2. Rivalen

Schwäbische Alb, 892 n.Chr.

 

Einige Monate später durchreiste der junge Unsterbliche das ostfränkische Reich, bis er im Herzogtum Schwaben ankam. Die Gegend bestand aus dichtbewaldeten Hügeln und war nur spärlich besiedelt. Hauptsächlich kleine Dörfer und vereinzelte Gehöfte lagen in den Tälern.

Magnus überflog konzentriert das Gebiet, denn er suchte nach einem Unterschlupf für den Tag. An den felsigen Steilhängen eines größeren Hügels, entdeckte er eine Felsspalte.

Nach näherer Erkundung, stellte sie sich als Höhleneingang heraus. Die Lage war perfekt für den Unsterblichen. Der Eingang war nur durch die Luft zu erreichen, oder durch Hochklettern an der Felswand. Der Waldboden lag jedoch weit unten. Kein Sterblicher konnte die Höhle erreichen. Nachdem seine Ruhestätte nun feststand, machte Magnus sich erneut auf, um die Gegend weiter zu erforschen. Morgen würde er jagen müssen und er wollte herausfinden, wo dies am Besten möglich war. Vermutlich war er hier der einzige Unsterbliche, denn bis jetzt hatte er keine Artgenossen bemerkt.

 

Das änderte sich allerdings, als er schon einige Zeit durch die Lüfte unterwegs war. Eine Burg auf einem, weiter entfernten Hügel, tauchte auf und von dort vernahm er unzählige Schwingungen von Unsterblichen. Durch seine Reisen war er nicht mehr ganz so unerfahren und blieb dem Gemäuer lieber fern. Er wusste ja nicht, wie die anderen auf Fremde reagierten. Magnus überlegte, wie groß das Jagdgebiet dieses Clans wohl war und beschloss, morgen in einem weiter entfernten Dorf zu jagen. Ihm wäre es lieber gewesen, er wäre allein hier. Allerdings wusste er noch sehr wenig, über seine Art. Er hatte selten andere Bluttrinker getroffen und wenn, dann waren es Einzelgänger, wie er, gewesen. So eine ganze Sippe war schon interessanter. Da konnte er vermutlich noch etwas lernen.

Er betrachtete die Burg weiterhin aus der Ferne. Aus einigen schmalen Fenstern, drang Licht heraus und er hörte Stimmen. Leider verstand er die Sprache nicht.

Magnus zuckte plötzlich erschrocken zusammen, als zwei dunkle Gestalten auf dem höchsten Turm auftauchten und sich in die Lüfte erhoben. Hatten sie ihn bemerkt? Anscheinend nicht, denn sie schlugen eine andere Richtung ein.

In großem Abstand folgte er ihnen neugierig.

Die beiden steuerten auf ein Dorf zu, das hinter dem Wald lag, den sie gerade überflogen. Magnus verlangsamte sein Tempo, blieb ihnen jedoch auf den Fersen. Die Männer setzten vor einem Haus auf und klopften an die Tür. Kurz darauf wurde ihnen geöffnet und eine alte Frau humpelte heraus. Einer der Vampire schlang seinen Arm um das Weib und so schwebten sie zum nächsten Haus. Dort wurde ihnen ein Baby entgegengestreckt, das diesmal der andere nahm. Beide suchten noch zwei weitere Häuser auf und nahmen einen schwachsinnigen Kerl und einen Greis mit. Magnus fand das sehr merkwürdig. Gaben die Sterblichen ihnen freiwillig Opfer? So wie es schien, jene die nicht mehr gebraucht wurden, oder missgebildet waren. Bei den Nordmännern wurden nur die Besten, als Opfer gewählt. So unterschieden sich die Gewohnheiten.

Magnus folgte ihnen abermals, als sie sich auf den Rückweg mit ihrer Beute machten. Die beiden tranken von keinem der Sterblichen, brachten sie nur zur Burg. Legten diese Unsterblichen einen Vorrat aus Opfern an? So etwas hatte Magnus noch nie gesehen, aber es schien praktisch zu sein. Man musste nicht jede hungrige Nacht auf Suche gehen.

Schließlich verkroch er sich in seinem Unterschlupf, da bald die Sonne aufgehen würde.

