Ich kann sie nicht abstellen. Sie sind da. Mal mehr, mal weniger aber ganz weg sind sie nie. Die Gedanken in meinem Kopf.

Was soll ich für den Geburtstag meiner besten Freundin nächsten Monat anziehen, nehme ich Salat oder Pizza, verpasse ich gerade etwas, weil ich hier und nicht woanders bin? Sie werden nur leiser aber bleiben trotzdem präsent. Wie eine Spinne, die wartet, lauern sie in der hintersten Ecke meines Verstandes. Jeder Zeit bereit dazu, herauszukommen und meinen Geist zu verwirren. Mich aufzuhalten, über Wichtiges zu entscheiden und meine geistige Freiheit einzuschränken.

Dinge, die ich längst verdrängt hatte um sie zu vergessen und nie wieder darüber nachdenken zu müssen, poppen auf wie die push Benachrichtigungen auf meinem Handy. Sind auf einmal wieder präsent und egal wie sehr ich mich auch bemühe, sie verschwinden nicht. Ist ein Gedanke erstmal da, dann breitet er sich aus, verbindet sich mit einem zweiten und bildet ein Netz ohne Anfang und Ende.

Plötzlich Stille. Alles, was gerade noch da war ist wie weggeblasen. Von jetzt auf gleich löst sich das Netz auf, wabert umher und verschwindet dann schließlich ganz. In Worte fassen was sich da abspielt in meinem Kopf erscheint unmöglich. Andere davon zu überzeugen, dass man keine andere Wahl hat, als sich innerlich Stunden lang im Kreis zu drehen, sämtliche Lösungswege durchzugehen und dennoch nie ans Ziel zu gelangen, grenzt an eine Leistung, die unmöglich zu erfüllen ist. "Mach dir nicht immer so viele Gedanken" Wie, wie, bitte soll ich das schaffen wenn mein Kopf voll ist mit Gedanken? Bis an die Schädeldecke angehäuft mit Erinnerungen, Erlebnissen, Ängsten und kleinen Hoffnungsschimmern, die ich alle versuche zu vereinen. Erinnerungen, die mich nicht loslassen. Dinge, die ich gesehen habe und nicht sehen wollte. Ängste ausgelöst durch Situationen, in denen ich meine Gedanken nicht unter Kontrolle hatte. In denen ich geredet habe, ohne mir darüber klar zu sein, was genau ich sage. Hoffnungsschimmer, in denen ich mir Mut zuspreche und versuche zu verdrängen, was mir Angst macht. Mich mit mir selbst auseinander zu setzen. Mir einzugestehen, dass ich auch Fehler mache und nicht immer andere daran Schuld sind. Dass das Wort "Entschuldigung", welches ich ständig für jede Situation benutze mir nicht über die Lippen kommt, wenn es angebracht wäre.

Meine Augen füllen sich mit Tränen. Wie soll mich jemand anderes verstehen, wenn ich es doch selbst nicht mal kann. Wie kann ich verlangen, dass sich jemand meiner Probleme annimmt ohne überhaupt davon zu wissen? Was macht es für mich so unglaublich schwierig, in Worte zu fassen, was ich denke und wie ich fühle? Es sind die Gedanken in meinem Kopf, die mich daran hindern es zu sagen. Auszusprechen, was mich wirklich verletzt, was ich ändern möchte und warum ich mich so verhalte wie ich es tue

Stille. Keine Gedanken, keine Ängste, nichts was mich aufhält.

Er schläft. Jetzt kann ich es ihm nicht mehr sagen. Vielleicht ja morgen. Ich werde darüber nachdenken.

�S

Comments

  • Author Portrait

    Sehr mitreissende Schilderung gedanklicher Not, die wir in dieser oder ähnlicher Form alle kennen und deshalb auch gut nachvollziehen können. Wie Maybe bereits treffend bemerkte berührt das Ende sehr. Wirklich guter Text! Willkommen auf Belletristica!

  • Author Portrait

    Ich kann mich Meg und Maybe nur anschließen: Herzlich Willkommen, toller Text und vor allem das Ende bleibt im Kopf! Mach weiter so ;)

  • Author Portrait

    Ganz herzlich willkommen auf Belle. Toller erster Text! LG, Meg :)

  • Author Portrait

    Vor allem das Ende ist wahnsinnig berührend, es hat mich wirklich überzeugt. Schöner Text :)

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media