Geheimnisse

Früh am nächsten Morgen weckte Allister die drei Schwestern, leise und bedacht darauf das Kätzchen Shanora nicht aufzuschrecken.
 "Wir müssen hier weg!", zischte er ihnen zu, "Jemand nähert sich, lauft!"
Schnell rafften sie sich auf und liefen über die Ebene, bis sie zu einer Schlucht gelangten.
An den steilen Wänden würden sie nicht hoch kommen, also blieb nur der Weg durch die Schlucht, bis dieser vor einer Art in den Stein gearbeiteten Treppe endete.
"Wieso laufen wir?", fragte Shanora müde.
"Alles gut Kleines!", log Allister, "Saphira, das sieht wie ein eigenartiges Plateau aus zu dem die Treppe hinführt, egal, rauf da!"
Sie rannten die steinerne Treppe hoch, Allister konnte spüren wie ihre Verfolger immer weiter aufholten, sie schienen sich mit einer unmenschlichen Geschwindigkeit fort zu bewegen.
Er hatte das Gefühl, schon einmal eine ähnliche Präsenz gespürt zu haben, hoffte aber auf einen Irrtum. 
Sie erreichten das Plateau, es gab rund herum nur Schluchten und Krater, keinen Ausweg.
"Verdammt eine Sackgasse!", Saphira blickte sich um. 
"Ihr seid langsam!", knurrte einer der vermummten Gestalten, die sie eingeholt hatten.
"Sieben schwarze Ritter!", flüsterte Shan, "Sie folgen dem Pfad des Dunklen, einst waren sie Engel, bis der dunkle König sie verdorben hat! Jetzt sind sie die Ginn. Einer scheint zu fehlen, es sind nur sechs an der Zahl!"
Allister nickte, er hatte bereits Bekanntschaft mit diesen Wesen gemacht, und die Waffe, mit der sie zu bezwingen waren, verschenkt.
Dafür war ihre Stückzahl zumindest um einen verringert worden.
"Wer seid ihr? Und Warum folgt ihr uns?", fragte Celles trotzig und funkelte die unter schwarzen Rüstungen verborgenen Gestalten finster an.
Die sechs Ritter schienen sie einzukreisen, lachten hämisch. Schließlich brüllte einer: "Zum Angriff!"
Saphira deutete auf das Ende das Plateaus: "Da scheint es einen Weg nach unten zu geben, wir müssen  ihn erreichen!" 
Allister war erstaunt, wie schnell die Schwestern reagierten.
Celles zog ein Feuerzeug aus ihrer Tasche und lies einen Sturm aus Flammen daraus entspringen, Saphira kombinierte ihre Fähigkeiten mit Vanessas, sie erschufen eine Windhose voller tödlicher Geschosse aus Eis.
Allister setzte Shan neben sich auf den Boden: "Bleib genau da sitzen, Shan!"
Dann hüllte sich sein Körper in dunklen violetten Nebel und er begann den Sturm mit dunkler Energie zu füllen. 
Celles lies nun ihren Feuersturm um den Sturm aus Eis und Dunkelheit kreisen, bis dieser über die schwarzen Ritter hinweg fegte. 
"Das war brillant!", Allister sah sich um, keine Spur mehr von den Angreifern, "Was für eine Technik!"
Die drei Schwestern sahen an ihm vorbei und deuteten ihm sich umzudrehen.
Er wandte sich um und erblickte die Ginn aufs Neue.
Sie hatten keinen davon getroffen, es war den Ginn gelungen auszuweichen.
Shanora saß direkt vor ihnen und machte sich verängstigt klein. Allister eilte nach vorne und schnappte sie.
"Kein Wort!", zischte er ihr zu, sie verkroch sich sofort in seinen Haaren.
Die Ginn beobachteten ihn genau, sie schienen auf irgendetwas zu warten.
Allister hatte nur noch einen Einfall, er musste diese Karte jetzt ausspielen: "Ihr sucht den dunklen König! Das machen wir auch, wir stellen also keine Gefahr für ihn, oder eure Machenschaften, da!" 
Einer der Ginn lachte bitter: "Kleiner Elf, wie kommt es, dass ihr immer an Orten auftaucht, an denen ihr nichts verloren habt?" Allister zuckte mit den Schultern: "Ich habe Pech! Am laufenden Band! Immer!"
