Robotopia (10)

Ich hatte gerade etwas Zeit und beschloss Whright sogleich zu kontaktieren und einen Termin mit ihm zu vereinbaren. Er lebte in der Rosenquarz- Allee, nicht weit weg von meinem Wohnviertel. So konnte ich gleich noch bei den Technikern vorbeischauen, welche daran waren den rätselhaften  Attentats Roboter wieder zusammenzubauen. Sie waren schon ziemlich weit gekommen und ich nahm den Roboter genauer in Augenschein. Ich schaltete meine Scanner ein und tastete jedes Detail ab. Gleichzeitig suchte ich nach Übereinstimmungen in meinen Datenbanken, aber da war tatsächlich nichts. Mein Blick fiel auf den Überbleibsel einer grösstenteils abgeschliffenen Nummer, welche ziemlich gut versteckt im Hüftgelenk des fremdartigen Roboters eingraviert war. Es sah aus wie eine Elf. „Ist das der Teil einer Seriennummer?“ fragte ich die Techniker. Diese schauten genauer hin und der blonde, schlaksige Mann, welcher mir schon einmal Auskunft gegeben hatte, erwiderter: „Ja, es sieht fast so aus.“ „Wir sollten die Nummer an die Ermittler weitergeben, vielleicht finden sie etwas heraus. Ich werde mal ein paar Fotos davon und dem Rest machen und  auch noch Whright dazu befragen. Vielleicht weiss er mehr.“ „Ja, wenn einer mehr darüber weiss dann wohl er, denn dieser Roboter zeigt viele Übereinstimmungen mit den Robotern die er einst baute.“ „Das hörte ich. Also werde ich Salomon mal besuchen.“ Die Techniker nickten erneut zustimmend. Sie waren natürlich auch Eingeweihte, immerhin mussten sie sich um Adam kümmern.

So machte ich mich also auf den Weg zur nahegelegenen Rosenquarz- Allee. Die Wohnung von Whright war nach den Anschlägen, sehr gut gesichert. Doch man kannte mich und ich durfte ungehindert passieren. Whright lebte in einem etwas niedrigeren, zehnstöckigen Haus und zwar zuoberst. Auch die Rosequarz- Allee war ein sehr hübsches Viertel, in rosaweissen Tönen. Wundervolle Ornamente aus Rosenquarz, Kristallen, funkelnd geschliffenem Glas und Silber, schmückten die Fassaden. Die Dächer waren meist aus glänzendem Edelstahl, natürlich auch in den fliessenden Formen des Hundertwasser- Stils. Ich fuhr mit dem gläsernen Lift, dessen Rahmen mit edlen Einlegearbeiten, in den hier üblichen Pastelltönen verziert waren, ganz nach oben. Dort erwarteten mich nochmals zwei Roboterpolizisten. Doch als sie mich sahen, traten sie sogleich zurück und ich wurde hinein gebeten.

„Jenks!“ hörte ich eine freudige, vom Alter sanft gewordene Stimme rufen. Vor mir stand Salomon Whright, der grosse Erbauer von Adam! Immer wieder wurde ich mit Ehrfurcht erfüllt, wenn ich ihn sah. Er war ein freundlicher, schlanker, alter Mann mit gütigen Augen und halblangem silberweissem Haar. Früher hatte er noch einen Schnauzbart getragen, heute nicht mehr und man sah seine doch recht tiefen Falten, welche jedoch dem Gesicht seinen ganz eigenen, wunderschönen Charakter verliehen. Nein! Dieser Mann hatte bestimmt niemals etwas mit diesem Attentats Roboter zu tun! Ich tastete auch sein Bewusstsein ab und ich konnte keinen Falsch darin erkennen.

