18. The American Way of Life

Eigentlich könnte Magnus, Antonios Herrschaft beenden, wenn er wollte. Er war nun der stärkste Unsterbliche der Stadt. Aber mein Prinz begnügte sich mit unserem Haus und der Freundschaft zu Antonio. Er schien gar nicht auf die Idee zu kommen dem bisherigen Herrscher von San Francisco seinen Platz streitig zu machen. Vielleicht hinderte ihn aber auch nur sein Verhältnis zu Catherine daran. Würde er ihrem Sprössling ein Leid zufügen, hätte er sie garantiert gegen sich. Die alte Liebe! Ich stattete einige Nächte nach der Vernichtung der Bande, Antonio einen Besuch ab. Bis jetzt hatten wir uns noch nicht getroffen, seit meiner Rückkehr. Ich war gespannt auf ihn. Martin begrüßte mich freudig: „Jessica! Wie schön, dass du wieder da bist.“

„Ich freue mich auch, wieder in der Stadt zu sein. Es ist eben doch meine Heimat.“ Wir setzten uns in den Garten und nach einer Weile gesellte sich Antonio zu uns: „Hallo Jessica! Kaum bist du zurück, machst du gleich von dir reden. Oder besser gesagt dein Gefährte. Damit hat er uns allen einen Dienst erwiesen. Die Kerle terrorisierten schon länger die Gegend.“ Ich erwiderte: „Warum hast du sie nicht ausgelöscht?“ Er ließ sich auf einem Stuhl nieder: „Sie haben mich ja nicht angegriffen. Du weißt ja, wie die Regeln sind.“

„Ja, ich weiß.“ Dabei dachte ich an meine vierfache Vergewaltigung und es machte mich immer noch wütend. „Tut mir leid“, sagte Antonio. Ich nickte nur. Dann verabschiedete sich Martin, um in den Club aufzubrechen. Er arbeitete immer noch dort. Nebenher machte er auch schon seit einer Ewigkeit den DJ in einer sterblichen Disco. Das war auch sein Jagdrevier. Da gab es immer genügend willige Mädels. Er war einer, der Unsterblichen der, die Sexschiene fuhr. Sobald ich mit Antonio allein war, musste ich auf seinen Mord beim Fest zurückkommen. „Wusstest du, dass dein Opfer einen Sprössling und Gefährten hatte?“ Da kam ein ungerührtes Ja zurück.

„Und da hast du kein schlechtes Gewissen?“ Antonio lächelte: „Fragst du bei deinen Opfern, wen sie hinterlassen?“ Ich konnte nur den Kopf schütteln. Der Punkt ging an ihn. Dann meinte er: „Danach hat sich dein Problem mit Jack ja wie von selbst gelöst. Der Junge kam mit euch.“ Ich fragte verwundert: „Woher weißt du davon?“ Jetzt grinste er breiter: „Ich hatte dir doch gesagt, dass ich meine Opfer beobachte.“ Langsam schwante mir etwas. Hatte er sich Dirk absichtlich ausgesucht? Aber woher sollte er wissen, dass Jack sich in Alex verlieben würde? Oder wusste Antonio im Vorfeld schon mehr als ich? Aus dem Kerl wurde ich einfach nicht schlau und er genoss das. Zu gern würde ich in sein Hirn sehen können. „Ja, das hattest du erwähnt. Mir tat der unerfahrene Junge eben leid. So ganz allein. Da wollte ich ihm helfen und auch, weil mich alles an Cornelius erinnerte. Ich wusste, wie er sich fühlte.“ Antonio erwiderte: „Dir wurde dein Geliebter wenigstens von einem höheren Wesen genommen. Aber bei mir waren es abergläubische Sterbliche und Michelles verdammter Starrsinn.“

„Du hast sie doch gerächt.“ Er nickte: „Aber erst hinterher stellte ich fest, dass mein Schmerz trotzdem nicht verging. Nachdem ich meine Wut ausgetobt hatte, war ich leer. Nur noch ein Schatten meiner selbst. Nichts bedeutete mir noch etwas. Nicht mal das Blut. Ich trank, weil ich musste. Ich überlegte sogar, ob ich ins Koma gehen sollte. Alles war gleichgültig geworden. Nacht für Nacht starrte ich auf ihr Porträt, das ich noch von ihr gemalt hatte. Zu dieser Zeit hatte ich mich darin versucht und einige Unsterbliche kauften die Bilder sogar. Dann weckte mich die Französische Revolution aus meiner Erstarrung. Als scheinbar reicher Mann musste ich um meinen Besitz fürchten. Ich machte mich nach Amerika auf, wo ich schon mit ihr hin wollte. Tja, und so bin ich hier gelandet.“

„Wie bist du damals gereist?“ Er antwortete: „Durch die Luft. Ich packte nur wenig zusammen und trug die Tasche mit mir.“

„Magnus und ich haben es diesmal auch so gemacht. War eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich fühlte mich frei, wie ein Vogel.“ Er lachte zustimmend. Dann wurde er wieder ernst: „Dich beschäftigt doch etwas, Jessica.“ Ich grinste: „Ist das so offensichtlich? Nun, ich würde gern mehr über unsere Schöpfer erfahren. Sind sie noch in der Nähe?“ Antonio blickte in den Himmel hinauf: „Ich glaube nicht. Aber irgendwann kehren sie zurück, um nach uns zu sehen. Nach ihrem Experiment!“ Dabei lachte er auf. „Woher hast du von ihnen erfahren? Von Catherine, oder von Magnus?“ Er sah mich durchdringend mit seinen braunen Augen an: „Nein. Ich war selbst bei ihnen.“