 

Am nächsten Abend machte sich der junge Unsterbliche auf, seinen Blutdurst zu stillen. Er wählte ein einsames Gehöft aus, nachdem er einen angenehmen Duft wahrgenommen hatte. Magnus schwebte zu den Fenstern, um hinein zuspähen. Einige ruhige Herzschläge tönten in seinen Ohren. Es schliefen alle und er stieg vorsichtig ins Haus hinein. Unten lagen ein Ehepaar und ein kleiner Junge im Bett. Den Unsterblichen interessierte jedoch mehr der Geruch, der von oben kam. Geräuschlos stieg er die Holztreppe hinauf und entdeckte die beiden Töchter der Familie. Langsam trat er auf das Strohlager zu, auf dem beide schliefen. Der Duft der Blonden erweckte seine Gier und er kauerte neben ihr nieder. Behutsam beugte er sich über sie, strich ihre Haare beiseite und sah die pulsierende Ader vor sich. Seine Augen starrten gebannt auf die Haut, die sich im Rhythmus des Herzens hob und senkte. Ihr Puls begann in seinen Ohren zu dröhnen, seine Kiefer öffneten sich leicht, die Lippen zogen sich zurück und die scharfen Zähne näherten sich der pulsierenden Haut. Das Tier in Magnus übernahm nun die Regie über sein Tun. Einige Augenblicke später fand sich der junge Unsterbliche im Hals des Mädchens wieder und ihr Blut strömte schwallartig in seinen Rachen. Sie wehrte sich nicht, war schon halbtot, bevor sie aufwachen konnte.

Nachdem der Strom versiegt war, richtete Magnus sich auf und betrachtete sein Opfer. Die Schwester hatte anscheinend nichts bemerkt, denn sie schlief noch immer. Er stand wieder auf und entschwand durch das Fenster, das er vorhin geöffnet hatte.

Kaum hatte er das Haus verlassen, spürte er fremde Bluttrinker in der Nähe. Er ahnte, dass es nichts Gutes bedeutete. Plötzlich wurde er in der Luft von Zweien angegriffen. Sie packten ihn am Arm und am Bein und versuchten ihn mit sich zu zerren. Magnus knurrte und versuchte sie abzuschütteln. Seinen Arm bekam er los, aber derjenige der sein Bein umklammerte, war hartnäckiger. Er wurde immer wütender, seine Augen begannen zu funkeln. Sogleich schlug er mit seinen langen Fingernägeln nach dem Gegner und riss ihm blutende Wunden. Magnus Gegenwehr nützte ihm allerdings nichts. Auf einmal war er von weiteren Unsterblichen umzingelt. Seine Lage war aussichtslos. Er musste sich wohl ergeben und ließ sich grollend von Zweien mitziehen. Was wollten sie überhaupt von ihm? Duldeten sie keine fremden Unsterblichen in der Nähe? Waren es die aus der Burg?

 

Bald tauchte das Gemäuer vor ihnen auf und bestätigte Magnus Verdacht. Er konzentrierte sich auf die Worte, die seine Häscher sprachen, aber er verstand kein Einziges. Das ärgerte ihn noch mehr. In der Gewalt von fremden Unsterblichen, die er nicht mal verstehen konnte. Sie setzten auf dem Turm auf, wo Magnus letzte Nacht die beiden Bluttrinker beim Losfliegen beobachtet hatte. Nun fegten sie über die unzähligen Stufen des Turmes hinab, bis sie in einem großen Saal angelangt waren.

