Eskalierende Eifersucht

Seine Hände zitterten vor Zorn. Er konnte einfach nicht glauben, was in dem Brief stand, den die Eule ihm gerade gebracht hatte. Sie wusste doch, dass er es nicht schätzte, Eulen zu empfangen, warum behelligte sie ihn mit so einer Kleinigkeit? War sie gelangweilt und hatte in einem ihrer Wahnsinnsanfälle entschieden, ausgerechnet in ihm Ablenkung zu suchen? Es hätte ihn nicht weniger interessieren können, welcher Todesser mit welcher Sklavin Sex hatte - dazu waren sie schließlich da. Und wenn die Ehefrau das nicht mochte, dann war das ein Eheproblem und nichts, womit er sich beschäftigen musste.

Oder steckte doch mehr dahinter? Er konnte nicht glauben, dass sie, trotz ihres offensichtlichen Wahnsinns, den er so an ihr schätzte, absichtlich seinen Zorn riskierte. Sein Zorn verblasste, während er nachdenklich über den wenigen Zeilen vor ihm brütete. Vielleicht roch sie Gefahr, weil es sich bei diesem speziellen Schlammblut nicht um irgendjemanden handelte? Andererseits war sie manchmal auch einfach nur paranoid - ihre Anschuldigen Snape gegenüber hatten ihn stets gestört, immerhin war Snape sein treuester Gefolgsmann, das hatte er mehr als einmal unter Beweis gestellt. Treuer und nützlicher sogar als sie selbst.

Energisch legte er den Brief bei Seite. Lord Voldemort hatte keine Zeit, sich mit solchen Problemen zu beschäftigen. Er war so kurz davor, hier in Russland eine ähnlich mächtige Anhängerschaft wie in England zu versammeln, er konnte sich jetzt nicht ablenken lassen. Bellatrix würde auf eine Antwort warten müssen.

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Sie hatte es wirklich getan. Jetzt, mit einer Tasse Kaffee in der Hand und dem ersten Brot im Magen, begann Narzissa Malfoy sich zu fragen, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war, ihrer Schwester zu erzählen, dass die Beziehung zwischen ihrem Mann und dem Schlammblut endgültig jede Grenze überschritten hatte. Sie war sich sicher, dass Bellatrix inzwischen dem Dunklen Lord geschrieben hatte, ebenso wie sie sich sicher war, dass über kurz oder lang irgendeine Reaktion folgen würde. Was, wenn sie damit die ganze Familie in eine nicht vorhersehbare Katastrophe gerissen hatte? Eigentlich hatte sie nicht mehr gewollt, als dass irgendjemand ihrem Mann endlich mitteilte, dass er zu viel Zeit mit der Sklavin verbrachte - und wenn es der Lord höchstpersönlich war. Doch was sollte sie tun, wenn ihm das als Blutsverrat ausgelegt werden würde und damit auch sie und Draco belastete?

Es half nichts, das Kind war in den Brunnen gefallen. Und lieber würde sie sich der Strafe des Dunklen Lords stellen, als sich weiter von ihrem Ehemann demütigen zu lassen. Nach der ersten Ermahnung durch Bellatrix hatte er sich tatsächlich am Riemen gerissen, doch sie konnte spüren, dass, was auch immer zwischen den beiden war, inzwischen noch heftiger am brodeln war. Die eisige Kälte, die von ihrem Mann am Kopf der Tafel ausging, das betonte Schweigen gegenüber der Sklavin, die wiederum einen verunsicherten Blick zur Schau trug, verriet ihr nur zu deutlich, dass irgendetwas geschehen war. Irgendetwas, das heftige Gefühle in Lucius hervorgerufen hatte - was für sie, seine Ehefrau, stets unmöglich gewesen war. Respekt und zeitweise sogar Freundlichkeit hatte er ihr entgegengebracht, aber nie war sie in der Lage gewesen, brennende Leidenschaft oder eisigen Zorn in ihm zu wecken. Dass dieses Schlammblut das konnte, verriet ihr alles über deren Beziehung, was sie wissen musste. Und sie würde diese Demütigung nicht länger dulden, egal, wie unheimlich die Vorstellung eines Dunklen Lords, der Blutsverrat witterte, auch war.

