Frühling - ein Gemälde aus Worten

Teil Eins

Der Frühling ist der Anfang. Der Anfang von etwas Neuem, von neuem Leben.
Der Frühling der Weckruf, nachdem im Winter alles starb, erstarrte und schlief, gefangen von der Kälte.
Man merkt es am Wetter. Wenn der Frühling kommt ist es, als würde eine alte Messingmaschiene wieder in Betrieb genommen und alle Funktionen kurz angetestet werden. Es stürmt, es regnet, es strahlt die Sonne wie schon lange nicht mehr, nur um in nächsten Moment sich im Nebel zu verstecken.
Das Aprilwetter um das Leben wieder zu erwecken und Mutternatur sich gähnend strecken kann.
Der Frühling ist für mich nicht nur eine Jahreszeit,
nicht nur eine Art Zustand - Nein, Frühling das ist ein Gefühl.


Frühling fühlt sich an wie eine offene Wiese mit Wäldern im Hintergrund.
Eine Wiese mit Tau beträufelt und im zartem Sonnenlicht strahlenden Gras. Das Gras noch so frisch und kühl, aber bei knallend blauen Himmel leuchtend wie ein Jademeer.
Im Hintergrund, nicht zu weit, sind die Wälder.
Man kann ein leichtes Knacken vernehmen, wenn die Bäume sich strecken und fröhlich im, einem weichen Hauch ähneldem, Wind wiegen.
Während im Laufe der Zeit das Aprilwetter über Himmel und Land jagt, wie ein junges, ungehaltenes Kind, welches sich von einem Abenteuer in das Nächste stürzt, so sieht man die ersten Knospen sprießen.
Die Knospen sprießen hervor und erblühen bald in schönste und zärtlich gefärbten Blüten. So wandeln sich einige Bäume von knorrigen, kahlen Gestalten in traumhafte Frühlingswunder. Bei einem starken Windstoß wirkt es, als würden sie anfangen sich sachte im Tanze zu drehen und den Frühling mit einem prunkvollen Ball zu grüßen. Die raschelnden Blätter erinnern an ausgelassenes Gelächter. Die sich vom Bäumen lösenden und dem Himmel empor fliegenden Blüten und Blätter, wirken wie mutige Tänzer, die sich in die Mitte wagen und die spektakulersten Schauspiele zum Besten geben.
Doch nicht nur bei den Wäldern geht es dann bunt zu.
Auch auf der Wiese trauem sich immer mehr Blumen und Kräuter aus dem dunklem Erdreich und betupfen die mit Grün grundierte Szene mit allen ihn möglichen Farben.
Die nächsten Details bilden die Tiere.
Kleine Marienkäfer die mutig auf die höchsten Grashalme und Blumen klettern, um dort den Frühling, die wiederkehrende Sonne und erfrischende Briese zu genießen und Wilkommen zu heißen. Das noch vereinzelte Surren und Brummen von etwas verschlafenden Bienen, die ihr 'nehmen und geben'-Spiel mit den Blumen wiederaufnehmen. Erste fröhlich zwitscherne Vögel, die aufgeregt durch die Wälder über Wiesen, im zügigen Tempo, manövrieren. Während sie mit waghlasigen Saltos und Tiefflügen die angenehme Temperatur ausnutzen, huscht ein Fuchs auf leisen Pfoten über kleine Steine und den mit Moos bedeckten und dampfenden Waldboden. Die Schnauze in die Luft gestreckt neugerig zuckend, die samtweichen Ohren aufmerksam aufgestellt, da wirbelt der rote, bauschige Schwanz den Dunst auf, als er seine erste Beute des Frühlings erhascht. Ein Specht der anfängt seinen neuen Lieblingsbaum zu bearbeiten, das tiefe Röhren eines Hirsches und in der Ferne ruft ein Kuckuck, er ruft seinen Weckruf um nun auch die letzten Langschläfer auf zu wecken. Sein Ruf schallt durch den ganzen Wald und hinaus aus diesen bis zur Wiese.

Das Bild von meinem Frühling fast beendet, doch was fehlt?
Die Szene, das Bild, das Werk des Frühlings, des Anfangs von neuem Leben.
In Grüntönen grundiert, strahlend blau der Hintergrund mit tiefen Wäldern. Geschmückt mit den Farben der Blüten und Blumen. Belebt durch die kleinen Marienkäfer, müden Bienen, dem aufmerksamen Fuchs, dem röhrenden Hirsch und dem Weckruf des Kuckucks. Die Farben etwas versteckt unter feinem Morgendunst, welche erstrahlt durch warme Sonnenstrahlen.
Was mir fehlt ist die genauere Darstellung der Brise, des frischen Luftzuges, dem energischen Stoß der zu Bewegung auffordert. So schneidet und wirbelt der Wind den Dunst immer mal wieder auf. Lässt die Bäume lachen, die Blüten im Himmel tanzen und streicht sanft über das Jademeer um den Tau wie ein Paliettenkleid aufglitzern zu lassen, welche zuvor im starren Sonnenlicht wie Perlen wirtke.
Die Bewegung, das Licht, das bunt betupfte Grün. Die erfischende Briese, das warme Sonnenlicht, die saftig grüne Wiese mit ihren farbfrohen Blumen. Es ist nicht nur zu sehen -  Nein, mein Gemälde kann mehr. Sie können es hören. Aber was ich noch nicht gezeigt habe ist, wie sie es riechen können. Die drei Komponenten, die Bewegung, das Licht, das bunt betupfte Grün - das ist nicht nur ein Bild, es ist ein Duft. Wenn der Frühling ein Parfüm wäre, bestünde er aus diesen drei Elementen. 
Der Frühling ist ein Gefühl bestehend aus den Farben, den kleinen Details, den ruhigen und feinen Geräuschen und seinem unverwechselbarem Duft.


