Kapitel 1 Die Einsicht

Es war mal wieder so weit es war ein kalter, nasser und langweiliger Herbsttag. Der Wind hatte die ganzen Blätter der Bäume schon weggeweht, die Blumen waren schon seit langer Zeit nicht mehr am blühen und die Sonne hat sich auch seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr blicken lassen. Als Anna aus ihrem Fenster sah dachte sie sich schon, dass es eine sehr lange Zeit werden würde, bis sie sich endlich wieder auf der Terrasse in ihrem Schaukelstuhl sonnen konnte. Ihre Freundinnen hatte sie auch seit Wochen nicht mehr gesehen und nach der Trennung von Max hatte sie sowieso keine große Lust irgendetwas zu unternehmen.

Ihre Eltern lagen ihr auch schon seit Wochen in den Ohren „Anna du musst mal wieder unter Leute gehen. Du musst dich ablenken. Geh ins Kino, schau dir einen schönen Film an. Mach, aber bitte tu uns den Gefallen und mach irgendwas. Wir können dich nicht leiden sehen“, sagte ihre Mom nach der Trennung von Max. Anna wollte das alles aber nicht hören. Als ihr das grade einmal wieder im Kopf rum schwirrte und sie so am Fenster stand dachte sie, es wird Zeit für einen kleinen Spaziergang. Anna zog sich an, putzte sich ihre Zähne und wusch sich das Gesicht. Die Trennung von Max hatte sie schon sehr mitgenommen.

Sie verkroch sich Wochenlang nur in ihrem Zimmer, kam zum Essen nicht mehr runter, redete mit niemanden über das, was passiert war, sie hörte keine Musik mehr, sie tanzte nicht mehr, sie tat nichts mehr von alledem, was sie früher so gerne tat. Max und sie waren ein Traumpaar. Sie waren verliebt „Hals über Kopf“ wie man so schön sagte. Sie verbrachten jeden Tag zusammen, in der Schule waren sie auch unzertrennlich und dennoch stimmte etwas nicht mit ihnen. Anna war der glücklichste Mensch an der Seite ihres geliebten Max, doch er veränderte sich von Tag zu Tag immer mehr. Als sie ihn eines Tages darauf ansprach wollte dieser davon jedoch nichts hören. Er sagte nur „Anna mein Schatz, es geht mir gut, es ist alles in Ordnung. Ich liebe dich, genauso sehr wie ich es vor Monaten tat“. Für Anna war jedoch klar, dass da etwas nicht stimmen konnte. Max zog sich immer mehr zurück, er schrieb ihr kaum noch Nachrichten, sie telefonierten nicht mehr so regelmäßig und Zeit hatte er für sie schon lange keine mehr gehabt. Sie machte sich große Sorgen, dass etwas mit ihm nicht stimmte, dass er sie nicht mehr liebte oder das er gar schon eine Neue hatte. All dies spielte für sie aber keine Rolle wenn er in Ihrer Nähe war. Wenn sie ihn berühren konnte, seine Nähe spürte, seine Hand hielt, seinen Geruch roch. All das waren für Anna die schönsten Dinge auf der Welt.

Anna dachte an diese Zeit zurück als sie sich im Bad ihr langes, braunes und lockiges Haar kämmte. „Wie sehr wünschte ich mir diese Zeit zurück. Wieso musstest du mir das antun. Warum bist du fort? Warum hast du das alles gemacht?“ Diese Gedanken gingen ihr Tag für Tag durch den Kopf. Aber heute sollte es anders werden, heute wird ein guter Tag das spürte sie.

Sie beschloss also den Ganzen Krempel den sie von Max hatte endlich in eine Kiste zu packen und diese Kiste auf dem Dachboden zu verstauen. „Heute ist der Tag, heute ist Mein Tag, heute kann ich es schaffen“ sagte Anna zu ihrem Spiegelbild. „Heute werden WIR es schaffen“, ihre Stimme klang entschlossen und selbstsicher. Sie redete sich seit Wochen ein, dass sie Max vergessen will, aber heute war es ihr bewusst. Sie wusste, dass sie es heute endlich schaffen würde. sie ging zu ihrem Schrank und zog sich die bequemsten und schönsten Klamotten an, die sie in ihrem Schrank hatte. Sie zog sich ihre liebste Jacke an schaute sich noch einmal im Spiegel an und war stolz. Stolz, dass sie es endlich aus ihrem Zimmer und aus der ewigen Trauer schaffen würde. Anmutig verließ sie das Zimmer.