„Was? In ihrem Schiff?“ Er nickte nur. Unfassbar! Er hatte diese Wesen ebenfalls kennen gelernt. Neid keimte in mir auf. „Erzähl!«, forderte ich ihn auf. Antonio starrte auf die Tischplatte und spielte mit einer Strähne seines langen, dunkelbraunen Haares: „Sie kamen zu mir. Eines Nachts stand so ein Wesen in meiner alten Villa. Ich hielt es für einen Vampirgott oder so was. Dann sprach es in Gedanken zu mir. Sie haben ja keine akustische Stimme. Ich war so überwältigt von dieser Kreatur, die solche Macht ausstrahlte. Es wollte, dass ich mitkomme und so flogen wir zu schnell für meinen damaligen Verstand, über das Land, bis in die Wüste. Trotz meines Alters wurde ich dabei in einen Sturm hineingezogen und alles verschwamm vor meinen Augen. In einem Canyon lag das Raumschiff versteckt. Es sah von oben eher wie eine Stadt aus. Es füllte die Schlucht bis obenhin aus und überall brannten Lichter. Ein Kribbeln am ganzen Körper erfüllte mich und ich stand plötzlich in einem langen Gang. Das Wesen führte mich durch weiße und graue Flure. Alles war in diesen Farben gehalten. Auf unserem Weg begegneten mir noch mehr von den fremden Wesen. Sie sahen fast gleich aus. Ich hätte sie kaum unterscheiden können. Dann lernte ich das Oberhaupt des Schiffes kennen. Er erzählte mir von dem Experiment, also was ich dir schon geschildert habe und dann lud er mich zum Essen ein. Das war das Merkwürdigste, was ich je vorgesetzt bekommen hatte. Als wir am Tisch saßen, wurden Schüsseln mit langen, fast durchsichtigen Würmern gebracht. Sie wanden sich in der Schüssel vor mir und ich wartete zuerst mal ab. Ich hatte noch nie Tiere ausgesaugt und jetzt das hier. Skeptisch beobachtete ich meinen Gastgeber, der ein Tier herausnahm, mit beiden Händen festhielt und hineinbiss. Nach kürzester Zeit schrumpelte der Wurm zusammen, wie eine Wurstpelle und schon griff er nach dem Nächsten. Ich zögerte immer noch, doch dann stieg mir der Blutgeruch dieser Tiere in die Nase. Fast fassungslos stellte ich fest, dass der Geruch, meine Gier entfachte und ich sah, wie das Blut durch die glasige Haut hindurch pulsierte. Der ganze Wurm bestand aus dicken Adern. Wie von selbst griff ich in die Schüssel, hielt das zirka einen Meter lange Tier fest und biss vorsichtig in die dünne Haut. Der Geschmack war die nächste Überraschung. Ich glaubte, noch nie etwas Besseres getrunken zu haben. Für mich war das unfassbar, dass so ein Wurm besser schmecken konnte, als ein Mensch. Das Oberhaupt der Außerirdischen führte mich noch ein wenig durch das Schiff, bevor ich dann irgendwann nach Hause geleitet wurde, wie wir gekommen waren. Zuhause stellte ich dann fest, dass ich zwei Tage weg gewesen war und ich hatte im Schiff überhaupt nichts davon bemerkt, keinen Schlaf verspürt. Ja, so war meine Begegnung mit den Fremden. Auf jeden Fall haben sie einen großen Eindruck hinterlassen.“

„Wirklich faszinierend!“ Wir unterhielten uns noch eine Weile, bevor ich wieder nach Hause aufbrach. Magnus machte sich gerade zur Jagd zurecht und ich wunderte mich, dass er sich dazu so herausputzte. Er trug seine Lederklamotten und band seine Haare zu einem straffen Pferdeschwanz zurück. „Wo gehst du hin? Suchst du dein Opfer heute in einem Club?“ Er lächelte: „Ich geh zur Vollmondparty.“ Ich erwiderte verdutzt: „Vollmondparty? Was ist das? Habe ich noch nie gehört.“ Magnus ging zur Garage: „Das wäre nichts für dich.“ Ich folgte ihm: „Wieso nicht?“ Er öffnete das Tor: „Na ja. Es ist ein ziemliches Gemetzel.“ Jetzt wurde ich noch neugieriger: „Erzähl schon. Ich bin nicht mehr so empfindlich wie früher.“ Mein Prinz bestieg seine Harley: „Also schön. Bei Vollmond werden meistens auf Fabrikgeländen, Discos veranstaltet. Sterbliche sind erwünscht. Meistens findet das Ganze in einem Keller statt. Um Mitternacht wird dann der Eingang verrammelt und die Blutorgie beginnt.“ Ich schüttelte grinsend den Kopf: „Das war ja klar, dass dir das gefällt.“ Er zuckte die Schultern und ließ den Motor an: „Und es war klar, dass du das verabscheust. Also, bis später.“ Damit brauste er aus der Auffahrt. War das jetzt die harte Version einer gemischten Party. Mich interessierte wo sie heute stattfand. Ich würde ihm schon zeigen, dass ich nicht mehr so weich war, wie er glaubte. Bloß wie fand ich den Ort? Da kam mir Martin in den Sinn. Als DJ im Club wusste er es bestimmt. Bis Mitternacht waren es noch drei Stunden. Also, schnell umziehen und los.

Martin war zwar nicht im Club, aber arbeitete heute im „Barbarella“, seiner Sterblichendisco. Natürlich wusste er über diese Veranstaltungen Bescheid, aber meinte, das wäre nichts für ihn. Antonio wäre schon einmal dort gewesen. Er erklärte mir den heutigen Ort und ich machte mich schnell auf. Noch fast eine Stunde.

Als ich endlich vor der Stahltür stand, die gleichzeitig Eingang und Ausgang war, sagte der Türsteher: „Bist spät dran.“ Ich erwiderte beim Hineingehen: „Ging nicht früher.“ Aus den Augenwinkeln sah ich noch, wie er die Tür verschloss und den Riegel vorschob. Dann kam ich sozusagen in letzter Minute. Eine Treppe führte hinunter und unten angekommen herrschte großes Gedränge in der Halle. Sterbliche und Unsterbliche tanzten unbeschwert. Alles sah ganz gewöhnlich aus, aber ich fühlte die Unruhe der anderen. Je näher die Zeiger der Zwölf rückten. Die Meisten konnten es wohl kaum noch abwarten und ich sah bei vielen schon die Gier in den Augen aufflackern. Es waren vorwiegend junge Unsterbliche hier und nicht unbedingt die wohlhabenden. Ich hielt Ausschau nach Magnus, konnte ihn aber nicht entdecken. So voll, wie es war, war das auch nicht verwunderlich. Fast alle Unsterblichen trugen Leder oder Gummiklamotten. Abwaschbar! Die Menschen waren auch so angezogen. Ich überlegte, wie das Mischungsverhältnis so war. Bei den noblen Partys war es ziemlich genau halb halb, aber hier waren mehr Menschen anwesend. Fünf vor Zwölf! Die Spannung stieg. Meine Artgenossen musterten nun die potenziellen Opfer sehr genau. Fleischbeschau sozusagen. Ich selbst war noch nicht hungrig, jedoch auch nicht satt. Eigentlich war ich nur als Zuschauer hier.

