Krankenstation

Die Frau war etwa im selben Alter wie Mexwell, nur sah sie nicht so erschöpft aus. Ihre Haare waren lang und silbern. Nicht grau sondern silbern. Im Licht der Fackeln glitzerte es wie Diamanten. Ihre Violetten Augen sahen sich kurz suchend um, bis sie an uns hängen blieben. Schnellen Schrittes war sie bei uns und kauerte sich neben Wes. Ihr langes dunkelblaues Kleid zerfloss auf dem Boden und sahen aus wie wogende Wellen in einer tiefschwarzen Nacht. "Mutter, sag was hat er!" krächzte Wes. "Es wäre vielleicht am besten wir bringen ihn erst Mal in den Krankenflügel!" murmelte sie und ignorierte die Frage. Ich nickte, fuhr mit der Hand über den Boden und lies eine Trage erscheinen. Eine weitere fliegende Handbewegung und König Mexwell schwebte leicht über der Matratze. Langsam lies ich meinen Finger in Richtung Trage zeigen und er bewegte sich auf sie zu. Sanft senkte ich ihn nach unten. Nun lag er still auf einem dünnen Stück Stoff.

Der Weg in den unteren Bereich war schnell hinter uns gelegt. Alle wichen uns aus und schauten uns erstaunt, wie entsetzt an. Ich konnte auf das Getuschel aber keine Rücksicht nehmen, denn ich musste mich voll und ganz darauf konzentrieren Mexwell in der Luft zu halten. Das Geflüsterte Gerede machte es leider nicht leichter. Hier und da hörte ich ein: "Beim Lichte der Göttin...". Manche brachen sogar in Tränen aus oder rannten weg, um anderen von der Tragödie zu berichten. Unten angekommen stürmten Dustin und Wes los und suchten uns einen Arzt. Die Frau half mir den König auf eines der Krankenbetten zu legen, die wie bei mir oben, einfach nur steril weiß waren. Danach setzte sie sich neben ihn und wartete. Aus Höflichkeit sagte ich erst Mal nichts, doch sie sprach mich ganz von alleine an. "Lissa... es tut mir Leid, dass du zu solch einer Zeit wieder zu uns gestoßen bist. Ich komme leider nicht umhin dich zu fragen, was er als letztes zu dir gesagt hat." Ich schwieg kurz und überlegte wie ich es am besten ausdrücken konnte, denn wirklich viel hatte Mexwell nicht gesagt. "Er meinte nur >Du musst es finden...<" Wieder lauerte das Schweigen zwischen uns. "Ok, darum kümmern wir uns später. Warten wir ab was die Ärzte sagen... Es ist trotzdem schön dich wieder bei uns zu haben." "Ja das finde ich auch Waynonna." Ich nickte ihr zu und verlies das Krankenzimmer.

Draußen auf dem Flur war hektisches Gewimmel. Überall standen oder saßen Bewohner des Dorfes und hielten goldene Kerzen in ihren Händen. Offenbar hatte die Sache mit Mexwell schon die Runde gemacht und war nun in aller Munde. Irgendjemand stimmte in diesem Moment ein Lied an. Die ersten Zeilen handelten von Hoffnung. Doch mir blieb keine Zeit auch nur einen Augenblick dem Gesang zuzuhören, denn hinter dem ganzen Gedränge sah ich Wes, der mir zuwinkte. Hilf uns mal! Der Arzt hat hier keine Chance durchzukommen!!! Schönen Dank auch, dass man mir immer alles Befehlen musste. Ich hasste es. Konnte man nicht einfach mal nett fragen? Ich holte tief Luft und konzentrierte mich auf die Menschenmasse. Sofort begannen sie zu flimmern, doch niemand schien es zu erste zu bemerken. Erst als Wes, Dustin und rund ein dutzend Ärzte durch sie hindurch gingen, unterbrachen sie die Musik und murmelten erschrocken vor sich hin. Als alle an mir vorbei waren und auf dem kleinen Fleck Boden vor der Tür Mexwell's standen, lenkte ich meinen Blick von den Leuten ab. Alle Männer und Frauen im weißen Kittel nickten mir zu, beeilten sich aber in den Raum zu kommen. Wes wollte ihnen folgen, aber eine der jüngeren Frauen meinte, dass schon genug Personen in diesem Raum waren und ein Weiterer ihn vermutlich zum platzen bringen würde. Wiederstrebend nickte Wes, bestand aber darauf vor der Tür zu warten. Ich wusste nicht recht was ich tun sollte, war aber der Meinung, dass es nicht gut wäre hier weiter rumzustehen. Die Stimmung raubte einen noch den letzten Nerv. "Ich denke ich werde die Zeit nutzen und um mich in der Arena etwas zu entspannen... Wenn ihm mich braucht wisst ihr ja wie!" Ich wandte mich ab und stand nun schon wieder vor der Menge, die man nicht durchdringen konnte ohne weiteres. Aber kein Problem für mich. Um mich herum stiegen schwarze Wolken auf die blass über dem Boden schimmerten. Kurzerhand verwandelte ich mich in eine Krähe und folg den Korridor entlang. Ich musste ziemlich dicht über den Köpfen fliegen, denn die Decke hier war sehr niedrig. Einige Kinder lachten oder schrien auf. Am Ende landete ich wieder auf zwei Beinen auf dem Stein, während ein paar schwarze Federn zu Boden glitten. Doch bevor sie diesen berühren konnten, lösten sie sich auf.
 


       

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