III.3 - Auf Messers Schneide

Verschlafen trat Hermine am Sonntagmorgen in den Gemeinschaftsraum ein. Sie hatte die Nacht noch lange wach gelegen, in Überlegungen darüber versunken, wie sie es am besten angehen sollte, einen Salon zu eröffnen. Das Nebenzimmer vom Gemeinschaftsraum, das nur Siebtklässlern zur Verfügung stand, würde sich ideal eignen, doch sie fragte sich, ob man ihr erlauben würde, es regelmäßig für eine exklusive Runde zu nutzen. Und so hatte sie beschlossen, Tom Riddle um Hilfe zu bitten. Wenn er ihr die Erlaubnis gab, würden die übrigen Schüler sicherlich Folge leisten.

„Guten Morgen, Miss Dumbledore“, wurde sie von Beatrix Parkinson begrüßt, die sie so freundlich anlächelte, dass Hermine sofort misstrauisch wurde.

„Guten Morgen“, erwiderte sie knapp, doch offensichtlich wollte Beatrix sie in ein Gespräch verwickeln, denn sie trat direkt auf sie zu: „Wollen wir gemeinsam unser Frühstück im Nebenraum einnehmen? Viele Siebtklässler tun das am Wochenende, was meinen Sie?“

Erstaunt über diese Tatsache, aber nicht unwillig, stimmte Hermine zu. Sie ließ sich von Beatrix in den kleinen Raum führen, wo auch alle anderen Schülerinnen anwesend waren. Die Sessel waren nirgends zu sehen, dafür stand ein kleiner Tisch mit mehreren Stühlen in der Mitte, gedeckt mit allem, was man zum Frühstück begehren könnte. Mit einem zufriedenen Seufzen ließ Hermine sich auf einem der Stühle nieder, griff nach der Teekanne und schenkte sich eine Tasse ein.

„Nun, Miss Dumbledore, Sie wissen gewiss, dass wir alle darauf brennen, von Ihnen zu erfahren, wie der gestrige Abend war!“, begann Beatrix schließlich das Gespräch, nachdem auch sie sich mit Tee versorgt hatte. „Immerhin wurde keiner von uns zuvor die Ehre zuteil, von Tom eingeladen zu werden. Und die übrigen Jungen ziehen es ja immer vor, mit Schülerinnen aus anderen Jahrgängen zu erscheinen.“

„Oh“, wehrte Hermine direkt ab, „aber ich wurde gar nicht von ihm eingeladen. Tatsächlich hatte ich eine eigene Einladung von Professor Slughorn. Und das war auch der einzige Grund, warum Mr. Riddle mich als Begleitperson gewählt hatte.“

Ihre Worte hatten leider nicht den Effekt, den Hermine sich erhofft hatte, im Gegenteil – die Mienen der anwesenden Frauen wurden noch missgünstiger, außer die von Beatrix, die ein strahlendes Lächeln trug: „Das ist aber schön für Sie! Wie außergewöhnlich! Professor Slughorn hat noch nie zuvor eine Frau eingeladen. Sie müssen ihn sehr beeindruckt haben.“

Irritiert stellte Hermine ihre Tasse auf die Untertasse zurück. Sie hatte den Unterton von Beatrix genau gehört und der Blick der übrigen Mädchen sprach Bände – wurde ihr gerade tatsächlich unterstellt, mit anderen als ihren intellektuellen Eigenschaften bei Slughorn gepunktet zu haben? Mit einem ungerührten Gesichtsausdruck griff sie nach einer Scheibe Toast, um sie sich dick mit Orangenmarmelade zu bestreichen.

„Ich bin mir sicher, wenn eine von Ihnen sich dazu entschieden hätte, einen UTZ-Kurs in Zaubertränke zu belegen, hätten Sie ihn ebenfalls mit Leichtigkeit beeindruckt“, sagte Hermine gelassen und tat so, als habe sie die Anspielung nicht verstanden. „Ich war überrascht zu sehen, dass ich die einzige Schülerin in Zaubertränke bin. Woran liegt das?“

Wieder tauschten die anderen Mädchen Blicke aus, als wäre Hermine nicht recht bei Sinnen. Was nur entging ihr? Wieso waren die anderen so feindselig? Lag es wirklich nur an Riddle?

