Schicksalhafte Begegnungen

Die Tage werden immer langweiliger und es macht langsam auch keinen Spaß mehr, die ganze Zeit alleine in diesem riesigen Haus zu sein. Ich habe zwar einige Angestellte angergiert, um mir praktisch alles an Arbeit abzunehmen. Aber diese sind der Ansicht, man solle Privates und Arbeit voneinander trennen. Daher bekomme Ich sie so gut wie nie zu Gesicht. Schon mehrmals habe ich versucht meinen Gärtner oder meinen Koch dazu zu bekommen mit mir eine Partie Schach zu spielen, doch sie haben immer höflich und dennoch resigniert abgelehnt.

Obwohl ich genau weiß, dass die Beiden früher in einem Schachverein waren und das mit großer Leidenschaft. Manchmal stimmt mich das wieder traurig. Andererseits kann ich sie auch verstehen. Ich bin immer noch die, die ihnen den Gehaltscheck ausstellt. Früher habe ich genauso gehandelt. Immer höflich bleiben, aber dem Chef niemals etwas Persönliches erzählen. Dazu kommt noch, das ich nie alleine bin. Mana und Maro, meine ständigen Begleiter lassen mich nie aus den Augen. Bestimmt wären menschliche Bodyguards schon abschreckend genug. Aber meine beiden Schützlinge sind tatsächlich Panther. Sie waren von ihren Eltern verstoßen worden und sollten an einen kleineren Zoo verkauft werden. Einige Tierschützer, darunter auch Ich, setzten sich dafür ein, die Beiden auszuwildern. Letzten Endes schafften wir es auch. Die ersten Monate wurden sie bei mir untergebracht, damit sie noch etwas wachsen konnten. In diesen Monaten gewöhnten sie sich allerdings so sehr an mich, dass sie mich nicht verlassen wollten. Es kostete mich viel Zeit und Geld, mein Grundstück so herzurichten, damit man es mir gestattete sie hier zu behalten. Das ist jetzt auch schon einige Jahre her und mit der Zeit haben sie sich selbst zu meinen Beschützern ernannt. Was meiner Ansicht nach allerdings völlig überflüssig ist. Wir leben etwas abseits von einer kleinen Stadt und ich habe mit niemanden dort Streit. Ständig folgen sie mir und manchmal nervt das schon ein wenig. Aber ich würde die beiden nie dazu zwingen, mich in Ruhe zu lassen. Sie meinen es ja nur gut. Allerdings fällt es mir dadurch nicht gerade leichter jemanden zu finden, mit dem ich etwas Zeit verbringen kann. Ab und zu mache ich einen Spaziergang hinunter in die Stadt. Die meisten Leute von dort kennen mich bereits, zumindest schon vom Sehen und wissen, dass Mana und Maro niemals jemanden angreifen, geschweige denn verletzen würden. Am Anfang gab es deswegen noch ziemliche Probleme. Die Leute hatten Angst und wollten dafür sorgen, dass die beiden eingeschläfert werden. Zum Glück ist es mir nach vielen Feiern und Annäherungsversuchen gelungen, sie von ihrem guten Herzen zu überzeugen. Jetzt kann ich sogar mit ihnen losziehen ohne sie an die Leine zu nehmen.

Meisten ende ich immer bei einem kleinen Spielplatz mitten in der Stadt, direkt neben einem großen Park. Viele Kinder spielen dort nach der Schule oder dem Kindergarten. Manchmal beobachte ich die Kinder beim Spielen, wie sie mit ihren Freunden herumtollen und von ihren Eltern in die Luft geschleudert werden.

Danach gehe ich weiter, beim Tierheim vorbei und lese mir routinemäßig das Hilfe-gesucht Schild durch. Sie suchen jetzt schon knapp 3 Monaten nach einer Aushilfe. Leider hat sich bisher keiner gemeldet. Ich habe mein Glück schon versucht. Allerdings sind die meisten Tiere beim Anblick von Mana und Maro fast durchgedreht. Also wurde ich gleich nach dem ersten Tag gebeten nicht wieder zu kommen. Meine einzige Möglichkeit ihnen zu helfen ist also durch Geld. Aber das hilft ihnen leider auch nicht, wenn sich niemand für die Stelle interessiert.