Dann erlosch um Mitternacht die Tanzbeleuchtung und viele Unsterbliche krallten sich bei diesem Signal den ersten Menschen und bissen zu. Kurz darauf brach Panik aus. Gekreische, Gedränge und dazwischen das Fauchen der Vampire. Hier brauchte keiner von uns seine menschliche Fassade wahren. Da schossen sie durch die Luft über die Menge hinweg, um ihr begehrtes Objekt zu packen. Manche Sterbliche gerieten unter die Füße der Flüchtenden und wurden in dieser Hysterie zu Tode getrampelt. Blut spritzte an die Wände und auf den Boden, wenn Menschen von Unsterblichen gerissen oder herumgeschleudert wurden. In kürzester Zeit hatte sich die Disco in einen Hexenkessel verwandelt. Ich versuchte, dem Geschehen weitestgehend auszuweichen, soweit das möglich war. Der Geruch von Blut hing schwer in der Luft und reizte auch meine Adern ein wenig. Ich wollte dem aber nicht nachgeben. Auf einmal entdeckte ich meinen Liebsten. Er lag trinkend auf einem Mädchen, das schon tot war. Ihr Lederrock war zerrissen und das Top, das sie trug ebenso. Als er von ihr abließ, stürzte er sich auf einen jungen Mann, riss ihm den Hals auf und krallte ihm seine Finger in den Leib. Dann ließ er ihn einfach fallen und verschwand in der Menge. Der Sterbliche blieb schwer verletzt am Boden liegen und verblutete kurz darauf. In dieser Atmosphäre gerieten viele in einen regelrechten Blutrausch und töteten dann wahllos weiter, ohne dass sie noch hungrig waren. Immer noch rannten Menschen panisch umher und versuchten dem Grauen zu entkommen. Doch irgendwann endeten sie in den Fängen eines Unsterblichen. Überall lagen aufgeschlitzte Leiber in Blutlachen herum. Manche Sterbliche waren noch nicht tot. Ich hörte ihr Ächzen und Stöhnen, aber ich rührte keinen von ihnen an. Keine Ahnung, wie lange das Spektakel insgesamt dauerte. Bestimmt eine Stunde, bis alle Menschen getötet waren. Die Unsterblichen lagen total berauscht herum und in manchen Ecken begann das Gefummel. Ich hatte nur das Blut abgeleckt, das auf meine Arme gespritzt war, aber es hatte meine Gier kaum angestachelt. Sicher hätte ich mich hungrig anders verhalten, aber so hatte ich bessere Gelegenheit alles zu beobachten. Magnus stand plötzlich vor mir. Sein Gesicht und seine Arme waren voller Blut und sein Ledertop glänzte, wie wenn es nass wäre. Wortlos riss er mich in seine Arme und küsste mich stürmisch. Seine Haut war sehr heiß und dunkel. Heute hatte er über den Hunger hinaus getrunken. Er zog mein Kleid hoch, drängte sich mit mir an die Wand und während wir uns noch immer küssten, hob er meine Beine hoch und drang ein. Sofort loderte meine Leidenschaft auf und die Umgebung war vergessen. Er packte mit seinen Kiefern meinen Hals und krallte sich in meine Oberschenkel, die er festhielt. Das Spektakel hatte ihn sehr angestachelt, aber ich liebte diese grobe Nummer bei ihm. Wir kosteten gegenseitig von unseren Zungen, das Blut auf seinem Gesicht, verteilte sich auch in meinem und allmählich wurde ich immer mehr in einen Strudel der Begierde gezogen. Mein Verstand schien ausgeschaltet zu sein, denn die restliche Nacht lagen wir zwischen anderen Unsterblichen und ließen uns von ihrer Lust mitreißen. Scheinbar unzählige Hände strichen über meinen Körper und ich kostete fremdes Blut. Ein Fremder, der über mir lag, ließ es in meinen Mund tropfen. Daraufhin küssten wir uns und er drängte sich zwischen meine Schenkel. Mir war im Moment völlig gleichgültig, wer er war. Hauptsache er befriedigte mein Verlangen. Das zweite Paar Hände gehörte meinem Gefährten. Er streichelte meine Brüste und tauschte dann Küsse mit dem anderen auf mir. Ich spürte Magnus erregiertes Glied an meiner Hüfte, die er jetzt leicht zur Seite drehte und meinen Hintern nahm. Es gefiel mir sehr zwei Männer gleichzeitig zu haben. Das war eine neue Erfahrung für mich.

Schließlich hatte ich irgendwann genug von dieser Sex-Orgie und stand auf. Mein Prinz schien noch nicht aufhören zu wollen. Er lag gerade mit zwei Frauen zusammen und ich verließ den Keller endgültig. Es hatte sich bereits gelichtet, aber einige standen noch im Freien. Ich war durch das Herumwälzen in den Blutlachen am Boden völlig verdreckt. Die anderen sahen aber auch nicht besser aus. Eigentlich war es ein gelungener Abend gewesen und mir war klar, warum Magnus gern hierher kam. Erstens um ungezügelt zu trinken und zu töten und zweitens, um genauso seine Lust auszuleben. Das Ganze konnte schon etwas Reizvolles haben. Draußen fuhr gerade ein Transporter vor. Zwei Unsterbliche stiegen aus und öffneten die Hintertüren. Dann begannen sie schwarze Müllsäcke, in denen die Leichen steckten, hinein zuwerfen. Sicherlich brachten sie die Toten zu einer Verbrennungsanlage. Dabei fiel mir Las Vegas ein. Diese Stadt war inzwischen in der Hand von Unsereins. Die obersten Bosse waren Vampire und kontrollierten die Geschäfte und die Polizei. Dort konnte man ohne weiteres jagen. Bei Vampirmorden sah die Polizei großzügig weg und kümmerte sich nur noch um die Vergehen der Sterblichen. Die Unsterblichen dort erkauften sich mit hohen Bestechungsgeldern und Einschüchterung, die Loyalität der Sterblichen. Aber die normalen Menschen lebten gern in dieser Stadt der Illusionen. Es war wie ein goldener Käfig und sie merkten nicht, dass sie nur als Nahrung dienten. Las Vegas demonstrierte unserer Art, dass es möglich war, die Menschen zu versklaven, ohne dass sie sich dessen bewusst waren. Die Unsterblichen besetzten schon lange hohe Posten in einflussreichen Positionen. Sie waren die Hintermänner die, die Fäden der Macht in der Hand hielten. Ich war mir sicher, dass wir uns irgendwann, wenn die Zeit reif wäre, zu erkennen gäben und die Menschheit uns als neue Herrenrasse akzeptieren müsste. Aber bis jetzt agierten alle noch im Hintergrund. Magnus und ich sollten auch mal nach Las Vegas reisen. Ich war noch nie dort und würde mich ebenfalls gern amüsieren. Diese Stadt, in der alles künstlich war, war wie perfekt für uns. Kein Wunder, dass unsere Art dort herrschte.