Dort saß die ganze Sippe an mehreren, langen Tafeln zusammen. Die meisten wandten sich der Tür zu, als Magnus hineingezerrt wurde. An einer Tafel in der Mitte fiel Magnus ein mächtiger blonder Unsterblicher auf. Vor ihn wurde er gebracht und er vermutete in ihm den Anführer. Dieser musterte ihn einige Zeit skeptisch mit ebenfalls blauen Augen, bevor er irgendetwas sagte. Der Jüngere konzentrierte sich auf die Gedankenbilder des anderen und verstand: ‚Woher kommst du?‘ Der Rest der Gesellschaft war verstummt, als Magnus den Saal betreten hatte. Er beantwortete die Frage in seiner Muttersprache: „Aus Schottland.“ Das Oberhaupt entgegnete auf einmal in gebrochenem angelsächsisch: „Wie ist dein Name?“ Der Jüngere war überrascht, dass er seine Sprache einigermaßen beherrschte: „Mein Name ist Magnus.“ Neben dem Anführer saß eine wunderschöne Unsterbliche mit langem, dunkelbraunem Lockenhaar, die sicherlich seine Gefährtin war. Magnus bemerkte ihre Blicke und sie schien ganz angetan von ihm zu sein. Der Blonde fuhr streng fort: „Du hast in meinem Revier gewildert. Das kann ich nicht dulden.“ Magnus Blick fiel auf die blutbefleckten Holztische. Auch das Gesicht des Burgherren war rosig. „Wie mir scheint, habt Ihr heute ebenfalls gespeist?“ Der Ältere blickte in die Runde seines Gefolges: „Wir speisen immer gemeinsam. Das war schon immer so.“

 „Interessant«, erwiderte Magnus. „So ein Gelage ist sicherlich amüsant.“ Der Anführer lächelte teuflisch: „Glaubst du, dass du würdig wärst an dieser erlauchten Runde teilzunehmen?“ Magnus sah ihm stolz in die Augen: „Ja, das wäre ich. Mein Schöpfer war ein Wikingergott.“ Der Ältere betrachtete ihn eingehend und Magnus spürte, dass er in seine Gedanken eindrang. Er versuchte, den anderen aus seinem Kopf zu verbannen, was ihm jedoch nur halbwegs gelang. Der Burgherr gab seinen Lakaien einen Wink und sprach abermals auf Schwäbisch: „Werft ihn vorerst ins Verlies, bis ich entschieden habe, was mit ihm geschehen soll.“ Magnus sah eine finstere Grube in den Gedanken des Anderen, als er sprach und ahnte, was das zu bedeuten hatte. Er begann sich wieder zu wehren und versuchte sich loszureißen. Der Anführer meinte zu ihm: „Du kannst nicht entkommen. Also, spare deine Kräfte lieber.“ Der Jüngere funkelte ihn wütend an, bevor er schließlich hinaus gezerrt wurde.

Drei Bluttrinker hielten ihn fest und schleiften ihn unzählige Stufen, in die Tiefen eines Turmes hinab. Unten angekommen, öffneten sie eine Art Schacht und stießen ihn in dieses Loch. Magnus fiel einige Meter und schlug hart auf dem Grund auf. Kaum war er drin, schoben sie den steinernen Deckel auf die Öffnung.

Zuerst sah der junge Unsterbliche nichts in der Stockfinsternis, doch dann erkannte er die gemauerten Wände seines Gefängnisses. Langsam erhob er sich. Es schien nichts gebrochen zu sein. Zum Glück. Er begann die Wände abzutasten, schwebte zum Deckel hoch, aber konnte ihn nicht bewegen. Der Stein war zu schwer für ihn allein. Sie waren ja zu dritt gewesen. Glücklicherweise hatte er frisch getrunken und hoffte nicht bis zum nächsten Hunger eingesperrt zu bleiben. Bald schon spürte er die bleierne Schwere in den Gliedern, die den beginnenden Tag ankündigte. Magnus legte sich auf den Boden und wartete auf seinen Schlaf.

 

Als er am nächsten Abend erwacht, fühlte er jemand ganz nah bei sich. Er schreckte hoch und blickte sich um. Da erkannte er zwei funkelnde Augen in der Finsternis und schließlich die ganze Gestalt. Es war die Gefährtin des Burgherrn. „Hab keine Furcht, Magnus. Ich will dir nichts Böses. Im Gegenteil. Ich will dir zur Flucht verhelfen. Adelbert könnte deinen Tod wollen. Deshalb musst du fort.“

„Warum willst du mir helfen?“ Sie lächelte und kam näher: „Du bist ein ungewöhnlicher Mann. Ich spüre, dass du noch jung bist, aber du scheinst trotzdem sehr stark zu sein. Und sehr kühn. Adelbert mag es nicht, wenn man ihm keinen Respekt entgegen bringt.“ Nun musste Magnus lächeln: „Darf ich deinen Namen wissen?“

