. Jetzt tu bitte nicht so, als wärst du nie ein Jugendlicher gewesen und lass ihm seinen Spaß. Der Ernst kommt noch früh genug!«

Der grobschlächtige Landwirt erhob sich knurrend und rieb sich das Knie, dass durch die Position zu schmerzen begonnen hatte. »Als ich in seinem Alter war, habe ich bereits gearbeitet, Mutter. Ich habe mich herumgetrieben, wenn es nichts mehr zu tun gab!«

Mit einem Ausdruck im Gesicht, den Marius nur als zynisch betrachten konnte, verschränkte die alte Dame mit den fast weißen Haaren die Arme vor ihrer Brust und schürzte die Lippen. »Für dich hat es damals auch nur das Schrauben an Autos und Maschinen gegeben. Das war sowohl dein Hobby als auch dein Beruf. Bei dem Jungen ist es halt anders.«

Heinrich starrte seinem Sohn entgegen, doch er schien nicht in Streitlaune zu sein, denn er zuckte nur gehässig die Schultern. Eine Spitze musste er dennoch werfen: »Weil Angelika ein Mädchen aus ihm gemacht hat, das lieber malt als Dinge zu tun, die einem Mann zu Gesicht stehen. Schau ihn doch an. Nicht mal eine Freundin hat er, der Weichling.«

Marius verkniff sich zu sagen, dass er an jedem Finger eine haben könnte, wenn er wollte. Das erschien ihm niveaulos und war nicht seine Art. Er betrachtete Mädchen nicht als etwas, womit man sich schmückte, um die eigene Männlichkeit zu unterstreichen.

Hannelore blickte ihren Enkel mit liebevollen Augen an. »Eines Tages wird er einen Menschen an seiner Seite haben, der ihn glücklich macht. Und bis dahin ist es seine Sache, ob er jemanden hat oder nicht. Ich bin eher froh, dass er keiner dieser Rotzlöffel ist, die jedem Rock hinterher steigen und am Ende mit achtzehn Vater werden oder dergleichen.«

Der dunkelblonde Jugendliche spürte eine verräterische Wärme in seinen Wangen, als er die Worte seiner Großmutter hörte. ‚Eines Tages würde er jemanden haben’, das reduzierte sich nicht allein auf Mädchen. Ahnte seine Oma, dass in ihm Zweifel gärten darüber, ob er normal war?

»Wenn er so blöd wäre, sich von einer Schlampe ein Balg andrehen zu lassen, würde er die Konsequenzen dafür zu tragen haben, so einfach ist das!«

»Na dann ist es ja gut, dass unser Marius nicht so einer ist!«, erwiderte Hannelore und ihr Ton hatte etwas Abschließendes. Es war deutlich zu hören, dass für sie dieses Gespräch beendet war und dass sie nicht weiter darauf eingehen würde. Stattdessen wandte sie sich an ihren Enkel, der sich immer ein bisschen doof dabei vorkam, wenn sich jemand über ihn unterhielt, als wäre er nicht dabei.

»Hier, damit ihr euch nachher noch ein Eis oder was zu trinken holen könnt.« Mit einem verschwörerischen Grinsen und leiser Stimme steckte sie ihm einen Zehner zu und zwinkerte. Der Teenager ließ seine Grübchen aufblitzen und schob das Geld in die vordere Tasche seines Rucksacks.

»Danke.«

»Für dich doch immer. Viel Spaß.«

Marius ließ es sich gefallen, dass seine Oma seine Hand streichelte und lenkte schließlich das Rad vom Hof. Er ignorierte den angefressenen Gesichtsausdruck seines Vaters. So war es nun einmal. Wer erwachsen war, musste arbeiten. Wer ein Teenager war, konnte noch etwas Spaß haben. Wie seine Oma schon gesagt hatte, der Ernst in Marius‘ Leben würde noch früh genug kommen, umso mehr würde er die Zeit genießen, die er noch hatte, bis es soweit war.