Weiter geht es dann durch einen kleinen Wald und schlussendlich wieder nach Hause. An und zu halte ich noch an einem kleinen Jugendzentrum. Dort treffe ich manchmal auf einen kleinen Jungen, ungefähr 9 Jahre alt. Lukas, so heißt er. Mit ihm kann ich immer wieder Schach spielen, denn er scheint daran richtig talentiert zu sein. Er freut sich immer riesig mich zu sehen und denkt sich immer wieder neue Strategien aus um mich zu besiegen. Bei den Gedanken an ihn muss ich grinsen.

So sieht fast jeder meiner Tage aus.

Wenn ich danach noch Lust habe, sattle ich mir oft meinen Friesen Lunai und reite aus. Manchmal nehme ich mir aber auch eines meiner Rennpferde. Dazu dann noch mein Luftgewähr und ich versucht auf Hindernisse und Bäume im großen Wald auf meinem Privatgrundstück zu schießen.

Mein Grundstück ist viel zu riesig und besteht aus einem Wald, einer riesigen Villa, einem Landeplatz für Hubschrauber, einen riesigen Blumengarten am See, einer Reithalle. Erreichen kann man das Grundstück nur über eine Straße, die zu meiner riesigen Auffahrt führt. Dafür muss man allerdings erst einmal durch ein Tor mit den Initialen „M“ und „S“ und einem kleinen Wachhäuschen, in dem immer der freundliche, aber schon etwas alte Robert, sitzt. Er weiß genau, wen er hineinlassen darf und wer unerwünscht ist.

Das Grundstück ist wirklich der Traum von Jedermann, aber wenn man dort ganz alleine Lebt, wird es irgendwann einsam. Was derzeit mein größtes Problem darstellt.

Die Sonne geht bereits unter als ich von meinem Ausritt wieder da bin und auf dem Tisch artet schon eine üppige Mahlzeit auf mich. Nachdem ich gegessen habe gehe ich für gewöhnlich duschen und danach spiele ich meist noch etwas Piano. Nur um mich selbst etwas zu beruhigen.

Kurz bevor ich einschlafe kommen meist noch Mana und Maro in mein Zimmer geschlichen und kuscheln sich zu mir ins Bett. Anfangs habe ich sie dann immer aus meinem Zimmer rausgeschmissen, aber mittlerweile würden sie mir nur meine Tür zerkratzen. Die Beiden sind hoffnungslos verzogen. Vor wenigen Tagen habe ich eine interessante Homepage gefunden. Eine junge Dame, die behauptet sie sei in der Lage jeder Katze Manieren beizubringen. In meiner Verzweiflung habe ich ihr eine E-Mail geschrieben. Bisher allerdings noch keine Antwort erhalten.

Am nächsten Tag kann ich so lange schlafen, wie ich will. Meistens stehe ich so etwa um 10. Uhr auf.

Als ich heute nach dem Duschen in meinen Speisesaal gehe, liegt neben meinem Teller ein Artikel über die kommenden Schachtunier und ein Anmeldeformular. Mein Koch redet zwar nicht viel mit mir, aber er sorgt dafür, dass ich kein einziges Turnier verpasse.

Das Turnier soll schon in einer Woche stattfinden, um 9.00 Uhr. Da habe ich doch endlich mal wieder einen Grund früh aufzustehen.

Vielleich finde ich ja dort das erste Mitglied für meine Familie und auch wenn nicht, dann ist es immer noch eine gute Ablenkung.

Nach dem Essen fülle ich das Formular aus und gehe nach draußen.

Heute ist wirklich wundervolles Wetter, die Sonne scheint und die Vögel singen harmonisch wild durcheinander.

Als ich am Haupttor angekommen bin, bemerke ich, dass Mana und Maro mir Mal wieder folgen.

Ich würde sie zu gerne mit zur Post nehmen, aber das letzte Mal haben sie sich einen Spaß daraus gemacht zahllose Briefe zu zerfetzen.

