Na toll ich hab mich verlaufen, mal wieder. Aber eigentlich kein Wunder in diesem Park sieht wirklich alles gleich aus. Was sich dieser Architekt, Landschaftsgärtner oder wer auch immer, bei diesem verwirrenden Stück Kunst in Form eines Parks gedacht hat ist mir ein Rätsel, genau wie der Weg aus diesem Irrgarten. Ich hätte diese „Abkürzung“  nicht nehmen sollen, schon gar nicht im Dunklen. Jetzt stehe ich wegen meiner Dummheit inmitten von netzartig angelegten Schotterwegen, welche von schummrigen Laternen und Mittelmeer-Zypressen gesäumt sind. Keine Ahnung warum ich überhaupt weiß wie die Dinger heißen. Scheiße. Ich laufe ein wenig weiter, immer noch kein Ausweg in Sicht. Supi, nun ist mir auch noch kalt. Natürlich hab ich meine Jacke bei Jordan vergessen. Es ist dunkel, kalt und ich hab keine Ahnung wo ich bin. So langsam bekomm ich Panik. Meine Fantasie läuft schon seit ich in den Park gegangen bin auf Hochtouren, ich hab wahrscheinlich zu viele Horrorfilme geschaut. In solchen Filmen hört man genau in solchen Augenblicken immer komische Geräusche.  Es läuft mir kalt den Rücken hinunter. Waren das Schritte? Ach das habe ich mir nur eingebildet. Ich such mal lieber einen Ausweg aus dieser Todesfalle eines Parks. Doch, dann schon wieder, Schritte. Ich erstarre. Sie sind schleifend, mit jedem Schritt wird kalt vor Angst. Soll ich mich umdrehen? Das ist doch sicher nur eine alte Dame oder ein alter Herr. Verfluchte scheiße warum muss ich mir immer solche Gedanken machen, jedes Mal wenn ich abends unterwegs bin, wird eine Katze im Gebüsch zu Räubern und anscheinend jetzt Omas und Opas zu Stalkern. Meinen Horrorfilmkonsum muss ich echt runterschalten. Das ist schon nichts, das ist schon nichts, das ist sicher nichts… Mit diesem Mantra setze ich einen Fuß vor den anderen. Dann sind wieder Schritte zu hören. „Kann ich ihnen helfen sie sehen so verloren aus?“, sagt eine tiefe kratzige Stimme. Ich atme aus und nehme allen Mut zusammen um mich umzudrehen und um mich der unbekannten Person zu  stellen. Es ist ja sowieso nur ein alter netter Herr, da brauchst du dich nicht zu fürchten, sage ich zu mir selber. „Wissen sie zufällig wie ich hier raus komme?“, frage ich während ich mich umdrehe. Die  zusammengefallene Körperhaltung und der braune abgetragene Mantel bestätigen meine Vermutung, dass es sich bei dieser Person nur um einen alten Mann handelt, weshalb sich meine Befürchtungen verflüchtigen. Der alte Herr tritt aus dem Schatten in den Lichtkegel einer Laterne. Umrahmt von kurzen blonden Stoppelhaaren starren mich seine aufgerissenen Augen an, welche durch seine runden Brillengläser ein irres funkeln bekommen. Sein Mund zu einem Jokerlächeln verzogen, entblößen seine blutverschmierten Zähne. „Ki, ki, ki!“, sein knarziges Lachen schallt durch die Nacht, wie von einem alten düsteren Haus. Ich kann mich nicht bewegen meine Beine sind wie aus Beton. In meinem Kopf  fängt alles an zu schreien. Aaaaaa!!! Doch aus meinem Mund kommt kein Ton. Die Kreatur kommt näher, die Lippen bilden unverständliche Wörter, Gemurmel. Nur noch wenige Meter trennen mich von dieser Bestie, dessen Bewegungen einer Clownpuppe gleichen, nun bemerke ich, dass nicht nur seine Zähne sondern auch seine beiden Hände Blutüberströmt sind. Meine Glieder sind mittlerweile eiskalt, starr vor Angst. Es macht noch zwei Schritte, bald bin ich nur noch Blut auf seinen Fingernägeln... Ich muss hier weg. Aus der Schockstarre erwacht stolpere ich rückwärts und falle. Mein Kopf schlägt auf dem Schotter auf, Kiesel bohren sich in meine Kopfhaut. Tränen des Schmerzes und der Verzweiflung lösen sich aus meinen Augen, meine Sicht verschwimmt. Er ist nun über mich gebeugt. Der Geruch von vergammelndem Fleisch betäubt meine Sinne, Ekel erfüllt mich und ätzende Flüssigkeit dringt in meinen Mund. Er hält mich fest, ich versuche mich loszureißen. Seine Hand bohrt sich wie ein Messer in meine Gedärme, dann wieder seine grinsende Fratze. Immer wieder gräbt sich seine Hand in meinen Körper. Ich spüre nur noch Schmerz, sehe nichts mehr, nicht mehr einmal die Kotze in meinem Mund nehme ich noch wahr. Dann endlich Dunkelheit, eine Empfindung von Nichts und Leere.

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