Er ließ das Rad langsam die Sackgasse hoch rollen. Eilig hatte er es nicht, denn er wohnte keine zwei Minuten von der Bushaltestelle entfernt, an der sie sich alle treffen wollten. Es wunderte ihn auch nicht, dass noch keiner da war. Es würde vermutlich ohnehin zu Verzögerungen kommen, er kannte das schon. Die Mädchen waren nämlich fast niemals pünktlich.

Zehn Minuten nach seiner Ankunft konnte er die quietschende Bremse von Ralfs altem Drahtesel hören. Der war kaum an der Haltestelle angekommen, als auch Karsten und Dennis zu sehen waren.

»War klar ... die Weiber wieder, Mann«, schnaufte Ralf. Er wohnte am Dorfrand, gegenüber der Reitschule Walter, in einem Zweifamilienhaus, und musste sich mit seinem Rad immer bergauf quälen, um zum Treffpunkt zu kommen. Eigentlich jeder im Dorf vereinbarte das „Dreieck“, eine von zwei Straßen umgebene Insel, auf der die Kirche und der historische Friedhof lagen, als Ort, um sich zu verabreden. Es war der zentralste Punkt und für alle barrierefrei zu erreichen.

Als sie alle Kinder waren, war das ihr Platz zum Spielen gewesen. Es hatte Spaß gemacht, zwischen den teilweise jahrhundertealten Grabsteinen Verstecken zu spielen oder sich Geschichten auszudenken. Wenn man wissen wollte, wo der eigene Nachwuchs abgeblieben war, fragte jeder zuerst »Hast du am Dreieck nachgesehen?« und meist waren sie dort. Obwohl es in Lengwede viele Plätzchen gab, die zum Spielen einluden. Nicht alle waren frei zugänglich, was schon oft zu Ärger geführt hatte, aber wer auf dem Dorf groß geworden war, hatte vor solchen Dingen keine Angst. Man setzte sich über Verbote hinweg, denn das Abenteuer, was es zu erleben galt, war mehr wert. Es verwunderte Marius immer wieder, dass sich niemals jemand von ihnen ernsthaft verletzt hatte. Mehr als aufgescheuerte Knie oder einen gequetschten Finger hatte es nie gegeben.

»Warum können die nicht mal als erstes da sein ...« Karsten und Dennis lümmelten sich auf ihren Rädern und alle Jungs hockten dort wie bestellt und nicht abgeholt.

»Schreibt einer von euch Jessica? Es würde mich nicht wundern, wenn Franziska uns absichtlich schmoren lässt.« Ralf ließ den alten Drahtesel ins Gras fallen und hockte sich auf den Bordstein.

Es war vierzehn Uhr und vor drei würde kein Bus kommen, was ihnen die Möglichkeit gab, die Straße zu belagern.

»Kein Bock. Mein Guthaben ist schon wieder fast runter. Ist mir zu schade«, murmelte Marius, lehnte sich auf der Wartebank der Haltestelle nach hinten und genoss das kühle Glas an seinem Rücken.

»Ich bin auch blank«, sagte Karsten. Dennis schwieg, denn dem war erst vor einer Woche das Handy ins Klo gefallen, was dazu geführt hatte, dass seine Freunde ihn gnadenlos ausgelacht hatten. Er wollte sie nicht erneut an die Peinlichkeit erinnern.

»Ich warte noch zehn Minuten, ich schwör’s«, knurrte Karsten. »Immer diese Extrawurst mit den Weibern. Am Ende ist es am See voll, weil die nicht aus dem Arsch gekommen sind, Mann.«

Marius wandte träge den Kopf zu seinem Kumpel. »Wer sollte denn da sein?«

»Keine Ahnung ... Ich hab Christopher bei Heinemännchen gesehen. Der wollte vielleicht nur mit der Karre angeben, weil er ja jetzt achtzehn ist und das Ding fahren darf. Aber vielleicht hatten die die gleiche Idee wie wir ... keinen Bock. Vor allem nicht auf Monique, Kathrin und Anja. Das Lachen dieser Tussis nervt mich schon, wenn ich nur daran denke! Und die schleppen die garantiert mit ...«

Dennis hockte sich ebenfalls auf den Bordstein. »Wundert dich das? Hast du dir die mal angeguckt? Was die für Hupen haben? Die würd ich auch gern im Bikini sehen.«