Ich drehe mich zu den Beiden um und sage streng: „Ihr wisst genau, das ihr nicht mitdürft. Als ich euch das letzte Mal mitgenommen habe, habt ihr ein ordentliches Chaos angerichtet. Also bleibt ihr Beide hier!“

Sie legen die Ohren an und knurren, aber sie haben verstanden und drehen sich beleidigt um. Zusammen trotten sie in Richtung Garten davon.

Als ich mir sicher bin, dass sie wirklich weg sind, gehe ich durch das Tor und schleudere es mit voller Wucht zu. Nur um sicher zu gehen, dass es wirklich zu ist.

Der Spaziergang zur Post dauert etwa eine Viertelstunde.

Da heute Samstag ist sind die Straßen belebter und lauter Frauen stehen in kleinen Gruppen zusammen und schwatzen, oder sie haben einen Korb dabei und sind auf dem Weg zum Lebensmittelladen. Wie gern würde ich mich zu ihnen gesellen, aber als ich es einmal versucht habe sind alle plötzlich verstummt und haben mich mit großen Augen angesehen. Das war wirklich übertrieben, ich meine steht mir „Milliardärin“ auf der Stirn geschrieben oder was, ich meine ich bin auch nur ein Mensch! Als ich an ihnen vorbei gehe sehen sie mir erschrocken nach.

Ich ahne schon wieso.

Ich drehe mich langsam um und voilà, was habe ich mir gedacht, Mana und Maro sind mir gefolgt. Ich habe keine Ahnung wie, aber sie haben es mal wieder geschafft. Vielleicht wäre es klug jemanden damit zu beauftragen, den Zaun um mein Gelände zu überprüfen.

Die Beiden sehen mir direkt in die Augen und ich könnte schwören das sie mich auslachen.

Nach einem kräftigen Seufzen drehe ich mich um und gehe weiter. Wie natürlich setzen sich Mana und Maro wieder in Bewegung. Mana auf meiner rechten Seite und Maro auf meiner linken.

Mal etwas neues worüber die Frauen reden können.

Als ich die Tür der Post öffne, passe ich nicht richtig auf und stoße deswegen mit einem kleinen Jungen zusammen. Er hat kurze, rötliche lockige Haare und trägt eine alte Brille. Lukas! Zuerst flucht er laut los und will mich schon anmeckern. Aber als er mich erkennt, fängt er an über das ganze Gesicht zu strahlen. „Mila! Was machst du denn hier?“ Ich fange breit an zu grinsen, dabei halte ich die Anmeldung hoch. „Wahrscheinlich das gleiche wie du.“ Begeistert nickt er. Als ich ihn genauer mustere, fällt mir auf, dass seine Kleidung total verdreckt ist. Erschrocken und besorgt frage ich ihn: „Ist dir etwas passiert?“

Überrascht blickt er an sich hinunter. Nach einem kurzen Moment muss er aber lächeln. „Nein nichts. Ich bin nur vorhin beim Spielen hingefallen.“ Ich atme erleichtert aus. Lukas lächelt noch einmal und streichelt Mana über den Kopf. Er ist einer der wenigen Menschen, den sie richtig gerne hat. Danach verabschiedet er sich aber schnell und macht sich auf den Weg. Ich mache mich auf den Weg hinein.

Der Mann der am Schalter sitzt wirft mir immer wieder ängstliche Blicke zu, nimmt meine Anmeldung aber mit einem zaghaften Lächeln entgegen.

Ich kann regelrecht hören, wie der Mann erleichtert aufatmet, als Mana und Maro die Post verlassen.

Gemütlich mache ich mich auf den Weg zurück. Unterwegs halte ich noch an einem kleinen See an und schaue einer Entenfamilie dabei zu, wie sie fröhlich über den See schwimmen. Von weitem kann ich schon erkennen, dass in meiner Einfahrt ein Auto steht und offensichtlich darauf wartet, hinein gelassen zu werden.

Ich gehe etwas schneller und beschwöre Mana und Maro sie sollen sich ja benehmen.