„Kunigunde.“ Sie stand inzwischen direkt vor ihm und strich zärtlich über seine Wange. Magnus war einem Abenteuer nicht abgeneigt. Die Lust erwachte, als sie ihn berührte und so begehrlich ansah. Er begann sie zu küssen. Kunigunde erwiderte die Küsse und drängte sich verlangend an ihn. Es war schon lange her, dass er einer Artgenossin beigewohnt hatte. Sie waren doch recht selten. Deshalb musste Magnus sich ansonsten mit sterblichen Frauen begnügen, um sein Verlangen zu befriedigen. „Dein Gefährte wird sicherlich nicht begeistert sein, wenn er dich hier findet.“ Kunigunde lächelte: „Keine Sorge! Er ist mit einigen Männern ausgeschwärmt zu unseren Dörfern. Frische Nahrung holen.“

„Vorletzte Nacht habe ich zwei von euch dabei beobachtet, wie sie zu einem Dorf flogen und einige Sterbliche holten. Die Menschen gaben sie ihnen freiwillig mit. Wie kommt das?“ Kunigunde erwiderte: „Adelbert hat ein Abkommen mit ihnen geschlossen. Wir nehmen nur die Kranken, Alten und die Missgeburten und lassen den Rest in Frieden.“

„Und dann?“

 „Dann sperren wir sie auf der Burg ein, bis wir sie brauchen. Wir trinken im Saal.“ Magnus nickte: „Ach, so ist das also.“ Kunigunde sah nach oben: „Wir sollten gehen, solange sie noch fort sind.“ Dabei schwebte sie zur Schachtöffnung und blickte sich um, ob die Luft rein sei. „Komm, Magnus. Es ist niemand hier.“ Er folgte ihr und gemeinsam schoben sie den steinernen Deckel wieder über sein Gefängnis. Dann folgten die unzähligen Stufen, die er letzte Nacht hinab gezerrt worden war.

Schließlich gelangten sie auf einen der Türme. Kunigunde zögerte, sich in die Lüfte zu erheben: „Kann ich mit dir kommen? Adelbert wird wissen, dass ich dich freigelassen habe. Ich habe Angst, dass er mir etwas Schlimmes antun wird.“ Der junge Vampir sah sie nachdenklich an. Er wollte eigentlich nicht, dass sie wegen ihm eventuell vernichtet wurde. Also stimmte er zu und sie flogen davon.

Magnus steuerte zu seinem Unterschlupf, denn er glaubte nicht, dass sie ihn dort schnell finden würden. „So, hier ist mein Schlafplatz. Du bist sicherlich Besseres gewohnt.“ Kunigunde setzte sich auf einen Felsvorsprung: „Das ist nicht wichtig. Hauptsache wir sind in Sicherheit vor ihnen.“

„Morgen Nacht verlassen wir dieses Land. Nur wohin?“, fragte er sie. „Hm, ich kenne mich in der Welt nicht aus. Ich war mein ganzes Dasein hier.“ Magnus setzte sich neben sie: „Wie alt bist du überhaupt?“ Sie sah zum Höhleneingang hinaus: „Drei Jahrhunderte. Ganz genau weiß ich es nicht.“

„Und woher kannst du meine Sprache so gut?« Kunigunde wandte sich ihm abermals zu: „Ich stamme aus Britannien.“ Magnus lächelte breit: „Was für ein Zufall. Dann werden wir morgen Nacht dorthin aufbrechen. Einverstanden?“ Sie lächelte erfreut und lehnte sich an seine Schulter: „Ja gern, Magnus. Ich wollte meine Heimat schon lange einmal wiedersehen.“

Die Flucht der beiden wurde erst knapp vor Tageseinbruch bemerkt. Adelbert war außer sich vor Zorn. Hatte ihm dieser dahergelaufene Jungspund seine Gefährtin abspenstig gemacht. Morgen würde er mit seinen Männern auf die Suche nach ihnen gehen. Weit konnten sie ja noch nicht gekommen sein.