Dieses Gefühl was sie grade verspürte war einfach großartig, so hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Sie war froh, glücklich, selbstsicher sie war endlich wieder sie selbst. Als sie in der Küche ankam traute sie ihren Augen nicht. Sie war starr und konnte sich nicht mehr bewegen. „Was um Dreiteufelsnamen ist hier los?!“ Anna war ganz außer sich. Da saß er, ohne ein Wort zu sagen verschwand er wie vom Erdboden verschluckt und jetzt sitzt er in ihrer Küche. „Das kann nicht wahr sein. Ich träume“, dachte Anna als sie ihn dort sitzen sah. Seelenruhig saß er dort mit ihren Eltern, sie lachten, aßen zusammen, machten Späße miteinander und nahmen sie gar nicht wahr. Jetzt fiel es ihr wieder ein, was sie damals so anziehend fand an Max.

Er saß da mit seinen dunklen Haaren, den Eisblauen Augen - in denen sich Anna immer wieder verlor wenn sie ihn ansah -, sein Gesicht so makellos, so wunderschön. Seine starken Arme in denen sie sich Nachts so sicher fühlte wenn sie unterwegs waren. Max ist groß, muskulös und sehr stark. Anna war sich immer sicher, dass die beiden alles schaffen können zusammen. Komme was wollen sie beide würden alle Hürden meistern. Nachdem er einfach verschwand ohne ihr eine Nachricht, einen Hinweis, oder einen Grund hinterließ war sie am Boden zerstört. Sie waren schon seit 4 Jahren ein Paar und sie hatten bisher immer über alles miteinander geredet, sie wussten alles übereinander, es gab keine Geheimnisse die sie voreinander hatten. Und nun saß er da, der Mann von dem sie nie gedacht hätte, dass er ihr sowas antun würde. Anna stand schon eine Weile dort, aber bisher hatte sie keiner bemerkt.

Sie wollte Max nie wieder sehen, da war sie sich sicher. Sie wollte Antworten, Antworten warum ihr Max das angetan hatte, aber sie wusste auch, dass sie nun endlich damit abschließen wollte. Aus diesem Grund entschließ sich Anna das Haus unbemerkt zu verlassen, sie ging aus der Hintertür, durch den Garten zur Straße. Sie hörte Musik und wollte diesen Anblick einfach vergessen. Sie lief in Richtung Wald, sie war so in Gedanken, dachte an die glückliche Zeit mit Max zurück, dass sie gar nicht bemerkte, wie weit sie schon gelaufen war und wie lange sie schon von zu Hause weg war.

Als sie eine kleine Bank am Wegrand bemerkte saß sie sich hin. Es war mittlerweile schon dunkel geworden, sie wollte nicht zurück, aber sie musste. Ihr Magen knurrte sie musste etwas essen. Also ging sie weiter in Richtung Stadt. In der Stadt gab es ein kleines Restaurant. Dort hatten sie und Max gerne einen Happen gegessen wenn sie Abends unterwegs waren. Sie beschloss nach langer Zeit dem kleinen Lokal mal wieder einen Besuch abzustatten. Anna wusste schon genau was sie essen wollte. Sie lief und lief in die Richtung des Lokals.

Als sie endlich in der Stadt ankam in der ihr Lieblings Lokal seinen Platz hatte bemerkte sie, dass schon lange keine Musik mehr in ihren Ohren ertönte. Sie sah auf ihr Handy, Akku alle. „Na super“, dachte sie sich. Aber auch das konnte ihr heute nicht die Laune vermiesen, also ging sie in das kleine Lokal am Rande der Stadt. Als sie die Tür aufmachte kann ihr direkt der Kellner, der auch gleichzeitig der Bruder ihrer Besten Freundin Amy war, auf sie zu und begrüßte sie mit einer langen, freundlichen und herzlichen Umarmung. „Mensch Anna, Dich habe ich hier aber schon lange nicht mehr gesehen.“ sagte Damien vorwurfsvoll. „Ich habe dich generell schon lange nicht mehr gesehen. Du siehst gut aus. Geht es dir besser?“ Damien war sichtlich froh, Anna zu sehen. Damien und Anna haben sich schon immer gut verstanden.

