38. Davrors Schlacht

Der bluti’ge Hände Werk,

mir will zerspringen das Herz,

doch auf zu neuer Tat

am blut’gen Morgen Tag

Gerettet wird das Vaterland,

durch der feurigen Herzen Brand

Verzagt nicht, Töchter und Söhne

Servinas stolze Fahne,

stehet seit der Tage der Ahnen

und sie wird fallen nimmermehr

                 

Gedicht von Rykaros, entstanden nach der Schlacht vom Astarot

 

Naarai eilte über den Burghof, ihre Schritte verhallten inmitten der Geräuschkulisse des erwachenden Tages. Zwei Mägde, die Wasser schöpften, verneigten sich vor ihr, doch besaß die Prinzessin von Noriom weder den Ehrgeiz noch die Zeit den Gruß zu erwidern. Auch einen ihrer Hunde, der um sie herum sprang, beachtete sie nicht.

Eine Wache trat ihr halbherzig in den Weg, um ihr die Waffen abzunehmen, doch genügte ein zorniger Blick, um ihn zurückschrecken zu lassen.

Mit einem lauten Krachen flog die Tür zur Fürstenhalle auf und Naarai trat ein. Mit einem kurzen Blick erfasste sie die Situation. Ihr Vater saß auf seinem Thron, um ihn standen seine Ratgeber.

„Naarai.“. Herzog Setam blickte auf. „War deine Jagd erfolgreich?“.

Sie schnaubte nur, als ob er die beiden Füchse ihrer Schulter nicht sehen würde! Nur war es nicht von Bedeutung, so wandte sie sich stattdessen seinen Ratgebern zu.

„Eadan.“, stellte sie fest und nickte dem erfahrenen und gestrählten Waffenmeister zu. Dieser erwiderte ihr Nicken mit der Andeutung eines Lächelns. „Iasan.“. Der Anführer der Wache war nicht minder erfahren, doch weitaus mürrischer. „Siaaron.“. Der dritte Ratgeber ihres Vaters war ein alter Offizier, Veteran vieler Schlachten.

Ihre Ahnung hatte sie wahrlich nicht betrogen, das abgehetzte Pferd im Stall war von einem wichtigen Boten geritten worden. So wichtig, dass ihr Vater nicht nach Truchsess und anderen Männern der Verwaltung gerufen hatte, sondern nach Männern der Waffen.

Nun erblickte sie auch den Brief in der Hand ihres Vaters und das gebrochene Siegel der drei Feuerblumen.

„Wie lautet die Nachricht, die mein Bruder schicken ließ?“.

Setam seufzte kurz, wechselte einen kurzen Blick mit Iasan, dann erklärte er: „Laedan richtet aus, dass Kronprinz Jasreel schwer verwundet wurde und dass wenn der Tod nicht in diesen Tagen über ihn gebieten werde, er weder Kinder zeugen noch jemals wieder ein Schwert führen werde.“.

Naarai zischte auf. Nicht, dass sie ihren Vetter besonders gut gekannt hatte, zuletzt hatte sie ihn auf einem Turnier vor einem Jahr in Mearis gesehen, aber sie verstand die Tragweite seiner Verwundung für Artherg und ihr Volk.

Ihre Augen blitzten, als sie sich erneut ihrem Vater zuwandte.

„Ich nehme an, dass Noriom mit aller Macht den Thronanspruch Jasreels unterstützen wird.“, stellte sie mit kalter Stimme fest.

„Sicherlich.“, beruhigte er sie, „Der Sohn meiner Schwester kann sich unser Unterstützung gewiss sein, aber nicht alle Herzoge werden diesen Weg wählen. Ich bin sicher, dass Tarea sich hinter Jasreel stellen wird, aber bei bestem Willen ist es mir nicht möglich vorauszuahnen wie sich Keriso, Asea und Alak verhalten werden, von Esendryl und Reamoig ganz zu schweigen.“.

„Aber Keriso…Jasreel ist immerhin mit Alemets Tochter Syrela verheiratet.“, wandte Siaaron ein, „Und nach allem was man hört, verehrt er sie.“.

Naarai schüttelte den Kopf. Der Offizier mochte viel von Schlachten verstehen, aber von Politik nicht eben viel.

„Nur kann Syrela Jasreel keinen Sohn mehr gebären und der einzige Grund dieser Ehe war, dass Alemet Großvater des nächsten Königs wird. Ich traue ihm nicht.“.

