3: Kae

Die Tür fiel hinter mir ins Schloss und ich verriegelte sie. Ich war nun Teil der wichtigsten Einheit meiner Organisation. Ich würde in diesem Krieg mehr bedeuten als vorher. Ich war nicht mehr einfach eine Kriegerin. Das musste ich erstmal realisieren.
Ich guckte mich um. Eine Toilette, Waschbecken, Dusche. Ein ganz normales Badezimmer. Als ich begann mich umzuziehen hörte ich, wie im anderen Zimmer die Tür aufging. Es folgten ein paar Stimmen, vermutlich eine Krankenschwester und Adrian, der mit ihr flirtete. Etwas anderes konnte ich von ihm nicht erwarten, ich kannte ihn gerade mal ein paar Minuten und konnte ihn jetzt schon nicht leiden. Ich wollte ihn endlich loswerden, seine Existenz bereitete mir nicht besonders Freude.
Ich zog mir das unbequeme Krankenhaushemd über den Kopf und kleidete mich stattdessen mit einer Jeans, einem weiten Shirt und Sweatjacke aus, ungefähr das was ich jeden Tag trug. Mode war mir relativ egal, ich kam mit meinem Style zurecht. Ich war trotzdem überrascht dass der Chef mir genau das bereitlegte, was ich als mein Alltagsoutfit bezeichnen würde. Hatte er mich vorher gestalkt, oder so?
Plötzlich tönte ein lautes Geräusch aus dem Nebenzimmer, in etwa als würde etwas Großes zerbrochen sein. Ich ignorierte es für den Moment und ging davon aus, jemand hätte ein Gerät oder ähnliches umgeschmissen. Auf dem Waschbecken entdeckte ich ein Zopfgummi und war dabei mir damit die Haare hochzubinden, als auf einmal Adrian durch die Tür einbrach. Ja, er brach wohl eher mit der Tür ein; sie lag aus den Angeln gehoben auf dem Boden und Adrian oben drauf. Entgeistert schreckte ich zurück und klammerte mich ans Waschbecken.
Wie kam er denn auf die Idee die Tür zu zerstören? Hätte er nicht einfach anklopfen können?
Adrian richtete sich auf während sich hinter ihm ein anderer Mann aufbaute. Ich verstand nicht, was das alles sollte. „Warum… was?“, stammelte ich. Adrian stellte sich vor mich. Der Mann, der ihn nach meinen Folgerungen sehr wahrscheinlich durch die Tür gerammt hatte, gab ein wolfsähnliches Knurren von sich. Seine Augen färbten sich gelb und seine Pupillen formten sich zu schlitzen. Er fletschte die Zähne. Adrian stellte sich näher vor mich und versperrte mir die Sicht. „Sobald du auch nur einen Fuß in dieses Badezimmer setzt bist du tot“, drohte er. Der Mann stoppte. Er verengte seine Augen und sah Adrian misstrauisch an. Dann brach er in großes Gelächter aus. „Was willst du denn schon tun? Du bist ein mickriger Krieger, von denen haben wir hier jetzt massenweise. Also hau ab, ich würde den dreckigen Aswang hinter dir gerne beseitigen.“
Dreckiger Aswang. Das war ich, ich war ein Aswang. Eine Kreuzung aus Vampir und einer anderen Dämonenart, welche war unbekannt. Wir Aswang waren selten, aber genauso selten gemocht. Wir galten als dreckig, unwürdig, eine Nebenwirkung der Evolution. Das war der Grund, warum der Chef mich bewachen ließ. Er wusste, dass genau das passieren würde. Dass einer nicht damit klarkommen würde, dass ich nun in der Haupteinheit kämpfte.
Wieder sah ich mich in dem Zimmer um. Nichts Waffenähnliches, wenn ich mich verteidigen wollte dann mit dem Körper. Adrian bewegte sich nicht, auch nachdem er aufgefordert wurde mich freizugeben. Natürlich, es war seine Aufgabe mich zu beschützen, trotz derer war es mir unangenehm von jemandem verteidigt zu werden den ich vor ein paar Minuten noch wegschicken wollte.
Der Mann, der immer mehr die Gestalt eines Wolfes annahm, ließ sich von Adrians Drohungen nicht beirren und stapfte in das Zimmer hinein. Mir fiel auf, dass ich mich vermutlich auch schwierig mit dem Körper verteidigen könnte, da ich außer Socken nichts an den Füßen trug und vom Kampf am vorherigen Tag immer noch Verletzungen an Rippen und Händen besaß. Nicht nur da, ich ging stark davon aus, noch weitere innere Verletzungen waren über. Wenn Adrian schlapp machte, würde der Kerl mich umbringen.
Er war ein Werwolf, das war nun nicht mehr zu leugnen. Was Adrian für eine Art von Dämon war, war mir unbekannt, genauso wie stark oder schwach er war. Für seinen menschlichen Körper wäre nicht auszuschlagen dass er stark wäre, er war erstens riesig, zweitens sah man sogar durch sein Shirt Muskeln und drittens wurde er bestimmt auch nicht ohne Grund beauftragt, mich zu bewachen.
Als der Werwolf Anstalten machte, Adrian von seinem Standort weg zu schlagen, bewegte er sich immer noch nicht. Was machte er denn? Wenn er sich nicht bald rühren würde bekäme er eins übergebraten und ich würde nicht mal hinter seinem Rücken hervorkommen, weil er mir zum einen die Sicht und auch noch den Weg versperrte.
Der ca. zwei Meter große Mann holte aus, schlug zu und – Adrian blockierte. So, als wäre es nichts, was er da gerade gehalten hätte. Von Sekunde zu Sekunde schlug er ebenfalls zu, allerdings so schnell dass der Mann nicht mehr blockieren konnte und traf ihn direkt ins Gesicht. Der Werwolf fiel zu Boden und regte sich nicht.
Wie heftig hatte er denn zugeschlagen?
Adrian drehte sich um, packte mich an der Taille und warf mich über seine Schulter. „Wir müssen hier weg. Jetzt“, brummte er und nahm Kurs auf den Türrahmen, dem die Tür fehlte, und trug mich aus dem Zimmer über den Flur. Es war komplett leer, es musste wohl Nacht gewesen sein, was ich erst jetzt bemerkte. „Ich kann sehr gut alleine laufen. Hab ich über die Jahre gelernt“, giftete ich und versuchte mich aus Adrians Griff zu winden. Ohne Erfolg, der Kerl hatte eine unglaubliche Kraft. „Hey, hörst du mich? Lass mich runter!“, rief ich gereizt, doch Adrian ignorierte meine Versuche mich zu lösen. „Du hast keine Schuhe an, deine Verletzungen sind noch nicht verheilt und dein letzter Kampf ist weniger als sechs Stunden her. Wenn ich dich jetzt alleine laufen lasse zerstörst du dich selbst schneller als es dir passt“, entgegnete er.
Ich gab es auf. Er war zu stark dass ich mich loseisen könnte und von selber würde er mich auch nicht herunter lassen. So trug er mich, bis wir ankamen, an einem Raum von dem ich vermutete es wäre das Büro des Chefs. Schließlich sollte er mich dahin bringen und könnte dann endlich von mir ablassen, eine Erleichterung für uns beide. Er klopfte an die Tür, dann setzte er mich auf dem Boden ab.
„Deshalb sollte ich also auf dich Acht geben“, murmelte er ohne mich dabei anzusehen. Vielleicht hatte er ja auch etwas gegen Aswang, dann würde er sich wenigstens von mir fernhalten.

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