»Wer hat Hupen? Na Monique ja nicht, die ist ja dünn wie ein Hering!«

Die Jungs lachten, doch Marius war nur halbherzig bei der Sache. Er dachte viel mehr daran, dass ihm der Gedanke, Daniel vor dem Wochenende noch einmal zu sehen, mehr gefiel als ihm lieb war. Und dann auch noch in der Badehose. Er hoffte inständig, dass er und seine Freunde den Nachmittag anders verbringen würden. Er würde nicht noch einmal einen solchen Moment wie vorhin auf dem Schulhof ertragen können und verhindern, dass seine Kumpels das mitbekamen. Franziska hatte ihn eh schon schwul genannt und wenn sie das nicht lassen würde, würde das zu Gerüchten führen, die ihm eine Tracht Prügel von seinem Alten einbringen könnten, wenn der das mitbekommen sollte. Selbst wenn an der Sache nichts dran war, würden die Leute anfangen zu spekulieren und das würde Marius eine Menge Ärger einbringen.

Außerdem wusste er nicht, ob er nicht überreagiert hatte. Wer sagte denn, dass da etwas dran war? Daniel war attraktiv, na und? Es war doch nur menschlich, dass man Dinge, die hübsch waren, gern ansah. Das musste überhaupt nichts bedeuten.

Er, Marius, fand viele Sachen schön, er malte und zeichnete schließlich für sein Leben gern, da gehörte ein Auge für Ästhetik dazu. Er betrachtete den Körper eines Mädchens im Bikini mindestens genauso gern wie seine Freunde - nur empfand er offenbar nicht das Gleiche dabei wie sie. Sie erregten sich oftmals darüber, ja bekamen sogar einen Ständer, was der Gruppe dann einen Anlass zum Lachen gab. Ihm, Marius, war so etwas noch nie passiert. Vielleicht war auch nur etwas kaputt bei ihm, denn ihm fehlte auch das Interesse, über irgendwelchen billigen Schmuddelheftchen zu masturbieren.

»Ah! Bequemen sich die Grazien auch mal, uns zu beehren, ja?« Ralfs spöttisches Rufen riss Marius aus seinen Gedanken und er hob den Kopf. Tatsächlich rollten Jessica, deren strichdünner Körper in knappen Shorts steckte, und Franziska, deren Kurven von einem bunten Kleid verhüllt waren, die sanfte Steigung hinunter, die von der Kirche zur Haltestelle verlief.

»Laber’ nich. Wir rennen immerhin nicht wie Vogelscheuchen herum«, grinste Jess und schüttelte ihr schmutzigblondes Haar, auf dem ein kecker Sonnenhut saß. Franziska bedachte die Jungen noch immer mit eiskalter Miene. Ihren Ärger über Marius’ Korb und dass die anderen darüber gelacht hatten, würden sie noch eine Weile ertragen müssen. Jedoch würde das hellblonde Mädchen sich nie von der Gruppe absetzen, denn wo sonst sollte sie hin? Das hier waren ihre Freunde und einer anderen Clique im Orte würde sie sich nur über ihre Leiche anschließen.

Es gab nur sie oder die ‚anderen’, die eingebildeten Dorfprominenz-Kinder rund um Heinemännchen, den Dorfprinzen und Sohn des Bürgermeisters. Franziska lästerte, seit Marius denken konnte, auf das Übelste über diese Kids ab. Dabei erinnerte sich der Jugendliche daran, dass sie, als sie noch im Kindergarten waren, unzertrennlich war mit Monique und Kathrin. Einst gehörte Franziska zu denen. Und dann hatten sie sich verkracht und sie hatte sich Marius und seinen Freunden angeschlossen. Und die hatten sie angenommen, denn warum auch nicht? Sie waren immerhin Kinder gewesen. Ihnen war es egal, mit wem sie spielten. Marius erinnerte sich auch daran, damals mit Daniel gespielt zu haben. Das entwickelte sich erst auseinander, als sie alle in die Schule kamen und ihre Freizeit eigenständig zu gestalten begannen.

