Das Rendezvous im Schatten VI


Das Feuer im Kamin war von seiner prasselnden Intensität zu einem kleinen knackenden Gluthaufen geworden, der das Zimmer in ein schummeriges Licht hüllte. Bei diesen Lichtverhältnissen wäre es unmöglich gewesen Phantoms Gesicht, gar seine Gestalt, auszumachen.

Und wie bei ihrem ersten Gespräch war es Stephen, der die alles vereinnahmende Ruhe mit der Kraft seiner Worte zu brechen wusste.

"Nun es ist viel leichter als du denkst zu erklären warum deine Charaktere dich nicht umschreiben wollen. Indem du weißt warum sie es nicht tun werden, wirst du auch wissen warum Phantom und meine Wenigkeit behaupten können, dass sie es nicht wagen werden. Es gibt zwei Gründe warum Melanie diese Macht hat und diese zu nutzen wünscht. Zum einen ist Melanie ein verdorbener Apfel, der in seiner ganzen Verderbtheit schon seit Anbeginn seiner Existenz mit Felix in Streit liegt. Ich hoffe, dass ich dazu nicht konkreter werden muss, denn ich habe, wie alle hier, ein Spoilerverbot bekommen. Aber das ist zweitranig, widmen wir uns doch lieber dem eigentlichen Grund warum Melanie diese Macht erhalten hat."

Stephen stand auf und schritt mit ruhiger Gelassenheit zu einer Kiste. Die Truhe war Kathy bisher noch nicht aufgefallen und es schien ihr als sei diese auch zur Hälfte transparent, nur genug wahrnehmbar um nicht dagegen zu laufen, nicht aber die feine Musterung auf den Holzabschnitten zu erkennen. Stephen öffnete die Truhe und holte ein kleines Fläschchen heraus. Kathy erkannte es sofort, es war die Flasche in der das ursprüngliche in cerebum in Felix Besitz gelangt war. Entsetzt betrachte sie wie Stephen die Truhe schloss und sich mit dem Flacon wieder auf seinen Sessel setzte.

"Wie ich sehe, weißt du allzu gut was ich da in meiner Hand halte. Eine kleine Flasche mit silbergrauen Inhalt.", Stephen drehte die Flasche nach unten und der Inhalt ergoss sich aus der Flasche. Statt aber eine Lache zu bilden, verwandelte sich der silberne Saft im glitzernden Sternenlicht.

"Wie du siehst ist das in cerebrum in dieser Welt nur ein Trank der sich zu einer glitzernden Wolke verwandelt, sobald er die Flasche verlässt. In eurer Welt hat er die Macht einen Menschen, seinen Geist und Körper, in ein Gehirn zu bringen. Genauer Felix in dein Gehirn. Denn das Ziel, desjenigen der diesen Trank einnimmt, ist ja bereits mit seiner Herstelllung besiegelt. Aber warum erzähle ich dir das ganze?", fragte Stephen mit einem kleinen Reagenzglas einen Teil des Lichts einfangend, "Weil das erste in cerebrum instabil war. Felix hatte dir erzählt, dass er ab und an nachdem verlassen deines Gehirns Kopfschmerzen hatte. Wenn man so will hatte er einen Jetlag. Dieser Jetlag ist bei dem folgenden in cerebrum II korrigiert worden. Also für dich nicht mehr existent. Aber was war dieser Jetlag nun? Einfach gesagt es war die Verschmelzung der Gehirnwelt mit der realen Welt. Die Trennung die das in cerebrum zu durchdringen vermag, blieb bei der original Variante bestehend. Und so erhielt jeder Charakter in Felix Hirn die Möglichkeit sich selbst umzuschreiben und dadurch auch die Macht den Autor selbst zu verändern. Warum es nur Melanie wagt, ist aufgrund ihrer Verdorbenheit zu begründen, schließlich ist ein solcher Akt keinem Wesen eine Option welches auch nur einen Funken Moral in sich trägt."  

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