Belle- Land (14)

Wieder lief mir ein Schauer über den Rücken und meine Nackenhaare sträubten sich, als ob etwas Unheilvolles bevorstehen würde. Noch einmal schaute ich auf das «Traum?» Buch und widerstand dem, mir sonst eigenem Bedürfnis, alles immer selbst anfassen zu wollen.

Auf einmal aber, passierte etwas Unerwartetes! Einige der Comic Bücher wurden aus dem Regal gefegt und wir vernahmen ein lautes Rascheln und bellendes Zischen, welches mir irgendwie bekannt vorkam. Nur konnte ich es gerade nicht mehr einordnen. Meine Gastgeberin entfernte sich von dem unheilvollen Buch und folgte den Geräuschen. Es raschelte erneut hinter den Buchreihen und wieder fielen ein paar Bücher heraus. «Was zum Henker…!» rief Mangafox ärgerlich und suchte die Gestelle ab. 

Ich wollte mich sogleich an der Suche nach dem seltsamen Etwas beteiligen, das Foxxys geheime Bibliothek verwüstete, als ich auf einmal wieder dieses seltsame Flüstern, das anfangs von der «Traum?»- Geschichte ausgegangen war, vernahm. Ich erstarrte und schaute wie hypnotisiert auf den unheilvollen Wälzer, dessen Buchstaben nun seltsam hin und her zu wabern begannen. Ich konnte nicht anders, ein unbändiger Drang, fast als würde eine magnetische Kraft von dem Buch ausgehen, brachte mich dazu, selbiges zu berühren.


13. Kapitel


Gefangen im Traum


In diesem Moment, begannen die Buchstaben immer mehr hin und her zu wabern, drehten sich schliesslich in einem wilden Kreis und dann… öffnete sich vor mir ein pechschwarzer Strudel! Ehe ich mich versah, wurde ich, beginnend bei meiner Hand, in diesen Strudel hinein gesogen. Ich schrie verzweifelt, als ich immer mehr und mehr von dem schrecklichen Buch verschlungen wurde. Es wirbelte mich wild umher, ich verlor vollends die Orientierung und mir war es einen Moment lang, als würde ich in all meine Einzelteile aufgespalten. Ich versuchte verzweifelt mich irgendwo fest zu halten, doch die Gravitationskraft des Strudels, war einfach zu stark! So blieb mir nichts anderes übrig, als mich in mein Schicksal zu ergeben und darauf zu hoffen, dass nichts allzu Schreckliches auf mich wartete. Hätte ich doch nur auf die Warnung von Mangafox gehört «Unterschätze nicht die Macht des Traums, das könnte dich teuer zu stehen kommen!»

Nach einer endlos scheinenden Zeit des Fallens, in eine bodenlose Tiefe, traf ich plötzlich hart auf dem Boden auf. Es verschlug mir kurz den Atem und jedes einzelne Glied in meinem Körper schmerzten. Ich war verdammt noch mal keine 17 mehr und darum setzte mir der Aufprall wohl auch etwas mehr zu. Als ich mich umblickte, sah ich nichts, ausser undurchdringliche Schwärze. Mein Gott! Wo war ich? Fetzen schrecklicher Erinnerungen, tauchten vor meinem inneren Auge auf. Ich tastete den Boden ab, tatsächlich war er belegt mit kleinen, teilweise recht scharfen Steinchen und noch immer sah ich überhaupt nichts. Ich erkannte nun schlagartig, wo ich war und kalter Angstschweiss, brach mir aus allen Poren. Ich befand mich im dunklen Reich des Bösen, das Foxxy in ihrer Geschichte beschrieben hatte. Ich verstand nun immer mehr, warum die Mangakönigin immer alle vor dem Buch warnte und warum es versiegelt und in Ketten gelegt, unten in ihrer geheimen Bibliotheken- Werkstatt lag. Denn tatsächlich hatte mich das Buch nun hinunter in seine schreckliche Realität gezogen. «Foxxy!» schrie ich verzweifelt «Foxxy! Bitte hilf mir!» Doch nichts passierte. Nur Grabesstille als das Echo meiner Stimme.

