Winterbrand

Ein schrilles Kreischen riss mich aus meinen tiefen Schlaf. Der Schrei erschrak mich so sehr, dass ich kerzengerade in meinem Bett saß.
Ich zog mir eine Jogginghose und ein T-Shirt über und sprintete aus dem Schlafzimmer über den Gang ins gegenüberliegende Zimmer.
Die Tür des Zimmers stand bereits etwa 20 cm offen, als ich stürmisch hinein hechtete.
Verwundert blickte ich mich um, als mir Schnee in mein Gesicht wehte. Ich traute meine Augen nicht, was ich da sah: Der Raum hatte keine Decke und keine Wände mehr.
Ich suchte nach Stella und meiner Tochter. Stella fand ich in Unterwäsche weinend auf dem Boden kauernd. Sie hielt eine kleine Kuscheldecke in den Händen. Von Anna war aber keine Spur zu finden. Ich konnte sie nirgends entdecken.
»Was ist los? Wo ist unsere Tochter?«
»Sie ist weg. Die haben sie mitgenommen!«, schrie Stella weinend, während sie immer wieder mit ihrer rechten Hand verzweifelt auf den Boden schlug.
»Sie ist weg, Samael und wir konnten nichts machen. Sie ist weg.«
Sie wurde dabei immer lauter und hysterischer.
Hitze begann von ihrem Körper aufzusteigen. Die Unterwäsche verbrannte, als sie immer heißer wurde.
Stellas Haut fing an Risse zu bekommen, durch die weißes Licht nach außen strahlte. Ihre Haare fingen an mit der restlichen Haut zu brennen. Aus ihrer Stirn wuchsen 15 cm lange Hörner, die sich nach hinten wegbogen und aus ihrem Rücken schnellten zwei Flügel, die mit weißen Federn gespickt waren.
Knapp unter der Spitze ihrer Hörner formte sich ein brennender Kranz.
Sie bestand fast nur noch aus Flammen, als sie sich zurückwarf und so laut schrie, wie sie nur konnte. Es war ohrenbetäubend und mit so viel Macht versehen, dass die Tiere in der Umgebung die Flucht ergriffen.
Ich versuchte auf sie einzureden: »Beruhig dich. Wir werden sie suchen gehen.«
»Sag du mir nicht, ich soll mich beruhigen! Ich werde sie alle abschlachten!«, ihre Stimme wurde dunkler und dröhnte richtig in meinen Ohren.
»Stella, du weißt ganz genau, dass ich das nur sage, damit ich selber ruhig bleibe!«, nun wurde auch ich laut.
»Ich glaube, unsere Tochter ist wichtiger als dieser Pakt.«, sie wurde leiser. Tränen von Wut und Verzweiflung standen in ihren Augen.
»Das ist sie, ja, aber der Pakt beinhaltete ein Siegel. So lange das nicht gebrochen wurde, darf ich meine Gestalt in der Stadt nicht annehmen.«, seufzend ließ ich mich zu Boden sinken, »Du weißt ganz genau, was passiert ist, als wir hierher gezogen sind… Als das Monster die Stadt angriff. Ich half und ich habe mehr Schaden angerichtet, als das Monster.«
Ich ließ den Blick schweifen und gerade, als mir klar wurde, dass es seltsam war, dass die Wände und das Dach auf einmal fehlten und wir nicht wach geworden waren, bemerkte ich, dass die unmittelbare Umgebung von Stella durch die Hitze zu brennen begonnen hatte.
Ich sprang auf die Füße und wich zurück, als plötzlich auf dem Boden etwas zu brennen anfing, das wir zuerst nicht sehen konnten.
Die Feuerspur breitete sich immer weiter aus, bis es zu einem komisch geformten Symbol wurde.
»Siehst du DAS auch?«, ich betrachtete es verwundert und rätselte, was es wohl bedeuten mag.

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    Spannende Fortsetzung zu dem geheimnisvollen Schatten vorm Fenster im ersten Kapitel :) Bin neugierig, was noch alles passieren wird und was für ein Siegel das ist.

beta
Fairy Dust

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