Ich stand grad so friedlich am Wegerand,

da kam ein Kind auf mich zugerannt.

„Den will ich“ sagte es, dem Vater zugewandt

Und zeigte auf mich mit seiner kleinen Hand.

Der Vater hindessen, eher wenig Freude emfand,

und sagte „geh Hansi, den nehm ma’ nicht, der ist doch ‘ne Schand!“

Doch Hansi nahm den Vater traurig bei der Hand,

und sagte, „das sagst du doch nur, weil ich ihn fand!“


Es dauerte nicht lange und ich stand,

nicht mehr lange am Wegerand.

Zugebunden mit einem langen roten Band,

wurde ich auf ein Autodach gespannt.

 

Dann brachte man mich in ein fremdes Land.

 

Zuhaus‘ bei der Familie stellte Vater mich gegen die Wand,

und Mutter und Tochter kamen gleich angerannt.

Als Mutter mich sah, schlug sie sich auf den Kopf mit der Hand,

und ich merkte gleich auch sie, wenig Freude über mich empfand.

Trotz aller Kritik wurde ich ins Zimmer gestellt per Menschenhand,

und man rückte mich hin und her, bis ich im gerade stand.

Mutter in der Hektik grad noch Kerzen, Schmuck und Süßigkeiten fand,

Und dann kleidete man mich ein mit einem schicken Gewand.

 

Tags darauf am Weihnachtsabend, als alle Kerzen auf mir gebrannt,

und ich strahlte mit funkelnden und schöngeschmückten Gewand,

Vater, Mutter, Kinder, ein jeder gestand,

Ich musste ein Baum sein, von Gott gesandt.

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    Herzlich willkommen auf Belletristica! Einen fröhlichen, gelungenen Einstand gibst du mit diesem Gedicht! :-)

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Fairy Dust

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