Ich atmete mehrmals tief durch und besann mich auf mein inneres Seelenlicht. Wenn ich es schaffte mich gedanklich aufzuschwingen, dann kam ich vielleicht eher wieder hier heraus, raus aus dieser schrecklichen Realität. Mein Herz pochte hart gegen meinen Brustkorb und es fiel mir, angesichts meiner gerade sehr misslichen Lage, wirklich schwer, nicht in Panik zu verfallen.. Ich wusste dass sich hier unten fürchterliche Kreaturen herumtrieben. Schlimme Seelenfresser, jedoch viel, viel gefährlicher und bösartiger, als das doch recht süsse Selenfresserchen, in Megans Sexy Little Horrorshop. Diese hier unten, griffen jeden an, der ihren Weg kreuzte, ohne zu unterscheiden, um was für einen Menschen es sich handelte. Sie waren einst aus einer dunklen Macht geboren worden, welche beherrscht wurde von grässlichen, psychopathischen, durch und durch schlechten Seelen. Wie jene dieses schrecklichen Mannes, der den Hauptprotagonisten der Traum?- Geschichte, Michael und zuvor den armen Tommy, einst aufs Schlimmste misshandelt hatte. (mehr dazu in der «Traum?» Geschichte, logischerweise)

Die Seelenfresser hier, frassen keine bösen Seelen, im Gegenteil, dafür alle anderen bedauernswerten Seelen, welche es, aus welchen Gründen auch immer, hierher verschlagen hatte. So wie jetzt mich. Was, wenn einer von diesen Monstern mich erwischte? Mein ganzer Körper war bis aufs Äusserste angespannt. Angestrengt lauschte ich in die absolute Stille hinein, eine Stille in der es keinerlei Geräusche von Leben gab. Und doch… entdeckte ich, weit, weit in der Ferne, ein goldenes Licht! Ein Licht an diesem verfluchten Ort? Was war das nur? Nun gut… das erschien mir schon mal ein gutes Zeichen. Ich beschloss also, in die Richtung zu gehen, woher der hoffnungsverheissende Schein kam. Zum Glück trug ich meinen Priesterinnenstab bei mir. Ich nahm ihn von meinem Rücken und umfasste ihn fester, wie einen rettenden Anker, in der tobenden See meiner Gefühle und Ängste. Ich strich mit einer sanften Bewegung über den blauen Stein an seinem Ende und dieser begann schwach zu leuchten. So sah ich wenigstens ein wenig den Weg vor mir. Wenn Seelenfresser in der Nähe waren, würden sie mich mit, oder auch ohne Licht finden. Dieses Risiko musste und wollte ich eingehen.

Auf alles vorbereitet, setzte ich also einen Fuss vor den anderen. Lange blieb es ruhig und es sah beinahe so aus, als würde ich meinen Weg ungehindert fortsetzen können. Mein Pfad führte mich über kahles, mit kleinen spitzen Steinen übersätes, Gebiet. Schliesslich wurde es felsiger und grosse Findlinge, ragten nun rechts und links von mir auf. Der blaue Schein meines Stabes, huschte gespenstisch über die raue Oberfläche selbiger. Das goldene Licht, das ich gesehen hatte, befand sich etwas erhöht, vielleicht auf einem kleinen Berg oder Hügel. Ich hatte schreckliche Sehnsucht endlich dorthin zu gelangen und verschnellerte meinen Schritt noch. Bisher war noch nichts passiert, das liess mich wohl etwas leichtsinnig werden, denn… dadurch bemerkte ich nicht, dass auf einem Felsbrocken über mir, eine dunkle, geifernde Kreatur lauerte, welche nun zum Sprung ansetzte!

Kurz darauf, wurde ich von einen Gewicht in meinem Rücken, unsanft zu Boden gerissen. Ich keuchte auf. Verdammt! Warum wollte nur niemand begreifen, dass ich zu alt für so einen Scheiss war! Sogleich jedoch wurde ich mir meiner schrecklichen Lage bewusst, denn scharfe Klauen bohrten sich nun in meinen Rücken und ein Knurren und Schmatzen erklang hinter mir. Brennender Speichel tropfte auf meinen Nacken. Die Versuche mich aufzurichten, scheiterten kläglich. Ich fluchte und spürte das Adrenalin durch meine Venen pumpen. Genauso musste sich einst der arme Michael gefühlt haben. Ich war jedoch vor allem zornig, dass ich mich hatte erwischen lassen und dass ich es nicht geschafft hatte, den Fokus auf mein leuchtendes Seelenlicht zu richten und damit die dunkle Kreatur, die sich nun auf meinem Rücken festgekrallt hatte, abzuhalten. 

