Animalrider (22)

Nathalie war vollkommen aus der Fassung, als sie diese Stimme vernahm, die tatsächlich von ihrem Pferd Blackfeet zu kommen schien. Sie liess den Strick sinken und erwiderte instinktiv: „Es tut mir leid...Ich wollte nicht...Ich bin wohl etwas müde.“ Das Pferd entspannte sich wieder und fixierte sie interessiert mit seinen dunklen Augen. Nathalie fand es sehr seltsam, dass sie gerade jetzt wieder mit dem Tier reden konnte, jetzt da sie eigentlich mit ihm aneinander geraten war. „Ich mag es nicht, wenn du mich so behandelst. Du sendest die widersprüchlichsten Botschaften. Was willst du eigentlich genau von mir?“ Nathalie die noch immer sehr erstaunt war, erwiderte: „Ich möchte dass du zu mir kommst. Wir sollen ja eine Zweierherde bilden, wie Schwarzes Pferd sagte.“ „Schwarzes Pferd ist ein Freund. Bist du auch ein Freund?“ „Aber natürlich! Wir haben uns doch auf Anhieb gut verstanden.“ „Das stimmt, da war etwas ganz Besonderes zwischen uns... Du...trägst auch so ein Zeichen... Ich weiss nicht was es ist, doch ich weiss das tiefes Wissen in dir verborgen liegt. Was also willst du nun genau von mir? Sag es einfach!“ „Das du zu mir kommst Blackfeet, nur dass du zu mir kommst. Du kannst mir wirklich vertrauen. Ich bin dein Freund. Nicht ganz ohne Fehl, aber ein Freund.“ Diese Antwort hatte Nathalie so inbrünstig gegeben, dass es wirklich bei Blackfeet anzukommen schien. Und... oh Wunder, als sie erneut einige Schritte rückwärts ging, folgte ihr das Pferd sogleich!! „Wan!“(Schau mal einer an!) rief Jonathan aus! Gut gemacht!“

Noch bis zur Mittagszeit, fuhren Nathalie und Jonathan mit ihren Übungen fort. Seit das Mädchen wahrlich den innern Dialog mit Blackfeet führen gelernt hatte, klappte alles viel besser. Schon sehr bald, folgte ihr das Tier wie ein Schatten. Der Indianer verlieh seinem Erstaunen darüber immer wieder Ausdruck, denn nicht bei jedem Mustang ging die Übung: Horse follow closely so schnell vonstatten. Nathalie war überglücklich, für sie war es, als hätte sie einen riesigen Schritt gemacht. Sie bewegte sich immer mehr auf das Stadium der Puppe zu, das spürte sie. Seit der wunderbaren Annäherung mit Blackfeet veränderte sich nun alles. Er war auf dem besten Weg ihr den Weg zu einem ausgewogenen Medizinschild zu weisen. Er war so liebenswert und geduldig und vertraute ihr immer mehr.

Schliesslich beschlossen sie sich eine ausgiebige Pause zu gönnen. Jonathan meinte, das Blackfeet für heute genug geleistet hätte und liess ihn wieder zu den andren Pferden um zu grasen. Nathalie beauftragte er, den ganzen Nachmittag in der Nähe von Blackfeet zu verbringen und ihn einfach nur zu beobachten. „So lernst du ihn noch besser kennen,“ sprach er.

Vorher aber war Mittagessen angesagt. In einer Scheune die vis a vis vom grossen Haupthaus stand, befanden sich einige Sitzgelegenheiten für die Cowboys und Pferdetrainer. Ein Mann stand hinter einer Theke und schöpfte gegen einen kleinen Entgelt etwas zu essen aus. Es gab würzigen Eintopf mit weissen Bohnen, Büffelfleisch und dazu knuspriges, dunkles Brot. Die Teller bestanden aus silbernem Blech. Auf den langen Holztischen, die jetzt ziemlich voll mit Leuten waren, standen Krüge mit Trinkwasser. Es gab auch noch einen Automaten, an dem man nach Wunsch andere Getränke holen konnte. Auch Kaffeekrüge standen auf einem Tisch neben dem Eintopf.

In der Luft lag der Duft von Leder, Kühen und Pferden, vermischt mit dem Geruch des Eintopfes und des Kaffees. Es war eine eigenartige Mischung, doch Nathalie fühlte sich sehr wohl hier. Alle waren sehr nett und Jonathan unterhielt sich freundlich mit ihr. In seinem Blick lag Bewunderung und Zuneigung, wenn er von dem erfolgreichen Training mit Blackfeet sprach. Er lobte das Mädchen immer wieder für seine Geschicklichkeit im Umgang mit Pferden. Nathalie wurde richtig verlegen. „Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, dass es so gut geht,“ sprach sie. „Blackfeet war einmal richtig sauer, als ich zu heftig am Seil zog. Tatsächlich habe ich es geschafft richtig mit ihm zu kommunizieren, wie einstmals mit dem Hirsch bei uns im Wildpark. Ich kann das jetzt auch immer mehr steuern. Das konnte ich bisher nicht.“ „Es liegt in deinem Blut begründet,“ sprach Schwarzes Pferd. „Denk immer daran!“ „Dennoch weiss ich nicht, ob ich das auch mit andern Tieren kann. Blackfeet ist mir jetzt vertraut und wir haben uns angefreundet, doch ein fremdes oder gar wildes Tier, wird dann schon schwieriger.“ „Du brauchst einfach Zeit und Geduld. Doch eines Tages wirst du mit jeglichem Lebewesen kommunizieren können. Davon bin ich überzeugt!“