»Also können wir dann oder wollen wir hier festwachsen? Ich würde gern heute noch schwimmen gehen«, murrte Ralf erneut und alle nickten.

Mit einem Lachen wandten sie sich der breitesten Straße im Ort zu. In dieser lag auch der Hof der Heinemanns, der nicht nur ein beeindruckendes altes Gutshaus vorzuweisen hatte, sondern auch einen sehr ordentlichen, gepflegten Innenhof, geschmückt mit hübschen Bäumchen in Kästen. Man konnte diesem Anwesen, aber auch denen, die daneben und gegenüber an der anderen Straßenseite lagen, ansehen, dass da Geld dahinter steckte. Ohne das wäre es nicht möglich gewesen, diese teilweise hundertfünfzig Jahre alten Bauernhäuser zu solchen Villen auszubauen.

Marius mochte diese schönen Häuser und hatte auch keine Probleme mit den meisten der Menschen, die in diesen lebten. Er mochte die Hoppes, die den Heinemanns gegenüber wohnten, sehr gern, denn die waren immer freundlich, er konnte nichts gegen die Weinmanns sagen, die ein Haus davor etwas bescheidener lebten, denn deren Sohn, Ralf, war nun einmal sein bester Freund, und die Brandners, die in dem letzten Haus vor dem Feld wohnten, lebten so zurückgezogen in ihrer alten Backsteinvilla, dass keiner so wirklich was über sie wusste. Einzig zu Friedrich und Manuela Heinemann, den Eltern von Daniel, hätte Marius etwas zu sagen gehabt. Denn die waren „Bürgermeister“ und bildeten sich immens etwas darauf ein. So wie auf ihr Vermögen, das zu großen Teilen, wie jeder wusste, aus einer stattlichen Erbschaft bestand, die Fritz nach dem Ableben seines Vaters erhalten hatte, die sich aus dem Hof, dem Ackerland, dem Waldbestand und Bargeld zusammen setzte. Natürlich bestellte Friedrich das Land auch, aber es war mehr ein Hobby, ein Zubrot zusätzlich zu den Pachteinnahmen, den Einnahmen aus der Nutzung des Waldes und dem Einkommen, das Manuela aus ihrer Tätigkeit als leitende Angestellte in einer Bank nach Hause brachte. In so einem Ort wusste jeder, wie der andere seine Brötchen verdiente, sofern dies legal geschah, und oftmals konnte man an den Zuständen der Höfe oder der Maschinen ablesen, ob es jemandem gut ging oder nicht.

Und den Landwirten besonders hier in diesem Teil Lengwedes ging es prächtig - zumindest dem Anschein nach, denn niemand würde freiwillig zugeben, dass das Geld knapp war. Man wusste ja, wie es in einem Dorf zuging und wie schnell die Leute zu lästern begannen und anfingen, sich Sorgen zu machen, dass es als nächstes sie treffen könnte. Als würde ein wirtschaftlicher Misserfolg ansteckend sein können.

Den Jugendlichen gingen diese Sorgen allerdings am Züngel vorbei, denn von ihnen hatte niemand die ernsthafte Absicht, die Gehöfte der Eltern zu übernehmen, geschweige denn für immer in Lengwede zu bleiben. Sie lebten hier, weil sie es mussten, weil sie Schüler waren und von der Familie abhängig. Doch sobald das nicht mehr der Fall war, würden sie alle in die Welt hinaus ziehen. Zumindest Marius hatte das für sich ganz fest vorgenommen. Zum Aufwachsen war Lengwede prima gewesen - vielleicht auch, um später den Ruhestand dort zu verbringen. Doch zum Leben war es eindeutig zu eng.

Kommentare

  • Author Portrait

    Eine meiner absoluten Lieblingsgeschichten aktuell hier auf Belletristica. Die Beschreibung ist so präzise, in vielen Dingen erkennt sich das Dorfkind in mir sehr gut wieder (das habe ich glaube ich schon mal erwähnt in einem früheren Kommentar). :D Freue mich auf die Fortsetzung.

beta
Feenstaub

Navigation

Sprachen

Social Media