Mal wieder in der Bibliothek

Die brünette Sklavin war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie nicht bemerkte, wie der Hausherr die Bibliothek betrat. Leise, ohne sich der jungen Frau gegenüber bemerkbar zu machen, schritt Lucius Malfoy zu dem Sofa hinüber und ließ sich in die Kissen sinken. Das merkwürdige Schweigen seines Gastes seitdem dieser von seinem Spaziergang mit Hermine zurückgekehrt war, hatte ihn unruhig gemacht, und so hatten seine Füße beinahe wie von selbst den Weg dahin gefunden, wo seine Sklavin war. Er bereute inzwischen, ihren Körper an einen anderen Mann verkauft zu haben. Damals - vor gar nicht so vielen Wochen - war die Granger für ihn nicht mehr als ein Schlammblut gewesen, das auf der Liste der Feinde des Dunklen Lords weit oben stand und entsprechend als wertvoller Fang erschien. Sicher, er mochte junge Frauen und hatte sich einige derbe Scherze mit ihr erlaubt, hatte ihren Körper erkundet - aber er selbst wäre nie auf die Idee gekommen, sie gegen ihren Willen in sein Bett zu zerren. Wenn er jetzt sah, was Severus mit seiner offensichtlich groben Art mit ihr angestellt hatte, wusste er auch wieder, warum er es ablehnte, Frauen Gewalt anzutun. Er wünschte, es läge in seiner Macht, diese Wunde zu heilen und ihr zu zeigen, wie viel Spaß Sex auch Frauen machen konnte. Doch selbst, als sie sich ihm freiwillig hingegeben hatte, war sie nicht in der Lage gewesen, zu genießen und sich fallen zu lassen.

Er war es nicht gewohnt, so über andere Menschen zu denken. Sicher, früher hatte er stundenlang über Narzissa gegrübelt, hatte immer neue Wege gesucht, sie zu beglücken und ihr ein schönes Leben zu bereiten. Doch der Wahnsinn, der in der Familie Black so verbreitet war, hatte leider auch mit zunehmenden Alter seine schöne Frau zerstört. Die Fürsorge, die er seinem Sohn hatte angedeihen lassen, war lange Zeit auf fruchtbaren Boden gefallen und es hatte ihn mit Stolz erfüllt zu sehen, wie Draco seinem Vorbild nacheiferte. Spätestens seit dem Vorfall im Ministerium jedoch schien dieser nur noch Verachtung für ihn übrig zu haben - und so war sein Leben in den letzten Jahren leer gewesen von Menschen, um die er sich gesorgt hätte. Dass er stets stolz auf seinen Ruf, unnahbar und kalt zu sein, gewesen war, hatte sein übriges dazu beigetragen, seine Gefühle erstarren zu lassen.

Und nun saß er hier in der Bibliothek, schaute auf den schmalen Rücken der zierlichen Frau vor ihm - und sorgte sich. Er wollte wissen, was in der Nacht vorgefallen war, wollte wissen, warum Severus sie mit zu einem Spaziergang genommen hatte, wollte sicherstellen, dass er ihr nicht erneut weh getan hatte. Doch er konnte nicht. Er hatte die Warnung deutlich verstanden, hatte begriffen, dass die reale Möglichkeit bestand, dass der Dunkle Lord ihn des Blutsverrats verdächtigen konnte. Die Nähe seiner Sklavin zu Severus Snape bedeutete zugleich die Möglichkeit, dass er ihre Gedanken las und seine schwachen Momente, die er ihr gegenüber gehabt hatte, entdeckte.

Es dauerte einen Augenblick, ehe Lucius registrierte, dass Hermine sich zu ihm umgedreht hatte und ihm direkt in die Augen sah.

"Kann ich etwas für Euch tun, Herr?"

Die Ironie in ihrer Stimme ließ ihn zusammenzucken, mehr noch als der kalte Blick in ihren Augen. Seit Severus Snape das Anwesen betreten hatte, hatten sie kaum ein Wort miteinander gewechselt - woher kam ihre plötzliche Ablehnung?