Bisher war ich in Belle- Land noch nie in so einer misslichen Lage gewesen. Es hatte zwar auch schon mal schwierige Situationen gegeben. Damals z.B. als Trolle und Spammer Belle- Land überrannt hatten (Lest dazu auch die Take back Belle Geschichte unserer Chronistin- die Chronistin), oder die Winterdämonen, die damals in unser Reich eingefallen waren (Lest dazu unbedingt das geniale Gedicht von unserem Felix DÄMONEN vs AUTOREN)!  Doch das war alles nichts gewesen, im Vergleich zu diesem schrecklichen Erlebnis hier. Denn bisher hatten sich alle Belle Bürger gemeinsam den Gefahren gestellt und waren stets siegreich daraus hervor gegangen. Nun aber, war ich hier ganz alleine und verloren, verloren in dieser dunklen, dämonischen Welt eines grässlichen Alptraumes, der nun mehr und mehr zu meiner Wirklichkeit zu werden drohte…

Tränen teils aus Rührung, teils aus Verzweiflung, stiegen in meine Augen, als ich an all meine lieben Belle Mitbürger dachte. An die wundervolle Welt, die wir zusammen erschaffen und miteinander bewahrt hatten. An all die wundervollen Gespräche und Erlebnisse im Atrium, meine erste Begegnung mit der Königsfamilie und dem Flauschbärentum, mit den vielen wunderbaren Leuten, die mich damals in Belle- Land so liebevoll willkommen geheissen hatten. Die Liebe und Zuwendung die ich stets überall erfahren durfte. An meine wundervollen Besuche, in den verschiedensten Welten. Ich hatte doch noch so vieles sehen wollen, sollte das nun alles wirklich schon vorbei sein? Nein, das konnte ich nicht glauben! 

Ich konzentrierte mich trotz der Schmerzen und der Angst, auf all die schönen Gefühle, all die lieben Gedanken, all die Dankbarkeit und Freude, die ich in Belle- Land schon hatte erleben und erfahren dürfen. Das gab mir Kraft, denn für Belle- Land und seine Bewohner, lohnte es sich allemal, weiterzuleben! Es konnte, es durfte nicht mein Schicksal sein, hier zu sterben, hier meine Seele zu verlieren und als grässliche Kreatur, ein so schreckliches, elendes Dasein zu fristen. In diesem finsteren Reich, das allein entsprungen war, aus der Macht der finsteren Seelen hier. Meine Seele gehörte mir allein und ich würde sie nicht so einfach hergeben! Sie leuchtete noch, ich musste es nur schaffen, dass sie hell genug leuchtete. Heller noch als das goldene Licht dort hinten, das ich unbedingt erreichen wollte. Und je mehr ich mich auf diese guten Gedanken, die Liebe und meine Seelenlicht konzentrierte, umso ruhiger und  selbstsicherer wurde ich.

Ich drehte meinen Priesterinnen- Stab, der unter mir lag so, dass er nach hinten zeige und sandte meine ganze Kraft in ihn hinein. Ein heller Strahl drang nun aus ihm hervor und traf das schreckliche Monster auf meinem Rücken, mit voller Wucht. Laut heulend, wurde dieses zurück geschleudert und ich war endlich frei! Mein Rücken schmerzte und ich spürte plötzlich eine unheimliche Taubheit in meinen Gliedern. Das Monster, eine grässliche, weissliche Kreatur mit überlangen Armen und geiferverschmierten, dolchartigen Zähnen, lag vor mir auf dem Boden. Sie wollte sich jedoch sogleich wieder erheben. Seine Augen blitzen noch immer böse und zu allem bereit.