Als Antwort geben sie mir nur eine kalte Schulter, aber ich weiß, dass sie mich verstanden haben. Neugierig klopfe ich an die Scheibe des Wagens. Es dauert nicht lange bis jemand hektisch das Fenster hinunter kurbelt.

Vor mir sitzt eine vielleicht 19-jährige junge Frau, die mich strahlend ansieht. „Sind sie vielleicht Mila Scrivo? Mein Name ist Tanja Ociello. Ich habe vor einigen Wochen eine E-Mail betreffend zweier Großkatzen erhalten.“ Dabei wandert ihr Blick unauffällig zu Mana und Maro, welche sie neugierig beäugen. Fröhlich lächle ich sie an. „Ich habe gar nicht mit ihnen gerechnet. Wie kommt es, dass sie hier sind?“ Die Frau zuckt mit den Schultern. „Ich hatte zwar schon früher mit großen Wildkatzen zu tun. Aber es ist immer etwas Anderes, wenn diese einem Zoo oder einer Milliardärin gehören. Wenn sie verstehen, was ich meine.“

Na klar versteh ich. Wenn sie mir hilf, kann sie das für ihre Website nutzen. Das wäre sicherlich gute Werbung. Falls sie wirklich Erfolg hat, wird mir das auf jeden Fall auch gelegen kommen. Es kann schließlich nicht schaden, wenn die Beiden sich zu benehmen wissen. „Nun gut. Wie wäre es, wenn ich ihnen eine Festanstellung biete? Allerdings müssten sie mir vorher beweisen, dass sie wirklich etwas von ihrem Handwerk verstehen.“

Tanja nickt verwirrt, aber auch aufgeregt und fragt: „Wie viel Zeit habe ich denn es ihnen zu beweisen? Und was genau soll ich diesen kleinen Schätzen beibringen?“

Ich denke scharf nach, eine Woche ist zwar ziemlich kurz, aber laut ihrer Referenzen sollte sie dazu eigentlich in der Lage sein. Zudem kann ich es dann gleich auf dem Schachturnier überprüfen.

„Ich gebe ihnen eine Woche. Nicht mehr und nicht weniger. Am besten sorgen sie einfach dafür, dass sie mir nicht die ganze Zeit folgen. Das dürfte schon schwierig genug sein. Zudem sollten sie wissen, dass ich ihnen in dieser Zeit nichts bezahlen werde, sollten sie aber Erfolg haben, winkt ihnen ein hoher Lohn. Ebenso brauchen sie sich nicht eine Unterkunft suchen, da sie gerne hier wohnen können. Weiter sollten sie vielleicht noch wissen, dass diese Beiden hier nicht `Schätze´ oder irgendetwas in dieser Art heißen, sondern Mana und Maro.“

Tanja hört mir aufmerksam zu, das gefällt mir. Ich hoffe ich habe sie genügend motiviert, damit sie auch ihr Bestes gibt. Aber das scheint kein Problem darzustellen, denn sie nickt begeistert und ihre Augen funkeln regelrecht vor Aufregung. Das Mädchen ist mir wirklich sympathisch.

Ich bedeute ihr mir zu folgen und bringe sie in den zweiten Stock. Die Zimmer, die hier noch leer stehen bestehen alle aus mehreren Räumen und sind frisch renoviert.

Jedes Zimmer hat ein eigenes Badezimmer, ein Wohnzimmer, eine Arbeitsstube und ein Schlafzimmer.

Am besten wäre es ja, wenn ich ihr ein Zimmer in der Nähe von meinem gebe, damit ich sie gut im Auge behalten kann. Das ist aber glaube ich nicht nötig, Mana und Maro werden mir sowieso überall hin folgen, daher wird sie wohl oder übel in meiner Nähe sein müssen.