Setam lächelte milde.

„Du misstraust jedem Mann, der nicht mit deinen Denkweisen übereinstimmt.“.

Sie schüttelte den Kopf. „Wenn du wissen willst wie jemand in den Tiefen seines Herzens beschaffen ist, musst du dir ansehen wie er die ihm Niedriggestellten behandelt.“.

Amüsiert blickte der Herzog sie an, auch wenn die Sorge nicht vollends schwand.

„Und du gibst du, dass er höher gestellt ist, als du selbst, Tochter?“.

„Das ist er, Vater. Er ist ein Kurfürst mit einem Sitz im Rat des Königs, während wir nur…“.

Die Miene Setams verfinsterte sich, als er sie unterbrach: „Genug mit diesen alten Geschichten.“.

„Nein, Vater!“, entgegnete sie, „Diese alten Geschichten sind es doch, worum es geht. Die Rehabilitation unseres Geschlechts als Herzöge und Kurfürsten Norioms. Wenn sich Asriel als Verräter herausstellen wird – und das wird er, denn fließt das Blut des Verräters Akimei in seinen Adern – können wir vom Kronprinzen als Preis unserer Unterstützung den Kurfürstenthron Aseas fordern oder wir spalten uns endgültig von Artherg ab. Es ist unser Recht, das uns gestohlen wurde von Asea und der Krone, wenn die Krone also unsere Unterstützung will, ist es nur Recht, etwas dafür zu verlangen, etwas, was rechtmäßig unser Anrecht ist.“.

Auf ihre Worte herrschte einige Minuten Schweigen, dann richtete Setam sich auf.

„Kind.“, erklärte er und obwohl seine Worte sanft gewählt waren, war seine Stimme schneidend, „Ich verstehe, dass du wie so viele dieses Träumen hinterher jagst und vielleicht mögen sie eines Tages in Erfüllung gehen, doch jetzt nicht. Die Situation ist zu unsicher, als dass wir riskieren könnten, unsere Stellung zu gefährden.“.

Der Herzog von Noriom erhob sich, bevor er meinte: „Wie dem auch sei. Ich werde nach Mearis reis…“.

„Vater, nein.“, empörte sich Naarai, „Du sagst doch immer wie unsicher die Situation ist, dann kannst du es unmöglich riskieren, nach Mearis zu reisen. Welche Intrigen die Kurfürsten und Herzöge auch immer spannen, sie werden sicherlich nicht wollen, dass du dich in ihre Politik einmischt.“.

„Naarai. Wie wollen wir unsere Position wahren, wenn wir fern des Hofes weilen? Wenn wir nicht übersehen werden wollen, müssen wir uns offensichtlich machen.“.

„Dann lass mich mit dir kommen.“.

„Nein.“, entgegnete er mit einer Stimme, die von Endgültigkeit kündete. „Einer unserer Familie muss hier in Tiloch verbleiben.“.

Naarai schwieg. Ihre Mutter war vor drei Jahren verstorben, die Geschwister ihres Vaters hatten ebenfalls das Zeitliche gesegnet. Ihr Bruder Laedan und ihr Vetter Jihram, der Sohn des einzigen Bruders ihres Vaters, kämpften in den Zwillingsreichen.

Schließlich nickte sie schweren Herzens, ihr Vater hatte Recht, sie musste über Noriom, ihre Heimat, wachen, als Tochter aus dem Geschlecht von Jarniska, welcher der Kurfürstenthron ihrer Vorväter entrissen worden war.

„Ich werde bleiben.“, erklärte sie mit leiser Stimme.

„Gut.“, erwiderte er.

Einen Moment schwiegen sie, dann ging er mit schnellen Schritten, die von einstiger Stärke kündeten, auf sie zu. Seine starken Hände umschlossen ihren Kopf, dann gab er ihr einen Kuss auf die Stirn, als wäre sie noch ein kleines Mädchen.

„Pass auf dich auf, Naarai.“.

„Das werde ich.“, entgegnete sie mit rauer Stimme, während sie beobachtete wie ihr Vater sich umwandte und auf den Burghof schritt. Sie stand da, bis auch der letzte Schemen seiner Gestalt verschwand, obwohl sie losrennen, ihn zurückhalten wollte. Sie konnte sich des Gefühles nicht erwehren, dass es eine Falle war, zu der er reiten würde.