„Wir belegen Zauberkunst, Verwandlung und Astronomie“, erklärte Beatrix schließlich mit einem nachsichtigen Lächeln, das Hermine ihr am liebsten aus dem Gesicht geschlagen hätte. „Für Dinge wie Zaubertränke hat eine Frau doch gar keine Verwendung.“

„Wieso nicht?“, hakte Hermine ehrlich überrascht nach.

Ein allgemeines Kichern brach aus, ehe sich Beatrix erneut dazu herab ließ, ihr diesen Umstand zu erklären: „Sie können diese Frage schwerlich ernst meinen, Miss Dumbledore. Was wollen Sie in einer Ehe mit Zaubertränke anfangen? Oder mit Alte Runen? Oder Arithmantik? Ihr Stundenplan ist außergewöhnlich voll für eine Schülerin, das hatte ich bereits festgestellt.“

Langsam dämmerte es Hermine, woher der Wind wehte. Natürlich, dies war ein Zeitalter, in dem die Emanzipation der Frau noch nicht sonderlich weit voran geschritten war – in der Muggelwelt ebenso wie offensichtlich in der Zaubererwelt. Sie schluckte. Vermutlich wirkte sie wirklich wie ein Fremdkörper zwischen diesen Menschen.

„Wo ich herkomme, ist nicht immer sicher, dass eine Frau eine vielversprechende Ehe eingehen kann“, sagte sie langsam, „deswegen hat man mir von klein an beigebracht, dass ich so viel Bildung mitnehmen sollte, wie ich bekommen kann, damit ich mich zur Not auch selbst versorgen kann.“

Lautes, gehässiges Gelächter brach am Tisch aus: „Wenn es in Ihrer Heimat nicht üblich ist, dass eine Frau eine anständige Ehe eingeht, wundert mich gar nichts mehr!“, kicherte Beatrix.

Genervt rollte Hermine mit den Augen. Natürlich hatten die anderen Mädchen sie absichtlich falsch verstanden. Sie durfte nicht vergessen, dass die meisten hier gerade erst siebzehn Jahre alt waren, während sie selbst nächste Woche neunzehn wurde. Und sie hatte im Gegensatz zu diesen oberflächlichen Frauen einen Krieg erlebt.

„Guten Morgen, meine Damen“, unterbrach da die wohlklingende Stimme von Riddle das Gelächter, „so fröhlich zu dieser frühen Stunde?“

„Oh, ja!“, erwiderte Beatrix fröhlich und winkte ihn zu sich heran. „Du musst hören, was uns Miss Dumbledore gerade erzählt hat! Seien Sie doch so freundlich und wiederholen Sie Ihre Worte.“

Unbeeindruckt biss Hermine in ihren Toast und starrte Beatrix herausfordernd an. Sie hatte keine Lust, sich auf diese Provokation einzulassen, genauso wie sie sicher war, dass irgendeines der Mädchen so oder so wortgetreu wiedergeben würde, was sie zuvor gesagt hatte. Wie diese Hühner so vertraut und flirtend mit einem so eiskalten Jungen wie Tom Riddle sein konnten, verstand sie nicht, doch vermutlich hatte er sich ihnen gegenüber stets charmant gezeigt.

„Miss Dumbledore erzählt Witze? Das ist ja was ganz Neues!“, grinste Tom amüsiert, offensichtlich mehr als willig, sich diesem belanglosen Gespräch anzuschließen. „Kommen Sie, Miss Dumbledore, erzählen Sie mir auch einen Witz.“

„Sie schämt sich bestimmt, das vor dir zuzugeben!“, krähte Beatrix fröhlich. „Sie hat uns nämlich erzählt, dass da, wo sie herkommt, Frauen nicht immer anständige Ehen eingehen und manchmal gar nicht heiraten! Stell dir das nur mal vor!“

„Das ist ja nicht die Möglichkeit“, gab sich Riddle überrascht, aber Hermine meinte, einen sarkastischen Unterton herauszuhören. So wenig ihr es auch gefiel, sie musste zugeben, dass es erstaunlich war, wie schnell Tom die Situation erfasst hatte. Er hatte offensichtlich sofort bemerkt, dass die anderen Mädchen sich über sie lustig machten, genauso wie er wenig Interesse für den Inhalt des Witzes aufbringen konnte.