Ich zeige ihr ihr Zimmer und sage dann:

„Frühstück gibt es um 10.00 Uhr, Mittag um 15.00 Uhr und Abendessen um 19.00 Uhr. Kleidung und alles was sie brauchen, können sie sich auf meinen Namen neu kaufen, ihr Auto wird in meiner Garage geparkt und ich erwarte, dass sie um 13.00 Uhr mit dem Training beginnen, nach hinten hin steht ihnen natürlich alles offen. Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen?“

Tanja sieht sich entzückt in ihrem Zimmer um und schüttelt glücklich den Kopf, als ich schon wieder bei der Tür bin fragt sie dann doch:

„Wo finde ich denn den Speisesaal und wo werde ich Mana und Maro finden?“

„Ich erwarte, dass sie mit mir zusammen im Speisesaal im ersten Stock essen. Damit sie sich nicht verlaufen werde ich sie heute Mittag abholen lassen. Mana und Maro weichen mir so gut wie nie von der Seite und ich befinde mich entweder in der Bibliothek oder in meinem Zimmer, welches sich genau unter ihrem befindet.

Sollte ich dort nicht auffindbar sein, bin ich draußen. Unter diesen Umständen werden sie Mana und Maro nicht bei mir finden, da ich meist im Dorf unterwegs bin oder ausreite.“

Tanja nickt und fragt: „Was soll ich tun, wenn sie unterwegs sind und ich die Beiden nicht finden kann?“

„Dann haben sie meine Erlaubnis zu tun und zu lassen was sie wollen. Es ist mir egal was sie tun, aber denken sie daran, sie haben nur eine Woche Zeit.“

Tanja lächelt wieder fröhlich und nickt begeistert. Ich verlasse das Zimmer und Mana und Maro, welche uns die ganze Zeit gefolgt sind, fangen Beide an zu fauchen. Ich weiß schon was das heißen soll: „Bist du verrückt geworden?! Was soll das?! Du vertraust ihr doch nicht etwa oder?! Wir werden ihr nicht gehorchen?! Wir jagen sie weg! Ja, wir jagen sie weg!“

In etwa das sollte das Fauchen wohl heißen. Das bringt mich irgendwie zum Lachen.

„Wisst ihr, ihr solltet ihr vielleicht erst einmal eine Chance geben und denkt dran, wenn ihr endlich damit aufhört mir überall hin zu folgen, kann ich sie fortschicken.“  

Ich weiß genau das mich die beiden verstehen können, aber da sie ja eh nicht auf mich hören werden, versuche ich gar nicht erst, sie weiter zu überreden.

Ich mache mich auf den Weg in die Küche im ersten Stock, um dem Koch Bescheid zu geben, dass ich für die nächste Woche einen Gast habe.

Danach mache ich mich auf den Weg in mein Zimmer. Ich setze mich an mein Laptop und übe weiter Schach. Mana und Maro legen sich neben mich auf das Sofa und schlafen schon bald ein.

So nervig sie auch sein mögen, ihre Anwesenheit beruhigt mich. Und wenn sie schlafen sehen sie einfach zu goldig aus.

Die Schachpartien die ich spiele werden von Mal zu Mal schwieriger, aber dennoch gewinne ich sie alle. Vielleicht bringt mir das Turnier ja endlich eine Herausforderung.

Nach etwa einer Stunde klopft es zaghaft an der Tür.

„Herein.“

Wow, es ist schon wirklich lange her seit ich die Gelegenheit hatte das zu sagen.

Tanja tritt zögernd ein und sieht sich neugierig um. Ihr Blick bleibt auf den beiden Panthern haften. Ich frage: „Was brauchen sie?“

Tanja hält inne und sagt: „Ich wollte sie bitten mir die Gegend hier etwas zu zeigen und fragen, ob sie mich in die Stadt begleiten würden. Ich brauche noch einige Sachen für das Training. Aber natürlich nur, wenn sie dazu auch Lust haben.“

Ich denke scharf nach, dass wäre es eine gute Gelegenheit für Tanja, die Beiden Panther mal in Aktion zu erleben.

Ich lächle Tanja glücklich an und sage: „Ich würde sie sehr gerne begleiten.“

Ich klappe den Laptop zu und stehe auf.

„Wollen wir dann los?“

Tanja nickt, aber sie meinte ich eigentlich gar nicht. Mana und Maro springen Beide auf und strecken sich genüsslich, Mana gähnt sogar.