Der Ginn näherte sich ihm, nichts als pure Schwärze war unter seinem Helmvisier zu sehen: "Und das sollen wir glauben, du bist mit den Dunkler-Töchtern unterwegs!"
Allister überlegte nicht lange: "Sie sind meine Geiseln! Mein Geschenk an den dunklen König! Um den Weg für seine Herrschaft zu ebnen! Ihr habt doch gesehen, dass sie tun was ich ihnen Befehle!" 
Der Ginn war nicht überzeugt, und doch zog er sich zurück: "Wage es nicht die Ginn zu hintergehen, das wirst du sonst bereuen!" Allister lies sich auf den Boden sinken als die bösartigen Wesen verschwunden waren.
Die Ruhe währte nicht lange, er bekam einen Tritt in die Rippen und rang um Luft.
Celles stand neben ihm, wutentbrannt.
"Was sollte das?", ihre Stimme klang als würde sie gleich explodieren.
"Es reicht, das macht so keinen Sinn", Saphira hielt sie zurück, "was auch immer hier passiert, wir sind nicht gewappnet. Wir haben das hier unterschätzt! Celles, Vanessa, wir gehen nach Hause, fürs Erste! Wir müssen in die Bibliothek, diese Dämonen können wir nicht bekämpfen!"
Celles nickte frustriert, sie versetzte Allister noch einen Tritt und ging zu Saphira.
Vanessa kniff die Augen zusammen und stemmte die Hände in die Hüften: "Was zum Geier war das? Was verheimlichst du uns?" Allister erhob sich und schien nicht genau zu wissen, wie er aus dieser Miesere wieder hinaus kommen sollte.
"Wenn ich dich so ansehe erinnerst du mich an jemanden!", er klopfte sich den Staub von seiner Hose, "Aber dann auch wieder nicht, du solltest an dir arbeiten!"
Saphira wurde hellhörig, ihr misstrauen wuchs von Sekunde zu Sekunde.
Alles was passiert war, seit Finn kurz im Limbus aufgetaucht war und die schwarze Krone abgegeben hatte.
Höchst verwirrend und eigenartig, vor allem interessierten sich zu viele Welten nun für Elensar und den Limbus.
"Allister", ihre Stimme klang beinahe bedrohlich, "wusstest du wer wir sind, als wir uns getroffen haben?"
Allister verdrehte die Augen, das Lügen gehörte nicht zu seinen liebsten Beschäftigungen, aber die Wahrheit war keine Option. Also nickte er: "Ja, ich wusste wer ihr seid. Ich wusste auch wer Finn ist, und Church. Aber ja, Church, frag ihn doch was hier vor geht, er kann dir sicher einige Fragen beantworten! Das ist nicht meine Aufgabe! Zumal ihr nicht hilfreich seit, nein, kein bisschen! Laut und sinnlos! Selbst ein Presslufthammer findet euch drei zu laut!"
Saphira erschrak, sie merkte, dass die spöttischen Worte des Elfs keineswegs gelogen waren. Er schien gerade zu erleichtert und froh zu sein nicht länger darüber schweigen zu müssen.
Aber was hatte das dann zu bedeuten?
Chruch machte immer ein ominöses Geheimnis aus seiner Zeit mit Finn und Sassy, die über Jahre sehr intensiv gewesen war.
Auch Sassy, ihre Cousine, war immer mit von der Partie gewesen, sie hatte man seit vielen Jahren nicht mehr gesehen, niemand wusste wo sie abgeblieben war.
Saphira lies ihn stehen und zerrte Vanessa mit, Celles folgte ihnen interessiert. 
"Okay, ich muss mit Church reden! Finn wird irgendwo gefangen gehalten und dann diese Anspielungen? Hier ist etwas großes im Busch!", flüsterte Saphira den beiden zu. Celles nickte: "Clever kombiniert! Ich werde in der Bibliothek nach Antworten suchen, und wenn ich alles niederbrennen muss!"
Vanessa schaute zwischen den beiden hin und her: "Und was bitte soll ich machen? Däumchen drehen?" 
Celles kicherte, aber Saphiras ernster Blick lies sie ihren Kommentar hinunter schlucken.
"Du versuchst etwas mehr über deinen Exliebhaber heraus zu finden, mehr kannst du gerade nicht tun! Er scheint ein falsches Spiel zu treiben!", zischte Saphira ihr zu, dann hakte sie sich bei Celles ein und die beiden kehrten den anderen den Rücken zu und verschwanden.
