Schatten der Vergangenheit

"Church!", Finn trank noch einen Schluck Kaffee, sein Schädel brummte, aber er war beinahe wieder nüchtern, "Was war das eben, mit Sassy? Was war los mit ihr? Und was meintest du mit sie soll den Auftrag abbrechen?"
Sassy war, nachdem Chruch sie davon abgehalten hatte Gewalt gegen Finn und Lillet anzuwenden einfach verschwunden. Church stand an der Fensterfront, starrte einfach in den Sternenhimmel.
"Sprichst du nicht mehr mit mir?", wollte Finn wissen, langsam nervte ihn diese Geheimniskrämerei.
"Es gibt Dinge, die nach der Schlacht hier passierten...", Church drehte sich um, "Dinge, die du nicht weißt, Dinge die... Ich kann nicht mit dir darüber sprechen, entschuldige mich!"
Finn raufte sich die Haare, als Church einfach verschwand: "Verdammter Mist, ihr könnt mich nicht immer alle einfach so stehen lassen!"
Church fand Sassy da wo er sie vermutet hatte, sie war, übermenschlich schnell, bis zum Ufer des Etan gelaufen und saß nun dort, betrachtete die Sterne die sich im klaren Flusswasser spiegelten.
"Was willst du?", fauchte sie ihn an, die Spur aus zerlaufenem Eyeliner über ihre Wange sprach Bände. "Ich möchte, das du endlich darüber redest!", Church setzte sich neben sie, "Wir müssen irgendwann darüber sprechen, was in Buldarak passiert ist!"
Sassy schüttelte entschieden den Kopf: "Nein, müssen wir nicht!"
Sie ließ sich zurückfallen und starrte nun in den Sternenhimmel.
Es war eine ähnlich klare Nacht gewesen, die den Anfang ihres Fluchs eingeleitet hatte. Alles geschah, nachdem Finn verschwunden war, weil er mit Evas vermeidlichem Tod nicht zurechtkam. Sie und Church hatten sich zusammen getan, um nach ihm zu suchen.
"Ich denke nicht, dass du nach Schwarzwasser gehen solltest!", Church hatte in Elensars Wacht einen Streit vom Zaun gebrochen.
Sassy hatte eine Verbindung über Spiegel in den 9. Kreis herstellen können und war fest entschlossen gewesen dort nach Hinweisen auf Finns Verbleib zu suchen.
"Ihr wart dort, vielleicht ist er dahin geflohen, weil ihn keiner in Schwarzwasser oder sonst wo in diesem Höllenloch vermutet!", rechtfertigte Sassy ihren Plan.
Church verdrehte genervt die Augen: "Ja, wir waren dort! Deswegen möchte ich nicht das du auch nur einen Fuß nach Schwarzwasser... Sassy!"
Sassy hörte natürlich nicht auf ihn und verschwand durch den Spiegel, sie wusste, dass nur ein geborener Vampir diese Art des Reisens beherrschte und er sie nicht aufhalten konnte.
"Dieses sture Miststück!", fluchte Church, dann eilte er los, um eine der drei großen Jägerinnen zu finden.
Sassy streifte einstweilen gelangweilt durch die dunklen, verregneten Straßen von Schwarzwasser.
"Hey Schnecke, was macht jemand wie du den hier?", schrie ein großer, kräftiger Mann ihr nach.
Sassys Augen blitzen auf, sie blieb stehen und wartete, bis er sie eingeholt hatte, "Na, noch frei für die nächste halbe Stunde?"
Sassy machte sich nicht die Mühe ihn anzusehen: "Du hältst mich also für eine Prostituierte?" 
Das schäbige Lachen bestätigte ihr, was sie gedacht hatte: "Ihr Weiber seid alle käuflich! Was ist dein Preis, du scheinst neu zu sein!"
Sassys Mund verzog sich zu einem grausamen Lächeln: "Ich will nur ein Abendessen!"
Sie fuhr blitzschnell herum und packte den Arm des Mannes, mit der anderen Hand drückte sie seinen Kopf zur Seite, noch bevor er schreien konnte biss sie ihm die Halsschlagader durch und vergrub ihre Zähne in der Wunde. Außer einem Japsen kam nichts mehr von dem Widerling, Sassy warf ihn achtlos zur Seite und ließ ihn liegen. Dann führ sie sich über den Mund und lauschte in die Nacht hinein.
Nicht weit entfernt schien es einen Kampf zu geben, Sassy hörte ein Kind weinen und um Hilfe betteln.
Sie setzte sich sofort in Bewegung, da die Schreie nicht abklangen konnte sie problemlos durch einige Querstraßen navigieren, bis sie eine dunkle Gasse direkt am Hafen erreicht hatte.
