24. Türchen

Todmüde wankte Hermine aus ihrem Büro. Es war spät am Abend und sie wusste, nur noch wenige Mitarbeiter waren überhaupt im Ministerium. Man musste schon sehr in seine Arbeit vernarrt sein, um am Tag vor Heilig Abend bis spät in die Nacht zu arbeiten. Eigentlich hätte sie heute frei gehabt, so wie alle Mitarbeiter auf ihrer Ebene. Nur von der Chefetage wurde erwartet, bis zum letzten Tag anwesend zu sein, doch sie hatte eine Mission.

Nachdem Harry am Abend zuvor ihr Büro verlassen hatte, hatte Hermine eine Stunde gebraucht, um zu entscheiden, was sie nun tun wollte. Das Rationale wäre gewesen, einfach heimzugehen, die Feiertage mit ihrer Familie zu verbringen und all den seelischen Ballast zum Jahreswechsel von sich zu werfen. Vermutlich wäre es auch das Richtige gewesen, immerhin war die Chance, dass aus ihr und Draco tatsächlich irgendetwas werden könnte, verschwindend gering. Sie wusste ja nicht einmal, ob er noch Interesse hatte und wie ernst er es jemals mit ihr gemeint hatte.

Doch das war ihr egal. Sie wusste inzwischen, dass sie es ernst meinte, und das war alles, was sie wissen musste.

Und so war sie an ihrem eigentlich freien Tag erneut ins Ministerium zurückgekehrt, um den Fall Malfoy aufzuarbeiten. Sie hatte einen Plan. Sie würde Draco dasselbe Geschenk machen, das er ihr gemacht hatte. Es hatte lange gedauert, immerhin hatte sie alle Beweise, die sie gesammelt hatte, alle Erkenntnisse und Einschätzungen, sorgfältig und nachvollziehbar in einem Bericht zu Papier bringen müssen. Aber nun war sie fertig, ihr Chef war noch da und sie würde ihn dazu zwingen, den Bericht heute noch durchzugehen und zu akzeptieren.

Vor der Tür ihres Vorgesetzten angekommen, blieb Hermine stehen und atmete noch einmal tief durch. Sie durfte sich nicht anmerken lassen, dass sie sich bei diesem Fall von ihren Gefühlen hatte leiten lassen. Sie durfte keinen Verdacht aufkommen lassen, dass sie nur eine Facette der Wahrheit in ihrem Bericht dargestellt hatte. Sie klopfte.

„Herein", erklang die Stimme von Henry Bumblebee, dem Leiter für alle Abteilungen, die sich mit magischen Artefakten beschäftigten.

Entschlossen trat sie ein und legte ihm die Akte auf den Tisch: „Ich habe den Fall Malfoy abgeschlossen. Ich wollte die Ermittlungen unbedingt vor Weihnachten beenden, sonst hätte ich die Feiertage über keine Ruhe gehabt."

Der ältere Mann lächelte sie wissend an: „Unerledigte Arbeit kann einem schon die Ruhe rauben, nicht wahr, Miss Granger? Ich schätze, Sie wollen, dass ich Ihren Bericht sofort lese?"

Sie nickte, woraufhin er mit der Hand auf einen der Stühle vor seinem Schreibtisch deutete und sich dann der Lektüre widmete.

Zehn Minuten später richtete er mit gerunzelter Stirn den Blick wieder auf sie: „Sie sprechen Mr. und Mrs. Malfoy sowie ihren Sohn frei von jeglicher Schuld?"

Sie hatte mit dieser Frage gerechnet. So ruhig wie möglich präsentierte sie die Antwort, die sie auch im Bericht schon ausformuliert hatte: „Die Vase wurde von Abraxas Malfoy einmal missbraucht, darüber haben wir Aufzeichnungen. Für die Zeit danach gibt es weder Beweise noch Indizien, dass sie jemals wieder genutzt wurde. Lucius Malfoy war gerade ein Jahr alt, als die Orgie stattfand, Narzissa Malfoy war noch nicht einmal geboren. Für das Ereignis können wir sie nicht verurteilen."

„Aber die Vase befand sich bis zum Schluss in ihrem Besitz", gab Bumblebee zu bedenken: „Und bei der Hausdurchsuchung nach dem Krieg ist sie nicht aufgetaucht. Sie muss also aufwändig versteckt worden sein."

