Part 3

Vorsichtig blicke ich mich im Zimmer um. Ich stehe in der Küche der kleinen Einzimmerwohnung. Schnell wird mir klar, dass ich hier nicht fündig werden würde, also gehe ich zurück zu der Frau, die mit angehaltenem Atem wie befohlen vor der Tür steht, und gehe, mit einem Nicken als Abschied, an ihr vorbei.
Natürlich hätte ich noch etwas sagen können, doch ich war noch nie ein Mensch vieler Worte gewesen und ich habe nicht vor, dies zu ändern. Hastig steige ich die Treppen hoch und läute an der Wohnung, aus der das Blut kommt. Es ist mir klar, dass niemand antworten wird, doch will ich mir sicher sein. Während ich warte, sehe ich mich ein bisschen um. Es ist eine sehr schöne Siedlung mit älteren und neueren Wohnungen, wobei mir die alten besser gefallen. Ungeduldig trete ich von einem Fuß auf den anderen, bis ich beschließe, dass ich schon lange genug gewartet habe. Langsam hebe ich mein Bein und stoße einmal kräftig gegen die Tür. Der Schmerz schießt durch meinen Fuß, und lässt ihn beinahe taub werden.
Unschlüssig trete ich einen Schritt beiseite, und verfluche wieder einmal meine müden, alten Knochen, als neben mir etwas vorbeischießt und die Tür aus der Angel fliegt. Erschrocken greife ich mir an mein Herz. Ich kann mein Blut in den Adern rauschen hören und muss für einen Moment meine Augen schließen. Ich bin wirklich zu alt für diesen Beruf.
Verärgert blicke ich auf die  Seite und sehe meinem Kollegen direkt in die Augen.
"Müssen Sie mich so erschrecken?", fahre ich in an. Unentschlossen öffnet er den Mund, doch dann besinnt er sich eines Besseren und sieht mit leicht geröteten Wangen auf den Boden. Mit einer genervten Handbewegung schiebe ich ihn beiseite und betrete die Wohnung.
Ich bin nicht mehr sonderlich vorsichtig, da ich keine Gefahr aus den Räumlichkeiten ausgehend spüre. Sofort schlägt mir wieder der Geruch von unten in die Nase, nur dieses Mal viel stärker. Blut. Ein leiser Fluch entkommt meiner Kehle.
Da ich vermute, dass die Wohnungen gleich aufgebaut sind und ich das Blut in der Küche der alten Frau gefunden habe, gehe ich direkt in besagten Raum.  Der Boden des alten Gemäuers knirscht unter meinen Sohlen.
Die Wände sind nicht weiß wie unten, sondern schwarz. Schwärzer als die Nacht. Es gibt keine Bilder oder persönliche Gegenstände, oder sonst etwas, dass einem das Leben etwas versüßen könnte. "Als ob er sich bestrafen will", schießt es mir durch den Kopf, doch ich verwerfe diesen Gedanken sogleich wieder. Ich habe nicht das Recht, über andere Menschen zu urteilen. Weder tote noch lebendige.
Im gleichen Moment, in dem ich die Küchentür aufstoße, sehe ich ihn. Er liegt mit dem Gesicht nach oben in seiner eigenen Blutlache und starrt mit leerem Blick die dunkle Zimmerdecke an.
"Was er wohl als letztes gesehen hat?", frage ich mich, wohlwissend, dass ich die Antwort nie erfahren werde.

      

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