Ich gehe an Tanja vorbei und bedeute ihr mir zu folgen. Dabei entgeht mir ihr skeptischer Blick nicht.

„Haben sie etwas dagegen, wenn wir zu Fuß gehen?“

Sie schüttelt den Kopf: „Nein gar nichts.“

Sie wirft immer wieder Blicke zurück. Als wir am Tor ankommen bleibe ich stehen.

„Könnten sie Mana und Maro bitte dazu bringen hier zu bleiben?“

Tanja schüttelt den Kopf: „Dazu vertrauen sie mir noch zu wenig. Es wird einige Tage dauern.“

„Nun gut, aber sie können es ja doch versuchen, nicht? Vielleicht funktioniert es ja doch.“

Tanja nickt verlegen. Dann beugt sie sich zu den Panthern hinunter, welche sie bedrohlich anknurren. Höflicherweise verkneife ich mir ein Grinsen. Um ehrlich zu sein, ich habe absolut nicht damit gerechnet, dass sie wirklich herkommt. Geschweige denn, dass sie wirklich etwas bewirken kann. Sie ist nicht die erste, die es versucht und an ihnen scheitert.

Ich kann zwar nicht verstehen, was sie den Beiden da zuflüstert, aber ihre Reaktion kommt mir doch sehr vertraut vor.

Sie drehen sich um und gehen Richtung Garten davon.

Tanja dreht sich zu mir um und lächelt mich triumphierend an. Ich nicke ihr anerkennend zu, belasse es aber auch dabei.

Wir gehen etwa 15 Minuten bis wir die Stadt erreichen. Tanja sieht sich immer wieder um und scheint etwas nervös zu sein. Als es nicht besser wird frage ich: „Stimmt etwas nicht?“

Tanja schüttelt erst den Kopf, nickt dann doch und dann schüttelt sie wieder den Kopf.

Schließlich sagt sie: „Ich habe irgendwie das Gefühl, dass wir von allen angestarrt werden.“

Ich drehe mich um und mein Verdacht bestätigt sich, ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen.

„Ja, da haben sie wahrscheinlich recht.“

Sie ist überrascht und sieht mich verwirrt an. „Aber warum denn? Doch nicht etwa wegen ihnen?“

Belustigt schüttle ich den Kopf. „Nicht wirklich, nein.“

Sie atmet erleichtert auf. „Aber warum dann?“ Mit einer knappen Bewegung deute ich hinter uns. Als sie die beiden Panther sieht, die wenige Meter hinter uns herschleichen legt sich ein kleiner Schatten über ihr Gesicht. Ob sie wohl gedacht hat, dass sie die Anstellung schon sicher hat? Auf jeden Fall scheint sie zu kapieren, dass das Ganze nicht so leicht wird, wie sie vielleicht gedacht hat.

„Meinten sie das? Ich meine mit ihrem Problem?“

Ich nicke bedächtig. „Aber das ist leider nicht alles. Sie folgen mir überall hin. Verstehen sie? Sie lassen mich keine Sekunde aus den Augen.“ Zweifelnd runzelt sie die Stirn. So einen schweren Fall hat sie sicherlich noch nicht gehabt. Entschlossen gehe ich weiter. „Was wollten sie denn besorgen?“ Tanja lächelt unsicher. „Nun ja. Hauptsächlich wollte ich mir einige Klamotten kaufen. Nur für den Fall, dass die Beiden hier meine Sachen zerreißen. Oder sie anderweitig kaputtgehen.“

Ich nicke langsam und deute dann auf eine Boutique. „Warum gehen wir dann nicht hier rein? Der Laden ist zwar nicht sonderlich groß, aber die Auswahl ist meiner Ansicht nach einfach nur perfekt.“

Voller Energie stürmt Tanja regelrecht in den Laden. Aus irgendeinem Grund gefällt mir das ganz und gar nicht. Wie selbstverständlich nimmt sie sich haufenweise Kleidung mit. So viel kaufe ich mir ja nicht einmal selbst. Vielleicht wäre es besser, sie doch ein wenig besser zu überprüfen.


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beta
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