Zuhause begab ich mich zuerst einmal in die Dusche. Solange ich noch unter der Brause stand, spürte ich Magnus kommen. Kurz darauf öffnete er die Duschtür und stieg zu mir ins Becken. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus: »Hat’s dir gefallen?«

„War nicht schlecht. Ich hab allerdings nicht getrunken.“ Er zog mich erregt an sich: „Kommst du nächstes Mal wieder mit?“

„Ich weiß noch nicht. Mal sehen.“ Er begann meinen Hals zu küssen. „Du bist unersättlich.“ Dabei entwand ich mich seiner Umarmung und trocknete mich ab. Ich fragte: „Wie würde dir Las Vegas gefallen?“ Magnus erwiderte: „Sicher gut. Möchtest du da hin?“

„Ja. Da könnten wir uns richtig vergnügen und müssten uns nicht so verstecken, wie hier.“ Er stieg nun ebenfalls aus der Wanne und griff nach einem Handtuch: „Das klingt verlockend. Wann sollen wir aufbrechen?“

„Bald. Ich möchte vorsichtshalber ein Hotelzimmer buchen. Mir schwebt da das „Luxor“ vor. Alles im ägyptischen Stil.“ Er meinte nur lächelnd: „Mach ruhig. Ich folge dir überall hin, mein Liebling.“

Das Zimmer buchte ich über das Internet und gab irgendwelche Fantasienamen an bzw. einen von meinen verschiedenen Kreditkarten. Das Köfferchen war schnell gepackt und dann konnten wir los. Natürlich durch die Luft.

Die funkelnden Lichter der Stadt waren schon von Weitem in der Wüste zu sehen. Ein grandioser Anblick von oben. Die Stromrechnungen mussten hier horrend hoch sein. Ich freute mich, wie ein kleines Kind, das im Spielzeugland angekommen war. Die Pyramide des Luxor war unverkennbar und so steuerten wir zuerst darauf zu, um vorerst das Zimmer zu beziehen. Magnus fühlte sich an der Rezeption nicht so wohl. Er suchte sich lieber heimliche Unterschlupfe. Nun, das würden wir auch tun. Das Zimmer diente nur als Aufenthaltsort. Schlafen wollte ich an einem anderen Platz.

Nachdem wir unsere kleinen Koffer im Zimmer abgestellt hatten, gingen wir auf Entdeckungstour. Das Hotel war riesig. Da brauchte man eigentlich gar nicht mehr nach draußen gehen. Hier war für alles gesorgt. Restaurants, Spielhallen, Pools, Wellness- Center, Kinos und Disco. Mich reizte das Spa-Center und so entspannten wir kurze Zeit später in einem warmen Sprudelbad. Danach ließ ich mich von heißen, kräftigen Männerhänden durchkneten. Das tat gut. Wir verbrachten fast die ganze Nacht in diesem Tempel der Entspannung. Magnus hatte es auch gefallen. Dann wurde es Zeit einen Schlafplatz zu suchen. Wir zogen uns wieder an und versuchten unser Glück in den Kellern des Hotels. Hier würde sich doch sicher ein Plätzchen finden lassen, bei dieser Größe. Nach einigem Umsehen legten wir uns in einen Lüftungsschacht. Dort wären wir normalerweise ungestört.