"Lasst ihn los, bitte schlagt ihn nicht tot!", tatsächlich, ein Junge, vielleicht 12 Jahre alt, wurde von einem dunkel gekleideten, hoch gewachsenen Mann festgehalten. Zwei weitere Männer schlugen auf einen am Boden liegenden Mann ein, sie hatten ihn, bei der Menge Blut die Sassy riechen konnte, schon beinahe umgebracht.
Sassy öffnete die Seitentasche ihrer Hose und zog ihre beiden Schlagringe heraus um sie überzustreifen. Sie hatte zwar schon gegessen, aber ein Buffet aus widerlichen Schlägern würde sie nicht einfach hier stehen lassen.
Außerdem brauchte der Junge und der Mann, der wahrscheinlich sein Vater war, Hilfe. Sie sprintete zuerst zu dem Jungen, packte den Mann, der ihn gefangen hielt, am Kopf und brach ihm laut knackend das Genick.
Erschrocken blickte er Junge zu ihr auf, seine verweinten Augen schienen wieder ein klein wenig Hoffnung in sich zu tragen.
"Geh hinter den Mülltonnen in Deckung!", befahl Sassy ihm, "Ich kümmere mich um diesen Abschaum!" 
Der Jung nickte ihr lächelnd zu und versteckte sich hinter dem Container, er ein paar Meter weiter weg an der Wand stand.Die anderen beiden hatten von ihrem Opfer abgelassen und starrten Sassy abschätzend an.
"Was ist Schätzchen? Willst du Ärger?", fragte der Größere, die Narben in seinem Gesicht deuteten auf einige Prügelein hin.
"Komm doch her und zeig mir wie stark du bist, Hackfresse!", Sassy schenkte ihm ein entzückendes Lächeln.
Wutentbrannt schrie der Schläger auf und stürmte auf Sassy zu, sie wich seinem Schlag aus und beförderte ihn mit der Wucht ihres Schlages in seinen Magen gegen die Wand hinter ihr.
Der Zweite hatte sie fast erreicht, Sassy drehte sich schnell um und streckte ihn nieder. Dann schlug sie mit voller Wucht gegen seinen Brustkorb, das Knacken der brechenden Rippen ließ sie grinsen.
Der erste Angreifer versuchte sich wieder aufzurappeln und Sassy wollte gerade auch ihm ein Ende setzen, als sie eine dunkle Stimme hinter sich aus dem Konzept brachte.
"Was ist hier los? Wer hat meinen Männern das angetan?", Sassy erhob sich, der Klang dieser Stimme war so voll von Dominanz und Macht. Schnell drehte sie sich um und starrte in die roten Augen eines hoch gewachsenen, gut gebauten Mannes.
Eine gefährliche Aura schien ihn zu umgeben die selbst Sassy verunsicherte.
Seine langen, schwarzen Haare schienen einen leichten Rotschimmer zu haben, sein Gesicht war markant, wirkte aber gleichzeitig jung und dynamisch.
Er ging zu dem übel zugerichteten Mann und hob ihn an seinem blutverschmierten Shirt hoch: "Wer hat meinen Männern das angetan?" 
Sassy warf einstweilen dem Jungen einen Blick zu und deutete ihm still zu sein und im Versteck zu bleiben.
"Das war sie!", keuchte der Verletzte und hustete, "Sie hat verhindert das deine Schläger mich töten, Vincent!"
Der Angesprochene ließ ihn los und starrte ihm tief in die Augen: "Sag mir die Wahrheit, was ist hier passiert?"
Plötzlich antwortete der Verletzte wie in Trance: "Sie kam aus dem Nichts und hat dem Mann, der meinen Sohn hielt, das Genick mit bloßen Händen gebrochen. Dann hat sie den Mann, der an der Wand lehnt, mit einem einzigen Schlag dorthin befördert. So wie es klang hat sie dem Zweiten den Brustkorb zertrümmert. Sie ist eine Heldin und hat mich gerettet!"
Angewidert ließ Vincent ihn los: "Verschwinde, es sieht so aus, als hättest du noch einmal Glück gehabt!" Der Mann stolperte los und sein Sohn kam aus dem Versteck, um ihn zu stützen: "Papa, warte, ich helfe dir!"
Sie drehten sich noch einmal zu Sassy um: "Danke!"
Sassy streckte sich einstweilen und ließ ihre Schultern kreisen, um sich auf den nächsten Kampf vorzubereiten.
Sie steckte die Schlagringe weg, die würden ihr jetzt nichts nützen.
Was dieser Mann, Vincent, mit seinen roten Augen getan hatte, es musste sich um einen Hexenmeister handeln, das war ein klares Problem.
Hexenmeister konnten meist über Feuer gebieten, was für Sassy tödlich wäre.
