Part 9


Langsam öffnete Leonie Sue  die Augen. Ihr tat einfach jeder Knochen weh. Auf kalten Fliesen und zusätzlich noch im Sitzen zu schlafen, war wirklich nicht grade angenehm. Sie blickte rüber zu Sheona, diese schlief noch tief und fest. Leonie tat ihre beste Freundin leid. Sheona musste jetzt nicht nur mit ihrem Kater klar kommen, sondern auch noch mit den Kurzzeitnebenwirkungen von Kokain, wie Reizbarkeit, gesteigerte Aggressivität, Wahnvorstellungen und innere Unruhe. Hoffentlich reagierte Sheona nicht allzu stark darauf.  Sie atmete tief ein, bevor sie aufstand und sich streckte. Einfach jeder einzelne Knochen knackte. Es tat wirklich gut.

„Hey Sheona, wach auf“, sagte sie sanft. Von Sheona kam keine Reaktion.

Leonie tippte sie mehrmals etwas fester an und sagte laut: „Wach auf!“

„Ich bin so müde“, flüsterte Sheona.

„Ich weiß, du musst jetzt aber aufstehen“, bestimmte Leonie.

Sheona stöhnte: „Warum das?“

 „Dein Ernst? Wenn du weiter hier unten im Badezimmer schläfst, kommt ganz schnell raus, dass du gestern gesoffen hast. Jetzt steh auf!“ Leonie verschwieg ihr, dass sie Drogen eingeflößt bekommen hatte und reichte ihr die Wasserflasche. Sheona setzte sich schwerfällig auf und trank paar Schlucke.

„Ich kann mich kaum daran erinnern, was gestern passiert ist“, meinte sie schließlich.

„Halt dich einfach von Nico fern. Er ist an der ganzen Sache Schuld“, erzählte Leonie. „Und jetzt geh duschen und lass dir nichts anmerken. Ich habe noch was zu erledigen.“ Sheona nickte nur.

Daraufhin verließ Leonie das Bad und ging nach oben zu Nicos Zimmer. Erst stand sie unentschlossen vor der Tür, doch dann nahm sie allen Mut zusammen und klopfte lautstark gegen die Tür. Von drinnen kam absolut kein Geräusch. Nach drei vergeblichen Versuchen öffnete sie einfach die Tür. Sie lächelte, als sie den friedlich schlafenden Nico ansah. Er sah einfach so gut aus und dass auch während er schlief. Du bist wütend auf ihn. Reiß dich zusammen, Leonie! Schimpfte sie sich selbst aus.

Sie lehnte sich gegen den Tisch und sagte: „Nico! Wach auf!“ Genau wie bei Sheona, kam absolut keine Reaktion. Sie griff zu der Wasserflasche neben dem Bett und entleerte sie über Nicos Gesicht aus.

Schlagartig setzte sich Nico auf und brüllte: „Sag mal hast du sie noch alle?!“

„Die Frage gebe ich gerne zurück“, meinte Leonie.

„Hä? Du hast grade mein Bett nass gemacht?“, fragte Nico sauer. Er griff sich an den Kopf. Oh Mann, hatte er Kopfschmerzen. Er legte sich wieder auf das nasse Kissen und schloss die Augen.

„Oh nein, jetzt hörst du mir erst mal zu“, bestimmte Leonie.

„Was ist denn los?“, fragte Nico genervt.

„Hast du gestern noch schön gefeiert?“

Nico zuckte mit den Schultern: „Boah keine Ahnung, hab voll den Filmriss.“

Leonie erschrak: „Geht es dir gut?“

Nico lächelte: „Sag bloß Miss Perfect macht sich Sorgen um mich?“

„Ja teilweise schon. Ich bin aber auch echt enttäuscht von dir“, sagte sie langsam.

„Wieso das denn?“

„Du hast schließlich Alkohol auf die Party gebracht. Aber das ist noch nicht mal das Problem. Du hast Sheona Kokain untergejubelt“, erklärte sie ihm. Leonie ärgerte sich über ihren freundlichen Ton in der Stimme. Sie war doch wütend auf ihn.

Nico stöhnte: „Dafür hatte sie echt Spaß.“

„Toller Spaß, wenn man sich an kaum etwas erinnern kann und es einem anschließend echt mies geht“, widersprach Leonie energisch.