Am nächsten Abend erkundeten wir die Umgebung und schlenderten am Strip entlang. Ich bewunderte die vielen originellen Hotels und beobachtete die beleuchteten Wasserspiele. Ab und zu spürte ich die Anwesenheit von Unsterblichen, aber das war in dieser Stadt nichts Besonderes. Viele kamen aus dem gleichen Grund her wie wir. Um sich zu amüsieren. Nur waren wir nicht auf die Glücksspiele aus, wie die Sterblichen, sondern eher auf andere Dinge. Vor einem Club-Eingang fühlte ich sehr viele von uns. Magnus und ich wurden neugierig und betraten das Etablissement. Schummrige Beleuchtung begrüßte uns und auf der Bühne weiter vorn, tanzten leichtbekleidete, sterbliche Frauen. Wie in einem gewöhnlichen Nacht-Club. Nach einem kurzen Überblick erkannte ich, dass nur die Angestellten hier Menschen waren. Eine Unsterbliche kam auf uns zu und forderte uns auf, ihr an einen der Tische bei der Bühne zu folgen. Als wir uns setzten, meinte sie: „Seht euch das Angebot an und sagt mir dann Bescheid.“ Dann wandte sie sich an mich: „Die Bedienungen stehen auch zur Verfügung.“ Dann verschwand sie. Ich konnte mir schon denken, was sie meinte. Attraktive Männer mit bloßem Oberkörper servierten die Scheingetränke. Ich lächelte den jungen, dunkelhaarigen Mann an, der mein Getränk vor mir abstellte. Er erwiderte und verschwand wieder. Magnus musterte unterdessen die Frauen auf der Bühne. ‚Willst du kosten?‘, fragte ich nach. Er wandte seine Blicke nicht von den Körpern ab: ‚Mal sehen.‘ Manche Unsterbliche verschwanden in Begleitung eines Menschen in den hinteren Teil des Clubs. Ich wurde sehr neugierig, was sich dort wohl befand. So winkte ich schließlich diese Unsterbliche an den Tisch und zeigte ihr unsere männliche Bedienung. Sie lächelte nickend und sagte, ich solle ihr folgen. Dabei geleitete sie mich in den hinteren Teil des Clubs, wo sich Separées befanden: „Bitte! Nimm Platz. Ich schicke ihn gleich zu dir.“ Ich lümmelte mich auf das rote, samtbezogene Sofa und wartete auf meine Bestellung. Ich war mir noch nicht sicher, ob es das war, für was ich es hielt. Als die Unsterbliche mit dem Mann herkam, fragte ich sie in Gedanken: ‚Darf ich ihn töten?‘ Sie antwortete: ‚Wie du willst! Das liegt ganz bei dir.‘ Umbringen wollte ich den armen Kerl nicht, da ich sowieso keinen großen Hunger hatte, aber kosten. Und ein wenig mit ihm spielen. Magnus ließ sich sicher eine junge Frau schmecken. Da war ich mir ziemlich sicher. Während meiner Annäherungsversuche, erzählte der Dunkelhaarige von seinem Job hier. Er genoss es, so viele hübsche Frauen hier zu treffen. An seinen Narben am Hals konnte ich erkennen, dass schon etliche vor mir von ihm gekostet hatten. Dann hatte er bisher großes Glück gehabt, dass ihn keine oder keiner umbrachte. Wusste er über uns Bescheid? Nachdem ich ein wenig in seinem Hirn gestöbert hatte, wusste ich, dass er nichts davon ahnte. Für ihn waren das wahrscheinlich Liebesbisse gewesen und er dachte, er wäre ein toller Kerl, wenn die Frauen so leidenschaftlich waren. Inzwischen lagen wir mehr auf dem Sofa, als dass wir saßen und er war schon sehr erregt. Ich ritzte mit den Zähnen seine Haut an der Brust auf und leckte über die kleine Wunde. Es war jedes Mal ein Gefühl von Macht, das mich überkam, wenn die Sterblichen aufstöhnten und sich verloren, sobald ich anfing zu saugen. Diese absolute, bedingungslose Hingabe. Er klammerte sich an mich, damit ich nicht aufhörte. Meine Zähne drangen tiefer in seine Brust, aber nach einigen Zügen, zog ich mich zurück. Ich stand auf und ließ ihn berauscht zurück. Kaum hatte ich das Separée verlassen, kam die Unsterbliche abermals auf mich zu: „Hat’s geschmeckt?“ Ich lächelte nur. Dann sagte sie: „Jemand möchte dich kennen lernen. Er sitzt in der VIP-Lounge. Folge mir einfach.“ Ich sah mich kurz nach Magnus um, konnte ihn nirgends entdecken, doch ich fühlte seine Nähe. Er war also noch hier und beschäftigt. Also, ging ich mit ihr. Die Lounge thronte erhöht über den übrigen Plätzen und als ich eintrat, fand ich einen ansehnlichen Unsterblichen mit einigen Vampirinnen vor. Er lächelte mir zu und deutete mit einer Handbewegung an, dass ich näher kommen sollte. Er hatte dunkle, raspelkurze Haare und war stämmig gebaut. An seiner Aura erkannte ich, dass er schon einige Jahrhunderte hinter sich hatte. Seine Begleiterinnen musterten mich nur abschätzend. „Willkommen in meinem Club! Ich hoffe, du hast dich bis jetzt ganz gut amüsiert. Setz dich doch!“ Dabei wies er auf einen freien Sessel. Ich setzte mich und entgegnete: „Mit wem habe ich das Vergnügen? Denn ich bin nicht von hier.“ Die Frauen lachten kurz auf und er grinste nur: „Nun, ich heiße Alexeij. Mir gehören einige Clubs und Casinos in der Stadt. Und, wie ist dein Name, schöne Frau?“ Also, war er wahrscheinlich einer dieser Oberbosse hier, die das Meiste, kontrollierten. Typisch, dass ich wieder mal die Aufmerksamkeit von so jemanden auf mich zog. Ich versuchte zuerst einmal, kooperativ zu sein. Wenn er hier soviel Einfluss hatte, dann sollte ich mich gut mit ihm stellen. „Ich bin Jessica! Freut mich deine Bekanntschaft zu machen, Alexeij.“ So, so, Russe. Die menschliche Sorte davon war nicht gerade zimperlich und da passte es, wie die Faust aufs Auge, dass ein russischer Vampir hier das Sagen hatte. Plötzlich verzogen sich die restlichen Frauen aus der Lounge und ich war mit Alexeij allein. „So, nun können wir uns ungestört unterhalten, Jessica. Erzähl doch mehr von dir. Was führt dich nach Las Vegas?“ Ich schlug die Beine übereinander: „Na ja, dass was die Meisten herführt. Das Vergnügen!“ Er nickte grinsend. Dann meinte er: „Du bist nicht allein hier.“ Ich schüttelte den Kopf: „Nein. Mein Gefährte ist bei mir. Er trinkt wahrscheinlich noch. Bei ihm müsst ihr nachher sicher eine Leiche entsorgen.“ Alexeij machte eine wegwerfende Handbewegung: „Das ist kein Problem! Das funktioniert hier alles prächtig. Nicht nur hier im Club, auch auf der Straße.“ „Interessant. Ja, das war einer der Gründe, warum wir hergekommen sind. Wir wollten einmal an einen Ort, wo wir uns nicht verstellen müssen. Ein bisschen Freiheit genießen.“ Alexeij strahlte mich regelrecht an: „Du gefällst mir, Jessica. Ich möchte, dass du morgen Abend zu meiner Party kommst. Sie findet in meinem Anwesen statt.“ Dabei überreichte er mir seine Karte. Ich war unsicher wegen Magnus, aber ich würde hingehen. Wieder trieb mich die Neugier an und Alexeij hatte etwas Faszinierendes an sich. Er strahlte Macht aus und das hatte mich schon immer beeindruckt. Er war sicher schwächer, als Magnus, aber trotzdem nicht zu verachten. Ich betrachtete die schwarze Karte: „Danke. Ich komme gern. Wo liegt dein Anwesen denn?“ Er rückte näher zu mir: „Am Stadtrand. Es ist sehr groß. Du kannst es nicht verfehlen.“

„Gut. Dann werde ich jetzt nach meinem Gefährten sehen. Bis morgen!“ Seine begehrlichen Blicke verfolgten mich, bis ich auf Magnus traf. „Wo warst du?“, wollte er wissen. Ich deutete mit dem Kopf zur Lounge: „Der Boss dieses Clubs wollte mich kennen lernen. Ihm gehören noch mehr Läden in der Stadt.“ Magnus sah zu Alexeij hinauf: „Aha! Gehen wir.“ Die eine Unsterbliche wollte uns gerade abkassieren, da stutzte sie und meinte dann: „Ihr braucht nicht zu bezahlen. Der Chef lädt euch ein.“ Ich lächelte unserem Gastgeber nur zu und dann verschwanden wir endlich aus dieser Bar. Ein merkwürdiger Ort! Hier kamen Unsterbliche her, um zu trinken und dann dafür zu bezahlen. Schon seltsam, dass Unsereins bereit war, dafür Geld zu geben. Na ja, vielleicht war es die Bequemlichkeit. Die Suche und das Entsorgen der Opfer, wurde einem hier abgenommen. Magnus hatte wohl den gesamten Service genutzt.