Sie hatte einen klaren Vorteil, er wusste nicht, was sie war, darum würde sie ihn hoffentlich ohne Probleme erledigen können.
"Eine Heldin!", höhnte der Hexenmeister, "Wirklich dumm, Kleines! Was bist du, ein Dämon? Hast du beschlossen hier die Straßen zu säubern?"
Sassy legte den Kopf in den Nacken und starrte in den von Wolken bedeckten Nachthimmel. Der Regen prasselte auf ihr Gesicht, sie konzentrierte sich auf ihre Sinne, versuchte auszumachen ob noch aus anderer Quelle Gefahr drohte.
Dann sah sie ihm direkt in die Augen: "Ja, ich bin die neue Müllabfuhr, und Abschaum wie du und diese...", sie versetzte dem noch lebenden Mann einen Tritt in die Rippen als er versuchte davon zu kreichen, "Widerlinge gehört dringend beseitigt!"
Der Hexenmeister packte sie am Hals und presste sie gegen die Wand, Sassy bemühte sich eine daraus resultierende Atemnot zu simulieren.
Ihr Plan schien aufzugehen.
Wie erwartet ließ er den Griff erst lockerer als sie ihm in die unheimlichen, roten Augen sah. Arrogant und siegessicher grinste er sie an und kam ihr immer näher, bis nur noch wenige Zentimeter ihre Gesichter trennten.
"Was willst du, Bastard?", Sassy versuchte ihrer Stimme einen erstickten Klang zu verleihen.
"Du hast keine Ahnung, wer ich bin, oder?", zischte der wütende Hexenmeister.
"Ein Arschloch, du bist ein dummes Arschloch!", spottete Sassy, "Was ist, willst du mich mit deinem Blick durchbohren?"
Sie grinste, ihre Sprüche kamen ihr heute Abend wieder einmal leicht über die Lippen.
Aber dann bemerkte sie wie er ebenfalls Grinste und sie spürte etwas brennendes, spitzen an ihrem Hals.
Sie musste nicht einmal hinsehen können, um zu wissen, dass es sich um einen Dämonentöter, einen geweihten Dolch aus Harmun, handelte. Leider für Vampire genauso unangenehm.
"Fangen wir mit dem Namen an, wer bist du, kleine Dämonin?", es schien dem Hexenmeister gefallen zu bereiten sie mit dem Messer in Schach halten zu können.
"Steck das Messer weg, dann denk ich darüber nach!", presste Sassy hervor, das Brennen an ihrem Hals war mehr als unangenehm.
Statt auch ihre Forderung einzugehen, schnitt er ihr leicht in den Hals. Es brannte schrecklich, Sassy biss sich auf die Lippen, um einen Schrei zu unterdrücken.
"Sassy, und jetzt pack das Messer weg, Arschgesicht!", motzte sie ihn an. Tatsächlich entfernte er das Messer von ihrem Hals: "Gut, dafür verlange ich aber eine kleine Gefälligkeit!"
Sassy risst die Augen auf, als sie plötzlich seine Hand unter ihrem Oberteil spürte. Das ging zu weit, das reichte.
Sie packte mit beiden Händen seinen Arm mit dem er ihren Hals fixierte und riss sich los, dann stieß sie ihn zurück: "Wage es ja nie wieder mich anzufassen, du widerliches Paramecium!"
Der Hexenmeister lachte sie bloß aus und stach ihr Blitzschnell das Messer in die Schulter um sie erneut gegen die Wand zu drücken.
Sassy schrie auf vor Schmerzen, er packte ihr Gesicht und zwang sie ihn anzusehen.
Dann starrte er ihr wieder in die Augen: "Du gehörst jetzt mir, hast du das verstanden meine Hübsche? Du wirst machen, was ich von dir möchte, und du wirst es genießen mir alle meine Wünsche zu erfüllen."
Sassy wartete einen Moment und starrte in seine Augen: "Ja Meister, ich will ganz euch gehören!"
Süffisant grinste der Hexer: "Schon besser, ihr widerspenstigen Dämonen müsst euch meinem Zauber beugen!" 
Dann begann er ihren Hals zu küssen, was für Sassy das Stichwort war.
"Vielleicht müssen Dämonen das... Aber ich bin ein Vampir!", blitzschnell biss sie in seine Schulter und nahm sie viel seines Blutes wie möglich zu sich, dann stieß sie ihn von sich.
"Was, argh.", überrascht hielt der Hexer sich die blutende Schulter, "Das wirst du bereuen, du wirst bereuen dich mir widersetzt zu haben!"
Sassy riss sich das Messer aus der Schulter und sprintete los.
Der Energiekick den das frische Blut ihr beschert hatte, würde nicht lange anhalten, außerdem würde ihre spezielle Fähigkeit sie bald außer Gefecht setzen.

