Kapitel 1

Am nächsten Morgen betrat eine Krankenschwester das Zimmer, und fragte mich, wie es mir geht. Ich nickte, und versicherte ihr, dass es mir gut geht ,,Dürfte ich das Zimmer verlassen, und an die frische Luft gehen?“ fragte ich vorsichtig ,,Ja, aber nicht ohne Begleitung. Der junge Herr von gestern, wie war sein Name doch gleich? Ach ja, Ace!“ ,,Ace?“ dachte ich laut nach ,,Er wartet unten im Eingangsbereich auf Sie.“

Ich zog mir einen rosanen Mantel über, und begab mich in Richtung Ausgang. Ein wenig stacksig auf den Beinen torkelte ich zur Eingangstür. Da stand er schon. Die Hände hinter dem Rücken, als würde er etwas vor mir geheim halten. Ich versuchte mich zu erinnern wer er war, und was für eine Beziehung wir zueinander hätten. So sehr ich darüber nachdachte, desto schwindeliger wurde mir. Also beschloss ich ihn danach zu fragen. Später vielleicht.

Er begrüßte mich mit einem Kuss auf die Wange, und einer langen Umarmung. Er reichte mir einen Strauß roter Rosen, und gab mir seine Hand. Sie war kalt, und umschloss meine Hand. Ich bedankte mich bei ihm für die Rosen, und wir gingen gemeinsam durch die Glastür nach draußen.

Die Bäume verloren ihre Blätter, und der Boden war überflutet von Laub.Wir liefen nebeneinander, und er sah ab und zu in mein Gesicht, dabei fragte er, ob bei mir alles okay sei.

Nachdem wir ein paar Schritte gegangen sind, saßen wir auf einer Bank inmitten von Blumen, die am Verwelken waren. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der wir schwiegen sprach er folgende Worte aus, in einer Tonlage, die er noch nie genutzt hatte ,,Weißt du eigentlich wer ich bin?“ Erwischt. Ich konnte ihn nicht weiter belügen, und antworte beschämt ,,Nein, tut mir leid.“

Ace sah mich verdutzt an, und strich sich durch seine gestuften roten Haare ,,Die Ärzte hatten also tatsächlich Recht behalten. Wollen wir doch mal sehen, ob du dich danach erinnerst..“ er bewegte sein Gesicht langsam auf meines zu. Ich wich zurück, aber er nahm mein Gesicht zwischen seine kalten Hände, sodass ich nicht verweigern konnte. Ich presste meine Augen zusammen, und merkte wie mir eine warme Flüssigkeit aus den Augen rann. Mein Körper begann zu zittern.

Verwundert sah er mich an, und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Ace nahm meine Hand, und entschuldigte sich ,,Ich war ein wenig zu voreilig, tut mir leid. Ich dachte nur dass, wenn ich dich küsse, du deine Erinnerungen an mich zurück erhältst. Ich bin dir gegenüber eine völlig fremde Person, die du erst seit wenigen Tagen kennst. Dabei kennen wir uns schon seit der Kindheit. Es ist besser, wenn ich jetzt gehe!“ er war gerade dabei aufzustehen ,,Ich weiß auch nicht wieso, aber ich möchte bei dir bleiben. Kannst du mich nicht unter deine Obhut nehmen? Ich denke, dass wir es gemeinsam schaffen können, meine Erinnerungen wieder zu erlangen, Ace!“

Ich hatte keine besonders wichtigen Gegenstände bei mir, als wir das Krankenhaus verließen. Ace hatte die Ärzte gebeten, mir eine vorzeitige Entlassung zu geben. Ich hätte nicht gedacht, dass es funktioniert, aber es hatte funktioniert.

Er legte seinen Arm um meine Schulter, und lief ganz nah an mir, als wir eine düstere, abgelegene Straße betraten. Seine Miene veränderte hatte sich verändert. Er schaute ernst, und besorgt zugleich, doch das ließ er sich nicht anmerken. Aus welchen Gründen schaute er so finster?

