Animalrider (25)

Dieser überlegte, dann erwiderte er: „Vielleicht durch Wärme, durch die Sonne?“ „Das ist richtig. Was also ist für dich die Sonne, was könnte deine kristallinen Formen schmelzen? Diese Frage solltest du dir stellen cinksi! Was ist deine Sonne?“ Marc dachte nach, doch irgendwie war sein Kopf auf einmal wieder leer. Er wusste nicht was er dazu sagen sollte. Was war seine Sonne?... Snakeman erhob sich nun und sprach: „Du solltest dich auf die Suche nach dieser Sonne machen Marc! Darum werde ich dich eine Weile allein in die Wildnis schicken!“ „Allein...in die Wildnis!“ rief der junge Mann aus. „Aber ich kenne mich doch hier überhaupt nicht aus. Da kann ja wer weiss was passieren!“ „Ich werde stets in deiner Nähe sein, aber diese Etappe des Weges musst du allein gehen.“ „Aber ich dachte du bist mein Lehrmeister, der mir zur Seite steht?“ „Ich stehe dir auch zur Seite, aber etwas anders als du es dir vielleicht vorstellst. Ich bleibe in der Nähe, das verspreche ich, doch du wirst nichts von mir merken. Ich würde dich bei dieser Sache nur ablenken. Du musst lernen mal ganz mit dir allein zu sein, das warst du dein ganzes Leben lang nie. Du hattest immer deine Freunde die um dich waren, die Mädchen die mit dir das Bett teilten. Du warst stets darauf aus in Aktion zu sein, mit dem Sport, deinen Bastelarbeiten...“ Viele Dinge wären wunderbar, wenn sie dich nur nicht stets vom Wesentlichen ablenken würden.

Du kannst deine Fähigkeiten nur wahrlich entfalten, wenn du dich mit dir allein beschäftigen musst und es keinerlei Ablenkungen gibt. Das hat man im Schwitzhütten Ritual gesehen. Erst als du dich ganz auf dein Inneres besonnen hast, nichts mehr dich beeinflusste, hattest du diese Vision. Gehe auf die Suche nach einer weiteren Vision, die dir noch mehr Antworten zuteil werden lässt! Ich begleite dich noch ein Stück, bis zu einem Platz der dir etwas Sicherheit von Wind und Wetter bietet. Es ist ein Ort, den ich auch schon aufgesucht habe, um meine Vision zu suchen. Es ist eine Höhle, nicht fern von hier. Sie ist sehr abgelegen, du solltest dort nicht gestört werden. Ein kleiner Bach befindet sich in der Nähe, der schliesslich in den grossen River White mündet. Dort kannst du dich waschen und trinken. Ich gebe dir Proviant mit. Nicht sehr viel, nur gerade soviel das du nicht verhungern musst. Denn es ist wichtig, dass auch dein Körper nicht zu sehr von Nahrung belastet ist, wenn du auf Visionssuche gehst. Das schärft deine Wahrnehmungen.“ „Aber was ist, wenn mich ein wildes Tier angreift?“ „Vertraust du mir?“ stellte Weise Schlange die Gegenfrage. „Also...ehrlich gesagt, ich weiss nicht so recht... Das alles ist... so verrückt.“ „Erforsche dein Herz! Vertraust du darauf, das ich nur dein Bestes im Sinn habe? Du bist für mich wie ein Sohn, das sagte ich dir schon mal.“ Er sprach das mit solcher Aufrichtigkeit in der Stimme, das Marc sich plötzlich schämte, so misstrauisch gewesen zu sein. Sein Herz kannte doch eigentlich die Antwort. Snakeman hatte nur sein Bestes im Sinn. Er kannte ihn schon so lange, ewig lange, das spürte er deutlich. „Vielleicht ist es gerade das was ich lernen muss,“ dachte er bei sich. „Einfach nur zu vertrauen, ohne mir stets so viele Gedanken zu machen. Vor was fürchte ich mich eigentlich? Ich weiss doch das Weise Schlange mich nie im Stich lassen würde. Im Laufe meines Lebens habe ich wirklich verlernt mich einfach fliessen zu lassen. Ich bin nicht umsonst hier und bestimmt ist es so, dass ich meine Suche eine Weile allein fortsetzen muss, ohne jegliche Ablenkungen durch andere Menschen etc.“

Marc atmete tief durch und meinte dann: „Okay, du hast sicher recht Ate (Vater). Ich muss diese Etappe allein gehen und... auf die Suche nach meiner Sonne gehen. Was aber, wenn ich doch in Not kommen sollte?“ „Dann ruf mich einfach cinksi,“ lächelte Frank. Ruf mich einfach und ich bin da...“

 

Nathalies Geist war auf einmal hellwach und sie schaute dem Wolf nun direkt in die Augen. Ihr Geist befand sich plötzlich irgendwo draussen in der Wildnis und das Tier war nun ganz zu sehen. Es war fast reinweiss, nur mit einigen wenigen grauen Härchen. Seine Augen schauten sie eindringlich an. „Schön dass du wieder den Weg zu mir gefunden hast Nathalie.“ „Wer bist du, was willst du von mir?“ fragte sie erstaunt. „Willst du mit mir eine Reise machen?“ „Was für eine Reise denn?“ „Das wirst du noch sehen. Willst du?“ „Ja, wenn du meinst,“ gab Nathalie zur Antwort und staunte über das bedingungslose Vertrauen, dass sie diesem Tier entgegenbrachte. Der Wolf tat einen plötzlichen Satz und verschmolz mit dem Mädchen.