Teil Zwei

Ja so gefällt mir mein Bild durchaus, aber was versteckt sich dahinter?
Was befindet sich in diesem oder dahinter, was wir nur nicht sehen oder besser hören?
Nun, da Sie schon so neugierig anscheinend sind und mir bis jetzt beim Schaffen des Bildes über die Schulter geschaut haben, will ich es Ihnen gerne erklären.
Ich hoffe der Name ,,Vincent van Gogh" sagt Ihnen was. Wenn nicht auch nicht schlimm, wichtig ist nur, dass Sie wissen, dass van Gogh ein armer, aber leidenschaftlicher Künstler war. Doch ohne Geld kann man nur schwer neue Farben und Leinwände kaufen. Also geschah es oft, dass er alte Leinwände mit fertigen Gemälden übermalte um eine neue Idee zu verwirklichen. Hinter, oder vielmehr unter einem Bild, lag dann ein weiteres versteckt.
Ich habe Ihnen also ein Gemälde gezeigt, aber ich habe nicht verraten worauf ich dieses gemalt habe. Was ich Ihnen zeigte, war oder ist, eine einfache, aber detailreiche naturalistische Szene. Es ist nichts übernatürliches dabei, nicht wahr?
HA! Falsch gedacht!
Ich habe ja schon einige Personifikationen genutzt, was Sie nicht wissen, dass sie ernst gemeint sind. Hinter dem Bild befindet sich viel mehr Leben, als Sie es wohlmöglich angenommen haben.
Ich sprach von lachenden Bäumen und tanzenden Blüten im Winde. Ein Ball veranstaltet zu ehren des Frühlings. Nun, das ist auch der Fall. Aber, alles im Bilde, die Bäume, Blüten, Blumen, Bienen, die Sonne, der Wind und der Kuckuck feierten in Wirklichkeit - sie sangen um genau zu sein.
Naja, sangen. Vielleicht eher huldigten, ehrten oder dichteten. Wie auch immer Sie es nennen wollen, wenn eine fröhliche Meute eine Ode, zu ehren einer einzelnen Blume vortugen.
Denn das ist was dahinter liegt. Und ich weiß es, denn ich war einst dabei. Natürlich habe ich mir auch fleißig notiert, was sie alle sangen und da Sie nun wirklich lange meinem Geschwafel beigewohnt haben, sage ich es Ihnen auch, sagen wir mal als kleines Dankeschön.

Wenn der Wind uns wach rüttelt
Wenn die Sonne uns mit ihrer Wärme wach kitzelt
Wenn sich der Winterschleier erhebt und in Dunst verschwindet
Wenn wir endlich wieder erwachen, wenn neues Leben beginnt,
wenn der Kreislauf durch die nimmer anhaltende Zeit erneut beginnt zu laufen und zu verinnen

So beginne wir unser Lied
So beginnen wir unsere Botschaft zu verbeiten,
sodass die im Herzen des tiefsten Waldes beschützte Blume vom Anfang des Frühlings erfährt
Auf dass, die Blume unsere Rufe hört
Auf  dass, die Blume Freude durch unsere Ode verspürt

So tief im Walde is sie versteckt
So weit ist sie entfernt von uns
So groß ist ihre einsamkeit und größer ist ihre Sehnsucht
Doch muss sie an Ort und Stelle bleiben
Doch muss sie für unser Aller Wohl im Schutze Yggdrasils verbleiben für alle Ewigkeit
Und für alle Ewigkeit werden wir singen,
werden wir rufen,
werden wir verkünden was geschieht,
werden wir sie teilhaben lassenn an den Wundern, die sie uns schenkt

Oh Blume deine Macht gibt uns Wohlstand
Oh Blume deine Existenz lässt uns leben
Oh Blume du bist Kern unseres Daseins
Oh Blume ohne dich wären wir nicht, ohne dich gäbe es kein Licht

Nie siehst du deine Wunder, die du uns schenkst
Nie wirst du mit uns in unserer Mitte feiern
Nie wirst du mit uns allen erwachen, denn du schläfst immer und nie
Und nie werden wir dich vergessen
Und nie werden wir nicht für dich singen

Oh Blume du hast viele Namen
Ambrosia, denn du währst ewig und schenkst Ewigkeit
El Dorado, denn du bist das Paradies
und du schaffts uns eines, welches Seinesgleichen sucht
Camelot, denn du herrschst gerecht
und du bist unser König, wir deine Diener und Ritter
Wolke Sieben, denn du bist der Inbegriff vom Träumen,
du bist ein Traum und lässt Tröume in Erfüllung gehen

Oh Blume du bist so viel mehr, als wir in Worte fassen können
Oh Blume tief wie kein Abgrund ist deine Einsamkeit, die wir zu lindern versuchen
Oh Blume deine Macht, deine Ewigkeit, des Paradieses Herrscher und schönster Traum
Wirst du je gefunden werden?
Blume aller Namen und doch nennen wir dich Blume, wie heißt du?
Wen wirst du auswählen um dich zu finden?
Wer kann dir deine Einsamkeit nehmen, wem wirst du seinen Wunsch erfüllen?

Blume.
Dein Name sei welcher, der dir dein Finder geben wird.
Auf dass, du bald gefunden wirst, oh einsame Blume.

Comments

  • Author Portrait

    Herzlich willkommen auch hier auf Belletristica! Ich mag deine Idee des Gemäldes (ja, ich liebe Van Goghs Bilder!), der Düfte und Klänge! Danke für dieses Rundum-Frühlingsbild!

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Fairy Dust

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