„Sei nicht so verklemmt“, gab Nico zurück und griff nach seinem Handy. Leonie schluckte den Kloß in ihrem Hals runter.

„Ich habe eigentlich gedacht es gäbe doch etwas Gutes an dir. Ich habe wirklich gedacht, dass du gar nicht so schlimm bist wie alle hier sagen. Aber anscheinend hat sich selbst Oma Leonie in dir getäuscht.“

Mit gemischten Gefühlen verließ das Zimmer. Ihre Füße trugen sie zu Star, der fröhlich wieherte als er sie sah. Sie vergrub ihr Gesicht in seiner Mähne und ließ ihren Tränen freien Lauf. Wieso war ihr dieses Verhalten von Nico einfach nicht egal? Warum tat es ihr nur so weh? Sie dachte an das schmerzvoll verzerrte Gesicht von Sheona. Wie konnte man sowas nur einem Menschen antun. Der Hengst spürte, dass seine Besitzerin traurig war und stupste sie vorsichtig an.

„Es ist alles in Ordnung. Wir haben uns beide nur sehr in Nico getäuscht“, erzählte sie ihm. Star schüttelte den Kopf. „Oh doch mein Großer, das haben wir.“ Star ging auf die Knie. Lachend meinte Leonie: „Du weißt einfach immer was ich brauche.“ Sie schwang sich auf den Rücken des Pferdes. Star öffnete eigenständig die Boxen Tür und preschte los in Richtung Wald.

 

Oma Leonie sah in die Gesichter, der vor ihr sitzenden Jugendlichen. Sheona sah wirklich sehr elend aus. Oma Leonie seufzte. Sie waren jung und wollten doch alles ausprobieren. „Auf eurer Party gab es also Drogen“, stellte sie fest ohne einen Vorwurf in ihrer Stimme. Sheona sah niedergeschlagen zu Boden. Leonie biss sich auf die Lippe, sie fühlte sich irgendwie schuldig. Die Jungs starrten mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck die Wand an.

„Ich denke ich muss euch nicht erklären, warum Drogen in der Art, bei uns strikt verboten sind. Zudem ist es eine Straftat!“

„Die kamen nicht von uns“, warf Gabrielo dazwischen.

Oma Leonie nickte verständnisvoll. „Das weiß ich. Ich vertraue euch, vergesst das nicht. Ich möchte euch einfach nur warnen. Ihr solltet euch immer bewusst sein, dass immer das Risiko besteht, dass Drogen eine noch so schöne Party mit schreckliche Streitereien und Schlägereien beenden kann. Die Konsequenzen müsst ihr jetzt selbst tragen und seht zu das ihr die Konflikte gelöst bekommt:“ Sie sah Leonie an. Das Mädchen senkte den Kopf. „Ich habe euch sehr lieb, Kinder“, sagte Leonie liebevoll, bevor sie die Küche verließ.

„Ich bin so ein Dummkopf“, jammerte Sheona.

„Ja bist du“, stimmte Gabrielo ihr zu.

„Hey sie kann doch kaum was dafür“, verteidigte Jim sie.

„Er ist so ein Idiot“, schimpfte Sheona. Leonie Sue wollte ihr zustimmen, doch irgendetwas hielt sie davon ab. Ja, er hatte wirklich falsch gehandelt, aber eigentlich war er wirklich sehr nett.

„Wie kommt man nur auf die Idee?!“, regte sich Jim auf.

„Es sollte eine Feier für mich sein und dieser Schwachmat hat mir alles kaputt gemacht“, beschwerte sich Sheona. Nico betrat die Küche.

„Wenn man vom Idioten spricht“, schnaubte Gabrielo verächtlich. Nico verdrehte die Augen und ging zum Kühlschrank.

„Bist du uns, vor allem Sheona, nicht etwas schuldig?“, fragte Jim vorwurfsvoll.

„Okay Mann, ich habe es kapiert. Ich bekenne mich schuldig“, sagte Nico genervt.