„Der Satz wurde höchst kunstvoll aus dem Zusammenhang gerissen, Mr. Riddle“, versicherte sie ihm mit einem kleinen Lächeln. „Doch da ich meinen neuen Freundinnen die Unterhaltung nicht vermiesen möchte, werde ich zu dem Thema schweigen, auf dass alle sich ihre eigenen Gedanken über die Bedeutung und Wichtigkeit dieses Umstandes machen können. Nichts ist schließlich amüsanter, als Urteile auf Grundlage verdrehter Fakten zu fällen, nicht wahr?“

Mit diesen Worten erhob sie sich von dem Tisch, nickte allen in der Runde höflich zu und verließ den Raum. Nur zu gerne überließ sie Tom Riddle diesen unausstehlichen Mädchen, doch er tat ihr diesen Gefallen leider nicht, sondern folgte ihr.

„Was soll das?“, verlangte sie zu wissen, als er nach ihr durch die Tür des Gemeinschaftsraums hinaus in die Kerker trat.

„Du bist schon wieder unhöflich!“, gab Tom mit zusammen gezogenen Augenbrauen zurück.

„Weil du mir mein Leben schwer machst!“, fauchte Hermine. Sie wollte seine Gesellschaft nicht, zumindest nicht gerade jetzt, wo sie den Sonnenschein, der durch die tiefen des Sees an die Fenster des Gemeinschaftsraums gedrungen war, nutzen wollte, um alleine einen Spaziergang zu machen und den Kopf frei zu bekommen.

„Ich habe heute kaum drei Worte mit dir gewechselt, trotzdem verhältst du dich unangebracht. Das gefällt mir nicht. Hast du nicht gestern noch gesagt, du hast keine Lust auf … Krieg mit mir?“, hakte Riddle nach, während er wie selbstverständlich an ihrer Seite den kühlen Gang entlang schritt.

„Bist du dir eigentlich bewusst, dass die ganzen Mädchen da drinnen romantisches Interesse an dir haben?“, erwiderte Hermine seine Frage mit einer Gegenfrage. „Und kannst du dir vorstellen, dass deine Aufmerksamkeit mir das Leben schwer macht, weil diese Hühner sich zusammenschließen, um mich zu ärgern?“

Überrascht zog er die Augenbrauen hoch: „Tatsächlich?“

„Tu nicht so unschuldig, Riddle!“, schnappte sie ungeduldig. „Du weißt ganz genau, wie du auf Mädchen wirkst. Seit du mich öffentlich zu Slughorns Feier als Begleitperson eingeladen hast, begegne ich von Seiten der weiblichen Bevölkerung in Hogwarts nur noch Abneigung und Missgunst. Das hast du großartig angestellt.“

„Das war nicht meine Absicht, aber ich gebe zu, dieser Effekt amüsiert mich“, erwiderte Riddle ruhig. Schnaubend schüttelte Hermine den Kopf: „Ja, das kann ich mir denken. Kannst du mich nun bitte alleine lassen?“

„Nein.“

Frustriert blieb Hermine stehen. Was wollte Tom Riddle von ihr? Plante er etwas? Wollte er sehen, ob er sie an einen abgeschiedenen Ort locken konnte, um sie dort loszuwerden? Mürrisch blickte sie ihn an.

„Du magst mich immer noch nicht“, sagte er. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Missbilligend schüttelte er den Kopf: „Ich lasse dir jede nur erdenkliche Aufmerksamkeit zukommen und trotzdem bist du entschlossen, mich zu hassen.“

Hermines Hände verkrampften sich zu Fäusten, doch sie zwang sich ein kleines Lächeln auf die Lippen als sie antwortete: „Ich hasse dich nicht. Ich habe nur gelernt, Freundlichkeit zu misstrauen. Und dann hast du dein Übriges dazu beigetragen, dass ich … nunja, dich nicht mögen kann.“

Langsam setzten sie ihren Weg fort. Hermine hatte das Bedürfnis, die ganze Zeit den Kopf zu schütteln, so absurd war dieses Gespräch für sie. Sie hatte eine Woche zuvor beschlossen, sich nicht mehr so abweisend gegenüber Tom Riddle zu zeigen, um vielleicht ganz langsam auf seine gute Seite zu kommen. Er schien ihr nach wie vor nicht recht zu trauen, doch dass sie hier stand – oder besser ging – und mit ihm darüber sprach, wie ihre Beziehung zueinander war, war einfach nur absurd. Er war ihr Todfeind, selbst wenn er das nicht wusste. Da gab es gar nichts zu diskutieren.