Wieder nickte Hermine: „Das ist richtig. Doch wir haben keinerlei Beweise dafür, dass irgendeiner der Malfoys wusste, was genau es mit der Vase auf sich hatte. Und, wenn Sie mir dieses Urteil erlauben, ich schätze Lucius Malfoy so ein, dass er zu seiner Zeit unter Voldemort die Vase nur zu gerne zu ähnlichen Zwecken missbraucht hätte wie sein Vater, wenn er es gewusst hätte."

Nachdenklich fuhr ihr Chef sich durch den Bart: „Ich fürchte, dieser Einschätzung muss ich zustimmen."

Beharrlich fuhr Hermine fort: „Bei meinem ersten Besuch bei den Malfoys konnte ich nichts finden, doch ich wurde willkommen geheißen und man hat mir ohne Umstände das gesamte Haus gezeigt. Ich bin dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut zurückgekehrt, um ihnen mitzuteilen, was genau ich suche", erklärte sie, darum bemüht, sich ihre Lüge nicht anmerken zu lassen: „Natürlich haben sie nicht freundlich darauf reagiert, niemand will solche Sachen über seine Familie hören. Trotzdem haben sie ganz offensichtlich meine Aussagen ernst genommen. Wenn Narzissa Malfoy oder Draco Malfoy tatsächlich an einer Verschleierung der Tatsachen interessiert gewesen wären, wäre ihnen das sicher gelungen. Stattdessen sind sie am Montag gemeinsam in meinem Büro aufgetaucht, nachdem sie die Vase gefunden hatten. Das ist für mich der stärkste Beweis dafür, dass sie selbst daran interessiert sind, diesen Teil ihrer Familiengeschichte aufzuarbeiten."

„Das haben Sie in Ihrem Bericht auch ausführlich dargelegt", murmelte Bumblebee.

Schweigen breitete sich aus, während der alte Mann offensichtlich intensiv über den Fall nachdachte. Hermine betete, dass er ihr Glauben schenken würde. Sie war sich sicher, dass Narzissa Malfoy alles getan hätte, um die Existenz der Vase zu verschleiern, doch es war Draco zu verdanken, dass das nicht gelingen würde. Ihre Versuche hatten nicht gefruchtet und es war sinnlos, ihr etwas anzukreiden, was sich jetzt auch nicht mehr beweisen ließ. Draco war aufrichtig, das war alles, was für sie zählte. Hermine wusste, dass sie sich von ihren Gefühlen leiten ließ und einen Fall falsch darstellte, der vermutlich mindestens Narzissa auch nach Askaban gebracht hätte, doch es interessierte sie nicht. Die Frau hatte selbst kein Verbrechen begangen, sie hatte lediglich im Interesse ihrer Familie versucht, dunkle Geheimnisse zu vertuschen. Sie würde ihr das nicht vorwerfen. Insbesondere nicht, nachdem ihre kleine Lüge während des Krieges dafür gesorgt hatte, dass Harry überlebt hatte.

„Schön", nickte ihr Chef schließlich: „Sie haben den Fall in Rekordzeit bearbeitet und glasklar dargelegt. Die Vase befindet sich in unserer Asservatenkammer, das ist alles, was zählt. Sie können die Akte damit schließen und den Malfoys mitteilen, dass die Ermittlungen gegen sie fallengelassen werden."

Ein erleichtertes Lächeln trat auf Hermines Gesicht: „Vielen Dank, Mr. Bumblebee! Jetzt kann ich in Frieden Weihnachten feiern!"

„Dann wünsche ich Ihnen ein frohes Fest!"

oOoOoOo

Dracos Blick war starr auf die Decke seines Himmelbetts gerichtet. Er lag schon seit Stunden ausgestreckt auf seinem Bett, unbeweglich, in Gedanken versunken. Er hatte sich zum Narren gemacht. Es brauchte all seine Selbstbeherrschung, um sich nicht in einem Strudel von Selbsthass und Selbstmitleid zu verlieren. Wie war er nur jemals auf den Gedanken gekommen, sich ernsthaft mit Granger zu befassen? Was sagte es schon aus, dass man sich gut mit ihr unterhalten konnte und sie gut im Bett war? Sie war immer noch die verdammte beste Freundin von Potter – und ganz offensichtlich noch mehr als das.