Die Größe von Alexeijs Anwesen, übertraf alles, was ich an Unterkünften seither kennen gelernt hatte. Es war wirklich kein Problem es aus der Luft auszumachen. Ein riesiger Park umfasste den Gebäudekomplex. Ich erkannte sogar einen Hubschrauberlandeplatz. Die lagunenartige Poollandschaft sah sehr beeindruckend aus. Künstliche Felsen und Wasserfälle und alles stimmungsvoll beleuchtet. Das Haus wirkte mehr wie ein Schloss und als ich schließlich das Innere betrat, erschlug mich das Gold überall. Dieser russische Hang zur Übertreibung und die Vorliebe für Kitsch. Nicht mein Geschmack, aber ich musste ja auch nicht hier wohnen. Der Hausherr kam mir lächelnd entgegen: „Jessica, willkommen. Ich freue mich sehr, dass du gekommen bist.“ Dann hakte er sich bei mir ein und führte mich weiter in die Räume hinein. Die Party fand im Garten statt, wo wir uns ebenfalls hinbegaben. Alexeij trug heute einen Smoking. Mir fielen die protzigen Ringe an seinen Fingern auf und das erinnerte mich sofort an Antonio. Er stellte mich einigen unsterblichen Gästen vor und so wie es aussah, war das eine Party nur für uns. Weit und breit keine Menschen. Alexeij erwähnte, dass er seine Beziehungen pflegen musste. Natürlich! Als Geschäftsmann. Ich blickte immer wieder zu der Pollandschaft. Alexeij bemerkte es und fragte seine kräftigen Hauer entblößend: „Möchtest du baden?“ Ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich ritt, aber plötzlich wollte ich ihn. Ich nickte, ging zum Beckenrand und streifte mein Kleid vom Körper. Er folgte mir und begann sich ebenfalls auszuziehen. Ich war bereits im Wasser, als er nachkam. Wir planschten ein wenig herum und er zeigte mir eine künstliche Grotte in den Felsen. Dort waren wir ungestört und alles ging so schnell. Wir stürzten uns, wie auf einen stummen Befehl hin, aufeinander. Wild küssend umklammerten wir uns und kurz darauf hatte ich ihn in mir. Ich spürte seine Nägel im Rücken und er bekam meine Zähne zu spüren. Ich verbiss mich in seiner Schulter, während er kräftig zustieß. Es war sehr erregend, sein Ungestüm. Nach dem ersten Feuerwerk strich er zärtlicher über meine nasse Haut: „Ach, Jessica! Du bist eine so schöne Frau.“ Ich legte meine Hände um seinen Nacken: „Danke. Und du bist sehr faszinierend. Alexeij.“ Der Name gefiel mir. Seine hellgrauen Augen ergründeten meine grünen und ich musste lächeln. Ich strich über seine Wange: „Sollten wir nicht langsam zurück. Zumindest du.“ Er winkte lässig ab: „Die vermissen mich nicht.“ Dann zog er mich wieder enger an seine breite Brust und küsste meinen Hals. Zuerst fühlte ich seine seidigen Lippen auf meiner Haut, dann seine raue Zunge und zuletzt durchstießen sie seine Zähne. Ich war sofort wieder erregt. Wir verbrachten noch eine ganze Weile im Wasser, bevor wir uns endlich anzogen. Nachdem wir uns wieder unter die Gesellschaft gemischt hatten, widmete sich Alexeij seinen übrigen Gästen. Doch er sah oft zu mir herüber. Was wollte er überhaupt von mir? Ein Abenteuer, mich für sein Harem rekrutieren. Keine Ahnung! Mangel an Gespielinnen hatte er zumindest nicht. Verständlich, dass viele junge Vampirinnen darauf aus waren, seine Geliebte zu werden. Er war der Mächtigste hier und so konnte ihnen nichts mehr passieren und ein Dasein in überschwänglichem Luxus, war auch nicht zu verachten. Diese Mädchen würde man bei den Menschen Tussis nennen. Total verwöhnt und nur Klamotten und Partys im Kopf. Selbstständig jagen könnten die auch nicht, geschweige denn eine Leiche vergraben. Die hätten Angst ihre kunstvoll lackierten Fingernägel, würden dabei abbrechen. Vielleicht interessierte sich Alexeij deshalb so für mich. Ich war mal eine Abwechslung gegen diese Püppchen. Der Morgen nahte bald und seine Frauen waren schon alle verschwunden. Ich saß am Pool und ließ die Beine ins Wasser hängen. Alexeij stand auf einmal hinter mir und hockte neben mir nieder: „Du kannst bei mir schlafen, wenn du willst.“ Ich erwiderte: „Lieber nicht! Mein Gefährte würde mich sicher vermissen.“

„Wo wohnst du im Moment?“ Ich war mir nicht sicher, ob ich es verraten sollte, aber wir waren ja nur immer kurz in unserem Zimmer: „Im Luxor.“ Er nickte: „Ja, nicht schlecht. Ich würde mich freuen, wenn du mich bald wieder besuchen kommst.“

„Ja, das werde ich wohl tun. Ich möchte dich noch besser kennen lernen.“ Dabei strahlte er mich abermals so an, wie es oft seine Art war und jedes Mal fielen mir seine kräftigen Zähne auf. Dann küssten wir uns lange. Alexeij meinte noch, bevor ich das Grundstück verließ: „Jessica, falls du irgendwo Schwierigkeiten bekommen solltest. Sag, dass du zu mir gehörst.“ Ich grinste: „Danke. Werde ich machen. Bye!“ Ja, das konnte ich mir leibhaftig vorstellen, dass mir das in der Stadt Tür und Tor öffnete.

Magnus erwartete mich in unserem Zimmer. Schon sichtlich ungeduldig. „Na, wie war dieser Alexeij?“ Ich wusste nicht so recht, was er jetzt meinte: „Er hat einen tollen Besitz. Allerdings alles ziemlich kitschig.“ Mein Prinz entgegnete: „Das meinte ich nicht. Du warst doch mit ihm zusammen.“

„Seit wann interessiert dich das, mit wem ich zusammen war?“ Magnus musterte mich: „Diesmal schon. Was will er von dir?“ Ich zog ältere Klamotten für den Luftschacht an: „Spaß wahrscheinlich. Das ist doch nichts Ernstes. Wirst du etwa eifersüchtig?“ Er musterte mich immer noch, dann erhob er sich vom Bett, um sich ebenfalls umzuziehen. Ich war aus Magnus Blicken nicht schlau geworden. Befürchtete er, ich würde ihn verlassen. Aber Alexeij wäre nie ein Mann, den ich mir als Gefährte aussuchen würde. Mein Prinz sagte noch etwas Merkwürdiges: „Es kommt nicht darauf an, was du willst, sondern was er will.“ Wusste er wieder mehr als ich? Auf mein Nachhaken bekam ich keine befriedigende Antwort von ihm. Also, beließen wir es dabei.

Ich schrieb eine Mail an Jack. Ich fragte, ob er und Alex Lust hätten nach Las Vegas zu kommen. Jack war sofort dabei, da er und Alex noch nie in dieser Stadt waren. Er buchte ebenfalls ein Zimmer im Luxor und wollte so schnell wie möglich anreisen. Solange bereitete ich Magnus auf den Besuch vor. Ich hoffte, der alte Groll zwischen den beiden wäre inzwischen verraucht. Sie würden sich nie mögen, aber wenn sie sich wenigstens nicht angifteten.