Doch sie verharrte und wachte in der Halle ihrer Vorväter, auf das sich ihr kein Feind näherte.

 

 

 

Der Drache brüllte über dem Jaremer und einem grässlichen Schlangenleib gleich setzten die endlos erscheinenden Reihen der zweiten Division einen Fuß nach den anderen auf servinische Erde. Das Holz der Brücken knarrte unter dem gleichmäßigen Schritt der Soldaten und der Fluss schäumte und toste, als wolle er sich gegen die Fremden in seinem Land verteidigen. Doch über seinem Lauf vereinigten sich Drache und Bär als Zeichen arthergischer Machtinteressen und so sehr er sich auch gegen die Brücken wehrte, war es ihm doch nicht möglich, etwas an der Invasion zu ändern.

Die bunt bemalten Schilde, die dem Kundigen die Regimentzugehörigkeit verrieten, leuchteten im strahlenden Sonnenschein, Speerspitzen und die reich verzierten Rüstungen der Offiziere glänzten.

Eine silberne Flut, die sich über Servina ergoss, um es endgültig nieder zu ringen und Davror bildete den Kopf dieser gewaltigen Schlange.

Gehüllt in eine glänzende Rüstung, sitzend auf einem Rappwallach, blickte er auf die sich ihm ausbreitende Weite. Wenn ihm nicht bewusst gewesen wäre, dass eben diese Landschaft in den nächsten Stunden Schauplatz eines Blutbades werden würde, hätte er die Aussicht genossen. Sanfte Hügelketten in einem satten Grün lagen einsam da, allein durchschnitten von kleinen Bachläufen, an deren Ufern leuchtende Blumen wuchsen. Diese Welt erschien einer alten Sagengeschichte entsprungen, wo tapfere und edelmütige Ritter holde Jungfrauen retteten, Könige aus Großmut handelten und Ehen aus Liebe geschlossen wurden. Zweifellos sah Asahel selbst sich in dieser Tradition von Helden, ansonsten hätte er sich nicht bereitwillig zur Schlacht versammelt.

Davror mochte nicht viel Ahnung von Kriegslisten haben, doch hätte er nicht untätig auf die Feinde gewartet, sondern den Bau der Brücken behindert, Kavallerie auf die Versorgungstrecks losgelassen und dergleichen mehr. Der servinische Kronprinz hatte jedoch schlichtweg nichts getan, sondern edelmütig auf den deutlich stärkeren Feind gewartet.

Als er die nächste Hügelkuppe erreicht hatte, sah er die Hoffnung Servinas. Es war ein winziges Heer, Davror bezweifelte, dass es mehr als tausend Mann zählte. Die Reihen standen geordnet und wenn sie auch schlecht gerüstet waren, so blieb der Stolz auf ihren Gesichtern unübersehbar, wenn sie zu dem roten Fuchs empor blickten, der über ihnen im Wind schwebte.