Welche Frau machte mit ihrem Freund Schluss, um dann ins Bett mit dessen besten Freund zu hüpfen? Wenn das keine Warnung war, dass sie durchtrieben und verdorben war! Er hatte sie schon zu Schulzeiten gehasst, weil ihr moralisch perfektes Gehabe ihm auf den Geist gegangen war und er bezweifelt hatte, dass sie wirklich so ein braves Mädchen war. Wie hatte sie es nur geschafft, ihn innerhalb einer Woche davon zu überzeugen, dass das tatsächlich ihre Persönlichkeit war? Wie hatte sie es nur geschafft, ihn um den Finger zu wickeln, wo sie doch so offensichtlich das Gegenteil von brav war?

Wütend richtete er sich auf. Das schlimmste an all dem war eigentlich, dass es ihn gar nicht mal so störte, dass sie mit anderen Männern geschlafen hatte. Wenn er ehrlich zu sich war, stand er tatsächlich auf Frauen, die selbstbewusst mit ihrer sexuellen Lust umgingen. Da war einfach ein gewisser Reiz an einer Frau, die genau wusste, was sie wollte, und sich nicht scheute, das auszusprechen. Und wenn sie mit mehreren Männern gleichzeitig schlafen wollte, dann war es eben so.

Nein, was ihn wirklich störte, war, dass der andere Mann ausgerechnet Sankt Potter war. Und dass sie ganz offensichtlich Gefühle für Potter hatte. Sie hatte ihn entsetzt von sich gestoßen, als wäre er ein schmutziges, kleines Geheimnis, das nicht entdeckt werden sollte. Und dann hatte sie auch noch die Dreistigkeit besessen, ihm zu sagen, er sollte gehen, damit sie mit Potter alleine sein konnte. Als würde sie sich schämen für ihn. Als wäre Potter so viel wichtiger als er. Als würden Potters Gefühle zählen und seine nicht.

Als er am Montag bei ihr im Büro gestanden hatte, als sie mit plötzlicher Entschlossenheit auf ihn zugegangen war, um ihn mit derselben Leidenschaft wie am Wochenende zu küssen, da hatte er gedacht, sie wäre endlich drüber hinweg. Hinweg über die Zweifel, die sie geplagt hatten, weil er Draco Malfoy und sie Hermine Granger war. Er konnte diese Zweifel ja verstehen, er hatte sie auch. Aber er hatte beschlossen, sich nie wieder von den Urteilen anderer Menschen leiten zu lassen, sondern seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Und wenn diese Entscheidung war, dass er Granger gerne bis in alle Ewigkeit in seinem Bett haben wollte, dann war es so. Er hatte wirklich gedacht, sie wäre zu demselben Entschluss gekommen. Es hatte sein Herz in Flammen gesetzt, als sie ihn so offen und leidenschaftlich geküsst hatte.

Verdammt.

Er hatte nicht mehr darüber nachdenken wollen. Das hatte er schon gestern zu Genüge getan und ihm war aufgegangen, dass dieser Gedankengang früher oder später in eine Richtung gehen würde, die mit seinem Stolz nicht vereinbar war. Vielleicht sollte er besser eine heiße Dusche nehmen.

Ein leises Klopfen an seiner Tür ließ ihn aufhorchen. Seine Mutter war nicht im Haus und die Hauselfen hatten die strikte Anweisung, ihn nicht zu stören. Aufgebracht erhob er sich vom Bett, riss die Tür auf, bereit, dem störenden Hauselfen eine Predigt zu halten ...

... und verharrte zur Salzsäule erstarrt.

„Frohe Weihnachten, Draco."

Vor ihm stand Hermine Granger, in einem Kleid aus roter Seide und weißen Püscheln, das eindeutig nur einem einzigen Zweck diente. Ein leichter Rosaschimmer zierte ihre Wangen und ihr Lächeln war unsicher, doch Draco konnte sehen, ihre Augen strahlten mit derselben Entschlossenheit, die ihm am Montag schon den Atem geraubt hatte.

Bei Merlin, das durfte nicht wahr sein.

„Was willst du hier?", knurrte er, während er beide Hände auf dem Türrahmen ablegte, um ihr den Eintritt in sein Schlafzimmer zu verwehren.

„Zwei Dinge", erklärte Hermine ohne seinem Blick auszuweichen: „Ich wollte dir die Ergebnisse meiner Ermittlungen im Fall der Vase mitteilen. Und ich wollte dich fragen, ob du Heilig Abend mit mir verbringen magst."