Sheona stand auf. „Mit ihm hält man es echt nicht in einem Raum aus. Komm wir gehen.“ Die Jungs nickten und standen ebenfalls auf. Leonie blieb sitzen, sie wollte nicht im Streit auseinandergehen. Wieso konnte man sich nicht einfach entschuldigen? Dann wäre doch alles wieder gut.

„Kommst du nicht mit?“; fragte Jim mit gerunzelter Stirn.

„Das kommt gar nicht in Frage!“ Sheona packte ihre Freundin fest am Arm und zog sie mit nach draußen in den Garten.

„Was sollte das denn jetzt werden?“, fragte Gabrielo sauer. Leonie schwieg.

„Sie mag ihn“, sagte Sheona verächtlich. Geschockt sahen die Jungs sie an.

„Was geht bei dir falsch? Kapierst du überhaupt, was der Typ getan hat?“ Wütend schlug Jim auf den Rasen. Leonie zuckte zusammen. So eine heftige Reaktion hatte sie nun wirklich nicht erwartet. Und überhaupt, wieso unterstellte Sheona ihr so etwas.

„Erstens, nein ich mag ihn nicht. Also auf jeden Fall nicht auf die Art und Weise wie ihr denkt. Zweitens, hätte ich es besser gefunden, wenn wir uns wieder vertagen hätten. Ich meine wir hätten über alles reden können“, stellte Leonie klar.

„Du hast doch selbst mitbekommen, dass er gar nicht zu einer Entschuldigung bereit war“, widersprach Jim.

„Vielleicht ja schon, ihr habt ihn gar nicht ausreden lassen“, meinte Leonie.

Sheona grinste: „Ja da haben wir wieder die liebe Leonie Sue, die einfach in absolut jedem das Gute sehen will.“

Leonie stand auf. „Ich gehe jetzt nach Hause. Wieso sollte ich mir eure blöden Unterstellungen antuen. Ihr wisst ganz genau, dass ich es hasse, wenn man einem Menschen keine zweite Chance gibt. Vor allem, wenn man ihm noch nicht mal die Möglichkeit gibt sich zu ändern! Und genau das tut ihr grade!“ Die drei sahen sich betreten an. Irgendwo hatte Leonie ja Recht. Doch bevor noch irgendjemand etwas sagen konnte, war Leonie schon weg. Bei sich zu Hause angekommen, kuschelte sie sich in ihr Bett und weinte leise vor sich hin. Nico hatte es tatsächlich geschafft, dass ihre Freunde sie jetzt verabscheuten und das obwohl sie doch im Recht war. Sie hörte die Klingel der Haustür. Schnell vergrub sie ihren Kopf im Kissen. Sie wollte nichts hören oder sehen.

Doch genau in diesem Moment klopfte es an ihrer Zimmertür. „Leonie, ich bin´s Nico, darf ich reinkommen?“ Leonie sprang erschrocken auf und warf einen Blick in ihren Spiegel. Sie sah total verheult aus. Schnell wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht und öffnete dann die Tür. Er sah sie betroffen an. „Hey, du weinst ja. Was ist los?“

Leonie schloss hinter ihm wieder die Zimmertür. Konnte er sich das nicht denken?

„Es tut mir leid. Ich hätte verantwortlicher sein müssen“ entschuldigte sich Nico. Leonie lächelte. Sie hatten sich allem Anschein nach, wohl doch nicht in ihm getäuscht.

„Ich würde dir echt gerne verzeihen.“ Leonie verstummte.

„Aber? Sag schon was ist passiert?“, fragte Nico sanft. Warum war er nur so nett zu ihr? Warum nur zu ihr? Warum nicht auch zu den andern? Warum führte er sich vor Ihnen auf, wie der größte Depp?

„Wenn du nicht reden willst ist auch in Ordnung. Ich kann aber nicht gehen, solange ich nicht weiß ob du mir vergibst“, sagte Nico.

„Wenn ich dir verzeihe, kann ich jegliche Freundschaft zu Sheona, geschweige denn den Jungs, vergessen“, beantwortete sie ihm seine Frage.

„Ach quatsch, dafür kennt ihr euch schon viel zu Lange. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sheona so nachtragend ist“; widersprach Nico.