Da Damien der Bruder ihrer Besten Freundin Amy ist, sehen sie sich sehr oft. Damien sieht sehr gut aus. Damien ist groß, sehr muskulös, hat blonde, kurze Haare und Mintgrüne Augen. „Ich freue mich auch dich zu sehen Damien. Ja mir geht es besser. Zumindest ging es mir besser solange bis ich in die Küche ging..“ Anna’s Stimme klang aufgewühlt. „Was meinst du damit „bis du in die Küche gingst“? Was ist denn passiert?“ Anna war klar, dass Damien nicht locker lassen würde, bis sie ihm erzählt hatte was geschehen war. „Ach Damien ich möchte jetzt nicht darüber reden. Ich möchte jetzt etwas Essen und mich dann wieder nach Hause los machen.

Ich verspreche dir, ich werde es dir noch erzählen, aber nicht heute. Okay?“ Anna hoffe wirklich sehr, dass Damien jetzt locker lassen würde. Sie sah ihn mit ihren großen, dunkel braunen Augen an. „Ja okay, du hast recht. Wie immer?“ frage Damien. „Ja bitte, wie immer.“

Anna war sichtlich erleichtert darüber, dass Damien sie nicht zwang zu reden. Er ging in die Küche. Sie hatte in der letzten Zeit viel darüber nachgedacht, was passiert wäre, wenn Max damals nicht einfach verschwunden wäre. Grade als sie wieder in ihren Gedanken zu versinken scheint kam Damien mit ihrem Essen. „Hier bitte. Spinat mit Kartoffeln, Spiegelei und Leberkäse. So wie du es magst.“ „Danke Damien.“ Damien sah Anna mit seinen Mintgrünen Augen ganz tief in die Augen. „Kann ich sonst noch was für dich tun?“ „Nein, Danke. Ich esse jetzt nur in Ruhe.“ Damien ging zu den anderen Tischen.

Anna stocherte nur in ihrem Essen rum, sie wusste genau, sie könne jetzt nichts esse. Sie verließ mit den Gedanken das Lokal und ging zurück zu ihrem Haus. Zurück zu Ihm. Sie wollte ihn einfach nur wieder sehen. Sie betrat das Haus. Sie war froh ihn endlich wieder zu sehen, froh seine Stimme wieder zu hören, froh wieder in seiner Nähe zu sein. Anna wusste nicht wie ihr geschah, wusste nicht was sie sagen sollte. Mit allem hatte sie an diesem Tag gerechnet, aber nicht mit ihm. Als sich Anna vorstellte wie sie ihn in den Arm nimmt, wie sie ihn endlich wieder küsste, holte sie eine Stimme aus ihren Gedanken zurück in die Wirklichkeit. „Anna! Gottseidank haben wir dich endlich gefunden. Wo warst du denn die ganze Zeit? Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“, ihre Mutter stand völlig aufgelöst vor ihr. „Mom, was ist denn los?“

„Du kannst doch nicht einfach gehen und uns kein Wort sagen, Anna!“, ihre Mutter klang verzweifelt und auch ein wenig sauer. „Ach Mom, ich bin alt genug. Ich kann kommen und gehen wann ich will!“ Anna war richtig sauer, sie konnte es nicht fassen, dass ihre Eltern sie so hintergangen haben. Einfach gemütlich und belustigt am Küchentisch zu sitzen.

Dort zu sitzen mit de Jungen, der ihr so weh tat. Der Junge, der einfach verschwand, ohne auch nur ein Wort zu sagen, ohne auch nur einen Anhaltspunkt zu hinterlassen, wo er hin ging, wann er wieder kommt, wieso er ging, geschweige denn sich zu verabschieden.