Schwer atmete Draco ein. Er durfte nicht nachgeben. So verführerisch sie sich auch verpackt hatte, er durfte nicht wieder auf sie hereinfallen. Angestrengt presste er hervor: „Ergebnisse? Was kam denn raus, mh? Wir sind alle widerwärtige Bastarde, die arme Jungfrauen missbrauchen?"

Ihr Blick flackerte kurz, doch offenbar war es ihm noch nicht gelungen, sie zu verscheuchen: „Nein. Du, deine Mutter und dein Vater, ihr seid alle von jeglicher Schuld freigesprochen."

Mehrmals blinzelte Draco. Ja, sicher. Als ob Granger ihn einfach so davonkommen lassen würde. Sicher. Schnaubend meinte er: „Nicht deine beste Lüge, Schätzchen."

Wieder flackerte ihr Blick und diesmal blieb der Zorn, der zuvor nur kurz aufgeflammt war: „Ich lüge nicht. Verdammt, Malfoy. Mach es nicht schwerer, als es ist! Hier!", fauchte sie und hielt ihm eine dicke Akte hin: „Das ist mein Bericht. Unterschrieben von mir und meinem Chef. Eure Unschuld ist offiziell."

Misstrauisch, aber gegen seinen Willen auch neugierig, nahm er ihr die Akte ab. Zu seinem Entsetzen nutze Hermine den kurzen Moment, um an ihm vorbei in sein Zimmer zu schlüpfen.

„Hey!", rief er wütend: „Ich hab dich nicht reingebeten!"

Sie zuckte nur mit den Schultern: „Mir egal. Lies das verdammte Ding, damit du mir endlich glaubst und wir über Wichtigeres sprechen können."

Schnaubend schloss er die Tür. Mit der Akte in der Hand setzte er sich an seinen Schreibtisch, überflog schnell die Zeilen und nahm die beiden Unterschriften zur Kenntnis. Sie hatte tatsächlich seine Unschuld bewiesen. Und die seiner Mutter.

„Das stimmt aber nicht, was du hier geschrieben hast!", merkte er misstrauisch an.

Wieder zuckte sie bloß mit den Achseln: „Interessiert doch keinen. Mein Chef hat's geglaubt, das ist alles, was zählt. Nimm es als Weihnachtsgeschenk von mir für dich, wenn du willst. Deine Eltern sind ebenso unschuldig wie du, die Sache ist durch."

Dracos Gedanken rasten. Was wollte Hermine hier? Wieso hatte sie das für ihn getan? Wieso hatte sie dieses verboten verführerische Kleid an? Natürlich gab es eine simple Erklärung dafür – sie wollte ihn verführen –, doch das konnte er nicht glauben. Nicht, nachdem sie ihn zuvor so hatte fallen lassen. Was also war ihr Motiv?

Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie Hermine auf ihren hohen Absatzschuhen zu seinem Fenster spazierte und mit verträumten Blick die Schneelandschaft beobachtete. Der Saum ihres Kleides war mit weißem Fell, das offensichtlich nicht echt war, verziert, und reichte gerade so bis zur Mitte ihrer Oberschenkel. Es lag eng und so zeichnete sich ihr runder Hintern deutlich unter der roten Seide ab. Draco schluckte. Verdammt, warum musste sie so sexy sein? Wo war der Bücherwurm hin, die Streberin, die nie irgendeinen Mann so gereizt hatte?

Wütend schüttelte er den Kopf. Er würde nicht darauf hereinfallen. Er würde nicht darauf hereinfallen!

Mit großen Schritten durchgequerte er sein Zimmer, packte Hermine an den Armen und wirbelte sie herum: „Was planst du, Granger?"

Er konnte sehen, dass sie nicht mit dieser Reaktion von ihm gerechnet hatte. Am liebsten hätte er gelacht. Was hatte sie gedacht? Dass er ihr danken würde?

„Ich plane gar nichts", hauchte sie kaum hörbar, ehe sie ihre Entschlossenheit wiederfand und lauter hinzufügt: „Ich will einfach nur, dass du mir verzeihst, mein Weihnachtsgeschenk akzeptierst und zulässt, dass ich diese magische Nacht ... mit dir verbringe."