Narzissas Blick wanderte zu ihrem Sohn. Draco sah heute Morgen besser aus, als sie ihn in den letzten Wochen zuvor erlebt hatte. Es beruhigt sie, ihn endlich einmal wieder ausgeschlafen und ohne dunkle Ringe unter den Augen zu sehen, denn sein Zustand hatte begonnen, ihr Sorgen zu bereiten. Sie wusste nicht, was ihn plagte und woher seine dauerhafte schlechte Laune gekommen war, doch nun, da das Problem offenbar gelöst war, interessierte es sie nicht länger. Solange es allen Mitgliedern ihrer Familie gut ging und keiner ihr gesellschaftliches Ansehen riskierte, war sie zufrieden. Sie hatte Lucius Malfoy nicht aus Liebe geheiratet, sondern um eine stabile Familie zu gründen, die in den Reihen der Reinblüter ganz oben stand. Jetzt, wo der Dunkle Lord gesiegt hatte, musste sie alles daran setzen, als loyaler Anhänger zu erscheinen, um ihren Status nicht zu verspielen - und zumindest Draco schien das auch zu verstehen und ihrer Agenda zu folgen. Wenn nur dieses Schlammblut nicht wäre, das ihren Mann so beharrlich in den Abgrund ziehen wollte.

"Du siehst gut aus heute Morgen, Draco", begann Narzissa schließlich ein Gespräch, um von dem eisigen Schweigen ihres Mannes abzulenken, "hattest du eine gute Nacht?"

"Ja, sehr gut sogar", erwiderte dieser. Zu ihrer Verwirrung wurde der Ausdruck auf dem Gesicht ihres Mannes noch finsterer und seine rechte Hand umklammerte das Messer, mit dem er sich gerade ein Brötchen schmieren wollte, so fest, dass seine Knöchel weiß hervor traten. Es schien beinahe, als müsse er sich zurückhalten, um nicht eine unbedachte Äußerung zu tätigen.

"Wie kommt es, dass deine Nacht so angenehm war, Draco? Irgendetwas besonderes?", fragte Lucius Malfoy schließlich, doch die freundlich formulierte Frage konnte nicht über das Eis in seiner Stimme hinweg täuschen. Narzissas Blick wanderte zu ihrem Sohn, der ob des gefährlichen Tonfalls seines Vaters überrascht aufblickte und sein Besteck zur Seite gelegt hatte. Sie meinte, seine Augen kurz zur Sklavin hinüber huschen zu sehen, doch es geschah so schnell, dass sie nicht wusste, ob sie es sich nicht nur eingebildet hatte. Stille breitete sich in dem großen Speisesaal aus, während Draco seinem Vater direkt in die Augen starrte. Narzissa spürte instinktiv, dass vor ihren Augen gerade ein stummes Duell stattfand, deren Gegenstand sie nicht kannte.

"Darf ich nicht einfach einmal eine gute Nacht haben, ohne dir Rechenschaft ablegen zu müssen, Vater?", kam von Draco schließlich die Gegenfrage, ohne dass er dabei den Blickkontakt löste. Wenn es möglich war, wurde der Gesichtsausdruck ihres Ehemannes noch kälter, doch ihr Sohn zeigte sich unbeeindruckt.

"Es gab einmal eine Zeit, mein Sohn", presste Lucius angespannt hervor, "da hast du all deine Gedanken mit mir geteilt."

Diese Bemerkung entlockte Draco ein unfrohes Lachen: "Das ist doch schon Ewigkeiten her, Vater! Erwartest du ernsthaft, dass ein erwachsener Mann sich wie ein kleines Kind in den Schoß von Papa kuschelt und sich ausheult?"

"Überleg dir, wie du mit mir sprichst!", zischte Narzissas Ehemann, bevor er aufstand und sein angefangenes Frühstück zurückließ. Mit einem Kopfnicken befahl er seiner Sklavin, dass sie ihm zu folgen hatte, und verließ dann den Saal. Mit vor Zorn geballten Fäusten blickte Narzissa ihm nach. Sie verstand nicht, was die Konfrontation mit Draco verursacht hatte, doch dass er nun erneut die Zweisamkeit mit dem Schlammblut vorzog, brachte sie zur Weißglut.

"Bin ich die einzige hier, die findet, dass dem Schlammblut zu viel Aufmerksamkeit geschenkt wird?", fragte sie leise in den Raum hinein, doch Draco, an den die Frage gerichtet war, zuckte nur mit den Schultern: "Ist mir völlig egal, was Vater mit Granger anstellt."