Auf einmal hielt er im Reden inne und schaute zur Tür, durch die gerade ein älterer Mann mit silbrig- weissem Haar und einem grauen Resistant- Cowboy Hut (Resistant ist eine bekannte Marke) eintrat. Er hatte einen Schnurrbart, trug anthrazitfarbene Jeans, ein eisblaues Hemd und darüber eine lange, erstaunlich elegante, schwarze Jacke. Als er Jonathan und seine Besucherin erblickte, kam er freundlich lächelnd an ihren Tisch. „Das ist Peter Smith mein Boss. Ihm gehört das alles hier,“ erklärte der Indianer. „Er ist sehr nett, du wirst sehen.“ „Hau!“ rief der ältere Herr in der Lakota Sprache. „Wer ist deine charmante Begleitung Jonathan?“ Er setzte sich wie ein alter Freund zu ihnen und schüttelte beiden die Hände. „Das ist Nathalie. Ich habe dir schon von ihr erzählt. Sie bleibt etwas hier und geht mir bei den Pferden zur Hand.“ „Ach ja natürlich! Mein Gedächtnis lässt immer mehr zu wünschen übrig. „Wie fühlst du dich hier?“ fragte er dann an Nathalie gerichtet. „Sehr gut. Ich kenne mich ein wenig mit Pferden aus.“ „Sie ist drauf und dran einen Mustang zu zähmen und das nur nach einem Tag,“ sagte der Indianer und Stolz schwang in seiner Stimme mit. „Erstaunlich! Nun... aber wer liesse sich nicht gerne von dieser netten Lady zähmen?“ Er zwinkerte Jonathan zu, der irgendwie verlegen wurde. Auch Nathalies Wangen nahmen einen rosigen Schimmer an.

„Habt ihr schon gegessen?“ „Ja. Es hat seht gut geschmeckt,“ erwiderte das Mädchen. „Das freut mich. Leider muss ich schon wieder weiter. Ich hoffe dein Aufenthalt hier gestaltet sich angenehm. Wenn was ist, oder ihr was braucht, könnt ihr jederzeit zu mir kommen. Mein Name ist übrigens Peter.“ „Das weiss ich ,“ gab Nathalie zurück. „Jonathan hat es mir gesagt. Ich danke dir das ich hier bleiben darf.“ „Wir sind um jede Hilfe froh. Wir laufen uns sicher wiedermal über denn Weg. Toksa! (bis bald und tschüss). Die beiden erwiderten den Gruss und der Ranchbesitzer ging rüber zu einigen andren Leuten und wechselte mit ihnen ebenfalls ein paar Worte. „Peter ist ein sehr guter Freund von mir. Er hat schon sehr viel für mein Volk getan,“ meinte Schwarzes Pferd. „Nur dank ihm können meine Tochter und ich so gut leben. Ich würde auch gerne Vater zu uns nehmen, aber er denkt, das die Leute in Pine Ridge ihn brauchen. Er gibt ihnen Mut, pflegt noch die alten Traditionen und hilft mit seiner Medizin vielen. Es kann sein, dass du auch mal einige Tage nach Pine Ridge gehen musst, um dort zu arbeiten. Das wird nicht so einfach. Die Reservationen sind kein guter Ort...“ Wieder war er nachdenklich geworden. Er riss sich jedoch selbst aus den düsteren Gedanken, indem er weiterfuhr. „Aber zurück zu dir. Es wäre wie gesagt von Vorteil, wenn du den Nachmittag und auch die Nacht bei Blackfeet bleiben würdest. In der Nacht ist er dann ja im Stall. Wir geben dir eine warme Decke mit, etwas zu essen und etwas zu trinken. Die kommenden Tage arbeiten wir dann weiter mit deinem Pferd und du bist für seine ganze Pflege zuständig.“ „Das habe ich mir schon gedacht. Natürlich tu ich alles was du mir sagst, du bist jetzt mein Lehrmeister.“ Mit diesen Worten lächelte Nathalie den Indianer gewinnend an. Schwarzes Pferd wandte etwas verlegen den Blick ab. Sie staunte, das ihr das Flirten mit Jonathan so leicht fiel. Sie hegte wirklich schon innige Gefühle für ihn. Eigentlich erstaunte es sie, wie schnell das geschehen war. Jonathan ging es scheinbar ähnlich, sonst hätte er sich nicht so von ihr aus der Fassung bringen lassen. Sie war gespannt wie es mit ihnen beiden weiterging.

Schliesslich verliessen sie die Scheune wieder und machten sich erneut auf den Weg zu Blackfeet, der nun wieder mit den andren Pferden in der grossen Koppel war. Er graste zufrieden. Als er sie sah, hob er kurz den Kopf und liess ein Begrüssungsschnauben hören, dann wandte er sich wieder dem Fressen zu.  

Schwarzes Pferd sprach: „Nun suche dir einen geeigneten, bequemen Platz von wo aus du Blackfeet beobachten kannst, ohne zuviel Aufmerksamkeit auf dich zu lenken. Dann schau ihm einfach zu! Du erfährst dadurch viel über die Gewohnheiten deines Pferdes.

Mein Volk hat immer sehr nahe mit den Pferden zusammengelebt und man konnte dadurch beidseitig viel profitieren. Die Menschen erkannten sofort, wenn einem Tier etwas fehlte und das Tier warnte durch sein Verhalten von Gefahren, oder sonstigen Veränderungen im Umfeld. In der heutigen Zeit, hat einfach niemand mehr richtig Zeit. Doch Zeit ist beim Pferdezähmen von immenser Bedeutung.

So lasse ich dich nun also allein. Ich schaue dann später mal vorbei.“

 


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