„Scannst du mich etwa durch Jenks?“ fragte Salomon scherzhaft. Ich zuckte leicht zusammen, warum wusste er das? „Ich äh…“ mehr wusste ich nicht zu sagen. „Das ist schon in Ordnung, “ winkte Salomon ab. „Aber natürlich würde ich schon gerne wissen, warum du das tust. Suchst du nach etwas Bestimmten?“ „Also…“ begann ich und ich fühlte mich auf einmal wie ein Kind, das nach einer Missetat vor seinem Vater stand. In gewisser Weise war Salomon ja auch der Vater von allen Robotern. Das machte es mir noch schwerer, ihm die Wahrheit zu sagen. „Nun…“ begann ich ein weiteres Mal und irgendwie konnte ich Salomons Blick nicht standhalten. „Eigentlich suchte ich nur nach einer Bestätigung für etwas, das ich sowieso schon immer wusste:  Dass du ein guter Mensch bist und bestimmt nur Gutes willst.“

„Natürlich!“ Der grosse Erbauer lachte warm. „Aber setz dich doch Jenks! Ich habe mir gerade Tee gemacht, schade kannst du nicht ein Tässchen mit mir trinken. Ich hatte eine englische Mutter, weisst du… aber klar weisst du das!“ korrigierte er sich sogleich. Er war noch immer ein Mann mit scharfem Verstand. Ich verzog mein Gesicht  zu sowas wie einem Lächeln, aber da ich nicht so fortschrittlich gebaut war wie Adam, gelang mir das nur bedingt. Salomon nickte verständnisvoll und goss sich eine Tasse Tee ein. Ich beobachtete den heissen Dampf, welcher dabei aufstieg. Dann sah ich mich um. Die Einrichtung hier, hatte viel von einem englischen Landhaus an sich. Die Tapeten trugen ein altes Floralmuster, das Sofa bestand aus dunklem Leder und auch die restlichen Möbel wirkten recht rustikal, mit einigen raren Schnörkeln an Füssen und Armlehnen. Salomon folgte meinem Blick. „Du wirst sicher feststellen, dass ich eine Vorliebe für den alten, englischen Stil habe. Ich habe darum auch meinen ganz besonderen Garten hier oben. Willst du ihn sehen? Er ist mein ganzer Stolz!“ „Klar!“ sprach ich „warum nicht.“ Ich folgte dem grossen Erbauer nach draussen auf sein Dach. Wie überall, hatte es auch hier einige Beete mit Gemüse. Doch daneben befand sich ein Art Wintergarten aus Glas.

Salomon öffnete dessen Tür und konnte es kaum glauben! Ich befand mich in einem wundervollen Garten, welcher sehr viel Ähnlichkeit mit den Gärten früherer Herrenhäuser hatte. Überall wuchsen wunderschöne Blumen und Stauden dicht an dicht. In der Mitte des Gartens befand sich ein runder Springbrunnen. Sauber geschnittene, niedrige Hecken umgaben ihn. Auch Bänke, ebenfalls im alten, englischen Stil, standen darum herum. Das schönste aber, waren die viele verschiedenfarbigen Rosenbäume, die es hier gab und welche sehr harmonisch in das Gesamtbild eingefügt waren. „Ich liebe Rosenbäume!“ sprach Whright mit einem Strahlen in den hellblauen Augen. „Ich hege und pflege sie wie meine Kinder. Ich weiss… eigene Rosen sind ein ziemlicher Luxus, aber… ich liebe sie einfach! Schau nur wie herrlich! Ein Wunder Gottes!“ Er nahm eine rosafarbene Rose, mit gelben Rändern, liebevoll in seine Finger und betrachtete sie. Auch ich konnte mich einer gewissen Begeisterung nicht entziehen. Sowas hatte ich nun doch noch nie mit eigenen Augen gesehen. „Sie sind wirklich wunderschön“, sprach ich und beobachtete die Reaktionen von Salomon eingehend. Er wirkte wie ein kleines Kind, das sich noch richtig an den Wundern der Welt zu erfreuen vermochte. Dass Salomon dies in seinem hohen Alter noch auf diese Weise konnte, war nicht selbstverständlich und ich merkte, wie ich ihn immer mehr in mein… ach… ich sage jetzt einfach mal… Herz, schloss.