Noch ehe Narzissa darauf reagieren konnte, verließ auch ihr Sohn den Frühstücksraum. Zornig und entsetzt darüber, dass irgendetwas in ihrem Haus geschah, das sie nicht verstand, blieb die blonde Frau alleine mit ihrem Kaffee zurück.

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Hermine war sich der Anwesenheit des Hausherrn nur zu bewusst, seine Augen schienen förmlich an ihrem Rücken zu kleben, während sie über die Waschschüssel gebeugt das Frühstücksgeschirr reinigte. Kein Hauself war anwesend, sie waren nach einem finsteren Blick ihres Herrn verängstigt verschwunden. Die Konfrontation am Frühstückstisch bestärkte Hermine darin, dass Malfoy senior aus irgendeinem Grund erbost darüber war, dass er sie aus Dracos Zimmer hatte kommen sehen. Doch da er immer wieder betonte, dass es ihm egal war, ob sein Sohn mit einem Schlammblut schlief oder nicht, konnte sie sich auf die Wut einfach keinen Reim machen. Umso unheimlicher war das betonte Schweigen und Starren hinter ihr. Sie konnte förmlich spüren, dass Gefahr im Verzug war.

"Mr. Malfoy", fing sie schließlich vorsichtig an, während sie den Schwamm im Kübel versinken ließ und sich umdrehte, "ich bin Eure Sklavin und Ihr könnt mit mir tun, was Ihr wollt. Trotzdem ... ich dachte, wir hätten endlich ... ich weiß auch nicht ... eine Ebene gefunden, auf der wir friedlich zueinander sein können?"

Als hätte sie unbedacht ein Zündholz in ein Pulverfass fallen lassen, sprang Lucius Malfoy aus seinem Stuhl auf und ehe Hermine sich versah, hatte er sie bei der Kehle gepackt und auf den Küchentisch geschleudert. Gefährlich nah schwebte sein Gesicht über dem ihren, während eine Hand weiterhin ihren Hals umklammerte und die andere zu einer zitternden Faust geballt neben ihrem Kopf lag.

"So, dachtest du das?", flüsterte er kalt, "Deine Handlungen sprechen eine andere Sprache."

Ehe Hermine antworten konnte, zog Lucius sie in einen brutalen Kuss. Ohne auf ihren erstickten Protestschrei zu reagieren, drang er mit seiner Zunge in ihren Mund ein, fuhr mit seiner freien Hand ihren Körper entlang und drängte sich mit jedem Zentimeter seines Körpers an sie. Gerade, als Hermine meinte, keine Luft mehr zubekommen, ließ er von ihren Lippen ab, nur um sich mit noch mehr Gewalt ihrem Hals zu widmen. Entsetzt registrierte sie, wie er mit beiden Händen an ihrem Kleid riss, bis er es schließlich hoch schob und ihre Brüste freilegte. Wie in einem Rausch versenkte er sein Gesicht zwischen ihnen, umschlang mit seinen Armen ihren Unterkörper und rieb sich zwischen ihren Beinen.

Eisige Kälte breitete sich in Hermines Unterleib aus, während sie, unfähig sich zu bewegen, mit ansehen musste, wie Lucius Malfoy ihren Körper für sich einnahm. In ihrem Geist hallte Snapes Stimme wider, die ihr zuflüsterte, dass es ihr gefiele, was er tat, die sie hämisch lachend beleidigte, und sein Stöhnen, während er ohne Rücksicht in sie stieß. Mit weit aufgerissenen Augen starrte Hermine auf die blonde Mähne des Mannes auf ihr, immer noch nicht in der Lage, sich zu rühren oder auch nur einen Laut von sich zu geben.

Schwer atmend unterbrach Lucius Malfoy die ungestümen Küsse, die er auf Hermines ganzem Körper verteilt hatte, um ihr in die Augen zu sehen. Der erstarrte, von Horror erfüllte Ausdruck darin brachte ihn augenblicklich in die Realität zurück. Sie wollte es nicht. Sie wollte ihn nicht.

"Warum?", flüsterte er leise, während er erschlagen auf den Küchenboden sank.