Dieses wurde sich auf einmal gewahr, das sie nun selbst der Wolf war und doch war ihr Totem Tier ebenfalls gegenwärtig. Sie trabte durch den Wald. Es war ein einzigartiges Gefühl, dass sie nie bisher erlebt hatte. Ihr Gang war leicht und federnd. Sie spürte unter ihren weichen Pfotenballen jede feine Unebenheit des Waldbodens. Alles nahm sie viel deutlicher wahr, jedes Geräusch. Es war als würde sie die Bäume sprechen hören, das Gras wachsen. Eine wundervolle Kraft und Freiheit durchströmte sie und sie zog die würzige Luft durch ihre feine Nase ein. Alles war viel klarer, viel bewusster, als es im Menschendasein möglich war. Und... sie erhielt das erste Mal richtig Einblick in die Welt eines Tieres. Das ganze faszinierte sie ungemein. Würde sie einst wirklich dazu fähig sein, diesen Zustand auch im wahren Leben zu erlangen? Würde sie sich einst wirklich in ein Tier verwandeln können? Das alles erschien ihr noch immer so unglaublich, so fern der Welt, die sie kannte. „Du bist fähig, das was ich dir zeige auch in deinem irdischen Dasein zu erleben,“ sprach nun die Stimme des Wolfes dicht an ihrem Ohr. „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde die unglaublich sind, unfassbar für die Menschen. Wir Tiere sehen mehr als ihr. Wir wissen um viele Geheimnisse, die euch verborgen sind. Geniesse diesen Zustand in dem du dich jetzt befindest, er erlaubt dir Einblick in diese, unsere Welt zu bekommen. Eine Welt die jenseits eurer Wahrnehmung liegt und doch Wirklichkeit ist.“ „Ist das denn wirklich die Wirklichkeit?“ fragte Nathalie „Oder spielt sich das nur in meinen Vorstellungen ab?“ „Es ist die Wirklichkeit, alles ist verbunden und alles kann zu einer Einheit verschmelzen wie wir beide es bereits in kleinem Masse taten. Wenn wir diese Einheit erlangen, dann können alle Grenzen fallen. Nur wenn in dir diese Grenzen wahrlich fallen, wirst du zur Animal Riderin. Nun komm, ich will dir noch etwas zeigen!“

Nathalie schlüpfte nun wieder aus dem Wolf heraus und dieser führte sie zu einer dunklen Höhle. „Bist du bereit diese Höhle mit mir zu betreten?“ fragte er. Nathalie schaute auf die dunkle Öffnung, die reine Schwärze zu sein schien und... auf einmal fühlt sie schreckliche Angst in sich aufsteigen. Etwas erwartete sie dort drin, etwas das ihr zwar viel eröffnen würde, das aber auch sehr schmerzhaft und düster war. Sie wollte einen Schritt darauf zumachen, doch ihre Beine wollten ihr nicht so recht gehorchen. „Was... ist dort drin?“ „Deine Vergangenheit, eine sehr ferne Vergangenheit,“ erklärt der Wolf. „Aber was soll ich dort?“ „Etwas über deinen Ursprung herausfinden.“ „Was aber nützt mir das? Ich sollte doch im Jetzt leben.“ „Manchmal muss man seine Vergangenheit erkennen um wahrlich im Jetzt zu leben.“ „Was ist diese Vergangenheit von der du sprichst?“ „Geh mit mir in die Höhle und du wirst es verstehen.“ „Aber ich habe schreckliche Angst,“ sprach Nathalie nun und weinte beinahe. „Ich bin bei dir, es wird dir nichts geschehen.“ „Wer bist du denn?“ „Man könnte sagen ich bin dein geistiger Führer, dein Haupttotem.“ „Was ist damit gemeint?“ „Jeder Mensch hat ein Haupt- Totem, dass ihn durch sein ganzes Leben begleitet. Dieses Totem ist der innerste Ausdruck seiner selbst. Es gibt viele Totems die dich auf deinem Wege begleiten können, doch sie können nach einer gewissen Zeit wieder verschwinden, sich verwandeln, oder dir einfach bei einer besonderen Aufgabe beistehen, die es zu bewältigen gilt. Doch das Haupttotem bleibt immer. Ich begleite dich schon so lange Nathalie, schon so lange. Nun ist es meine Aufgabe dich in die Vergangenheit zu führen. Willst du mir folgen?“ Nathalie war tief berührt von dem was sie hier vernahm und schaute den Wolf an. Seine Augen blickten gütig und sanft. „Also gut!“ sprach sie auf einmal fest entschlossen. „Ich stelle mich der Vergangenheit, was sie auch immer für mich bereit hält.“ Dann lass uns gehen!“ sprach der Wolf erfreut und betrat die Höhle. Nathalie folgte ihm. Sie durchquerten einen dunklen Gang mit allerlei Getier, Spinnweben und sonstigen unangenehmen Dingen. Doch das helle Fell des weissen Wolfes wies Nathalie den Weg.

 

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