Es war vor einer langen Zeit, dass die Sonne oben am Himmelszelt thronte und wusste, dass nichts auf der ganzen Welt ihrer Macht gleich kam. Weder am Boden, noch im Meer oder am Himmel wo sie residierte. Wegen ihrer großen Macht, war sie stolz. Wegen ihrer großen Macht, war sie Einsam.

Doch war die Sonne auch von Weisheit erhellt und sprach voll Nachdenklichkeit: "Was nützt Macht und Stolz, wenn am Ende nur die Einsamkeit schmerzend übrig bleibt?"

Viele Jahre kämpfte ie gegen den dämonischen Schmerz und verlor dabei unendlich an ihrer Kraft. Die Trauer legte sich von ihrer Seele auf ihren Körper und so verlor sie Glanz um Glanz und Farbe um Farbe.

 

Eines Mittags schwebte eine Wolke zur Sonne und fragte: "Warum bist du so traurig, liebes Sonnenkind?"

Die Sonne klagte ihr Leid, sodass die Wolke sich von ihrem weißen Unschuldskleid, in ihr graues Trauergewand wandelte und zu weinen begann. Die Wolke wurde kleiner und kleiner, doch ehe sie ganz verschwand, sprach sie: "Hör liebes Sonnenkind. Ich kann dir nicht helfen, bin ein Phönix der aus Waserdampf aufersteht und doch endlicher Natur. So endlich wie ich bin, so wenig Weisheit liegt in mir, doch die Sterne des Abends sind voll von der Weisheit die du suchst. Warte auf den Abend, sie werden dich führen."

 

Des Abends schwebte ein Stern an der Sonne vorbei. Schnell nutzte sie ihre Chance und sprach den kleinen Funkelkrisstall an. Dieser sprach: "Ich kann nicht lange bleiben, es zieht mich auf die Erde. Doch will ich dich nicht alleine lassen. Wenn ich falle saug meinen Schweif aus Sternenstaub in dich ein und warte fest auf das helle Licht der Nacht. Er wird erscheinen, wenn du vom ihm träumend schläfst. Und irgendwann werdet ihr einander sehen können. Gib deine Hoffnungen nur nicht auf!"  

 

Noch ehe die Sonne ihn fragen konnte, was all das bedeuten solle, regnete der Stern als Sternschnuppe auf die Erde herab. Den silbernen Schweif, den er hinterlassen hatte, sog die Sonne in sich auf. Und mit dem Sternenstaub , gelangte die Kraft des weisen Sterns zur  Sonne.  Hoffnungen, Träume und Ziele wurden bildhaft und das Sonnenkind hielt daran fest. Es wusste, dass es nur lange genug warten musste um seine Wunsch erfüllt zu bekommen.

 

Es vergingen die Tage, Wochen, Monate und Jahre, doch war die Traurigkeit der Sonne gewichen. Die Worte des Sterns hatten ihr Vertrauen erhalten und so wusste sie tief in sich, dass eines Tages die Einsamkeit der Zweisamkeit weichen würde und freute sich darüber. Ihr inneres Feuer loderte auf und mit der Zeit gewann sie ihren Glanz und ihre Farbe wieder.  So viele Gedanken kreisten durch das Haupt des Sonnenkindes. Wie wohl der andere heißen mochte? Wer er wohl sei? Und  wann sie endlich einander sehen würden?

So viele Gedanken flogen durch den Kopf, dass die Sonne müde wurde und zu schlafen begann. Die Erde wurde dunkel und als das Sonnenkind erwachte, sah es einen Schein, der seinem nicht unähnlich war. Etwas kühler, milder und in einem sanften blauen Hauch, aber nicht minder schön.  Ein Wunder war geschehen.

 

Das Sonnenkind schaute mit großen, ungläubigen Augen. Sein Gegenüber sprach mit dunkelsanfter Stimme: "Es hat lange gedauert dich zu finden, doch als mir ein kleiner Stern die Richtung wies, fand ich dich zielsicher. Wir sind füreinander bestimmt, mein liebstes Sonnenkind. Ich bin der Mond und verehre dich seit Anbeginn der Zeit. Ich bin aus der Erde geboren und ihr stets ein guter Freund gewesen, sie sprach oft von deiner gütigen Wärme, doch war mir das Glück erst heute vergönnt dich sehen zu dürfen."

Glutrote Freudentränen rannen über das Gesicht des Sonnenkindes: "Endlich hast du mich gefunden."

"Ja und wenn wir einander missen, so schließen wir die Augen. Ich werde deine erbauende Wärme spüren und du meine bergende Kühle. Denn mir ist es nicht vergönnt, dich täglich sehen zu dürfen. Es schmerzt, dass es nur alle tausenden Jahre sein werden, dass ich in deine leuchtenden Augen blicken darf, doch warte ich auf dich voll Hoffnung und Liebe alle Zeit."

Nie hatte das Sonnenkind solch lieben Worte empfangen, nie wurde ihm so viel Zärtlichkeit zuteil. Es wusste, dass sie wirklich füreinander bestimmt waren und egal wo sie sich befanden, ihre Liebe sie immer aneinander band.

Der Mond zeigte sich an diesem Abend in seiner vollen, verführerischsten Gestalt. Und flüsterte als Vollmond dem Sonnenkind Lieblichkeiten ins Ohr. Der Tag war zur Mittagsstunde dunkel geworden, als Sonne und Mond sich küssten.

 

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1.07.2016 © Felix Hartmann

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