Vor ihren Reihen befand sich ein einzelner Mann. Sein Reittier war ein schneeweißer Hengst und der hellblaue Umhang bauschte sich im Wind, während selbst die aufwendige Pflege nicht den schlechten Zustand seiner Rüstung verbergen konnte. Wahrlich, Asahel war ein Kind, nicht mehr als ein Junge, der Krieg spielen wollte und meinte, dass dieser heldenhaft war.
Davror dagegen hatte schon vor Jahren gelernt, dass es im Krieg nur Verlierer gab. Allzu lange hatte er Leid miterlebt und es selbst verursacht. Er war an den Hütten tjarolischer Frauen vorbei geritten, deren Männer im Kampf gegen die arthergische Herrschaft umgekommen waren und deren Kinder ihn mit Tränen auf den Wangen und Hass in den Augen anblickten.
Immer wieder hatte sein Vater ihm die Schwäche des Mitleids vorgeworfen, wenn er Unbewaffnete am Leben gelassen hatte und sich geweigert hatte, Kinder als Geiseln den Armen ihrer Mütter zu entreißen. Sein Bruder hatte allzu gerne Geschichten vom Versagen Davrors überbracht und feixend zugesehen, wie er gescholten wurde, weil er wieder einmal vor der Gefahr zurückgeschreckt war.
Doch dieses Mal nicht, das schwor sich der junge Herzog, bei diesem Kampf würde er nicht versagen. Allein deswegen, weil er keinen Vater mehr hatte, der ihn nicht mit Vorwürfen überschüttete und ihm das Selbstvertrauen nahm - im Gegenteil besaß er die Unterstützung seines Oheims. Als Junge war Tarendor ihm immer wie ein jüngeres Abbild seines Vaters vorgekommen, dich nun hatte er feststellen müssen, das der Befehlshaber des dritten Korps seinem älteren Bruder zwar ähnelte, sich jedoch durchaus von ihm unterschied. Es war dieselbe Strenge und der gleiche Sinn für Ordnung und Disziplin, doch zeichnete Tarendor eine Geduld mit seinem Neffen aus, die Doeros nie besessen hatte und auch nie versucht hatte zu erlangen. Und Tarendor war mit der Pflicht verheiratet und seine Soldaten waren die Kinder, die er nie gezeugt hatte, weswegen er keinerlei Ablenkung außerhalb des Schlachtfeldes besaß.   Am vorigen Abend waren sie Pläne und Karten durchgegangen und obwohl niemand von ihnen es ausgesprochen hatte, waren sie Lehrer und Schüler gewesen. Und Tarendor war ein ausgesprochen guter Lehrer, ohne es zu zeigen, denn war es Davror der die Entscheidungen zu treffen hatte und sein Oheim vermochte es Vorschläge, die Davror vorbrachte, als Befehle erscheinen zu lassen und Kritik sorgfältig und doch unübersehbar hinter Lob zu verstecken.
Nur momentan stand ihm des Vaters Bruder nicht mit Rat zur Seite, denn führte er ein weiteres Heer im Rücken der Feinde heran. Nicht, dass sie es nötig gehabt hätten, doch besaß Tarendor den außerordentlich starken Willen beste arthergische Kriegskunst zu zeigen.
An der Seite Asahels erschien nun ein weiterer Reiter, der vom Alter und vielen Kämpfen gezeichnet war und auch wenn Davror ihn noch nie erblickt hatte, brauchte niemand ihm zu erklären, dass dies Tarear war. Von der Besonnenheit, die ihm die Geschichtsschreiber zuschrieben, war er jedoch weit entfernt. Wild gestikulierend redete er auf den jungen Prinzen ein, zeigte immer wieder zum feindlichen Heer und den umliegenden Hügeln. Ohne Zweifel gab es doch einen Mann im Heer Servinas, der die Gefahr noch einschätzen vermochte. Asahel schien nicht gewillt, ihm zuzuhören, denn der Veteran wurde hinweg befohlen. Stattdessen wandte sich der Junge zu seinen Männern um und schien eine mehr oder minder eindrucksvolle und lange Rede zu halten, denn die Männer schlugen mit den Speeren gegen ihre Schilde.
Leicht amüsiert blickte Davror sein eigenes Heer an: „Also Männer, ihr wisst was ihr zu tun habt“.
Mehr brauchte nicht gesagt werden, denn im Gegensatz zu den Ástilos waren diese Männer Berufssoldaten, die genausten wussten, was von ihnen erwartet wurde.
Mit einer Gleichmäßigkeit, die ihn immer wieder erstaunte, setzte sich die Infanterie in Marsch, die Schilde vor ihren Körper erhoben.
Davror ritt an der Spitze des Heeres und obwohl keine Freude aufkommen wollte, konnte er eine gewisse Ehrfurcht nicht verhehlen, denn führte er zum ersten Mal in die Schlacht.

Ohne, dass er es richtig mitbekam, trafen die beiden Schlachtreihen aufeinander. Die

Ástilos prallten gegen den Schildwall der Artherger, der seinen Zweck hervorragend erfüllte und die servinischen Formationen brechen ließ. Einige feindliche Krieger, die die Zwecklosigkeit ihres Angriffs nicht einsehen wollten, stürmten immer wieder gegen den Wall aus Schilden, bis sie sich an den Speeren aufspießten. Schreiende Menschen wälzten sich auf dem grünen Grund, andere stürzten über ihre eigenen Gedärme und erstickten im Blut.

Davror saß abseits des Tötens auf seinem Pferd und gab Befehle, er ließ einzelne Regimenter die Positionen verändern, schickte Verstärkungen und Verpflegung. Schließlich nickte er dem Standartenträger zu, der nun eine grüne Flagge schwang.