 

Kunigunde war natürlich bereits erwacht, als Magnus die Augen aufschlug. „Endlich, Magnus! Schnell, wir müssen aufbrechen.“ Er erhob sich vom Boden, klopfte die Erde von seinen Kleidern und nickte: „Ja natürlich. Also los!“

Mit seinem Beutel voller Habseligkeiten strebten sie gen Himmel empor Richtung Norden. Kunigunde nahm Magnus Hand und zog ihn mit sich, damit sie schneller vorankamen. Sie ahnte, dass ihr Adelbert auf den Fersen war. Durch sein Alter war er früh erwacht und konnte sich schon auf die Suche begeben, während Magnus noch geschlafen hatte. Ehrgeizig versuchte er, mit seiner Fluchtgefährtin mitzuhalten, aber er spürte, wie es an seinen Kräften zehrte. Dieses Tempo würde er nicht noch eine Nacht durchhalten, ohne trinken zu müssen.

 

Bald spürte Kunigunde die Auren der Verfolger. Sie versuchte, noch schneller zu fliegen, aber mit Magnus im Schlepptau gelang es ihr nicht: „Sie werden uns einholen. Ich kann sie bereits fühlen.“ Magnus war noch jung und nahm Nichts wahr: „Können wir uns irgendwo verstecken?“ Die Unsterbliche sah sich hektisch um: „Ich hoffe es. Adelbert darf uns nicht erwischen. Er wird uns vernichten.“ Man sah ihr ihre panische Angst an.

Schließlich entdeckte sie einen Höhleneingang in einer Felswand: „Dort! Folge mir schnell!“ Magnus zögerte erst, weil sie darin in der Falle saßen, wenn die anderen sie dort entdeckten. Aber dann kam ihm eine Idee, wie er den Anführer im Kampf würde besiegen können. Adelbert war mindestens drei Jahrhunderte älter. Daher konnte Magnus ihn nur aus dem Hinterhalt bezwingen.

Die Höhle war im Innern sehr hoch und so versteckten sich Kunigunde und Magnus zwischen den Stalaktiten an der Decke. Sie pressten ihre Körper eng an den Kalkstein und warteten angespannt ab.

 

Es dauerte nicht lange, bis Magnus die Verfolger spürte. Er war noch zu jung, um seine Schwingungen zu unterdrücken. Seine Begleitung konnte es zwar, aber das nutzte ihm wenig. Adelbert konnte ihn wahrnehmen und so betrat er kurz darauf mit vier Männern die Höhle: „Kunigunde, wenn du jetzt heraus kommst, geschieht dir nichts. Ich spüre den elenden Mistkerl! Was hat er dir versprochen?“ Magnus hielt Kunigunde am Arm zurück und schüttelte den Kopf. Solange Adelbert redete, suchte er mit seinen scharfen Augen die ganze Höhle ab, doch er entdeckte die Körper an der Decke noch nicht, die von den Tropfsteinen verdeckt wurden. Magnus wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis der Burgherr ihn finden würde. Er musste jetzt schnell handeln.

Unter ihm stand der Ältere mit seinen vier Lakaien und blickte gerade weiter in die Höhle hinein: „Verdammt, zeigt euch endlich! Ich reiße dich in Stücke, Magnus. Jedes einzelne Glied reiße ich dir aus und dann übergebe ich deinen Fleischhaufen der Sonne.“ Dabei lachte er gehässig und da loderte Magnus Zorn auf. Er stürzte sich senkrecht und so schnell er konnte zu Adelbert hinab, krallte sich in dessen Schultern und biss ihm in den Nacken. Der Jüngere wusste, dass er sich mit aller Kraft an seinem Gegner festhalten musste, denn sonst wäre sein Schicksal besiegelt. Adelberts Blut floss Magnus über die Zunge und er begann sofort von dem stärkeren Blut zu trinken.

Der andere war zuerst total überrumpelt, aber dann griff er nach hinten und versuchte Magnus, von seinem Rücken zu zerren.

Kunigunde verließ entsetzt ihr Versteck, beobachtete die Kämpfenden und wies die anderen Männer an: „Ihr mischt euch nicht ein!“ Das hatten sie ohnehin nicht vorgehabt, denn auch Adelbert hatte ihnen befohlen, ihm den jungen Vampir zu überlassen.