Höhnisch lachte er auf: „Bist du dir sicher, dass du dich nicht im Haus geirrt hast? Potter wohnt woanders."

Unsicherheit trat in ihre Augen bei der Erwähnung von Potters Namen. Also hatte er Recht gehabt. Sie wollte Potter, nicht ihn. Er war nur eine dreckige Fantasie, ein Mittel, um ihre finsteren Gelüste auszuleben. Am liebsten hätte er geschrien vor Frustration.

„Die Sache mit Harry ist aus", unterbrach Hermine seine Gedanken: „Ich habe ihm erklärt, wo wir stehen. Zwischen Harry und mir wird nie wieder etwas laufen."

„Ja sicher!", fuhr Draco sie wütend an. Als ob er ihr das glauben würde: „Darum hast du mich weggestoßen am Montag, mh? Weil es mit Potter aus ist, genau. Macht Sinn."

„Bitte!", flehte sie ihn an: „Draco, ich meine es ernst. Ich bin hier, weil ich wiederholen will, was am Samstag passiert ist. Ich bin hier, weil ich die Woche mit dir genossen habe. Bitte gibt mir eine Chance, dir das zu beweisen."

Irgendwo tief in ihm brannte eine Sicherung durch. Sie wollte ihm weißmachen, dass sie ernsthaft ihn und nicht Potter gewählt hatte? Schön, nur zu. Er würde ihr schon eine ehrliche Reaktion entlocken.

Ohne ihr eine Chance zu geben zu protestieren, stieß er sie gegen die Wand und zwang sie in einen Kuss. All seine Wut, all die Leidenschaft, die er seit ihrer gemeinsamen Nacht für sie empfand, brodelte in ihm hoch. Hart und unnachgiebig küsste er sie, presste sich mit seinem Körper gegen sie, während seine Hände ihr Gesicht festhielten, damit sie ihm nicht entkommen konnte. Jede Sekunde rechnete er damit, dass sie ihn beißen würde, dass sie ihn wegstoßen würde, angeekelt von seiner Aufdringlichkeit. Doch es war ihm egal, er wollte sie küssen, er wollte seinen Standpunkt klarmachen, koste es, was es wolle.

Aber nichts dergleichen geschah.

Stattdessen öffnete Hermine ihre Lippen, forderte ihn mit ihrer Zunge auf, dasselbe zu tun, und schlang ihre Arme und Beine um ihn, als würde sie den Kuss genießen. Sogar ein Seufzen entfuhr ihr, als er sich unwillkürlich an ihr rieb.

Sie trieb ihr Spielchen eindeutig zu weit, doch wenn sie es so wollte, bitte, er würde nicht protestieren. Seine Hände wanderten ihre Rundungen hinunter, bis sie auf ihrem Hintern zum Liegen kamen, dann trat er von der Wand weg, drehte sich um, und trug sie hinüber zu seinem Bett. Er war sich sicher, dass sie spätestens jetzt aufhören würde, dass sie ihn spätestens jetzt von sich stoßen würde.

Doch wieder irrte er sich. Nachdem er sie abgelegt hatte, schob Hermine sich ein Stück weiter auf sein Bett, öffnete ihre Arme und legte sie in einer verboten verführerischen Bewegung über ihrem Kopf auf seinen Kissen ab. Aus halb geöffneten Augen blickte sie ihn an: „Willst du dein Geschenk jetzt auspacken?"

Sie meinte es ernst. Sie meinte es tatsächlich ernst. Sie war hier, bei ihm, an Heilig Abend, weil sie hier sein wollte. Weil sie bei ihm sein wollte. Alles in ihm schrie danach, ihrer Aufforderung nachzukommen und sein Geschenk auszupacken, doch noch war er Herr seiner Sinne.

„Granger", sagte er langsam, während er mit bedachten Bewegungen über sie kletterte: „Granger, was tust du hier? Was wird das?"

Lange starrte sie ihn an, ohne eine Antwort zu geben, starrte ihn einfach nur an aus diesen riesigen Rehaugen. Dann kräuselten ihre Lippen sich zu einem Lächeln und sie legte ihm zärtlich eine Hand auf die Wange: „Ich war ein Arschloch, Draco. Was ich dir angetan habe, war nicht richtig. Ich bin hier, um das wieder gutzumachen. Ich bin hier, weil ich seit Montag ganz eindeutig und ohne Zweifel weiß, dass du der Mann in meinem Leben bist, mit dem ich diese Weihnachten verbringen will."