„Ich fasse es nicht, dass du so mit mir redest!“ ihre Mom war jetzt sichtlich sauer. Statt der Traurigkeit, die man eben noch in ihrem Gesicht sehen konnte, breitete sich nun Entsetzen in ihrem Gesicht aus. Anna sah ihrer Mom zum Verwechseln ähnlich. Sie sind beide nicht sehr groß, sind schlank, haben braunes, langes, gelocktes Haar, sie haben beide hell strahlende grüne Augen und einen kleinen Mund. „Mom, ICH kann es nicht fassen, dass ihr beide an einem Tisch sitzt und auf happy Family macht, mit Max. Mit Max, der mich einfach alleine gelassen hat, der  sich weder von mir noch von euch verabschiedet hat, der kein Sterbens Wörtchen gesagt hat, was überhaupt los ist, wann er wieder zurück kommt, oder wohin er eigentlich geht!“

Anna musste durchatmen. „Ich verstehe es nicht, ihr wart beide so erschrocken und entsetzt darüber, was Max getan hat und dann taucht er einfach so mir nix dir nix auf, macht auf verlorener Sohn kehrt zurück, und was macht Ihr? Ihr lasst ihn natürlich in unser Haus. Ihr lacht mit ihm. Ihr esst zusammen mit ihm. Und das aller schlimmste: Ihr sagt KEIN einziges Wort zu mir! Ich sitze oben in meinem Zimmer und versuche die ganze Situation mit Max zu verstehen und endlich damit abzuschließen und zu akzeptieren, dass er weg ist, und dann will ich mich endlich mal fangen und ein bisschen raus gehen, unter Leute gehen.

Meine Freunde mal wieder besuchen und was sehe ich? Ich sehe wie sich meine Eltern unten in der Küche mit dem Jungen bespaßen, der mir einst so weh tat. Bitte erklär mir was das soll. Erklär mir, warum ihr mich nicht sofort gerufen habt, als er an der Tür stand?“ jetzt kam sie erst so richtig in fahrt. „Ach Kind. Du würdest das nicht verstehen. Wir wollten dir nichts böses. Wirklich das musst du uns glauben. Wir erklären dir alles, aber du musst erst einmal mit nach Hause kommen, okay?“ der Ton in Ihrer Stimme war eigenartig. Irgendwas stimmt hier nicht. Und Anna war entschlossen, rauszufinden was es ist. „Ich komme mit, wenn du mir versprichst, das ER weg ist!“ Anna hatte nun wirklich keine Lust ihn zu sehen. „Ja mein Schatz, er ist weg.“ Anna wank Damien zu und flüsterte leise „Es tut mir leid, bis demnächst“ Anna und ihre Mom verließen das Lokal und fuhren zurück nach Hause. Anna verstand nun gar nichts mehr. Wieso sagt ihre Mom „Wir wollten dir nichts böses. Wirklich das musst du uns glauben. Wir erklären dir alles“ was war hier los? Was haben ihre Eltern mit der ganzen Sache zu tun? Anna verstand nun wirklich gar nichts mehr. Die ganze Fahrt schwiegen Anna und ihre Mom sich an.

Comments

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    Hallo Nadine! Auch ich heiße dich ganz herzlich willkommen und kann mich Shari und Meg nur anschließen: schreib weiter. Ich bin schon gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Ein ganz, ganz kleiner Tipp noch, bitte nicht übel nehmen: arbeite ein bisschen an deiner Kommasetzung. Ansonsten finde ich deine Story von Aufbau und Beschreibung her ganz toll! LG Phantasia

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    Auch von mir ganz herzlich willkommen! Mach auf jeden Fall weiter! :) Natürlich muss man am Anfang noch viele Sachen lernen, das ist wie bei jedem Handwerk. Aber das ist eine Reise, die auf jeden Fall Spaß macht und alles wert ist. Kleiner Tipp: Gib deinem Werk noch einen Titel. Auch wenn's nur ein Arbeitstitel ist, den du später noch änderst. Ich hab die Erfahrung gemacht, dass in unbenannte Storys nicht so viele Leute reinlesen ;-) LG, Meg

  • Author Portrait

    Hallo Nadine! Schreib weiter! Willkommen auf Belletristica!

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