Traumwandler

Avery konnte nicht anders. Sie musste einfach laut auflachen. Wäre ja auch zu schön gewesen, endlich einmal Freunde zu finden. Nein, stattdessen wurde sie nach Strich und Faden verarscht. Sie schüttelte den Kopf und war in Begriff aufzustehen, um zu gehen. "Warte geh nicht! Wir sind noch nicht fertig!" Kelsey klang nervös und hatte offenbar das dringende Bedürfnis etwas los zu werden. Aber Avery hatte keine Lust sich einen Bären auf die Nase binden zu lassen. "Lasst es einfach gut sein! Sucht euch jemand anderen, den ihr eure Scherze erzählen könnt und lasst mich in Ruhe! Danke für die Einladung, aber ich werde jetzt besser gehen." Sie schob ihren Stuhl zurück und ging Richtung Tür.

"Warte!" Kurz bevor sie die Tür erreichte schloss sie sich. Man hörte deutlich, das die Tür abgeschlossen wurde. Prüfend legte Avery trotzdem die Türklinke um. Nicht's...

"Was soll das? Lasst mich gehen!" Wütend drehte sie sich zu den Beiden um, die inzwischen aufgestanden waren und wie angewurzelt stehen geblieben waren.

 Kelsey umgriff ihre Stuhllehne so sehr, dass ihre Fingerknochen weiß hervortraten. "Bitte setz dich wieder. Wir lügen nicht! Mein Bruder ist leider nur furchtbar taktlos." Kelsey wirkte beschämt. Avery nickte langsam und setzte sich auf den Stuhl, der am weitesten von den Zwillingen weg war und am nächsten an der Tür. Auch wenn sie verschlossen war.

 "Also... was wollt ihr von mir? Und keine Lügen! Ich will die Wahrheit!" Komischerweise konnte sie ganz normal mit ihnen reden. So normal, als wären sie ihr bekannt. "Ich habe nicht gelogen! Pass auf wir werden dir alles erklären, aber bitte geh nicht weg! Es ist wichtig, dass du uns zuhörst." Nate hatte sich inzwischen wieder gesetzt und sprach ruhig mit ihr, wie mit einem kleinen Kind, das Angst vor dem Monster unter seinem Bett hatte. Kelsey stand immer noch, lies aber den Stuhl los. Anscheinend wollte sie sich nicht setzten.

"Okay, ich werde euch zuhören, aber ob ich es glaube ist eine andere Geschichte!" willigte Avery ein. "Ich denke mehr können wir nicht verlangen Nate!" Dieser nickte.

"Also... fangen wir mit dem an, was ich eben gesagt habe. Strenggenommen gelten wir nicht als Hexen..."

 Avery musste ihn unterbrechen: "Moment, wieso wir?"

"Wir sind wie du..." war das einzige was Kelsey rausbrachte.

"Ich werde dir alles erklären und du Kels, setz dich hin. Es macht mich wuschig, wenn du hinter mir stehst!" Sie tat wie ihr geheißen. Nate wandte sich wieder Avery zu.

"Wo war ich stehen geblieben?"

"Strenggenommen sind wir keine Hexen..." wiederholte Avery um ihm den sprichwörtlichen roten Faden wieder in die Hand zu geben.

"Richtig! Also... Wir sind Traumwandler. Wir können in unseren Träumen in andere Träume wechseln, also in die von anderen. Natürlich ist das nicht sehr höflich, aber manchmal durchaus nötig. Des weiteren haben manche von uns die Fähigkeit ihre Wünsche war werden zu lassen. Kels beherrscht diese Gabe, ich leider nicht. Deshalb konnte sie die Tür eben ohne weiteres verschließen. Du kannst das auch!" Er sah mich prüfend an. "Weißt du es den nicht mehr?"

Avery konnte nicht glauben was sie da hörte. "Dann habe ich dafür gesorgt, dass Bastie Ben eine... runterhaut?"

Nate nickte. "Eigentlich braucht man Jahre um so präzise etwas auszuführen, was man sich vorstellt. Kels wird seit unserem 6-ten Geburtstag trainiert. Dass du das so ohne weiteres kannst, ist höchst ungewöhnlich."

Das war unmöglich. Das konnte einfach nicht sein!

"Nicht's ist unmöglich!" Nate antworte ihr, obwohl sie weder eine Frage gestellt hatte, noch überhaupt laut gesprochen.

"Kels kann ihre Wünsche wirklich machen, ich kann Gedanken lesen, wenn ich mich auf jemanden konzentriere. Beides sind seltene Gaben der Traumwandler. Jede einzelne Gabe, kann nur ein Traumwandler haben, der zu dieser Zeit lebt."

"Also, solange du lebst, kann es keinen zweiten Traumwandler geben, der Gedanken lesen kann!" schlussfolgerte Avery.

"Genau! Sollte ich sterben, geht meine Gabe an einen anderen über."

Avery sah zu Kelsey, die die ganze Zeit über schwieg und nur beobachtete. "Aber was ist dann mit Kelsey und mir? Wir haben die selbe Gabe!"

Nate sah kurz zu seiner Schwester. "Ja... Deshalb bist du hier." er lehnte sich leicht vor. "Pass auf, wir Traumwandler, leben genau wie Hexen in einem sogenannten Zirkel. Nur gibt es bei uns nur zwei, die für die ganze Welt gelten. Der Zirkel, der für die Guten besteht und der für die Bösen."

"Und zu welchem gehört ihr?"

Nate grinste: "Was denkst du wohl? Wären wir im dunklen Zirkel, wärst du vermutlich lägst tot."

"Wieso? Was habe ich euch getan?"

"Alleine das du existierst reicht schon aus. Es gibt eine Prophezeiung, in der von einem Mädchen die Rede ist, das viel mächtiger ist, als alle Hexen oder Traumwandler zusammen. Sie soll alle Gaben die es gibt in einer Person sein."

Eine Pause entstand.

"Der Lichten-Zirkel glaubt, dass du das bist!"

Comments

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    Interessant. Wenn sie das wirklich ist, sollte sie vor dem anderen Zirkel beschützt werden und ihre Identität sollte nicht bekannt gemacht werden. Schöne Entwicklung.

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