«Nein!» schrie ich «Du wirst meine Seele nicht kriegen, niemals!!» Noch einmal sandte ich einen Lichtstrahl gegen den Feind und dieser wurde von ihm erneut zurückgeschleudert. Die Felsbrocken in der Nähe, brachen durch den heftigen Schlag meines mächtigen Lichtes entzwei und begruben das schreckliche Wesen unter sich. Nichts rührte sich mehr. Ich raffte mich auf und begann wieder zu laufen. Doch meine Beine wollten einfach nicht mehr richtig gehorchen. Sie waren durch den giftigen Biss des Seelenfressers wie gelähmt. «Nein!» schluchzte ich. «Nein!» ich fiel der Länge nach hin und robbte verzweifelt weiter, während die spitzen Steine sich in meine Hände und durch meine Kleider bohrten. Ich würde nicht aufgeben, niemals würde ich aufgeben! Immerhin nannten mich in Belle- Land alle die Hohepriesterin, das würde ich jetzt wohl auch noch hinkriegen! Das Licht schien nun schon ein Stück näher gerückt, das gab mir neue Hoffnung. 

Ich robbte weiter, meine Kleidung war dreck-verschmiert und zerschlissen und noch immer spürte ich den ätzenden, brennenden Geifer an meinem Rücken. Ich fasste mit schmerzverzerrtem Gesicht dorthin und stellte mir Schrecken fest, dass in meinen Schultern, noch einige Zähne meines Angreifers stecken geblieben waren und auch zwei abgerissene Finger klebten noch dort. Von Ekel und daraus resultierendem Würgreiz ergriffen, packte ich die kleinen dürren Finger und Zähne und warf sie weit von mir. Bald war ich am Ziel! Bald!

Doch leider breitete sich die Lähmung in meinem Körper immer mehr aus und schliesslich konnte ich auch immer weniger robben, weil mir meine Glieder allesamt den Dienst versagten. Ich gab alles, was ich konnte, doch schliesslich sank ich zu Boden und konnte mich keinen Meter mehr vorwärts bewegen. Mit letzter Kraft, drehte ich mich auf den Rücken und umklammerte meinen Stab. So lag ich nun also hier, wie ein Käfer der sich nicht mehr zurückdrehen konnte und daran war, aufs Traurigste zu verendete. 

Mein Stab lag auf meiner Brust. Der Himmel über mir, war reine Schwärze, doch der Stein an meinem Stab glimmte noch immer schwach und erhellt mein blut- und tränen verschmiertes Gesicht. Das war wohl das Ende. Dennoch, setzte ich alles daran, dass mein Seelenlicht weiterbrannte, es durfte nicht verlöschen, niemals durfte es verlöschen!

Ich hörte das scharrende Trippeln mehrer Füsse und damit einhergehendes, unheilverkündendes Knurren. Dann schoben sich die entsetzlichen Fratzen, mehrerer Seelenfresser, in mein Blickfeld. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen und noch einmal versucht ich nach Foxxy zu rufen, doch auch meine Stimme versagte mir nun den Dienst. Ich schloss meine Augen, während ich mich in mein Schicksal ergab. Dennoch spürte ich seltsame Zuversicht in mir. Diese Monster würden zwar meinen Körper töten, doch meine Seele kriegten sie nicht, denn diese leuchtete noch immer und ich glaubte nicht, dass sie je erlöschen würde. Und plötzlich, sah ich meinen Körper von oben! Ich, oder vielmehr meine Seele, schwebte sozusagen über ihm und nun wusste ich, dass es noch Hoffnung gab, zumindest… für sie.

In diesem Moment fielen die Seelenfresser über meinen Leib her. Doch ehe sie ihre Zähne ihn ihn schlagen konnten, flammte einen unglaublich helles, blitzartiges Licht auf und schleuderte sie zurück. Sogleich zerfielen sie zu Staub. «Xanny!» hörte ich verzweifelt Foxxys Stimme rufen «Xanny!» Meine Freundin, war wie aus dem Nichts aufgetaucht und beugte sich nun besorgt über meinen Körper. Tiefe Erleichterung ergriff mich und… ohne meine Dazutun, glitt ich zurück in meinen Körper. Mangafox war gekommen, sie war gekommen, um mich zu retten…. Schwärze breitete sich um mich herum aus und ich fiel in eine willkommene, segensreiche Ohnmacht.      

 

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