Mein nächstes Treffen mit Alexeij stand heute an. Ich war hungrig und wollte gerade losziehen, um mir davor noch ein Opfer zu suchen. Da sprach mich ein junger Unsterblicher in der Lobby unseres Hotels an: „Jessica?“ Skeptisch antwortete ich: „Ja.“

„Bitte folge mir! Alexeij schickt mich.“

„Okay, ich komme.“ Wir bestiegen eine Stretch-Limousine und er fuhr mich zum Anwesen. Dort begleitete er mich bis zur Treppe ins Obergeschoss und meinte dann: »Du sollst hochkommen. Er wartet im Bad.« Bad? Wollte er da weitermachen, wo wir das letzte Mal aufgehört hatten. Während ich den oberen Flur entlang ging, erreichte mich seine Stimme: ‚Jessica! Nimm die dritte Tür rechts.‘ Je näher ich der Tür kam, desto deutlicher hörte ich Stimmen und zwei Herzschläge. Er wusste, dass ich hungrig war. Als ich das riesige, goldüberladene Bad betrat, tummelte sich ein junges, sterbliches Pärchen in einem großen Whirlpool und Alexeij kam im Bademantel auf mich zu und führte mich an der Hand zur Wanne: „He, ihr zwei. Das ist Jessica. Sie leistet uns ein wenig Gesellschaft. Ich hoffe, ihr habt nichts dagegen.“ Das Mädchen kicherte angeheitert: „Nein, überhaupt nicht. Komm rein, Jessica! Ist herrlich hier und Champagner ist auch noch übrig.“ Ich blickte auf die fast leere Flasche und wusste, warum die beiden so ausgelassen waren. Dann zog ich mich aus, wobei mich der junge Mann eingehend betrachtete. Ich hörte seine Gedanken, dass er sich nach meinem Körper sehnte und fühlte seine wachsende Erregung. Fasziniert sah er mich an, als ich ins Wasser stieg. Sein Herz begann schneller zu schlagen und er näherte sich zielstrebig. Der Alkohol nahm ihm die restlichen Hemmungen und er legte sogleich den Arm um mich. Bei Menschen stieß mich diese Unbeherrschtheit eher ab. Da fühlte ich mich bedrängt und hätte ihn am liebsten angeknurrt. Aber ich wahrte mein freundliches Gesicht und ließ ihn weitermachen. Nachher würde er für sein Verhalten büßen. Ich war verärgert und freute mich regelrecht ihm die Gurgel durchzubeißen.

Alexeij befand sich nun ebenfalls im Becken und widmete sich dem Mädchen. Er hielt sie von hinten in seinen Armen und ich wusste, was er gerade mit ihr tat. Ihr Gesicht war ganz verklärt. Sie schwelgte in unbekannten Sphären und ahnte nicht, dass der Tod schon auf sie lauerte. Nun wurde ich zum Todesengel. Die Frau würde nichts mehr mitbekommen. Grob packte ich den ungehobelten Kerl mit einer Hand am Hals, meine Nägel bohrten sich hinein und ich zog ihn an meinen Mund. Dann schlug ich meine Zähne in sein Fleisch und umklammerte mit beiden Händen seine Schultern. Er schrie auf, bei meinem Biss und versuchte sich aus meinem Griff zu befreien. Wasser spritzte auf, weil er mit den Beinen ausschlug und mich mit seinen schwachen Armen abzuwehren versuchte. Ich wusste auch nicht, warum ich so gereizt war. Ich löste meine Zähne aus seinem Hals und tunkte ihn unter Wasser. Als ich ihn wieder hochzog, japste er hastig nach Luft. Seine Brust hob und senkte sich kräftig und er stöhnte laut auf, als ich abermals zubiss. Ich konzentrierte mich nun auf seine inneren Geräusche. Das Herz wollte fast zerbersten vor Panik. Ich gab mich völlig diesem Rhythmus hin, der sich jetzt auf mein eigenes Herz übertrug. Es schlug immer schneller und das Blut rauschte mit wachsendem Tempo durch mein Aderngeflecht, bis ich nichts mehr um mich herum wahrnahm. Allmählich wurde der Körper meines Opfers schwächer. Er war fast tot. Ich versuchte, das Sterben noch hinauszuzögern, indem ich noch einmal das Saugen unterbrach. Nun lag er schlaff und betäubt in meinen Armen. Ich betrachtete seine flatternden Augenlider, hörte seine flachen, röchelnden Atemzüge und riss ihm dann die komplette Kehle auf. Ein Schwall des restlichen Blutes schwappte in meinen Mund und kurz darauf setzte sein Herz aus. Ich nahm den Rest des toten Blutes in mir auf und lehnte mich dann an den Wannenrand.

Während ich meinen Rausch genoss, erkundeten Alexeijs Hände meinen Körper. Er fragte: „War es gut?“ Ich nickte nur und fühlte das Pochen gegen meine Schläfen, das heiße Blut durch meine Adern schießen und Alexeijs Zunge an meiner Scham. Ich genoss das sehr. Ich begehrte ihn über alles. Er tauchte wieder auf, küsste mich und drängte sich dabei zwischen meine Beine. Ich ließ mir alles gefallen, weil ich noch zu benommen war, aber es fühlte sich sehr schön an. Die Explosion war gewaltig. Das Wasser hatte sich rot verfärbt und die beiden Sterblichen schwammen mit dem Gesicht nach unten an der Oberfläche, als mein Verstand sich klärte. Alexeij stieg aus der Wanne und trocknete sich ab. Dann streifte er seinen weißen Bademantel über: „Komm. Gehen wir in mein Schlafzimmer.“

„Und die Leichen?“, fragte ich. Er lächelte: „Die werden von den anderen entsorgt. Darum muss ich mich nicht kümmern und du auch nicht.“ Er streckte mir seine Hand hin, um mir aus der Wanne zu helfen. Dann reichte er mir einen Bademantel und half mir hinein. Ein richtiger Gentleman!

Sein Schlafzimmer war im orientalischen Stil eingerichtet. Ein rundes Bett mit Himmel und vielen rotgoldenen Kissen darauf. Ich legte mich auf die seidene Tagesdecke in denselben Farben. Alexeij sank neben mich und drängte seinen erhitzten Körper an meinen: „Du warst vorhin nicht zimperlich.“

„Eigentlich tue ich das nur bei Gewaltverbrechern, aber diesmal war ich irgendwie wütend.“ Er streichelte mein Haar: „Mich hat es erregt, dir zuzusehen“ Das verwunderte mich nicht. Ich schätzte Alexeij ähnlich wie Magnus ein. Auch der Sex glich sich sehr. Nur war Magnus noch wilder. Ich glaube, es gab keinen unsterblichen Mann, der noch ungestümer war. „Erzähl ein wenig von dir, Jessica. Wo kommst du her?“ Ich wich aus: „Warum willst du das wissen? Das ist doch unwichtig.“ Er fuhr mit dem Finger über meine Seite: „Mich interessiert alles über dich. Gut, wenn du nicht willst, dann erzähle ich ein wenig über mich.“ Ich war einverstanden. Seine Geschichte interessierte mich wirklich.