Magnus grub seine Zähne, so tief es ging in Adelberts Fleisch und riss ihm eine tiefe Wunde am Hals, die sehr stark blutete. Dies schwächte den Älteren und er wirbelte verzweifelt herum, um den Angreifer von sich abzubringen. Als das nicht half, schoss er mit ihm nach oben und versuchte ihn an den Stalaktiten aufzuspießen. Dabei brachen bei dem Jüngeren einige Rippen, aber Magnus löste seine Kiefer nicht. Er wusste, dass sein Dasein davon abhing und er wollte um keinen Preis vernichtet werden.

Adelberts Kleidung tränkte sich auf der aufgerissenen Halsseite immer mehr mit Blut. Er knurrte und fauchte voller Wut, weil er diesen Jungspund einfach nicht los wurde und seine Kräfte immer mehr schrumpften.

Magnus nutzte die Schwäche seines Gegners aus, wandte sich mit ihm, an der Höhlendecke um, und stieß nun den Burgherrn auf einen spitzen Tropfstein. Der bohrte sich in Adelberts Rücken und trat an der Brust wieder aus.

Magnus presste den anderen an den Schultern weiter hinein und zerfleischte dem Älteren die Kehle. Nun floss noch mehr Blut auf den Jüngeren und er spürte, wie immer weniger Gegenwehr von Adelbert kam. Der konnte nur noch röcheln mit seiner aufgerissenen Kehle und so ließ Magnus ihn los.

Der Anführer rutschte völlig entkräftet von seinem Spieß und fiel fast ungebremst zu Boden. Ein wenig konnte er sich noch vor dem Aufprall abfangen. Nun lag er kraftlos auf dem kalten Steinboden, unter ihm bildete sich eine große Blutlache und seine Anhänger starrten fassungslos auf ihn.

Magnus setzte neben Adelbert auf, zog dessen Schwert aus der Scheide und schlug ihm den Kopf ab. Damit war das Duell entschieden. Als die Adern begannen aus dem Halsstumpf zu kriechen, kickte der Sieger den Kopf einige Meter weg. Kunigunde sprang ihm überglücklich um den Hals: „Du hast ihn besiegt! Du hast ihn tatsächlich besiegt!“ Sie küsste ihn überschwänglich und strahlte ihn erleichtert an. Dann wandte sie sich ernst an die Männer: „Magnus ist nun euer neuer Fürst. Erweist ihm den nötigen Respekt!“

Nachdem sie Adelberts nackten Körper auf einem Felsen zurückgelassen hatten, damit ihn die Sonne am Tag verschmorte, kehrten sie zur Burg zurück.

 

Magnus war unendlich erleichtert, dass er den Kampf gewonnen hatte. Kunigunde musste seine Befehle, anfangs noch für die anderen übersetzen, aber bald lernte Magnus die Sprache immer besser. Adelberts Gefolge respektierte den neuen Fürsten schnell, da er anscheinend sehr stark war, wenn er ihren Herrn hatte besiegen können.

Dem neuen Burgherrn passte mit der Zeit nicht mehr, dass sie auf die Almosen der Sterblichen angewiesen waren. Er wollte jagen und von den Opfern trinken, die ihm gefielen. Deswegen begann er mit seinen Getreuen in weitentfernte Orte zu fliegen und junge Sterbliche zu rauben. Magnus nahm sich am liebsten junge Mädchen mit auf die Burg und sperrte sie in das Verlies. Kunigunde riet ihm, das Abkommen mit den umliegenden Dörfern nicht zu gefährden, und so nahmen die Unsterblichen weiterhin die Alten, Kranken und Nutzlosen auf die Burg mit. Doch Magnus hielt sich lieber an seine jungen Opfer. Damals begann er damit die Mädchen in einem der Schlafzimmer zu vernaschen. Er ließ sie baden und in das Schlafzimmer bringen, wo er sich dann dazu gesellte und sie verführen wollte. Aber er war noch zu jung, um der Gier lange widerstehen zu können, und wenn die sexuelle Erregung dazu kam, setzte sein Verstand noch schneller aus. Daher lebte er seine Begierden ausgiebig mit seiner Fürstin aus.

Ungefähr sechzig Jahre blieb er Herr über die Burg in Schwaben, dann zog es Magnus in seine Heimat Britannien zurück.

 

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