Shanora hatte einstweilen versucht zu lauschen, Allister hatte ihr das natürlich verboten.
Genervt kaute die kleine Katze an einer Strähne seines Haars um ihren Unmut auszudrücken.
"Und jetzt?", schleuderte Allister Vanessa entgegen, "Was jetzt? Bleiben wir hier stehen und warten ob Finn von selbst wieder auftaucht? Wie das letzte Mal? Oder habt ihr das nicht bemerkt? Vor allem du- du warst sicher mit schminken beschäftigt!"
Vanessa war überrascht über seine harten Worte, aber sie musste auch mit Taktik vorgehen.
Also lächelte sie milde: "Nein, natürlich nicht! Sag, Allister, was kümmert dich das alles so sehr? Und warum verachtest du uns alle, auf einmal?"
Shanora hörte auf seine Haare zu zerkauen und sprang von seiner Schulter, ihre türkisen Augen musterten ihn kritischer als je zuvor.
"Wird das jetzt ein Verhör?", erkundigte sich Allister, er wurde deutlich ungehaltener, "Ich beschütze jemanden, und bin auch persönlich betroffen, falls ihr das vergessen habt!? Weißt du Vanessa, du magst schön sein, aber, wie deine Geschwister, extrem dumm. Einfach nur dumm und ignorant! Es gibt Frauen, die alles opfern, für die, die sie lieben. Ihr sucht halbherzig und hofft das euch alles in die Karten gespielt wird!"
Vanessa kniff die Augen zusammen, irgendetwas hatte der Elf schon immer vor ihnen verborgen.
Nicht etwa die dunkle Magie, die tief in seinem Inneren schlummerte, mit der wedelte er nur zu gerne vor ihnen herum.
Er fühlte sich schuldig, für das, was hier passierte. Aber warum? Und wessen Leben musste er so dringend beschützen?
"Du hast viele Fragen, aber ich kann dir keine davon beantworten!", Allister deutete Shanora wieder zu ihm zu kommen, "Shan, wir gehen! Vanessa findet alleine nach Hause!" Vanessa empörte sich sofort: "Das kommt nicht in Frage, Shanora kommt mit mir mit!"
Shanora schaute bedrückt zwischen den beiden hin und her, sie hatte keine Ahnung, mit wem sie gehen sollte.
Allister blieb das nicht verbogen, er kniete sich vor ihr auf den Boden: "Hör mal Kleine, die Person die ich schütze hat geschworen dich zu beschützen! Sie ist eine gute Freundin von deinem Bruder! Du musst mir vertrauen, Finn ist in höchster Gefahr, wenn du wirklich nicht daheim sitzen willst während wir ihn retten, dann komm mit mir!"
Vanessa fuhr sich wütend durch die Haare, eine solche Dekadenz hatte sie nicht einmal von einem Elf erwartet.
"Was bildest du dir ein, Allister Androlien?", knurrte sie, "Du kommst in unsere Welt, belügst uns, hast nichts als Geheimnisse und eine eigene Mission? Und du willst die Prinzessin mitnehmen? Keine Option, sie kommt mit mir!"
Allister seufzte genervt: "Hier geht es nicht um uns, Vanessa, es geht um Finn! Und Shanora hat wohl das größte Recht ihn zu suchen!" Vanessa schnappte sich Shanora, diese fauchte zwar, aber in der Gestalt einer kleinen Katze konnte sie sowieso nichts ausrichten.
"Du hast kein Recht dich hier einzumischen, wen  auch immer du beschützt, es geht dich nichts an, wir wollen nichts von deinen Geheimnissen wissen!", brüllte sie ihn an.
Shanora fuhr sie Krallen aus und schlug sie in Vanessas Hand, diese lies die kleine Katze erschrocken los.
"Kann einmal jemand fragen was ich möchte?", fauchte sie Vanessa an, "Ich bin die Königin von Elensar, zumindest für Finn war ich das immer, und keiner von euch hört mir überhaupt zu! Mit Ausnahme von Allister, er hat mich nicht einfach wieder nach Hause gebracht wo ich Kreuzworträtsel lösen kann während mein Bruder in Gefahr schwebt!"
Erbost versuchte Vanessa das Kätzchen wieder einzufangen: "Wir haben jetzt keine Zeit für so etwas Prinzessin!"