"Mäßige deinen Tonfall, wenn du mit mir sprichst!", wies er sie zurecht, doch seine Worten schienen nur Öl in das Feuer zu gießen: "Verzeiht, Euer Hochwohlgeboren, dass diese einfache Sklavin sich im Ton vergriffen hat. Verlangt es Euch nach diesem schmutzigen Körper oder steht Euch gerade der Sinn eher nach noch frischerem Fleisch?"

Daher wehte der Wind also. Er hätte sich denken können, dass Hermine sein Ablenkungsmanöver mit Ginevra Weasley falsch verstehen würde.

"Falls du auf deine Freundin anspielst - ich habe ihr nichts getan."

"Weil Ihr unterbrochen wurdet!"

"Ich habe dir gesagt, ich bevorzuge willige Frauen", erwiderte Lucius fest, "und das gilt nach wie vor. Vielleicht hätte sie mich gelassen, vielleicht nicht."

Er konnte sehen, wie sie wutentbrannt die Fäuste ballte, doch statt einer entsprechenden Antwort drehte sie sich schließlich um und widmete sich wieder ihrer Arbeit. Lucius stöhnte innerlich - er konnte sich anstrengen, wie er wollte, seine zärtlichen Gefühle für diese Frau würden niemals erwidert werden. Immer, wenn er dachte, dass sie einen Schritt aufeinander zu gemacht hatten, passierte etwas und es ging zwei Schritte zurück.

Hermine erstarrte, als sich plötzlich links und rechts von ihr zwei Fäuste auf dem Tisch abstützten und der herbe Geruch des Hausherrn sie überströmte. Sie wusste, dass sie sich mit ihrem verbalen Angriff weit aus dem Fenster gelehnt hatte, doch ihre Enttäuschung über die Handlungen dieses Mannes war einfach zu groß. Sie hatte ihn tatsächlich für ehrenhafter gehalten.

Sie spürte, wie er seine Lippen dicht an ihr Ohr brachte und flüsterte: "Ich hatte wirklich nicht vor, etwas gegen ihren Willen zu tun. Ich kann dir nicht erklären, warum ich ... es versucht habe. Nicht jetzt."

Ohne Vorwarnung wurde sie von seinen kräftigen Armen umschlungen und in eine enge Umarmung gezogen. Ihre Wut verrauchte und machte dem kalten Gefühl der Beklemmung Platz - sie erinnerte sich nur zu gut, was das letzte Mal geschehen war, als sie alleine mit Lucius Malfoy in dieser Bibliothek gewesen war. Sie wurde rot bei dem Gedanken an das, was sie zugelassen hatte, und fragte sich plötzlich, ob er seine Schwäche nicht nur vorgespielt hatte, um sie dahin zu bekommen, wo er sie haben wollte. Ehe sie der Frage auf den Grund gehen konnte, spürte sie, wie seine großen Hände ihr Kleid hochschoben. Ohne auf ihren Widerstand zu achten, zog Malfoy es ihr über den Kopf, griff nach ihrem BH und entfernte auch diesen.

"Mr. Malfoy ...", flüsterte sie entsetzt. Sie verstand nicht, was in diesem Mann vor sich ging. Hatte er nicht gerade noch betont, er würde sich keiner Frau ohne Zustimmung nähern? Oder dachte er, weil sie sich beim letzten Mal hier geöffnet hatte, würde sie es erneut tun? Sie öffnete ihren Mund, um zu protestieren, doch sofort legte sich ein Finger von ihm auf ihre Lippen, um sie zum Schweigen zu bringen. Irritiert bemerkte sie, dass er sie nur ansah, jedoch nicht anfasste.

"Er hat dich in Ruhe gelassen?"

Beinahe hätte sie seine leise Frage nicht gehört: "Was?"

"Severus", kam die Erwiderung, "er hat sich heute Nacht nicht mit dir vergnügt?"

"Nein!", stieß Hermine hervor, während sie versuchte, ihren Körper mit ihren Armen zu bedecken, "Wenn Ihr nur das wissen wolltet, hättet Ihr einfach fragen können!"

"Manchmal machst du deinem Haus wirklich alle Ehre", kam die Antwort seinerseits mit einem Schmunzeln, "du fauchst wie eine Löwin."