"Sassy?", Church riss sie aus ihrer Erinnerung, "Geht es dir gut?"
Sassy strich über die längliche Narbe an ihrer Schulter, die einzige Narbe die man ihr je beigebracht hatte, mit dem dünnen Strich am Hals. Sonst hatte niemand sie je verletzen können. Hätte sie nur damals auf Church gehört, dann wäre ihr so vieles erspart geblieben.
"Was ist passiert, als du auf dem Schlachtfeld in Windun verschwunden bist? Du warst 2 Monate weg, und danach ein wenig von der Rolle! Das bist du bis heute! Was für ein Fluch ist das, von dem du gesprochen hast?"
Sassy betrachtete, wie die Sonne langsam über Argenshire aufging.
"Ich muss los!", sie sprang auf, "Sag Finn er soll endlich aufhören sich zuzudröhnen. Wir haben alle unsere dunklen Schatten der Vergangenheit, die über die Gegenwart kreisen! Also soll er sich nicht wie ein Baby benehmen!"
Church nickte: "Aber bist du sicher das du zurück nach..."
"Ich werde diesen Auftrag auf jeden Fall erfüllen!", sagte Sassy mit bestimmtem Ton, "Ich kann die Kleine nicht alleine bei diesen Verrückten lassen!"
Chruch seufzte, sie würde sich sowieso nichts von ihm sagen lassen.

Comments

beta
Fairy Dust

Navigation

Languages

Social Media