„Aber ich werde aufs Alter noch sentimental“, korrigierte sich der Erbauer sogleich selbst. „Du bist ja nicht gekommen, um meine Rosen zu bewundern! Obwohl… ich habe Adam so konstruiert, dass auch er sowas wie Freude und Begeisterung für solche Dinge empfinden kann. Du hast ja einen grossen Teil seines Bewusstseins in dir und das lässt auch dich etwas mehr fühlen, als es bei normalen Robotern sonst der Fall ist.“ „Ich finde die Rosen auch wirklich sehr schön, “ gab ich zurück. „Alles hier ist wunderschön. Doch tatsächlich bin ich wegen etwas anderem gekommen.“ Dann gehen wir doch zurück ins Wohnzimmer und dann erzähl mir, um was es geht!“

Wir setzen uns wieder und ich erzählte in groben Zügen, warum ich hier war. Die Augen von Salomon blickten zutiefst erschrocken. „Eine neue Art von Roboter, als Attentäter? Ach du meine Güte! Das klingt übel!“ „Die Techniker sagten mir, dass er deine Handschrift trägt und doch etwas anders ist.“ „Meine Handschrift!?“ Einen Moment lang verlor Salomon die Beherrschung. „Ich würde nie und nimmer so eine Tötungsmaschine bauen! Meine Roboter waren immer da, um den Menschen zu helfen und sie zu unterstützen. Darum auch die unumstösslichen Protokolle!“ Er war ehrlich wütend und entsetzt, das stellte ich fest. Es hatte nichts damit zu tun. „Das hier ist der Rest einer Nummer, welche auf dem Roboter stand.“ Ich zeigte Salomon ein Hologramm davon und dieser nahm die Nummer genauer in Augenschein. „Ich weiss nicht…, schade ist die Nummer nicht ganz sichtbar. Aber die Bauart dieses Roboters…“ Er schaute auch die Hologramme der Fotos an, die ich von selbigen gemacht hatte. „Sie ist mir schon ziemlich vertraut. Ja… sie trägt Teile meiner Handschrift, aber… wie ihr richtig bemerkt habt, ist dieser Roboter dennoch das Werk eines anderen…“ Er schwieg und verfiel in tiefstes Grübeln. „Wer… könnte das sein? Es muss jemand sein, welcher meine Arbeiten sehr gut kennt. Ja, der mir vielleicht schon mal zugeschaut hat, als ich einen Roboter baute, oder mir sogar assistiert hat…“ Er hielt auf einmal inne und blickte auf. „Mobins, es sieht ganz nach Mobins aus.“ „Mobins, wer ist das?“ „Mobins Jenking! Er war lange mein Assistent. Wir waren wie Brüder, ich vertraute ihm alles an und er lernte mein Handwerk. Allerdings zerstritten wir uns schliesslich, denn Mobins liess sich von der Habgier und Angst leiten und wollte Roboter für den Krieg bauen. Für mich war es ganz klar, dass ich dies niemals dulden würde und so kam es, dass sich unsere Wege wieder trennten. Zwar hatte er einen Eid geschworen, wie jeder der mit mir zusammenarbeitete und Einblick in so wichtige Produktionen erhielt, aber diesen Eid hat er wohl gebrochen… Sollte er wirklich hinter diesem mechanischen Attentäter stecken, dann wäre es ihm gelungen die Protokolle zu umgehen und eine völlig neue Art von Roboter zu bauen. Roboter… die man dann für alle Zwecke, auch Kriegerische einsetzen könnte. Sie müssen ihn gekauft haben. Doch es fällt mir schwer das zu glauben.“ „Wir werden der Sache nachgehen“, gab ich zurück. „Über die Nummer lässt sich nichts Näheres herausfinden?“ „Wenn sie jetzt vollständig wäre schon. Z.B. die Herkunft eines Produkts.“ „Die Herkunft?“ rief ich aus. „Ja, die Herkunft, Herstellungszeit, Legierungstyp, sowas alles. Ich sehr nur eine Elf, doch es ist schwer zu beurteilen, welcher Teil der Nummer das ist. Wäre es die Herkunftsnummer, müsste das Marokko sein. Das die Terroristen  dort diese Tötungsroboter herstellen, ist gut möglich. Afrika hat einen grossen Reichtum an Rohstoffen und Bodenschätzen. Ausserdem haben sie dort viel Sonne, also an Energie fehlt es auch nicht. Vielleicht solltet ihr dieser Spur mal nachgehen.“ „Ja,“ gab ich beeindruckt zurück „das werden wir tun. Ich danke dir Salomon, du warst mir eine grosse Hilfe!...              

 

 

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    rosenquarz-allee klingt echt cool :) das gefällt mir

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