Unfähig, irgendetwas auf seinen schnellen Launenwechsel zu erwidern, griff Hermine schweigend nach ihren Sachen und zog sich wieder an. Lucius Malfoy sichtete währenddessen ihren Arbeitsfortschritt.

"Du bist schon ziemlich weit, ich bin überrascht."

Gegen ihren Willen schlich sich ein stolzes Lächeln auf Hermines Gesicht: "Ich habe meine eigene Literatur schon immer auf ähnliche Weise geordnet, allerdings ohne Magie. Wenn man weiß, was man zu tun hat, ist es leicht, Bücher den richtigen Kategorien zuzuordnen und Schlagwörter zu finden."

Sie war im Begriff, sich wieder an den Tisch zu setzen und weiter zu arbeiten, doch ihr Herr hatte offenbar anderes im Sinn. Mit verschränkten Armen lehnte er sich an die Tischkante und schaute auf sie hinab.

"Wie kommst du damit klar, dass Severus hier ist?"

Überrumpelt ließ sich Hermine auf ihren Stuhl sinken. Die Frage traf sie ebenso unerwartet wie das Gespräch am Vormittag mit Snape. Hatten sich die beiden Männer heimlich abgesprochen, sie heute ständig aus der Bahn zu werfen?"

"Es geht", sagte sie schließlich mit leiser Stimme, den Blick zum Boden gerichtet, "die Seite, die er bei unserem gemeinsamen Erlebnis gezeigt hat - so nennt er es - verbirgt er gut. Im Moment zeigt er sich nur so, wie ich ihn vorher kannte ... wie der arrogante, kalte Lehrer, der er in Hogwarts immer war."

"Also ist es dir nicht unangenehm, Zeit mit ihm alleine zu verbringen?"

"Natürlich ist es das!", fauchte Hermine, "Aber es könnte wesentlich schlimmer sein."

Schweigen breitete sich aus, während sie den prüfenden Blick des blonden Mannes auf sich spürte, doch sie weigerte sich, nach oben und ihm in die Augen zu schauen.

"Versteht Ihr denn nicht?", flüsterte sie endlich, "Ich bin froh, wenn ich nicht daran erinnert werde. Ich will vergessen. Und wenn Snape nichts tut, um mich daran zu erinnern, dann bin ich froh darüber. Die einzige Möglichkeit für mich, die Vergangenheit zu bewältigen, ist vergessen. Ich will nicht ewig nur zurück blicken. Ich weigere mich, meine Zukunft aufzugeben und alle Hoffnung zu verlieren. Aber ich kann nicht hoffen, wenn ich mich von Snape oder irgendeinem anderen fesseln lasse und nur in die Vergangenheit schaue. Ich habe einfach keine Lust mehr auf Selbstmitleid und Verzweiflung."

Bei den letzten Worten hatte sie den Kopf gehoben, um Malfoy endlich doch direkt in die Augen zu schauen. Sie war überrascht zu sehen, wie viel Wärme in dem Blick lag, der dem ihren begegnete. Schaudernd senkte sie wieder ihren Kopf.

"Ich hatte Recht", murmelte Lucius Malfoy mehr zu sich als zu seiner Sklavin, "du bist wirklich die einzige Person in meinem Haus, der ich bedingungslos vertrauen kann. Bei dir weiß ich immer, woran ich bin."

"Ihr solltet mir nicht Voldemorts neueste Pläne anvertrauen", erwiderte Hermine grinsend, "denn das würde ich gegen Euren Herrn verwenden. Aber ja, ansonsten könnt Ihr sicher sein, dass ich Euch nicht betrügen werde. Wie auch, wir wissen beide, auf welcher Seite ich stehe."

"Erstaunlich, dass du über sowas Scherze machen kannst."

"Wie ich schon sagte", erklärte Hermine, "ich habe keine Lust mehr auf Verzweiflung. Ich will positiv denken und daran glauben, dass ich und meine Freunde eine gute Zukunft haben können. Der beste Weg, einem übermächtigen Gegner den Schrecken zu nehmen, ist, über ihn zu lachen."

Lucius Malfoy löste sich aus seiner starren Pose, ergriff eine von Hermines auf dem Tisch liegenden Händen und beugte sich zu ihr runter: "Wo kommt diese plötzliche Stärke her? Wo ist meine zerbrechliche, verängstigte Sklavin hin?"