Dracos Herz setzte einen Schlag aus. Er wollte ihr glauben. Alles in ihm verlangte danach, dass er ihr Glauben schenkte. Aber er war Draco Malfoy. Mit jemandem wie ihm spielte man nicht. Jemand wie er fiel nicht zweimal auf denselben Trick rein. Wenn überhaupt, dann spielte er mit anderen Menschen. Er atmete tief durch, um sein rasendes Herz zu beruhigen.

„Wie kann ich dir glauben?", verlangte er zu wissen: „Als du mich am Montag weggestoßen hast, hast du deine Position ziemlich klar gemacht."

Beschämt blickte sie zur Seite: „Weil ich eine Idiotin bin. Als Harry reingeplatzt ist, wusste ich sofort, dass ich ihm wehgetan habe. Ich konnte an nichts anderes denken, als dass ich es ihm erklären muss. Dass ich dich damit verletze ... daran habe ich nicht gedacht. Ich hatte einfach ... ich dachte, du meinst es gar nicht so ernst mit mir und es ist dir egal."

Draco schnaubte. Ja, in der Tat. Es hätte ihm egal sein sollen. Er hätte sich über Potters verletzten Ausdruck lustig machen sollen und Stolz auf sich sein, dass er Hermine in sein Bett gekriegt hatte, obwohl sie offenbar was mit Potter am Laufen hatte. Aber das war nicht die Realität seiner Gefühle.

„Als ich gesehen habe, wie ... wie wahnsinnig wütend du geworden bist", fuhr Hermine fort, den Blick wieder auf ihn gerichtet: „Da ging mir auf, dass ich dich falsch eingeschätzt habe. Und ich dachte ... ich dachte, wenn auch nur die geringste Möglichkeit besteht, dass ich dir vielleicht genauso viel bedeute wie du mir ... dann muss ich einfach alles in meiner Macht stehende tun, um dir das zu zeigen. Ich ... ich bin nicht bereit, dich zu verlieren. Ich will dich nicht verlieren, Draco."

Mit diesen Worten war es um ihn geschehen. Diese Worte waren exakt das, was er hören wollte, und sie trafen in seinem Herzen auf einen wunden Punkt, der sie begierig aufsog und sie willkommen hieß. Ohne ihr eine Antwort zu geben, ohne nachzudenken, beugte er sich zu ihr runter und küsste sie erneut. Er wollte es langsamer angehen lassen, zärtlicher, um ihr zu zeigen, dass er ihre Gefühle erwiderte, doch kaum hatte er ihre weichen Lippen berührt, kaum spürte er ihre warmen Brüste gegen seinen Körper pressen, war es um ihn geschehen.

Überall, wo sie ihn berührte, stand sein Körper in Flammen, und er konnte es kaum abwarten, ihr die Kleider vom Leib zu reißen. Er musste sie berühren, überall, am besten gleichzeitig. Und wenn er das Seufzen und Stöhnen von Hermine richtig deutete, ging es ihr genauso. In wilder Hast entledigten sie sich all ihrer Klamotten, um dann sofort wieder in einem leidenschaftlichen Kuss zu versinken.

„Draco", stöhnte Hermine in einer kurzen Pause, in der er von ihren Lippen abließ: „Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt."

Er meinte, sein Herz müsste platzen bei diesen Worten, so unendlich viel Zuneigung und Lust empfand er in diesem Augenblick für Hermine. Und ehe er wusste, was er da sagte, erwiderte er grinsend: „Das will ich doch hoffen. Denn ich habe mich auch in dich verliebt."

Und als sie daraufhin ihre Beine für ihn öffnete, ihn fest an sich zog und ihre Zähne in seiner Schulter vergrub, da wusste Draco, dass er seine Worte absolut ernst meinte.

Er hatte sich in Hermine Granger verliebt, und wenn es nach ihm ging, würde er sie nie wieder loslassen.


~O~


Um dieses ganze Chaos und Drama wieder hinzubiegen, musste ich doch ein wenig mehr schreiben. Ich hoffe, euch gefällt mein Abschluss für diese Achterbahnfahrt!

Frohe Weihnachten und besinnliche Feiertage wünsche ich euch allen. Auf dass es viele Geschenke regnen wird!


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beta
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