Es war einmal, vor langer Zeit,

im Land der Berge grün und weit,

da lag ein Wunder der Antike:

Die Zwergenbäckerei von Pike.

 

Hier blühte einst der Zwerge Backkunst,

doch erwiesen die Nachbarn ihnen wenig Gunst.

Denn Zwergenbrot können die Zwerge nur essen,

alle anderen müssen sich die Zähne dran brechen.

 

So war’n die Zwerge hier verhasst,

weil hartes Brot in kein Menü rein passt.

Und mit keinem, der ihre Kekse kaufen wollte,

waren die Zwerge ärmer als man arm sein sollte.

 

Eines Tages rollte der Krieg heran

und Pike lag im Zentrum dann,

als Trolle und Elfen und Magier und Drachen

das grüne Land dem Vulkangrund gleich machen.

 

Und Sturmwind toste und Feuer verschlang –

der Krieg dauerte viele Jahre lang,

ganz ohne Pause, ganz ohne Ruh.

Die Zwerge aber schauten nur zu.

 

 

 

 

Der Krieg ging weiter, mit jedem Tag

wurd‘ deutlicher, dass Pike unterlag.

Der Feind war viel zu übermächtig,

die Kriegsherren von Pike zu lahm und bedächtig.

 

Schließlich wandten sich die Armeen zur Flucht.

Der König in den Bergen Zuflucht sucht,

sinkt auf die Knie: „Mein Land fort, ich weine!“

Die Zwerge aber hatten zu kurze Beine.

 

So ergab’s sich, dass die Zwergenbäckerei

zur letzten Bastion wurd‘ – Schweinerei!

Schon bald lag die Küche umzingelt da,

doch aus den Öfen duftet es wunderbar.

 

Die Zwerge von Pike, bisher nur Betrachter,

der Krieg zu unfreiwilligen Helden machte.

Mit Mehl und Eiern, Zucker und Schmand

leisteten sie Schwertern Widerstand.

 

So entbrannte ein epischer Kampf.

Das Zuschauen erschwerte der Ofendampf.

Aus dem weißen Nebel zischten Baguetteknüppelschläge,

sausten tödliche Zimtsterne mit süßen Belägen.

 

 

 

 

Ahorntörtchen flogen bumeranggleich.

So mancher Gegner fiel klebig und weich

in Gruben mit Teigresttreibsandfallen –

ihr Tod war der köstlichste von allen!

 

Die tapf’ren Bäcker schichten Brot auf zu Mauern,

dahinter zuckerspitzengefüllte Gruben lauern.

Glühende Krümel und heiße Schokoglasur

gekippt aus Eimern bedeckten bald die Flur.

 

So kämpfen die Helden in Schürzen

mit mehlweißen Bärten und Pfeffergewürzen,

mit Chilischoten aus Zimtstangenspuckrohren,

die sich brennend in der Feinde Augen bohren.

 

Mit Kornkatapulten und Bretzelschlingen,

mit Brötchenschleudern schien’s zu gelingen.

Und als dann immer noch Feindslärm erscholl,

da hatten die Zwerge die Schnauzen voll.

 

Sie schlossen die Türen, Schornsteine und Fenster,

arbeiteten, vom Mehl so weiß wie Gespenster,

Tag und Nacht mit Hefe und Teig.

Am dritten Morgen war es soweit:

 

 

 

 

Die Feinde, im frühen Morgenlicht

ahnten ihr Verderben noch nicht.

Es fielen Rosinen, dem Hagel gleich,

zermürbten und machten die Gegner weich.

 

Dann öffneten sich der Bäckerei Pforten

und heraus floss, sich verteilend nach allen Orten,

ein Teig ohnegleichen in Klebrigkeit und Massen.

Die Feinde? Sie konnten ihr Ende kaum fassen.

 

Und als sich der Puderzuckernebel legt,

kein einziges Wesen im Grasland sich regt.

Die große Armee war restlos geschlagen

Mit Butterteig in unendlichen Lagen.

 

So kam es, dass Pike nicht unterging

und ich heute das Lied dieser Helden sing‘.

Die mir nicht glauben, die Beweise seh‘n wollen,

sollen besuchen in Pike den Zwergenstollen.

 

Es war einmal, vor langer Zeit,

im Land der Berge grün und weit,

da lag ein Wunder der Antike:

die Zwergenbäckerei von Pike.

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