Nun schloss sich die tödliche Falle, als Davrors Oheim die Kavallerie heranführte. Für einen Artherger war dies eine ungewöhnliche Taktik, denn war Kavallerie unbeliebt, doch Tarendor führte sie mit großem Geschick. Ehe die Ástilos begriffen hatten, wie ihnen wieder fuhr, brachen die großen Pferde über sie herein. Schwerter senkten sich unbarmherzig herab und vollführten der blutigen Hände Werk. Männer sanken zu Boden, die Augen ungläubig und erstaunt zum Himmel gerichtet. Waffen klirrten und Schreie von Mensch und Tier gellten über das Schlachtfeld.

Davror selbst musste nicht ein einziges Mal das Schwert erheben, aber er hörte die Schreie, roch den metallischen Geruch des Blutes und sah die grausame Effizienz, mit welcher die Artherger vorwärts drängten. Ihm war übel und obwohl es nicht seine erste Schlacht war, konnte er sich kaum davon abhalten, seine letzte Mahlzeit nicht loszuwerden. Dennoch gab er den Befehl, vorzurücken und beobachtete, wie die letzte Hoffnung Servinas aufgerieben wurde. Er sah, wie der erste Mann seine Waffen fortwarf und sein Oheim ihn verschonte. Weitere Waffen fielen und mit ihnen auch die Männer, die sich in Hoffnung auf Gnade auf den blutigen Rasen warfen.

Tarendor – und das rechnete Davror ihm hoch an – verschonte sie und blickte stattdessen seinen Herzog an, um von ihm Bestätigung oder Ablehnung zu erhalten. Als Davror nickte, ließ er die Männer zusammen treiben und auf versteckte Waffen kontrollieren. Dann ritt er zu den verbliebenen Kämpfern hinüber, die sich inmitten eines Ringes aus Soldaten einen verzweifelten Kampf lieferten. Der Kurfürst erkannte den Prinzen von Servina – Asahel – unter ihnen, wie er in einem schützenden Ring Befehle gab, jedoch keine Anstalten machte, in den Kampf einzugreifen. Stattdessen wurden die Ástilos von einem grimmigen Krieger angeführt, den er als Tarear erkannte.

Einen Moment beobachtete Davrors Oheim den Kampf, dann gab er den Befehl, die Männer zu überwältigen. Ein, zwei Artherger fielen noch, bevor den Rebellen die Waffen entrissen wurden. Dann war es vorüber, zu schnell, als dass Davror es richtig hätte begreifen können.

Das Heer teilte sich und schuf einen Gang für Tarendor, der zu Fuß und zwei Gefangene vor sich hertreibend, auf ihn zukam.

Als er Davror erreichte, stieß er die beiden Ástilos zu Boden, so dass sie vor ihm knien mussten. Der Jüngere der Beiden blickte ihn mit Abscheu an und spiee aus, doch konnte der junge Herzog und Kurfürst allein Mitleid empfinden. Asahel war ein Kind und hatte es gewagt, die mächtigste Militärmacht der bekannten Welt herauszufordern, die Zukunft konnte unmöglich ein gutes Ende für ihn bereithalten. In den Augen von Tarear las er dagegen allein eine tiefe Traurigkeit, die er kaum fassen konnte. Was mochte dieser Mann fühlen? Er hatte sein Leben dafür gegeben, sein Land zu befreien und musste nun sein Scheitern feststellen. Es musste grauenvoll sein.

Doch anstatt sich länger mit den Beiden zu befassen, blickte er den Bruder seines Vaters an. Eine winzige Andeutung eines Lächelns strich über sein Gesicht, bevor er den Gefangenen folgte und ebenfalls in die Knie sank.

„Lang lebe Davror, Herzog und Kurfürst von Tarea.“.

Der Großteil der Soldaten, die ebenfalls aus Tarea stammten, folgte Tarendors Beispiel, doch selbst die Verbliebenen erwiesen ihm Ehrerbietung, indem sie die Köpfe senkten.

Staunend vor Ehrfurcht und Überraschung blickte Davror sich um, nicht begreifend, was vor seinen Augen geschah.

Doch letztendlich akzeptierte er diese Ehre, denn war er der Herzog und Kurfürst von Tarea und er brauchte ein Heer in seinem Rücken, um seine Interessen und die seines Hauses zu wahren und sein Volk zu beschützen. Es war wahrlich eine gute Zeit, um Loyalität zu beweisen. Denn wusste er, dass er sie eines Tages dringend benötigen würde.

Und deshalb lächelte er.

 

 

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beta
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