„Ich bin kein schlechter Mensch.“

Ja, sicher!, dachte Hermine hämisch, doch sie zwang sich, weiterhin einen gleichgültigen Gesichtsausdruck beizubehalten.

„Du scheinst zu glauben, dass ich ein schlechter Mensch bin“, versuchte Riddle es erneut und diesmal erhielt er eine Reaktion: „Du hast mir allen Anlass dazu gegeben, das zu glauben! Du hast mich bedroht, schon vergessen? Du hast mich zum Weinen gebracht und es ganz offensichtlich genossen! Wie viel mehr gehört dazu, ein schlechter Mensch zu sein?“

„So bin ich nicht. Ehrlich“, sagte Tom mit leiser, belegter Stimme, „ich bin kein schlechter Mensch. Ich komme nur einfach mit Ablehnung nicht gut zurecht. Ich weiß auch nicht, was da mit mir passiert ist.“

Wieder blieb Hermine stehen und starrte ihn endlose Sekunden lang an. Was sollte diese Masche nun? Erwartete er ernsthaft, dass sie ihm die Reue abnahm?

„Du beleidigst mich“, antwortete sie schlicht.

„Ich beleidige dich?“

„Du hast doch selbst schon erkannt, dass ich dir niemals glauben werde, dass du ein mitfühlender Mensch bist. Du hast es selbst zugegeben. Tom“, sagte Hermine ernst, als ihr plötzlich aufging, auf welchen Umweg sie vielleicht an ihn heran kommen könnte, „ich kenne dich noch nicht lange, aber ich kenne diese Seite an dir, die du sonst so gut verbirgst. Es besteht kein Anlass, das vor mir zu verbergen. Ich habe das gesehen und ich kann damit leben.“

Gespannt schaute Hermine ihm direkt in die Augen. Sein Gesicht war ebenso ausdruckslos, wie sie hoffte, dass ihres war, doch sie war sich sicher, dass es in ihm arbeitete. Hatte er verstanden, was sie ihm sagen wollte?

„Ich hatte bisher nicht den Eindruck, dass du sonderlich begeistert von meiner weniger charmanten Seite wärst“, sagte er schließlich und diesmal war er es, der den Weg fortsetzte und die Stufen hoch Richtung Erdgeschoss ansteuerte.

„Weil du mich bedroht hast. Es ist mir völlig egal, wie du andere Menschen behandelst“, erklärte Hermine so kaltschnäuzig, wie es ihr möglich war, „solange sich deine uncharmante Art nicht gegen mich richtet, kann ich damit gut leben.“

„Warum hast du mich dann von Anfang an provoziert? Du hast ja förmlich darum gebettelt, dass ich dich ans Ende der Welt hexe.“

Sein Tonfall war für sie nicht deutbar und das bereitete ihr Kopfschmerzen, doch sie zwang sich, weiterhin gleichgültig und unberührt zu wirken: „Ich fühlte mich von dir provoziert. Wo ich herkomme, da ist man meistens ziemlich offen miteinander. Freundlichkeit gibt es nicht geschenkt. Ich habe zu viele Leute gesehen, die auf Freundlichkeit herein gefallen sind und getäuscht wurden. Interessierte Neugier hätte ich dir abgenommen, auch Höflichkeit, weil du der Schulsprecher bist. Aber die Art, wie du mich angelächelt hast, wie ich dich auch mit anderen Schülern habe reden sehen und hören – es erinnerte mich an jene Freundlichkeit, vor der ich mich zu Hause habe hüten gelernt“, erklärte sie. Hermine war selbst überrascht, wie überzeugend und wenig stockend ihre Geschichte aus ihrem Mund kam, denn Lügen hatte bisher nicht zu ihren Stärken gehört, aber diesmal hatte sie den Eindruck, es recht gut zu machen. Ernst fuhr sie fort: „Und kaum habe ich deine Freundlichkeit nicht mit Dankbarkeit angenommen, bröselte sie weg. Da sah ich mich bestätigt in meiner Annahme, dass sie falsch ist. Wieso sollte ich jemandem trauen, der sich mir und allen anderen mit einer Maske zeigt?“

„Du bist zu klug für deine eigene Gesundheit“, murmelte Riddle, während er ihr die Tür zur Großen Halle aufhielt. „Es ist beachtlich, wie schnell du andere Menschen durchschauen kannst – auch Beatrix und ihre Mädchen. Ich weiß nicht, ob ich das gut finden kann.“

Beide hatten unwillkürlich ein fröhliches Lächeln aufgesetzt, als sie sich der Öffentlichkeit der Großen Halle ausgesetzt hatten, und so schlenderten sie nach außen hin vergnügt plaudernd an den frühstückenden Schülern vorbei, ohne ihnen Beachtung zu schenken, augenscheinlich in ein interessantes Gespräch vertieft.