Leonie lachte: „Da kennst du sie aber sehr schlecht. Ich bin mal mit einer Schulfreundin schwimmen gegangen, an diesem Tag wollten wir beide uns eigentlich treffen, doch ich hatte es vergessen. Danach hat Sheona erstmal eine ganze Woche nicht mit mir geredet und anschließen musste ich alles für sie tun bis sie mir dann endlich verziehen hatte.“

„Oh Mann, das echt krank“, meinte Nico.

Leonie zuckte mit den Schultern: „Inzwischen lachen wir darüber. Aber ja sie ist sehr nachragend.“

Nico schwieg eine Weile, bis er schließlich aufstand. „Ich denke ich werde jetzt gehen. Ich muss morgen ja früh raus, dank Daniela.“ Leonie nickte, sie war grade nicht fähig etwas zu sagen. Nico ging aus dem Zimmer.

„Komm schon, Leonie Sue! Gib dir einen Ruck. Sheona wird es schon irgendwann verstehen“, flüsterte sie. Schnell sprang sie auf und rannte die Treppe runter und rief: „Nico warte!“ Doch der junge Mann war schon aus der Tür raus. Schnell riss Leonie die Tür auf. Nico war schon bei seinem Auto.

„Nico, warte doch bitte.“

Nico drehte sich in ihre Richtung und fragte: „Ja?“

„Ich denke ich muss mir selbst treu bleiben“, sagte Leonie leise und dachte dabei an die Worte die sie ihren Freunden vorhin an den Kopf geschmissen hatte. Verwundert sah Nico sie an. „Was soll das jetzt bedeuten?“

Leonie straffte die Schultern und sagte: „Ich nehme deine Entschuldigung an. Ich verzeihe dir, jedoch bedeutet, dass nicht, das ich gut finde was du getan hast.“ Nico strahlte und nahm sie in den Arm. Schnell befreite sich Leonie aus seiner Umarmung. Was erlaubte der Typ sich? Sie wurde noch nie von einem Jungen umarmt, warum musste Nico jetzt der erste gewesen sein?!

„Danke, ich weiß echt nicht was ich sonst getan hätte“, sagte Nico glücklich.

„Warum ist es dir so wichtig, dass grade ich dir vergebe?“, wollte Leonie wissen.

„War es halt“, antwortete er kühl. Da war er wieder, der unnahbare Typ.

„Leonie, es ist schon spät, kommst du bitte rein“, rief ihre Mutter von drinnen.

„Sehen wir uns morgen?“, fragte Nico hoffnungsvoll.

Leonie grinste: „Wahrscheinlich schon, ich bin immer auf dem Gestüt.“ Nico nickte und stieg in sein Auto. Während er wegfuhr winkte er ihr. Leonie lachte. Wieso war er nur so glücklich? Eher gefragt, warum war sie so glücklich? Sammy beobachte seine Tochter, wie sie wieder reinkam.

„Sag nichts“, meinte Leonie zu ihm.

Er hob unschuldig die Hände. „Was sollte ich denn deiner Meinung nach sagen?“ Leonie zuckte mit den Schultern, sie wusste es selbst nicht so genau. Als Leonie oben war, nahm Sallyn die Hände von Sam in ihre. „Sie ist genauso ahnungslos wie du früher.“

Sammy lächelte: „Mir konnte es wenigstens Dan damals sagen. Wer sagt es ihr? Ich glaube nicht das Sheona für sowas kann.“

Sallyn sah ihn verschmitzt an: „Da kommt nur eine ganz bestimmte Person in Frage.“

Sam gab ihr einen Kuss. „Wahrscheinlich hast du Recht.“ Er wollte schon aufstehen, doch Sallyn hielt ihn zurück.

„Es ist noch zu früh. Sie wird alles abstreiten. Denk dabei bitte an dich selbst.“ Sammy gab sich geschlagen und setzte sich wieder auf das Sofa. „War ich wirklich so schlimm?“

Sallyn lachte: „Klar warst du das.“

Sam boxte sie freundschaftlich. „Nein war ich nicht.“

 „Na da frag mal deinen besten Freund, er wird dir das zu 100% bestätigen“, gab Sallyn zurück.

„Nein lieber nicht, Dan ist eindeutig zu ehrlich “, lachte Sammy. Sallyn nickte gedankenverloren.

 


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