„Ich stamme aus der Gegend um Kiew. Meine Familie war arm und ich schlug mich mit Gelegenheitsjobs durch. Ein trostloses Leben. Irgendwann heiratete ich nur wegen des Geldes. Ihrer Familie ging es ein wenig besser, als uns und ich hatte sie obendrein noch geschwängert. Dann folgten vier weitere Kinder und ich brachte gerade mal alle so durchgefüttert mit meiner Hilfsarbeit. Dann heuerte ich als Stallknecht bei einem großen Gut an. Der Lohn war der beste, den ich bis dahin bekommen hatte. Zweimal in der Woche machte mein neuer Herr nächtliche Ausritte allein. Ein wenig wunderte ich mich schon über diese Angewohnheit. Vielleicht auch, weil er es in so regelmäßigen Abständen tat. Er war ein sehr freundlicher Mann und sehr nobel. Seine Kleidung, sein Gebaren und er sah sehr gut aus. Nach einiger Zeit fragte er mich, ob ich bei ihm im Haus arbeiten wolle. Dabei wäre auch eine Lohnerhöhung drin. Bei dem Gedanken an meine sechs hungrigen Mäuler zuhause, stimmte ich sofort zu. Nun wechselte ich vom Stall in die vornehmen Räume des Gutshauses. Das war eine große Umstellung für mich und mein Benehmen entsprach so gar nicht einem Hausdiener. Ich hatte von so einer Arbeit keine Ahnung.“ Dabei lachte er.“Nun, gut. Ich bemühte mich, da ich die Stelle nicht verlieren wollte. Dabei merkte ich, dass der Herr nur am Abend im Haus war. Tagsüber bekam ich ihn nie zu Gesicht. Es hieß, er wäre meistens geschäftlich unterwegs. Um es kurz zu machen. Er hatte sich in mich verliebt, aber traute sich noch nicht es zu zeigen. Ich hatte vorher nie etwas mit Männern gehabt, aber da er ein Vampir war, konnte er mich verführen. So verbrachte ich also etliche Nächte in seinem Bett und wurde zu seinem Kammerdiener. Er offenbarte mir mehr von seinem wahren Wesen und bald wusste ich zwar, dass er kein Mensch war, aber auch nicht was. Er betonte immer wieder, dass ich für ihn kein Diener wäre, aber dass die anderen Bediensteten das glauben mussten. Also, ich durfte ihn mit seinem Vornamen anreden, wenn wir allein waren und er erteilte mir auch keine Befehle. Er wollte mich zum Vertrauten haben. Langsam bereitete er mich auf die ganze Wahrheit vor. Ich sollte ihn schließlich auf seinen Ausritten begleiten, was sich dann als Jagdzüge herausstellte. Ich sollte sehen, wie er sich ernährte. Dass er nur Blut trank, hatte er mir schon vorher gebeichtet. Mich faszinierte sein ganzes Wesen und er fragte mich letztendlich, ob ich es auch wollte. Dieses unsterbliche Leben. Er würde mich gern zum Gefährten haben. Wie du siehst, habe ich ja gesagt. Danach lebten wir noch lange zusammen, aber ich wollte fort. Die Welt kennenlernen. So trennten sich unsere Wege und ich sollte ihn nie mehr wiedersehen. Jemand wiegelte den Pöbel gegen ihn auf und sie brannten das Gut nieder. Dabei fanden sie seinen leblosen Körper, zerrten ihn ans Tageslicht, schlugen ihm den Kopf ab, durchbohrten sein Herz und den Rest erledigte die Sonne.“ Seine Stimme wurde traurig, als er das erzählte. Sonst schien er ein kühler Kopf zu sein, aber sein Schöpfer hatte ihm wohl viel bedeutet. Nachdenklich starrte er vor sich hin.

„Mein Erschaffer existiert auch nicht mehr. Er starb am Drudengift.“ Alexeij horchte auf: „Eine Drude! Wirklich?“ Ich nickte: „Ja, leider. Bei mir war es ähnlich wie bei dir. Mein Schöpfer verliebte sich in mich und ich natürlich in ihn und nach einem Jahr fragte er mich, ob ich ihm folgen wolle. Das tat ich dann auch, aber ich habe ihn bald danach für meinen jetzigen Gefährten verlassen. Aber wir kamen wieder zusammen und nach seinem Tod ging ich lange nach England. Später bin ich in die Staaten zurückgekehrt und blieb. Nichts Aufregendes! Und wie ging es bei dir weiter?“ Er meinte: „Auch nichts Aufregendes. Ich tingelte in Europa herum und wagte irgendwann den Sprung über den Großen Teich. Hier zog ich ebenfalls umher und landete schließlich in Las Vegas. Hier baute ich dann mein Imperium auf.“

„Wie alt bist du denn? Ich schätze, du hast einige Jahrhunderte hinter dir.“ Alexeij grinste frech: „Ja, da hast du recht. Du aber auch. Jung bist du jedenfalls nicht mehr. Meine Mädchen sind viel zu schwach, wie viele Unsterbliche hier. Du bist anders. Dein Gefährte ist sehr mächtig. Was sagt er eigentlich dazu, wenn du bei mir bist?“ Ich zuckte die Schultern: „Nichts. Er hat ja keinen Grund zur Eifersucht.“ Alexeij hatte wohl Angst, sich mit Magnus anlegen zu müssen. Er wusste, dass er da den Kürzeren zog. Ich schob meine Hand unter seinen Mantel und knetete seinen Brustmuskel. Er behielt seine Hände ebenfalls nicht bei sich. Seine Finger krochen meinen Schenkel entlang und mit der anderen Hand öffnete er den Gürtel des Mantels. Dann enthüllte er meine Vorderseite, küsste meine Brüste und schmiegte sich enger an mich. Ich gurrte vor Wohlbehagen und fuhr durch seine stoppeligen Haare: „Waren sie so?“ Sein Mund wanderte weiter nach unten zu meinem Bauch: „Nein, wenn ich sie wachsen lasse, bedecken sie gerade den Nacken.“ Schließlich senkte er sein Gebiss in meinen Oberschenkel und trank ein wenig. Ich genoss das Kribbeln. Dann wurde er gieriger. Alexeij warf sich plötzlich auf mich, umklammerte meine Handgelenke, presste sie auf das Bett und packte mich an der Kehle. Von Magnus war ich Ähnliches gewohnt, aber da ich ihn kaum kannte, wurde ich unsicher. Aber er schien nur seinen Trieb befriedigen zu wollen. Solch einen muskelbepackten Unsterblichen hatte ich noch nie im Bett. Mir kam der Vergleich mit einem Zuchtstier in den Sinn. Muskulöser Nacken, breiter Rücken und eine unbändige Kraft. Hätte er vielleicht doch eine Chance gegen meinen schlanken Magnus? Dafür war Alexeij viel kleiner. Er war kaum größer, als ich. Nach dieser stürmischen Liebelei machte ich mich auf den Heimweg. Alexeij nahm mir noch das Versprechen ab, wieder zukommen. Wollte er doch mehr von mir, als nur Spaß? Ich wusste es nicht.

 

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