„Du drohst mir schon wieder, Riddle.“

„Du wolltest keine Maske, also bekommst du Offenheit.“

„Ich schätze es sehr, wenn man ehrlich zu mir ist. Ich frage mich nur, warum du dich genötigt fühlst, mir zu drohen.“

„Vielleicht, weil ich mich von dir bedroht fühle?“

„Aber natürlich“, lachte Hermine, „der große Tom Riddle fühlt sich von mir bedroht.“

Am anderen Ende der Halle angekommen hielt er ihr die Tür auf, wartete bis sie hindurch getreten war und schloss sie dann hinter ihnen. Augenblicklich ließen beide ihr Lächeln fallen und kehrten zu demselben desinteressierten, undurchdringlichen Gesichtsausdruck zurück.

„Wie gesagt, du bist zu clever für deine eigene Gesundheit“, wiederholte er, „es gefällt mir nicht, wenn man mich durchschaut. Und noch weniger gefällt es mir, wenn man mich dazu bringt, dass ich zugebe, dass ich durchschaut werde. Du hast beides getan.“

„Es ist interessant, wie gereizt du darauf reagierst“, sagte Hermine lässig und hob provozierend eine Augenbraue. „Hast du etwas zu verbergen oder warum bereitet es dir solche Angst, dass jemand dir nicht mit Haut und Haar verfallen ist?“

„Vielleicht habe ich das“, erwiderte Tom. Sein Tonfall war eisig und Hermine fragte sich mit einem Mal, ob sie vielleicht doch zu weit gegangen war mit ihrer Provokation. Natürlich wusste sie, dass er einiges zu verbergen hatte. Vielleicht war es besser, dieses Bereich vorerst zu meiden. Angespannt wartete sie ab, bis er schließlich fortfuhr: „Falls ich tatsächlich etwas zu verbergen habe, meinst du nicht, dass es gesünder wäre, mich nicht zu provozieren?“

Ein schwaches Lächeln huschte über ihre Lippen – ja, es war definitiv klüger, für den Moment nachzugeben und ihn nicht weiter in die Ecke zu drängen. Abwehrend hob sie beide Hände: „Ist ja gut, Riddle. Ich wollte dich nur ein wenig ärgern. Falls ich dir zu nahe getreten bin, tut mir das leid. Es geht mich gar nichts an, ob und was du zu verbergen hast.“

Für einen Moment starrte er sie nur aus diesen eiskalten Augen an, als müsste er überlegen, ob er sie nicht doch lieber auf der Stelle verschwinden ließ, doch schließlich kehrte die freundliche Maske zurück und er nickte ihr zu: „Entschuldigung angenommen, Hermine.“

Mit einer galanten Geste hielt er ihr seinen rechten Arm hin, offensichtlich mit der Absicht, dass sie sich unterhaken würde und er sie beim Spaziergang begleiten könnte. Zitternd blickte Hermine zu ihm hoch. Es war erschreckend, wie gut ihm dieser charmante Gesichtsausdruck stand. Sie wollte nicht mit ihm spazieren gehen, schon gar nicht in seinen Arm eingehakt. Seine körperliche Nähe machte sie nervös und sie war sich nur zu bewusst, dass das nicht alleine an der Angst und der Abscheu lag, die er in ihr weckte. Tom Riddles Aussehen und sein Charme waren gefährliche Waffen, gegen die sie nur immun war, weil sie wusste, was für ein Monster in ihm lauerte. Sie fragte sich, was sie tun sollte, falls sie während ihrer freundschaftlichen Annäherung tatsächlich sympathische Seiten an ihm entdecken würde.

Mit einem Seufzen gab sie schließlich nach: „Na schön, wenn du darauf bestehst. Aber erwarte nicht, dass ich höfliche Konversation mit dir mache. Ich will nachdenken.“

„Nur zu, meine Liebe“, grinste Tom, „nur zu.“

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