Minuten vergingen, ehe Hermine bemerkte, dass Malfoy von ihr abgelassen hatte. Mit langsamen Bewegungen richtete sie ihre Unterwäsche und das Kleid, setzte sich auf und bemühte sich, die panische Angst, die sie ergriffen hatte, und die dunklen Erinnerungen zu vertreiben. Es dauerte viele weitere Augenblicke, bevor ihr Blick auf den am Boden sitzenden Hausherrn fiel - und sie sich seiner leisen Frage erinnerte.

"Warum was?", erwiderte sie vorsichtig. Immer noch war sie von der Angst beherrscht, dass bei einer nächsten unbedachten Äußerung der Mann vor ihr wieder über sie herfallen konnte - und dann nicht mitten drin von ihr abließ. Lange wartete Hermine, doch sie erhielt keine Antwort auf ihre Frage. Lucius Malfoy saß unbeweglich auf dem Küchenboden, während sie, die Sklavin, auf dem Tisch saß und auf ihn hinab blickte. Gerade, als Hermine beschlossen hatte, die bizarre Situation zu beenden und wieder an die Arbeit zu gehen, regte sich der Mann unter ihr.

"Warum kannst du mit Draco schlafen, aber nicht mit mir?"

Überrascht hielt Hermine in ihrer Bewegung inne - das beschäftigte diesen Mann? Ohne ihr eine Möglichkeit zum Antworten zu geben, fuhr er fort: "Wann immer ich dich berühre, zuckst du zurück. Und wenn du dich nicht wehrst, liegst du mit diesem panischen Blick da, als ob der schlimmste Horror der Welt dich befallen hätte. Warum? Was ist anders bei Draco?"

"Ich habe nicht mit ihm geschlafen."

"Natürlich hast du das, ich habe doch gesehen, wie du aus seinem Zimmer gekommen bist, wie du ihn angeschaut hast. Du hattest keine Angst vor ihm, obwohl du vorher immer so getan hast, als wäre er dein schlimmster Feind. Lüg mich nicht an!", fuhr Malfoy sie unvermittelt an, während er sich vom Boden erhob und auf die Küchenbank setzte.

"Ich weiß nicht, wie ich es Euch beweisen soll, aber ... ich habe es wirklich nicht getan. Es wäre das aller letzte, was mir in den Sinn käme. Oder ihm", sagte Hermine verzweifelt und fügte dann leiser hinzu: "Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder mit einem Mann schlafen und dabei Lust empfinden kann."

Lucius Malfoy hatte die junge Frau vor sich erneut anfahren wollen, doch ihr leiser, vollkommen resigniert klingender Satz ließ ihn stocken. Es gelang ihm immer wieder, die Vergewaltigung durch Snape zu vergessen, einfach auszublenden, dass Hermine Granger ein Opfer von sexueller Gewalt geworden war und diese tatsächlich in den seltensten Fällen so schnell danach wieder Freude an Sex empfinden konnten. Dass sie freiwillig mit seinem Sohn geschlafen hatte, erschien ihm plötzlich unwahrscheinlich.

Erschöpft fuhr er sich mit einer Hand durch das blonde Haar, das inzwischen wirr aus dem am Morgen so bedacht gebundenen Pferdeschwanz gelöst hatte. Die ganze Situation zerrte an seinen Nerven. Er wollte der Realität entfliehen, wollte in der süßen Ekstase, die er mit dem Mädchen vor sich erleben konnte, Vergessen und Trost finden - doch ausgerechnet sie war nicht in der Lage, sich einem Mann zu öffnen. Warum nur begehrte er ausgerechnet Hermine Granger?

"Komm her", sagte er langsam, während er eine Hand nach ihr ausstreckte. Er sah ihr Zögern, doch schließlich gab sie nach, ergriff seine Hand und ließ sich auf seinen Schoß ziehen. Vorsichtig legte er beide Arme um sie und zog sie eng an sich. Es dauerte einige Sekunden, ehe der steife Körper von Hermine sich entspannte, doch als Lucius endlich spürte, dass sie seine Umarmung zuließ und sich gegen seine Brust lehnte, fiel auch von ihm die Anspannung ab. Er vergrub sein Gesicht in ihrer Lockenmähne und flüsterte so leise, dass Hermine es unmöglich hören konnte: "Ich wollte dich nicht ängstigen. Nichts läge mir ferner. Verzeih mir."

Doch sie hatte es gehört.

 

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