Allister betrachtete das Spektakel wachsam, bis plötzlich Arme über Arme sich an der Platform hoch angelten.
"Was...", ein Blick über die Plattform verriet ihm, das es sich um verweste, widerlich stinkende Untote handelte, deren Körper in zwar Fetzen hingen, aber ihre Zahl war bedenklich.
"Das müssen Hunderte sein!", entfuhr es Vanessa. "Woher, nur ein...", Shanora hielt inne, sie war darauf gefasst das sie niemand anhören würde. "Sag schon Shan", ermutigte Allister sie, "bis jetzt hattest du auch immer recht mit deinen Theorien!"
Shanora grinste von Schnurrhaar zu Schnurrhaar: "Ein Nekromant, ein schwarzer Magier kann die Toten zurück ins Leben holen, den muss man ausschalten um die Zombies los zu werden!"
Vanessa blickte das Kätzchen erstaunt an, sie schien schon sehr viel gelernt zu haben, und wusste das Wissen einzusetzen.

Celles und Saphira hatten einstweilen ihr Haus im Wald erreicht. Der schwarze Rauch hatte sie die letzten Meter rennen lassen, nun sahen sie der Tatsache ins Auge, dass es kein Haus mehr gab.
Es war bis auf die Grundmauern niedergebrannt worden.
"Was...", Saphira fand keine Worte für das, was hier passiert war. "Wo ist Church?", fragte Celles besorgt.
Er war Zuhause geblieben als sie nach Steloia aufgebrochen waren.
"Er war nicht hier", Maris Schemen huschte zu ihnen.
"Mari, hast du gesehen wer das getan hat?", fragte Saphira sie schnell. Mari schüttelte traurig den Kopf: "Ich sah nur Dunkelheit als es passierte!"
Das Krächzen eines Raben forderte die Aufmerksamkeit der drei Schwestern. Das große schwarze Tier trug einen Brief bei sich, den Celles gespannt öffnete. 

Liebe Dunkler-Kinder,
die Zeit in der ihr und eure grausamen Mächte frei durch alle Welten streifen können ist vorbei. Nie wieder wird eurer Genpool diese Welt oder eine andere gefährden. Ihr werdet alle sterben, und die weiße Königin mit euch. Der dunkle König ist zurück gekehrt um den Welten endlich den lang ersehnten Frieden zu bringen, vereint unter seinem Banner. Der falsche Prinz ist bereits gefangen, die weiße Königin wird folgen. Eure Welt wird brennen und aus der Asche wird ein geeintes Königreich entstehen. Und ihr werdet schon bald verstehen was es heißt zu leiden. 
Breitet euch auf euer Ende vor!
T.

"Wer ist T? Und was bildet sich diese Person ein?", fauchte Celles und zerknüllte das Papier.
Saphira schloss die Augen und begann angestrengt nach zu denken, diese Zeilen, es lag mehr Bedeutung darin als man auf den ersten Blick erkennen konnte.
"Was passiert mit uns?", fragte Mari, aber Saphira wedelte nur mit der Hand vor ihrem Gesicht um für Ruhe zu Sorgen.
"Frei durch die Welten streifen, die Portale in der Bibliothek von Elensar, wir müssen Tee aufsuchen, sie könnte in größter Gefahr sein!", Saphira war nun ganz aufgeregt.
"Was ist wenn T möchte das wir genau das denken? Wir sollten Shanora holen, sie ist in der größten Gefahr!", Mari begann größer zu werden.
"Was tust du? Schone deine Kräfte!", fuhr Celles Mari sofort an, die von der Statur eines kleinen Mädchens zu einer Frau gewachsen war.
"Nein, das geht uns alle etwas an!", gab Mari zurück, "Diesmal werde ich mich nicht verkriechen, ich kämpfe mit euch! Es gibt ein paar Dinge die ich beschützen muss!"
Saphira nickte und deutete Celles nicht weiter zu diskutieren, Mari war stur wie ein alter Baum, niemand würde sie von ihrem Vorhaben abbringen können.
"Keine Portale, wenn T sich wirklich damit auskennt wird er uns so in einen Weltenriss stoßen!", Mari deutete auf den Weg in den Wald, "Wir müssen Tee zumindest warnen! Und Ladira, sie muss den Wald beschützen!"

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beta
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