Vor meinen Augen spielte sich ein wildes Farbspiel ab. Gelb, rot, lila. Mir wurde schwindelig, und ich war in einer Traumwelt. Die Stelle war genau die selbe, wie die auf der wir gerade eben noch standen. In einer Ecke der Straße sah ich ein kleines Mädchen, ich schätze sie nicht älter als sieben Jahre. Vor ihr stand ein dicker, schmuddeliger erwachsener Mann, und hinter ein paar alten gestapelten Kartons hockte ein kleiner Junge. Er sah so aus, als wäre er ein paar Jahre älter als das Mädchen.

Ich beobachtete das komplette Schauspiel, welches sich vor meinen Augen abspielte.

Das kleine Mädchen wurde von dem Erwachsenen auf den Boden gedrückt, während er sie in den After penetrierte, und ihr mit einem Messer tiefe Schnitte in den Rücken ritzte. Die Kleine schrie, und weinte sich die Seele aus dem Leib. Der Mann lachte, und als er kurz vor dem Höhepunkt war, rannte der kleine Junge aus seinem Versteck hervor, und schrie, dass er aufhören solle dem kleinen Mädchen Schmerzen zu zufügen. Wie zu erwarten hörte er nicht auf. Stattdessen rief er zwei Männer, die den Kleinen festhielten, und seinen Kopf zu dem Mädchen, und dem Erwachsenen drückten. Er konnte seinen Kopf nicht bewegen. Er wurde dazu gezwungen, sich die Szenerie anzusehen. Er begann zu weinen, und das Mädchen versuchte sich dazu zu zwingen, einen fröhlichen Eindruck vor zu täuschen. Nach vielen Stunden ließen die Erwachsenen von ihnen ab...

,,Hey! Öffne deine Augen, bitte!“ schrie Ace verzweifelt. Ich lag zwischen seinen Beinen, mit meinem Kopf an seiner Brust gelehnt, und den Blick in den Horizont gerichtet. Er hatte mich in seiner Jacke eingedeckt. Langsam öffnete ich meine Augen, und sah einen blauen Himmel über mir.

,,Zum Glück ist dir nichts passiert!“ Was soll mir denn passieren? ,,Hast du dich an etwas erinnern können? Du warst bewusstlos für einige Stunden.“

Sollte ich es ihm erzählen? An so einem Ort wie diesen? Er nahm seine Jacke wieder an sich, und zog sie an.

Ich nahm seine Hand, und sagte ihm, dass ich nach Hause zu ihm möchte, da ich müde war.

Bei ihm zu Hause angekommen zog ich meine Schuhe aus, und setzte mich auf die große schwarze Couch, die bei ihm im Wohnzimmer stand. ,,Ich gehe duschen, wenn etwas ist, dann komm einfach ins Bad, okay?“ rief Ace ,,Ja, mache ich!“ Ich saß auf der Couch, und dachte über die Traumwelt nach.

Was waren das für Erinnerungen? Waren das überhaupt Erinnerungen? Wer waren die beiden Kinder? Wenn ich das Mädchen war, dann müsste Ace ja der Junge sein. Dann hätte ich aber Narben am Rücken, oder nicht?

Ich muss nachsehen, ob es stimmt. Nachsehen, ob meine Vermutungen sich als richtig erweisen. Schnell lief ich zum Bad, und klopfte an. Keine Antwort. Ich gehe einfach schnell hinein, und schaue nach, danach kann ich wieder heraus gehen.

Leise öffnete ich die Tür, und lief zum Spiegel. Das komplette Bad war voller Dampf, und es war ziemlich warm. Ich zog meine Jacke aus, und krempelte meinen Pullover nach oben. Erschrocken trat ich vom Spiegel zurück, in Ace's Arme ,,Also hast du dich doch an etwas erinnert, Luna.“ Luna? Wer ist das? Bin ich das? Er nahm mich in den Arm und versprach, dass er mir die Situation in der Stube erklärt. Ich ging aus dem Bad, und sah auf seinen Rücken während ich heraus ging.

Keine Narben, aber wie ist da möglich? War er nicht der kleine Junge aus meinen Erinnerungen?

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