Kurz wanderten Hermines Gedanken zu Draco, doch sofort schob sie ihn bei Seite und richtete Barrieren in ihrem Kopf auf - sie konnte nicht riskieren, dass Malfoy oder irgendjemand anderes in einem unbedachten Moment in ihren Kopf eindrangen und dort das Gespräch zwischen ihr und Draco entdeckten. So lächelte sie nur sanft, während sie ihrem Besitzer fest in die Augen sah, und erwiderte unbestimmt: "Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken."

Unerwartet legte Lucius Malfoy die Finger seiner freien Hand unter ihr Kinn, um ihr Gesicht näher zu seinem zu führen: "Das gefällt mir", hauchte er leise in ihr Ohr, dann überbrückte er den letzten Abstand und zwang sie in einen langen, zärtlichen Kuss. Mehr aus Überraschung denn aus echtem Widerwillen löste sich Hermine aus dem Kuss, doch ehe der Mann vor ihr die Möglichkeit hatte, dagegen zu protestieren, erhob sie sich und brachte ihre Lippen wieder zusammen. Sie sehnte sich nach körperlicher Nähe und Geborgenheit, dieser Mann konnte und wollte ihr das geben - sie sah nicht ein, warum sie es ablehnen oder sich schuldig fühlen sollte, wenn sie annahm. Sie blendete ihre Umgebung aus, um sich ganz dem Gefühl seiner weichen Lippen und der starken Arme, die sie fest umklammerten, hinzugeben. Und wie Lucius Malfoy es stets tat bei seinen intimen Momenten mit ihr, so vergaß auch Hermine für einen Moment die Wirklichkeit und den Schrecken, der jenseits der Arme dieses starken Mannes wartete.

oOoOoOo

Als Hermine abends in die Küche zurückkehrte, war Ginny verschwunden. Alleine, nur umgeben von Hauselfen, half sie bei den Vorbereitungen für das Abendessen, und versuchte, sich keine Sorgen um ihre Freundin zu machen. Lucius Malfoy hatte den gesamten Nachmittag in der Bibliothek verbracht und ihr bei der Arbeit zugesehen, so dass er nicht der Grund für ihr Verschwinden sein konnte.

Wie schon das Mittagessen so verlief auch das Abendessen der drei Männer schweigend. Ginny war noch immer nicht wieder aufgetaucht, so dass Hermine sich langsam Sorgen machte. Sie nutzte einen Moment, als sie für ihren Herrn Wein nachschenke, um für die anderen unhörbar zu fragen: "Wo ist Ginny?"

Lucius, dem jetzt erst auffiel, dass eine Sklavin fehlte, wandte sich an seinen Gast: "Wo hast du die junge Weasley gelassen?"

"Ich habe sie in meine Wohnung geschickt." gab Snape ungerührt zurück. Ohne ein weiteres Wort der Erklärung setzte er seine Mahlzeit fort. Fragend blickte Hermine zu Draco, doch dieser konnte nur leicht mit den Schultern zucken und den Kopf schütteln. Vielleicht hatte Snape beschlossen, Ginny nicht noch einmal in die Fänge von Lucius Malfoy geraten lassen zu wollen, überlegte sie sich. Sie bereute, während des Mittagessens nicht noch einmal mit ihr geredet zu haben. Sie hatte das Gefühl, eine wertvolle Chance vertan zu haben, und verspürte mit einem Mal eine große Einsamkeit. Die Wärme, die sie in den Armen ihres Herrn empfand, hielt nicht länger als die Umarmung selbst.

Genervt schalt Hermine sich innerlich. Lucius Malfoy gegenüber hatte sie so stolze, tapfere Worte verwendet, und jetzt stand sie hier, erneut schwach und traurig und niedergeschlagen. Grimmig richtete sie sich auf. Auch ohne Ginny konnte sie Pläne schmieden. Sie brauchte lediglich mehr Informationen - und wer, wenn nicht Severus Snape konnte diese liefern? Sie musste einen Weg finden, die restliche Zeit, die er schwarzgewandte Mann noch im malfoy'schen Anwesen verbringen würde, zu nutzen und ihn auszuhorchen.

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